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Sabeth schreibt

Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus

Was ist unter welchen Umständen aus welchen Gründen Vergewaltigung, sexuelle, "sexualisierte" Gewalt – über ein erheblich reformbedürftiges Strafrecht, siehe u.a. den Fall Gina-Lisa Lohfink und über das bei Männern bzw. in der Gesellschaft nach wie vor verbreitete Frauenbild sowie deren (Un-) Kenntnis weiblicher Lust, Sexualität

 
Was ist unter welchen Umständen aus welchen Gründen Vergewaltigung, sexuelle, "sexualisierte" Gewalt – über ein erheblich reformbedürftiges Strafrecht, siehe u.a. den Fall Gina-Lisa Lohfink und über das bei Männern bzw. in der Gesellschaft nach wie vor verbreitete Frauenbild sowie deren (Un-) Kenntnis weiblicher Lust, Sexualität
 
 
Ich habe aktuell ein wenig recherchiert, den Fall allerdings (letztes Jahr) nicht mitverfolgt. Fragen, die sich mir aktuell stellen: In welchem Verhältnis stand Gina-Lisa Lohfink zu den beiden Männern - waren sie oberflächliche, neue Bekannte oder kannte sie beide oder einen von ihnen schon länger, war sie mit ihnen befreundet oder liiert?

Falls es sich um eine Vergewaltigung gehandelt haben sollte: Warum haben die beiden Männer diese gefilmt? Filmisches Dokumentationsmaterial könnte ja immer ein Risiko für sie darstellen.
Wer hat das Video wann wie wo aus welchen Gründen zum erstem Mal öffentlich zugänglich gemacht bzw. wie gelang es ihr, es als Beweismittel zu sichern - hätten die Männer es nicht umgehend gelöscht, wenn es Belastungsmaterial gewesen wäre?
Warum hat sie die Vergewaltigung (so es eine solche war) erst vier Jahre später zur Anzeige gebracht - anders gefragt: Was genau hat sie dazu veranlasst genau dann - nach vier Jahren - die Tat doch anzuzeigen, was war der Auslöser hierfür?
Warum hat sie sich Benecken als Anwalt genommen und nicht einen seriösen Anwalt, der es nicht auf "Promis" abgesehen hat ... ?
 
Hat von euch jemand das Video gesehen? Im Artikel ist von "Videos" die Rede - ein Fehler oder gibt/gab es mehrere? Welchen Eindruck hattet ihr davon?
Ich finde es einfach schwierig, sich als völlig Außenstehende ein Urteil zu bilden, hinsichtlich dessen, ob sie vergewaltigt wurde oder nicht.

Fraglos gibt es etliche Vergewaltigungen, die nie oder auch erst Jahre später angezeigt werden - häufig deshalb, weil die Frauen die Rache der Täter fürchten und/oder weil sie finanziell/wirtschaftlich, sozial oder emotional von ihnen abhängig sind, weil sie ggf. auch bedroht/unter Druck gesetzt werden (nicht Anzeige zu erstatten), weil sie mit dem Mann gemeinsame Kinder haben und dies die Situation häufig noch zusätzlich erschwert/belastet ... - trifft irgendetwas davon auf Gina-Lisa Lohfink zu?
 
Es ist tatsächlich ein wichtiger "Fall", schon deshalb, w e i l es tatsächlich, wie ich überzeugt bin, sehr häufig zu vermeintlich einvernehmlichen Sex bzw. Geschlechtsverkehr kommt, der nach aktuellen Strafrechtskriterien nicht als Vergewaltigung gilt, dennoch sexuelle Gewalt darstellt, weil die Frauen den "Sex" entweder tatsächlich gar nicht wirklich oder nicht auf diese Weise wollten - weil die Frauen aus verschiedenen Gründen dennoch zugestimmt und/oder sich nicht dagegen gewehrt, es über sich ergehen lassen haben und UM GENAU DIESE GRÜNDE, warum Frauen sich so verhalten, MÜSSTE ES EIGENTLICH GEHEN. Genau hierüber müssten Frauen viel häufiger "öffentlich" sprechen - damit: dieses Märchen vom "einvernehmlichen, freiwilligen Sex" aufgehoben wird. Siehe bspw. die Gründe, die ich oben gerade aufgelistet habe.
 
Und zu berücksichtigen ist dabei ebenfalls unbedingt: Hatte die jeweilige Frau tatsächlich Freude an diesem Sex? Hat sie körperliche Lust, Erregung und auch Lustbefriedigung erlebt? Oder hatte sie Schmerzen, fühlte sie sich benutzt, misshandelt, erniedrigt, gedemütigt dabei und/oder danach? Auch wenn sie dies nicht verbal äußerte, so war es ihr möglicherweise durchaus anzumerken: dass/wenn sie keine eigene "Freude", Gefallen an diesem Sex hatte.
DARUM müsste es gehen.
 
War dergleichen auf den Videos zu sehen, zu erkennen? Ich denke, gerade dann, wenn eine Frau aufgrund von diversem Substanzeinfluss nicht wirklich bei sich ist ..., ist ihr noch deutlich schneller bzw. eben deutlicher anzumerken, ob es ihr wirklich authentisch "gefällt", was gerade passiert, was sie tut, was an ihr "vorgenommen wird" oder ob es ihr nicht gefällt - sie kann dann weniger gut eine Rolle spielen.
Denn dass nicht wenige Frauen eben leider durchaus beim Sex etwas, d.h. eigene Lust, Erregung und Orgasmen, vorspielen, wissen wir längst. Das tun Porstituierte - weil es von ihnen erwartet, verlangt wird ... und das tun auch Beziehungspartnerinnen - aus verschiedenen Gründen.
 
Aber nur, weil jemand etwas - aus Gründen (siehe oben!) vorspielt, bedeutet das eben nicht, dass das ein Beweis sein kann dafür, dass keine sexuelle Gewalt stattgefunden hat. Entscheidend ist meiner Ansicht nach eben genau das: WIE GING ES DER FRAU TATSÄCHLICH PHYSISCH UND PSYCHISCH-EMOTIONAL DABEI UND DANACH? Und war ihr anzumerken oder hat sie sogar verbal geäußert - dabei oder danach - dass und was sie (weshalb) nicht will, nicht wollte ... ?
 
 
Wenn aber dies zutreffend sein sollte (ist es das?):

"[...] Es erschließe sich ihm auch nicht, so Fischer, dass Benecken die Sprungrevision eingereicht hat. Der Antrag ziele darauf ab, das Urteil aufzuheben und erneut vor dem Amtsgericht zu verhandeln. Wo solle da der Vorteil sein, verglichen mit einer Berufung vor dem Landgericht, wenn der Fall doch ohnehin neu aufgerollt werden solle?
"Sinn macht die Argumentation eigentlich nur, wenn man von der völligen Aussichtslosigkeit seines Rechtsmittels überzeugt ist und nur um des schönen Scheins willen nicht kampflos aufgeben will", sagte Fischer, der seit drei Jahren Senatsvorsitzender ist. [...]"
 
Warum ist sie mit ihrem Anwalt dann genau so vorgegangen - und hat nicht zunächst Berufung vor dem Landgericht eingelegt, den üblichen Rechtsweg also gehend?
 
Und da sich nun sicher (vor allem mancher Mann) die Frage stellt:
Ja wie um alles in der Welt soll ein Mann dann wissen können, ob eine Frau den Sex mit ihm auf diese Weise (wie er stattfindet) nun will oder nicht, ob sie wirklich Lust dabei empfindet und es wirklich aus eigener Lust, eigenem Entschluss, also wirklich/echt/authentisch freiwillig und einvernehmlich tut oder nicht - so lässt sich darauf Folgendes antworten:


Es ist wie überall: Es ist dafür schlicht Empathie und Mitgefühl erforderlich. Wenn man(n) nicht völlig ignorant, abgestumpft und durch Pornokonsum maximal indoktriniert/manipuliert ist, wenn man ein wenig Erfahrung, Kenntnis im sexuellen Umgang/Kontakt mit Frauen hat bzw. der Frau gegenüber einfach aufmerksam, zugewandt und nicht nur mit sich selbst (dem eigenen Körper, der eigenen Geilheit, dem eigenen Trieb und Willen, den eigenen Wünschen) befasst ist, dann: merkt man durchaus, ob es dem Anderen gerade "gefällt" oder nicht, ob er etwas vorspielt (und womöglich sogar die Zähne zusammenbeißt ...) oder nicht – man merkt üblicherweise, ob der Andere wirklich Lust empfindet, wirklich erregt ist, wirklich will, was gerade wie passiert, wie man interagiert oder ob sie/er das so nicht will, nicht als angenehm empfindet, nicht wirklich damit einverstanden ist, sich damit nicht wohlfühlt.

Wer das absolut n i c h t merkt, wahrnimmt, spürt, erkennt, sollte sich über sich selbst dringend Gedanken machen und sich intensiver mit der sexuellen Lust der Frau im Allgemeinen und mit der der jeweiligen (Sexual-) Partnerin im Besonderen beschäftigen - also: sich informieren, durch Austausch und Erfahrungen durchaus auch nonverbal "lernen".

Genau hierin aber liegt das Grund- und Hauptproblem: So viele Männer wissen noch immer deutlich zu wenig über "die Lust der Frau". Und das: aus Gründen! Denn um diese Lust geht es meist gerade nicht - schon gar nicht in gängigen, mehrheitlich konsumierten Pornos.

Das aber: ließe sich ändern - so mann will.
 
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"[...] Mythen über sexuelle Gewalt werden von Männern und Frauen akzeptiert; von Männern jedoch häufiger.[6] Nach Studien der Psychologin Diana Russell liegt ein Zusammenhang zwischen Pornographiekonsum und der Akzeptanz von Vergewaltigungsmythen vor.[5][8] Gerd Bohner entdeckte einen kausalen Zusammenhang zwischen der Akzeptanz von Vergewaltigungsmythen und der selbst berichteten Vergewaltigungsneigung von Männern. [...]"
 
Quelle: Wikipedia - "Vergewaltigungsmythos", Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
Es sage nur kein Mann, er sei Opfer seines (selbst gewählten, selbst/freiwillig entschiedenen!) Pornokonsums. - Richtig ist aber natürlich, dass der Frauenhass schon vorher da war bzw. ist (und das meist schon lange ...).
 
"[...] Sexualisierte Gewalt ist auf Grund der genannten Strukturprobleme grundsätzlich nicht einfach zu verfolgen oder – was wichtiger wäre – zu verhindern (vgl. jüngst die Studie von Liz Kelly/Jo Lovett, Different systems, similar outcome? Tracking attrition in reported rape cases across Europe, 2009). In einigen Ländern gibt es aber rechtliche Regelungen, welche besser auf diese Strukturprobleme eingehen wie bspw. die Fahrlässigkeitsstrafbarkeit in Norwegen, mit der nicht mehr das Opfer beweisen muss, dass es alles getan hat, um ein Missverständnis des Täters über sein Einverständnis in die sexuelle Handlung auszuschließen, sondern der Täter darlegen muss, dass er sich Klarheit über das Einverständnis verschafft hat. Das sind kleine Verschiebungen mit großer Wirkung. Im europäischen Vergleich ist die deutsche Verurteilungsquote von 13% tatsächlich unterdurchschnittlich.
 
Woran liegt es, dass so wenige Fälle zur Verurteilung kommen?
Das ist eine Frage, mit der sich Udo Steinhilper bereits vor einem Vierteljahrhundert beschäftigt hat (Definitions- und Entscheidungsprozesse bei sexuell motivierten Gewaltdelikten, 1986). Schon damals wurden hauptsächlich Beweisschwierigkeiten für die defizitäre Strafverfolgung verantwortlich gemacht. Es ist zutreffend, dass die Strafverfolgung von Sexualdelikten mit nicht unerheblichen Beweisproblemen kämpft, da die Taten meist ohne Zeug/innen und oft auch ohne eindeutig verwertbare sonstige Beweise erfolgen. Allerdings genügte diese Erklärung allein schon Udo Steinhilper nicht. Er stellte fest, dass es auf allen Ebenen der Strafverfolgung (Polizei, Staatsanwaltschaft, Gericht) zu Prozessen der Selektion durch Einstellung oder Umdeutung kommt. Wie wir heute wissen, sind diese Selektionsprozesse wesentlich durch Sexualitätsmythen, Geschlechterstereotype und opferbeschuldigendes Alltagswissen geprägt. Es gibt diverse völlig falsche Vorstellungen darüber, wann wirklich eine Vergewaltigung vorliegt, wie sich Frauen gegenüber Männern  verhalten sollten, wann freiwilliges Einverständnis in sexuelle Handlungen vorliegt, welche Einflussmöglichkeiten das Opfer auf den Tatverlauf hat, welche Folgen ein sexualisiertes Gewaltdelikt für die Betroffenen haben kann, wie sich Traumata äußern etc.
 
Hinzu kommt, dass Sexualität ein Themenbereich ist, mit dem sich juristische Instanzen ohnehin schwer tun und den sie gerne aus ihrer Entscheidungspraxis heraushalten. In vielen Konstellationen ist das eine richtige Intuition, denn einverständliche Sexualität zwischen Erwachsenen sollte in der Tat nicht von Gerichten beurteilt werden. Ein völlig anderes Thema ist aber sexualisierte Gewalt, die als schwerwiegende Rechtsverletzung selbstverständlich gerichtlicher Sanktion zugänglich ist. Die Unterscheidung zwischen Sexualität und sexualisierter Gewalt scheint aber nicht immer zu gelingen. Auch besteht im juristischen Diskurs wenig Klarheit über einen angemessenen Gewaltbegriff – entsprechende gesetzgeberische Bemühungen zur Klärung werden von Rechtspraxis und Rechtswissenschaft vielfach ignoriert – und Gewalt im Geschlechterverhältnis wird überhaupt nicht diskutiert.
 
Schließlich gibt es interessante Forschungen darüber, warum Menschen sich von Opfern abgrenzen, ihnen die Glaubwürdigkeit absprechen oder ihnen erhebliche Mitschuld an einer Tat unterstellen (Just World Theory, Defensive Attribution Theory). Gegen die solchem opferbeschuldigenden Verhalten zugrunde liegenden Wünsche, dass in der Welt kein unbegreifliches Unrecht geschehen möge – weshalb das Opfer einfach irgendetwas falsch gemacht haben muss – und dass die eigene Person nicht in Gefahr sein möge – weshalb eine starke und abwertende Abgrenzung vom Opfer stattfindet – sind auch Richterinnen und Richter nicht gefeit.
 
Opferverbände weisen darauf hin, dass die meisten Vergewaltigungen oder sexuellen Nötigungen zwischen Menschen vorfallen, die sich bereits kennen oder eine Beziehung führen. In diesen Fällen fällt es Gerichten besonders schwer, zu verurteilen. Warum?
Zum einen gibt es immer noch eine weit verbreitete Vorstellung davon, wie eine „richtige“ Vergewaltigung aussieht: Ein fremder, vermutlich psychisch gestörter Täter überfällt die junge Frau abends oder nachts an einem gefährlichen Ort (Park, Unterführung, Parkhaus etc.) und zwingt sie mit massiver Gewalteinwirkung zu sexuellen Handlungen. Dieses Bild ist in der Forschung seit mindestens drei Jahrzehnten überholt (in der Wirklichkeit traf es nie zu), aber es sitzt ganz fest in den Köpfen. Tatsache ist, dass nur eine Handvoll Täter/innen psychisch beeinträchtigte sog. Triebtäter sind. Tatsache ist, dass es selbst im Hellfeld der polizeilichen Kriminalstatistik nur in 16% der sexualisierten Gewaltdelikte gar keine Vorbeziehung zwischen Täter/in und Opfer gab, in 60% der Fälle sind sie verwandt oder gut bekannt, dieser Effekt dürfte im Dunkelfeld massiv verstärkt sein. Dem folgend ist oft auch die physische Gewalteinwirkung sehr gering, da ein Übergriff von vertrauten Täter/innen oder gar Intimpartner/innen nicht auf Gewalt angewiesen ist.
 
Tatsache ist ferner, dass Alter oder Aussehen des Opfers nicht relevant für die Tatbegehung sind. (Es ist nervig, aber offensichtlich notwendig, das ständig zu wiederholen.) Und schließlich ist Fakt, dass Frauen – und das gilt auch für Straftaten wie Körperverletzung oder Tötungsdelikte – nicht primär im öffentlichen Raum, sondern in ihrer Wohnung bzw. der Wohnung ihres Partners besonders gefährdet sind. Vergewaltigung ist weit überwiegend ein Beziehungsdelikt. Und die Gefahr einer Traumatisierung der betroffenen Person ist bei Gewalt durch vertraute Täter/innen immer besonders hoch.
 
Dessen ungeachtet gibt es eine deutsche Rechtsprechungstradition, sexualisierte Übergriffe in Intimbeziehungen als sog. minder schweren Fall grundsätzlich milder zu bestrafen. Im Gesetz gibt es dafür keinen Anhaltspunkt, aber man muss sich vor Augen halten, dass in Deutschland die Vergewaltigung in der Ehe erst 1997 vom Sexualstrafrecht erfasst wurde. In Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichten wird die Ansicht vertreten, der Staat solle sich nicht in Privatangelegenheiten einmischen. (Dass Gewaltdelikte keine Privatsache sin, muss hier wohl nicht betont werden. Aber die Frauenbewegung hat nicht umsonst die Erkenntnis „Das Private ist politisch!“ weit bekannt gemacht.) Diese Argumentation mit dem Privaten war auch eines der Haupthindernisse beim Kampf gegen häusliche Gewalt, allerdings scheint hier inzwischen doch ein Umdenken stattgefunden zu haben. Dies geht soweit, dass Kolleginnen aus der Schweiz berichten, dass von sexualisierter Gewalt betroffene Frauen lieber die rechtlichen Möglichkeiten gegen häusliche Gewalt nutzen und über die sexualisierte Gewalt schweigen, weil sie befürchten, sonst keinen staatlichen Schutz zu erlangen. Ich denke, sexualisierte Gewalt ist auch ein Thema, mit dem sich Gerichte ungern befassen.
 
Dass Instanzen der Strafverfolgung sich ungern mit der Thematik befassen und auch die aktuelle (naja, teilweise eben dreißig Jahre alte) einschlägige Forschung nicht zur Kenntnis nehmen, hat massive Auswirkungen für Betroffene von sexualisierter Gewalt. Empirische Studien haben sich damit beschäftigt, welche Umstände der Tatbegehung sich wie auf die Glaubwürdigkeit des Opfers auswirken. Dafür wurde Jurist/innen die Beurteilung fiktiver Fälle aufgegeben, bei denen immer nur einzelne relevante Variablen geändert wurden. Ergebnis war, dass die Vorbeziehung zwischen Täter/in und Opfer signifikanten Einfluss auf die Bewertung des Falles und der Glaubwürdigkeit des Opfers hatte, auch wenn alle anderen Faktoren identisch blieben. Als Faustformel kann gesagt werden: Je näher bekannt Täter/in und Opfer waren, umso mehr Verantwortung für das Tatgeschehen wurde dem Opfer zugeschrieben und umso mehr nahm seine Glaubwürdigkeit ab. Einen sachlichen Grund gibt es dafür nicht, aber das Gefühl ist sehr stark und kann das gesamte Verfahren prägen. [...]
 
Die Falschanzeigenquote bei Sexualdelikten liegt nach der jüngsten, rechtsvergleichenden Studie übrigens bei 3%. Ältere Studien ganz unterschiedlicher Herkunft gehen von Größenordnungen zwischen 2% und 8% aus. Dem stehen Vorstellungen der Angehörigen der beteiligten Strafverfolgungsorgane gegenüber, die in Einzelfällen von Quoten um 50% oder mehr ausgehen. Solche Falschvorstellungen in den beteiligten Professionen sind ein massives Hindernis für eine effektive Strafverfolgung und schädigen die Opfer. Es ist nicht zielführend, Rechtsstaat und Opferschutz gegeneinander auszuspielen; der Opferschutz ist ebenso vom Rechtsstaat gefordert wie die Unschuldsvermutung. [...]
 
Das Problem bei der Strafverfolgung sexualisierter Gewalt liegt aber weniger auf gesetzgeberischer Ebene als bei den Instanzen der Strafverfolgung. Hier ist zu fordern, dass sich nur qualifizierte Kräfte mit sexualisierten Gewaltdelikten befassen. Offensichtlich reichen weder die polizeiliche Ausbildung noch ein Jurastudium aus, um die notwendigen Kompetenzen zu erwerben. Zu fordern sind also massive Bemühungen bei der Aus- und Weiterbildung von Polizist/innen, Staatsanwält/innen und Richter/innen, welche sie dazu befähigen, sich eines sehr schmerzvollen und berührenden Themas ernsthaft anzunehmen, eigene Stereotype zu reflektieren sowie aktuelle einschlägige Forschung wahrzunehmen und zu verarbeiten. Auch die höchstrichterliche Rechtsprechung muss sich dringend ändern, da von ihr eine Signalwirkung ausgeht. [...]"
 
Quelle: missy-magazine.de - "Der derzeitige Zustand ist nicht hinnehmbar"; farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 

Streitsache Sexualdelikte: Zahlen und Fakten

frauen-gegen-gewalt.de

 
Nein, dieses Urteil überrascht mich nicht im Mindesten.
Wie gesagt: Das Problem ist nun nicht mehr das Gesetz/die Gesetzesgrundlage, sondern DIE EXEKUTIVE - das fängt bei den polizeilichen Ermittlungen und Vernehmungen (der Opfer, der geschädigten Frauen!) an - wie diese vonstattengehen ... - und hört mit entsprechendem Richterurteil auf.
Oder das Verfahren wird zuvor eingestellt, weil Aussage gegen Aussage steht, es weder Beweise noch Zeugen gibt/gab und man "im Zweifel für den Angeklagten", zu also seinen Gunsten entscheidet - und damit alle Opfer, alle beschädigten Frauen damit noch ein zusätzliches Mal beschämt, erniedrigt, verhöhnt, vorführt und massiv belastet. Vor allem: zum Schweigen bringt. Und genau d a r u m geht es.
 
Denn wer diese Prozedur ein Mal mitgemacht hat und der Täter also staatlich geschont und geschützt wird, der bzw. die wird "beim nächsten Mal" nicht mehr Strafanzeige gegen den/die Täter erstatten.
 
Und wir wissen, wie häufig Frauen Opfer von männlicher Gewalt, auch gerade sexueller Gewalt werden - nicht selten: wiederholt in ihrem Leben und vor allem: sehr häufig innerhalb von Beziehungen. Gerade diese Täter werden jedoch am seltensten - wenn überhaupt - verurteilt (siehe Statistik).
 
Und selbst wenn es Beweise gibt: wird auch dann durch die Exekutivorgane das Geschehen so "interpretiert" bzw. so manipulativ gefragt, dass der Täter wiederum geschont, geschützt, d.h. nicht verurteilt wird.
 
Jeder nicht verurteilte Täter lernt daraus Folgendes:
Ich kann mich Frauen gegenüber so schäbig und so gewaltvoll verhalten (wie ich will ...), sie sogar physisch und psychisch misshandeln und das überdies wiederholt - mir: passiert n i c h t s.
 
Und genau das ist die Aussage, die "message", die vermittelt werden soll.
 
Ja: Patriarchat. Immer wieder. Immer noch. Strukturelle Gewalt.
 
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Schützen Sie sich vor Gehirnwäsche, indem Sie ihre Mechanismen erkennen!
 
Zu den wichtigsten gehören:
  1. Isolation, im Privatleben das Fernhalten vom Rest der Familie und Freunden.
  2. Schlechtmachen, Demütigen und Beleidigen, bis man sich wertlos fühlt. Der Peiniger baut sich nach und nach zum einzigen Vertrauten auf, allen anderen ist zu misstrauen.
  3. Undurchschaubare, willkürliche Belohnungs- oder Bestrafungsaktionen, die so unsicher machen, dass man den eigenen Wertmaßstäben nicht mehr traut.
  4. Gewalt oder Gewaltandrohung, die passiv und fügsam macht.
Wer so behandelt wird, erleidet einen allmählichen und tiefgreifenden Persönlichkeits- und Identitätsverlust. Das alles geht schrittweise vor sich. Es ist leicht, in so eine Beziehung hineinzugeraten – und umso schwerer, sich daraus zu lösen.
Deshalb möchte ich allen Betroffenen sagen: Es ist nicht Ihre Schuld, wenn Ihnen so etwas passiert! Und lassen Sie sich helfen, wenn Sie in so einer Beziehung stecken!“
Rosalind B. Penfold, Kanada

Edith Beleites, Übersetzerin des Buches „Und das soll Liebe sein?“ und der „Warnsignale“:
„Wenn Rosalind Penfold auf die Professionalität hinweist, mit der Gehirnwäsche bei Staats- und Systemgegnern betrieben wird, um sie zu beherrschen, heißt das nicht, nur Profis seien dazu in der Lage. Ein manipulativer Partner, der vielleicht nicht einmal bewusst vorgeht, tut das Gleiche. Denn die 4 genannten Punkte sind typisch für die meisten zerstörerischen Beziehungen.
 
Was immer die Motive des Partners sein mögen: Er kann keine anhaltende Befriedigung erreichen, sondern holt sich von Mal zu Mal, was er braucht, durch immer neue Schikanen, Übergriffe, Kontrolle und Gewalt. Stillhalten und Hoffen auf Besserung erhält die zerstörerische Beziehung, und erst dadurch wird sie, was man verhindern will: immer schlimmer. Bis man kaputt geht und nicht einmal mehr die eigenen Kinder schützen kann." [...]"
 
Quelle: frauenberatungsstellen-nrw.de - "Gehirnwäsche"; farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
Was ist unter welchen Umständen aus welchen Gründen Vergewaltigung, sexuelle, "sexualisierte" Gewalt – über ein erheblich reformbedürftiges Strafrecht, siehe u.a. den Fall Gina-Lisa Lohfink und über das bei Männern bzw. in der Gesellschaft nach wie vor verbreitete Frauenbild sowie deren (Un-) Kenntnis weiblicher Lust, Sexualität
Und so auch mit sexueller Gewalt/Vergewaltigung. Man sagt: "Sie wurde vergewaltigt.", "Ich wurde vergewaltigt." - Statt: Er vergewaltigte. Ja: Der Fokus müsste endlich vor allem mal auf die Persönlichkeitsstruktur der Täter gelegt werden - auf die Gemeinsamkeiten, die Täter haben, kennzeichnen. Das könnte vorbeugen und Frauen schützen helfen - und das: g e r a d e innerhalb von Beziehungen - wo die meiste häusliche/Beziehungs- und sexuelle Gewalt getätigt wird!
 
Worum es geht:

Den bzw. die Täter in den Blick zu nehmen, statt sie hinter den Opfern, den Geschädigten, verschwinden zu lassen und sie, die Täter, damit zu schützen, zu schonen, aus der Verantwortung zu entlassen, sie unsichtbar zu machen - was transportiert (und transportieren s o l l), dass die Opfer letztlich mehr oder weniger selbst schuld seien, dass sie außerdem - siehe Opferbegriff und was damit häufig assoziiert wird - wohl zu schwach, dumm oder anderweitig unfähig waren, die Tat zu vermeiden, zu verhindern - als sei eben dies die Aufgabe der Opfer - was sie de facto keinesfalls ist.

Es wird begrifflich zumeist nicht unterschieden zwischen Opferrolle, die Menschen einnehmen (möchten), die sich selbst zu Opfern stilisieren, ohne tatsächlich Ge-/Beschädigte zu sein (siehe victim blaming - die Täter-Opfer-Umkehr zu Manipulationszwecken, aus taktischen Gründen) und Opferstatus, den eben jene zweifelsohne tatsächlich "innehaben", die ge-/beschädigt wurden: von einem Täter.

Sie sind also nur deshalb Opfer, w e i l es eine Tat und somit einen (oder mehrere) Täter gab bzw. gibt. - Sie wären ohne diesen Täter folglich keine Opfer (geworden).

Davon aber lenkt genau diese Strategie - absichtlich - ab: Indem Opfer in den Vordergrund gestellt und damit instrumentalisiert, vorgeführt und zusätzlich beschämt und beschädigt werden. Keineswegs geht es hierbei um Mitgefühl für Opfer - denen verächtliches, überhebliches Mitleid nicht im Mindesten hilft.
Es geht wie gesagt darum, den Blick vom Täter wegzuführen - um ihn zu schützen, zu decken, zu schonen. - Auf diese Weise bleibt der Täter unbehelligt und kann sich so seiner Verantwortung, auch seiner Schuld also, sehr leicht und bequem entziehen.

Und dem Opfer wird noch zusätzlich, noch ein weiteres Mal der "Schwarze Peter" zugeschoben. Denn es ist nun das Opfer, das sich rechtfertigen, erklären und eben vorführen und beschämen lassen muss.
 
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Viel mehr Aufklärung über nach wie vor verbreitete Vergewaltigungsmythen.
 
Verpflichtende Fortbildung für Exekutivorgane, dort tätige Personen wie bspw. ermittelnde PolizeibeamtInnen, Staatsanwälte, Richter. - Eigentlich vor allem auch, dass nur StaatsanwältInnen und RichterInnen hier urteilen dürfen/entscheidungsbefugt sind - auch wenn das keine "Garantie" ist, wie wir kürzlich wieder feststellen mussten (Lohfink).

Denn gerade auch bei diesen Personen (Exekutive) sind Unkenntnis, fehlende, angemessene Kenntnis (auf aktuellem Wissensstand) und Vergewaltigungsmythen tatsächlich leider durchaus vorhanden und erheblich Einfluss nehmend ... .
Es scheitert die Verurteilung der Täter weniger am Gesetz (siehe 177) als an der Exekutive.
 
Hier würde ich mir für anzeigende/angezeigt habende Frauen deutlich mehr Unterstützung wünschen - bspw. von Initiativen, Frauenberatungssstellen - noch immer ist es sehr schwer, eine Rechtsanwältin zu Rate ziehen/zu Hilfe holen zu können, wenn man nicht die finanziellen Mittel (schon für die Erstberatung) hat - und erforderlich sind definitiv entsprechend qualifizierte und erfahrene Anwältinnen.
 
Deutlich mehr Aufklärung zu Persönlichkeitsmerkmalen/-strukturen von Tätern/Täterprofile - gerade in Bezug auf Beziehungsgewalt - solche Information könnte vorbeugen helfen!
 
Schluss mit victim blaming! - Hierfür ist wiederum Aufklärung unabdingbar- bereits in Schulen übrigens.
 
Gibt es eigentlich irgendein Forum oder eine Plattform von Frauen, die sexuelle Gewalt angezeigt haben - sind diese Frauen irgendwo vernetzt/im Austausch, gibt es hierfür ein (Internet-) Angebot?
 
... Ich schrieb übrigens nicht (wie so von jemandem leider aber bereits missverstanden worden), es müssten Unschuldige verurteilt werden, ich schrieb: Es müsste der Fokus mehr auf Täterpersönlichkeitsprofile, gemeinsame Merkmale, Persönlichkeitsstruktur gelegt bzw. die Zusammenhänge zwischen bestimmten Persönlichkeitsstrukturen/-merkmalen und der Neigung zu (sexueller) Gewalt untersucht werden. Ich meine bspw., dass es einen Zusammenhang insbesondere bei narzistisch persönlichkeitsgestörten Menschen und auch sogen. autoritärem Charakter (siehe bei Erich Fromm nachlesbar) gibt. - Es interessiert mich, ob es hierzu bereits Forschung gab oder gibt - offenbar nicht. Das halte ich für fatal. Denn es sind die Täter den Frauen mehrheitlich bekannt, sie stehen miteinander häufig in einem Vertrauensverhältnis und eben dieses (!) macht alles Weitere überhaupt erst möglich ... . Und ich denke schon, es könnte - wenigstens einigen - Frauen helfen, hier gewissermaßen vorgewarnt zu sein, wenn man Genaueres wüsste - siehe oben (Zusammenhänge ...).

Über Pornographie und Prostitution müssen wir uns nicht unterhalten - ganz klar sind beide Mittel zu Zweck - um patriarchalische Strukturen (rings um den Globus) zu zementieren, das Machverhältnis zu demonstrieren - aus männlicher Sicht. Natürlich müsste hier Etliches passieren, um dem entgegenzuwirken - insbesondere bereits zu Hause (elterliche Erziehung/Umgang mit Kindern, Väter als Vorbildfunktion ...) und dann auch in Schulen. Allein: Dies findet kaum bis gar nicht statt.

Wertschätzung - ja, eben hierum geht es ja. Zu oft wertschätzen aber gerade Männer und patriarchalisch geprägte Gesellschaften, Kulturen, Frauen gerade nicht (siehe u.a. auch wiederum Porno und Prostitution bzw. Freiertum/"Sex"-/Frauenkauf).

Und ja, es ist verständlich, dass Geschädigte Abstand bekommen möchten, aber
es kann auch eine Menge mit empowerment zu tun haben bzw. solches darstellen, wenn Frauen gerade offen/offensiv nach außen gehen - ich würde mir daher parallel zu "Ich habe nicht angezeigt" "Ich h a b e angezeigt!" wünschen.

Denn dies könnte andere Frauen ggf. bestärken, ermutigen, selbst auch anzuzeigen und vor allem wäre es wichtig, dass die angezeigt habenden Frauen sich untereinander/miteinander austauschen, vernetzen, in Kontakt treten könnten - ich habe bisher nichts dergleichen finden können. Und halte das für eine eigentlich unverzeihliche Lücke.


Nach wie vor finde ich erforderlich, dass es Studien und Information dazu gibt, welche und wieviele Anzeigen aus welchen Gründen jeweils zu Verurteilungen von Tätern führten und welche aus welchen Gründen nicht.
Doch, ich bin mir ziemlich sicher, dass man das eruieren könnte, man will es allerdings nicht (jedenfalls es nicht öffentlich machen), um Frauen nicht abzuschrecken, Anzeige zu erstatten - denn wir wissen ja eigentlich durchaus bereits, dass im Grunde so ziemlich alle Anzeigen gegen sexuelle Gewalt innerhalb von Beziehungen so gut wie keine Aussicht auf "Erfolg", d.h. auf Täterverurteilung haben - was bedeutet: Gerade da, wo sexuelle (und andere) Gewalt am häufigsten stattfindet, bleiben die Täter fast ausnahmslos unbehelligt.


Ja: Das müsste sich dringend ändern - lassen. ...
 
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Das Hauptproblem ist eben dies, dass es diese unsäglichen Vergewaltigungsmythen noch immer gibt - dass Menschen immer noch denken, es sei ein Mann, der Frauen vergewaltigt, der sexuelle Gewalt anwendet, ein der Frau Fremder, Unbekannter, als habe sie es außerdem selbst irgendwie doch provoziert, als habe sie sich nicht ausreichend gewehrt oder es eigentlich selbst gewollt (was wie passierte - auch: wie häufig, wie regelmäßig möglicherweise - siehe sexuelle Gewalt in Beziehungen, wo sie am häufigsten stattfindet!), als seien diese Männer "Triebtäter" usw.. - All das ist nachweislich falsch - sind Mythen.
 
Leider führen sie jedoch dazu, dass sogar betroffene, beschädigte, vergewaltigte Frauen selbst in Frage stellen, anzweifeln, ob es sich bei dem ihnen Zugefügten um sexuelle Gewalt handelt(e) und dass Frauen sich selbst die (Mit-) Schuld daran geben, dass geschah, was wie "geschah". Es ist gerade diese Verunsicherung auf Seiten der Frauen, die gewollt, die beabsichtigt ist!
 
Und das nicht etwa deshalb, weil sie sich "nachträglich in etwas hineinsteigern" oder etwas "zusammenphantasieren", weil sie "Aufmerksamkeit erregen wollen" oder "sich in der Opferrolle so gut gefallen" und auch nicht aus Rache, sondern:

Die Frauen wissen, wussten und spür(t)en (!) sehr wohl in der jeweiligen Situation (jedes Mal!) selbst genau, dass ihnen n i c h t gefiel, was mit ihnen, an ihnen wie getan oder von ihnen erwartet oder verlangt wurde, dass sie es (so) n i c h t wollten - sie spürten ihre eigene (wenigstens innere) Abwehr, den (auch emotionalen) Schmerz, Angst, Hilflosigkeit, Ausweglosigkeit, Traurigkeit, Wut und Verzweiflung - vielleicht durchaus auch Ekel, aber sie machten es dennoch mit oder ließen es über sich ergehen - die, jedenfalls einige, Gründe dafür nannte ich an anderer Stelle bereits, siehe dort.
 
Und viele dieser Gründe liegen genau darin, dass es diese Vergewaltigungsmythen gibt, dass Täter noch immer zu selten verurteilt werden, dass Frauen sexuelle Gewalt (gerade "häusliche", Beziehungsgewalt) - aus "guten", nachvollziehbaren Gründen ... ! - noch immer zu wenig zur Anzeige bringen, w i e die Taten seitens der Exekutiv-/Justizbehörden und -personen (!) eingeordnet, beurteilt, untersucht, verfolgt werden - ob überhaupt oder ob nicht.

Dass betroffenen, beschädigten Frauen noch immer mit erheblichem Misstrauen in der Gesellschaft, aber eben auch bei Polizei, Staatsanwaltschaften, Gerichten begegnet wird, dass sie deutlich "zu wenig" bis gar nicht unterstützt werden (vor, während, nach einer Anzeige und im gerichtlichen Verfahren).
 
Nicht zuletzt sorgen Geschlechterklischees, die durch überall aggressiv verbreiteten Sexismus (siehe Werbung, Medien, Filme, Musik ...) zementiert, statt aufgebrochen werden, zusätzlich dafür, dass diese Missstände bestehen bleiben und vor allem liefern PORNOGRAPHIE UND LEGALER "SEX"KAUF Männern die Möglichkeit, Frauen "ganz legal", d.h. legalisiert, benutzen, misshandeln, erniedrigen, entwerten, beschädigen - VERGEWALTIGEN - zu dürfen.

Und die Indoktrination ist auf diesem Terrain dermaßen erfolgreich, dass sogar Frauen selbst nicht (mehr) erkennen, dass es hierbei (Porno, Prostitution) nicht im Mindesten um Sex, Leidenschaft, Lust (-erzeugung und -erfüllung) VON FRAUEN geht, sondern dass Frauen hier ausschließlich als Gegenstände, Objekte dienen, die dem Mann verfügbar gemacht werden, zu sein haben, die der Mann sich nimmt, die der Mann sich unterwirft.
 
Es geht hierbei nicht um Leidenschaft und Lust - es geht einzig um Machtdemonstration, um das Erniedrigen, Entwerten von Frauen, darum, Sex als Mittel, als Ventil für männliche Kompensationsbedürfnisse zu benutzen, zu missbrauchen, zu pervertieren.
Es geht darum, die Bedürfnisse, Wünsche, Befindlichkeiten, die Lust der Frau vollständig ignorieren, übergehen bzw. gewaltvoll unterdrücken, sie ihr im Grunde "austreiben" zu wollen - und: es sogar zu dürfen: legal(isiert) und GESELLSCHAFTLICH AKZEPTIERT, überdies aggressiv beworben und gefördert.
 
Hier macht mann das nicht immer, nicht grundsätzlich, nicht mehr nur mittels bereits im Vorhinein brachialer Gewalt, mittels gewaltvoller Überwältigung der Frau, mittels Genitalverstümmelung oder Keuschheitsgürteln ... - man macht es auf perfideste Weise:
Indem man Pornographie als Leidenschaft, als "richtigen, guten Sex" anpreist, bewirbt, indem man die darin dargestellte GEWALT an (mehrheitlich) Frauen als normal, richtig, gut, geil, "animalisch" etc. bezeichnet und: verkauft; indem man alles, das davon abweicht, als prüde, verklemmt, frigide, spießig, langweilig, kindlich, als "Blümchensex" diffamiert und Frauen mittels diverser Mittel (u.a. Schundromanen) dahingehend indoktriniert, dass sie all das selbst glauben, dass sie es vorgeblich selbst "gut finden", dass sie es tun: weil mann es von ihnen will, erwartet (auch nonverbal!), weil es als normal, als gut gilt - als quasi "Qualität".
 
Und gleichermaßen katastrophale Mythen gibt es auch in Bezug auf Prostitution, Prositutierte, käuflichen "Sex" und "Freier"/Sexkäufer.
 
Das ist die eigentliche Widerwärtigkeit: diese INDOKTRINATION. Dieses Infiltrieren von HASS UND VERACHTUNG gegenüber Frauen, der vorgaukelt, genau das nicht zu sein. - Nein, diese Männer behaupten sogar, die Frauen machten es ja "einvernehmlich" - sie würden es selbst genau so wollen. Wie gesagt: "Frauen wollen es, genießen es, vergewaltigt zu werden." Das ist der "Gedanke", die Aussage, die vorgebliche, die behauptete Überzeugung dahinter.
 
Und ja: Frau fragt sich: Wie ist solches immer noch, heute noch möglich: gerade auch hier in Europa, in Deutschland, in Demokratien? Warum wird es noch immer zugelassen!?
 
Eben weil: die Indoktrination so immens erfolgreich war und ist und weil es u.a. auch um Geld dabei geht, vor allem aber um MACHT, PRIVILEGIEN, um das Geschlechterverhältnis (siehe Patriarchat) - um Ängste: von Männern, um Minderwertigkeits- und Unterlegenheitsgefühle: von Männern. Die sie nicht ertragen "können" bzw. wollen, die sie deshalb zu kompensieren versuchen. Auf gewaltvolle, perfide, auf tatsächlich sie selbst (!) erniedrigende, beschämende Weise.
 
Traurig. Tatsächlich. Ein Armutszeugnis. Augenfällig.
 
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"[...] „Nicht Entschlossenheit zur Anzeige, sondern ausgeprägte Zweifel sind momentan das große Thema von vergewaltigten Frauen in unseren Beratungsstellen“, berichtet Grieger. Diese Zweifel scheinen durchaus begründet. Im Jahr 2008 zeigten 7292 Frauen eine Vergewaltigung an. Nur jede siebte Anzeige endete mit einer Verurteilung des Täters. Der Löwenanteil der Anzeigen landet gar nicht erst vor Gericht: Rund drei Viertel der Vergewaltigungs-Verfahren werden von den Staatsanwaltschaften eingestellt, knapp die Hälfte davon nach Aktenlage, sprich: ohne dass die Frau überhaupt angehört wurde.
Und kommt es zum Gerichtsprozess – meist erst nach anderthalb bis zwei Jahren Wartezeit – ist die Verhandlung für die Opfer oft eine Tortur. „Wenn Frauen sich zu einer Anzeige durchringen, hören unsere Beraterinnen während oder nach dem Verfahren oft den Satz ‚Das würde ich nie wieder tun!’“ Die Folge: Deutschland hat bei Vergewaltigungen eine der niedrigsten Anzeigenquoten in Europa. [...]
 
Jede siebte Frau wurde seit ihrem 16. Lebensjahr Opfer einer Vergewaltigung oder einer schweren sexuellen Nötigung. Das ergab eine so genannte Dunkelfeldstudie des Bundesfrauenministeriums. Aber nur acht Prozent dieser Frauen gehen nach der Tat zur Polizei. Das heißt: 92 Prozent der Täter bleiben völlig unbehelligt. Nimmt man die hohe Zahl der eingestellten Verfahren dazu plus die Tatsache, dass so mancher Prozess mit einem Freispruch endet, rückt die 100-Prozent-Marke in bedrückende Nähe. Vergewaltigung scheint in Deutschland ein quasi strafloses Verbrechen.
 
„Streitsache Sexualdelikte – Frauen in der Gerechtigkeitslücke“ hat der Dachverband der rund 150 Notrufe und Beratungsstellen deshalb die Fachtagung genannt, zu der er Anfang September nach Berlin lud. Die Resonanz war beachtlich: Rund 200 Beraterinnen und Prozessbegleiterinnen, StaatsanwältInnen und RichterInnen, RechtsmedizinerInnen und TraumatherapeutInnen kamen ins Rote Rathaus, um über die so dringliche Frage zu beraten: Wie kann die „Gerechtigkeitslücke“ geschlossen werden?
 
Wie weit diese Lücke klafft, belegte Prof. Barbara Krahé von der Universität Potsdam mit einer Zahl aus der Polizeilichen Kriminalstatistik: In den Jahren 2000 bis 2003 stieg die Zahl der Anzeigen wegen Vergewaltigung in Deutschland um ein Viertel an. Gleichzeitig sank die Zahl der Verurteilungen – um fast die Hälfte. In keinem anderen Deliktbereich gibt es eine solche Diskrepanz: Bei Raub und Körperverletzung zum Beispiel stieg die Verurteilungsquote exakt in dem Maß wie die Zahl der Anzeigen zunahm.
 
Einen der Gründe für diese Schere hat Sozialpsychologin Krahé erforscht: die so genannten „Vergewaltigungsmythen“. Eine Vergewaltigung, so das gängige Bild, geschieht durch einen Fremden, der nachts aus dem Gebüsch springt. Er bedroht die Frau und wendet massive Gewalt an, sie wehrt sich entschlossen. Sie trägt starke Verletzungen davon. Anschließend zeigt sie die Tat sofort an.
 
Soweit das Klischee. Die Realität sieht völlig anders aus. Nur jede siebte Frau wird von einem Fremden vergewaltigt. Jeder zweite sexuelle Übergriff passiert durch den eigenen Freund oder Ehemann beziehungsweise Ex-Mann. Jeder fünfte Vergewaltiger ist ein Bekannter oder Nachbar, jeder zehnte ein Familienmitglied. In 69 Prozent der Fälle ist der Tatort die eigene Wohnung. Körperliche Verletzungen sind nur in jedem dritten Fall vorhanden. Am häufigsten und härtesten verletzen Ex-Partner.
 
Barbara Krahé legte 129 GerichtsreferendarInnen fiktive Vergewaltigungsfälle vor, die sie auf die Schuld des Täters prüfen sollten. Zuvor fragte sie die Zustimmung der JuristInnen zu 16 Aussagen ab. Zum Beispiel: „Viele Frauen neigen dazu, eine nett gemeinte Geste zum ‚sexuellen Übergriff‘ hochzuspielen.“ Oder „Frauen bezichtigen Männer häufiger der Vergewaltigung in der Ehe, um sich für eine gescheiterte Beziehung zu rächen.“
 
Ergebnis: In jedem der fiktiven Fälle hatte das Opfer klar „Nein“ gesagt. Dennoch bezweifelten die JuristInnen die Schuld des Täters umso stärker, je besser der das Opfer kannte. Wendete er zudem keine Gewalt an, sondern nutzte die starke Alkoholisierung der Frau aus, sank in den Augen der Probanden seine Schuld noch einmal. Und: Je stärker die Gerichtsreferendare den Klischee-Sprüchen zugestimmt hatten, desto stärker gaben sie dem Opfer eine Mitschuld am Geschehen.
 
Krahés Fazit: „Auch professionelle Juristen werden in ihren Urteilen durch stereotype Vorstellungen über Vergewaltigungen beeinflusst.“ Eine Schlussfolgerung, die durch Studien ihrer Kollegin Dr. Friederike Eyssel von der Uni Bielefeld mit anderen Personengruppen bestätigt wird. Krahés Forderung: „Das Thema gehört in die Aus- und Fortbildung von Juristen. Und in den Sexualkundeunterricht an den Schulen. Wir können nicht früh genug damit beginnen, diese Mythen zu entlarven.“
 
Ein Mythos macht Vergewaltigungsopfern besonders schwer zu schaffen, nämlich dieser: Eine Vergewaltigung ist nur dann eine „richtige“ Vergewaltigung, wenn die Frau sich heftig gewehrt hat. „Die angeblich mangelnde Gegenwehr der Frau ist ein häufiger Grund, ein Verfahren einzustellen“, weiß Susanne Hampe von der Frauenberatungsstelle Leipzig. „Und die Botschaft, die von dieser Haltung ausgeht, ist: ‚Du bist selbst schuld!‘ Das ist für die Frauen unbegreiflich. Die sagen fassungslos: ‚Ich habe doch Nein gesagt‘!“ [...]
 
„Es kann doch nicht sein, dass Frauen ihre sexuelle Selbstbestimmung mit Gewalt verteidigen müssen“, klagt Etta Hallenga vom „Bundesverband der Frauennotrufe und Frauenberatungsstellen“ und Mitarbeiterin der Frauenberatungsstelle Düsseldorf. [...]
 
Dabei besagt der §177 des Strafgesetzbuches, dass sich der Vergewaltigung auch schuldig macht, wer eine andere Person „unter Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist“ zu sexuellen Handlungen nötigt. Aber: „Ich habe noch kein einziges Verfahren erlebt, das über die ‚schutzlose Lage‘ gelaufen ist“, sagt Etta Hallenga.

Das kann Ulrike Stahlmann-Liebelt nur bestätigen. „Die Voraussetzungen für eine schutzlose Lage, so wie sie die Rechtsprechung verlangt, kann ein Opfer kaum erfüllen“, sagt die Flensburger Oberstaatsanwältin, die in Schleswig-Holstein ein Modellprojekt für Zeuginnen in Vergewaltigungsprozessen initiiert hat (siehe Seite 43). „Grundsätzlich gilt: Für den Täter muss ernsthafter Widerstand erkennbar sein. Wenn eine Frau Nein sagt und weint, reicht das nicht.“ Seit Jahren fordert der Bundesverband deshalb, dass der §177 erweitert wird. Strafbar sollte sich auch machen, wer „eine Person gegen deren Willen nötigt“. [...]
 
„Wir sind eine Laienspielschar“, gibt Dr. Klaus Haller unumwunden zu. Der Vorsitzende Richter am Bonner Landgericht muss es wissen. Er sitzt am nordrhein-westfälischen „Runden Tisch Opferschutz“ und schult RichterInnen und StaatsanwältInnen. „Und die haben das Wort Posttraumatische Belastungsstörung noch nie gehört!“ Um die Bildungslücke seiner KollegInnen zu schließen, fordert Haller „verpflichtende Fortbildungen“.
 
Das würde den Opfern zweifellos helfen. Denn die so genannte „menschengemachte“ Gewalt hat erheblich öfter Posttraumatische Belastungsstörungen zur Folge als Unfälle oder Naturkatastrophen. Und von dieser menschengemachten Gewalt löst die Vergewaltigung am häufigsten psychische Probleme aus. Jedes zweite Opfer sexueller Gewalt leidet unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung, aber nur jedes 13. Unfallopfer. „Und die psychischen Folgestörungen sind stärker, wenn die Gewalt von einer Person verübt wird, die man kennt und mochte“, erklärt Traumatherapeutin Schellong. „Denn das bedeutet den Verlust des Vertrauens in die gesamte bisherige Beziehungserfahrung mit Menschen.“ [...]
 
„In so einem Verfahren passiert vieles, was die Frau an den Rand der Fassungslosigkeit bringen kann“, weiß die Sozialarbeiterin von der Frauenberatungsstelle Leipzig.
Zum Beispiel Fragen wie diese: „Warum rasieren Sie sich eigentlich Ihre Schamhaare? Sie haben doch behauptet, Sie hätten momentan gar kein Sexualleben.“ So eine Frage müsste „eigentlich gerügt werden“, findet Hampe. „Aber viele Richter sind da leider sehr zurückhaltend, weil die Verteidiger schnell mit Verfahrensfehlern drohen, wenn man ihr Fragerecht beschneidet.“

Überhaupt beobachtet Hampe, dass „die Strafverteidiger zunehmend aggressiv darauf reagieren, wenn das Opfer sich im Prozess begleiten lässt. Und ich habe den Eindruck, dass die Aggression in dem Maße gestiegen ist, wie sich der Opferschutz verbessert hat.“
 
Und das hat er, keine Frage. 1973 – gerade hatte sich die Frauenbewegung zu einer schlagkräftigen gesellschaftlichen Kraft formiert und die dunkle Gewalt gegen Frauen ans Licht gezerrt – wurden die „Verbrechen gegen die Sittlichkeit“ umbenannt in „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“. Seither ist viel passiert. Die Vergewaltigung in der Ehe ist allerdings erst seit 1997 strafbar. 25 Jahre lang wurden über diesen Straftatbestand halluzinante Debatten geführt. Schließlich setzte eine Frauenkoalition aller Parteien im Schulterschluss die Gesetzesänderung durch.
 
Im gleichen Jahr stellten die Gesetzgeber die orale und anale Vergewaltigung der vaginalen gleich. Die Polizei wurde geschult, Sonderdezernate wurden eingerichtet. Und auch die Rechtsmedizin hat inzwischen begriffen, dass sie eine entscheidende Rolle bei der Strafverfolgung sexueller Gewalt spielen kann: Zumindest in Großstädten haben vergewaltigte Frauen inzwischen die Möglichkeit, Spuren der Tat anonym sichern zu lassen, damit später – falls sie sich zur Anzeige entschließen – gerichtsfeste Beweise vorliegen. Anders als die Polizei, die das Offizialdelikt Vergewaltigung von Staats wegen verfolgen muss, können die Rechtsmediziner die Proben lagern, bis die Frau entschieden hat, ob sie es wagen will, den Vergewaltiger anzuzeigen und das Verfahren durchzustehen.
 
Und: Das Opfer hat inzwischen das Recht, als Nebenklägerin aufzutreten – wie es ja auch das mutmaßliche Opfer im Fall Kachelmann tut – also mit eigenem Anwalt oder eigener Anwältin, Fragerecht inklusive, besonders wichtig, Akteneinsicht. Damit ist Deutschland neben Schweden heute europäischer Vorreiter in Sachen Opferrecht. Zumindest auf dem Papier.
Folgt auf diese Fortschritte jetzt der Rückschlag? Die schwedischen Erfahrungen sprechen dafür. Nirgendwo werden zur Zeit so viele Vergewaltigungen angezeigt wie im Vorzeigeland der Emanzipation – und nirgendwo werden so viele Verfahren eingestellt. Offenbar klafft nicht nur in Deutschland eine Lücke zwischen einem gesellschaftlichen Klima, das Frauen zur Anzeige ermutigt, und einer Justiz, die nicht fähig oder willens ist, dieser Entwicklung zu folgen. Hinzu kommt die Propaganda maskulistischer Männerbünde in Internet und Medien, die sexuelle Gewalt verharmlosen und Opfer diffamieren. [...]"
 
Quelle: EMMA - "Vergewaltigung - das straflose Verbrechen"; farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
 
Völlige Zustimmung zur Analsyse im ersten Text ("Initiative für Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt", ifgbsg.org) hinsichtlich des Verhaltens, der Entscheidungshintergründe der Richterin. Dies zu erkennen und zu benennen, ist außerdordentlich wichtig, ja notwendig.

Zum zweiten Text ("Chronik einer angekündigten Schändung", stern.de): Hier ist es schon schwieriger. Man war eben nicht dabei und ich habe das Videomaterial nicht gesehen - ich weiß auch nicht, ob ich es überhaupt sehen wollen würde - aus "Angst", ja - vor dem, das ich möglicherweise sähe und was es in mir auslösen könnte - ich möchte mir keine Vergewaltigungen ansehen und ertrage deshalb gängige Porno-Videos schon nicht. Denn Porno ist dargestellte "sexualisierte" Gewalt gegen Frauen - nicht nur physische, klar.
 
Sie hat die Tat also bereits zwei Wochen nach deren stattfinden zur Anzeige gebracht, aber erst vier Jahre später kam es zur Verhandlung?

Ja, ob sie nun k.o.-Tropfen verabreicht bekam oder "nur" unter Alkohol- und anderem Substanzeinfluss stand, halte auch ich für "irrelevant" insofern, als dieser Alkohol- und anderweitige Substanzeinfluss selbstredend schon massiv genug sein kann/konnte, dazu zu führen, dass sie eben so benommen war - jedenfalls nicht nüchtern und daher manipulierbar und ihre dadurch wehrlose Siutation ausnutzbar.
Dass sie aber nicht benannte, welche anderen Drogen konsumiert wurden, um damit die Täter vermeintlich zu schützen, finde ich durchaus befremdlich. Denn gerade das (zu wissen, um welche weiteren Substanzen es sich handelte) hätte durchaus hilfreich für den Prozess sein können bzw. dafür, besser einschätzen zu können, warum sie wie hilflos/wehrlos aufgrund des Substanzeinflusses eben war.
 
Was ich dann auch nicht verstehe: Was ist mit dem ärztlichen Attest passiert und warum konnte sie die sie untersucht habende Frauenärztin nicht benennen - oder hat der Spiegel das erfunden? Warum war sie bei der Frauenärztin und wann nach der Tat? Es muss ja innerhalb der nächsten Tage nach der Tat gewesen sein, sonst hätte die Frauenärztin nichts mehr feststellen, also auch nichts attestieren können. Und wofür/für wen war das Attest gedacht? Im Stern-Artikel heißt es jedoch "schrittweise setzte ihre Erinnerung wieder ein" - aber: wann? Zwei Wochen nach der Tat, als sie diese polizeilich anzeigte oder bereits zuvor?
Fraglich ist auch, ob das alles so zutreffend, so geschehen ist, wie es der Stern wiedergibt bzw. wie es Gina-Lisa Lohfink dem Stern gegenüber geäußert hat. - Hierüber kann es leider ja keine Gewissheit geben. Aber Ungereimtheiten bestehen auch in diesem Stern-Artikel eben.
 
Dass das gesamte Gerichtsverfahren sie immens belastet haben muss, steht ebenfalls außer Frage.
Dass sie im Treppenhaus "lächelte", ist ebenfalls nicht verwunderlich - sie wollte gehen, wurde daran zunächst gehindert, natürlich verhält man sich dann so: scheinbar kooperativ, um den Täter nicht zu reizen.
 
Insgesamt finde ich es nach wie vor schwierig, die Sache einschätzen zu können. Es gibt - zumindest mir - zu viele Ungereimtheiten.

Was zweifelsohne für sie, ihre Aussage bzw. deren Wahrsein spricht, ist, dass die beiden Männer das Videomaterial zum Verkauf angeboten hatten, überdies mit Betreff "Vergewaltigungsvideo von Gina-Lisa", außerdem, dass sie vorab geplant hatten (siehe erwähnter e-mail-Verkehr zwischen den beiden), das Videomaterial zu vermarkten. Sind diese Angaben des Stern denn verifiziert? Warum fanden diese (die Verkaufsplanungen der beiden Männer, ihre e-mail-Kommunikation hierüber) im Gerichtsverfahren keine Beachtung?

Was ich auch nicht verstehe: Wann kam es zu dem toxikologischen Gutachen - wer hat es wann auf welcher Basis angefordert? Es muss doch dafür unmittelbar nach der Tat beim Opfer Blut abgenommen worden sein? Wann wurde ihr Blut, Urin oder ihre Haare untersucht - wie lange nach der Tat?
 
Es gibt noch zu viele Fragen. Und es ist eben deshalb so brisant, weil es ein Präzedenzfall i s t.
 
Meiner Ansicht nach müsste das Strafrecht in Bezug auf Vergewaltigung intensiv(er) reformiert werden - eben weil so häufig sexuelle Gewalt vorliegt, obwohl keine körperlichen Spuren, Beweise (mehr) vorfindbar sind und "obwohl" Frauen vermeintlich/vorgeblich "freiwillig" taten oder geschehen ließen, was passierte.
 
Vor allem aber müssten gerade Jungen und Männer ganz anders sensibilisiert und vor allem über die sexuelle Lust von Frauen im Allgemeinen und der je individuellen Frau im Besonderen informiert, aufgeklärt werden. Genau das findet jedoch nicht statt, sondern das Gegenteil: Pornographie prägt das Bild, das Männer von Frauen und von Sex haben - und das heute mehr denn je. Aus bekannten Gründen.
 
Durch Pornos lernt kein Mann etwas über weibliche Anatomie, über das "Lusterzeugen" bei, die Lusterfüllung von Frau(en).
Und leider sind auch Frauenzeitschriften voll von Anleitungen für gelingende Sexdienstleistung der Frau am Mann: Wie macht sie "den perfekten blow-/handjob", wie "gelingt ihr" (ohne Würgen) deep throat (wobei einige Männer ja gerade auf das Würgen stehen - auf den Schmerz, die Erniedrigung der Frau, exakt), wie "klappt" anal usw.. - Das ist das Problem - dass es um die Lust und (physische!) Lusterfüllung VON FRAUEN nach wie vor überhaupt nicht geht - nicht gehen "muss", sondern dass die echte, authentische Lust der Frau übergangen werden d a r f, dass stets nach wie vor mehrheitlich die sexuellen Wünsche, Bedürfnisse, Präferenzen von Männern im Mittelpunkt stehen. Und dass noch immer zu viele Männer zu wenig Kenntnis von weiblicher Lust haben bzw. etliche Falschbehauptungen, Unwahrheiten hierüber kursieren.
 
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Ja, alles, das irgendwie Gewalt, Erniedrigung, Misshandlung bis hin zur Entwertung - auf sexuellem Terrain - kritisiert, wird heutzutage massiv angegriffen, gilt als "prüde, spießig, verklemmt" etc..

Mit anderen Worten: sexueller/sexualisierter Gewalt und Erniedrigung sind heute Tür und Tor weit geöffnet - gelten als "normal", wünschenswert, als vorgeblich "sexuelle Selbstbestimmung", allenfalls als willkommene "Devianz".

Und die meisten Menschen glauben den Dreck nur allzu bereitwillig - man will ja eben nicht als verklemmt etc. gelten, man ist heute ja sexuell aufgeschlossen - alles darf, nichts muss. Von wegen ... .
Es ist eine extrem verlogene Sache. Denn längst wird es - gerade auch via Pornographie - instrumentalisiert und inzwischen fast schon oktroyiert. Insbesondere im Zusammenhang mit dem Geschlechterrollenverständnis bzw. -verhältnis.

Was nicht BDSM (also vermeintlich "speziell" und "aufregend" lol) ist, wird - inzwischen ja schon verächtlich - als "vanilla" bezeichnet.

Und ja: Man darf sich fragen, wie es kommt, dass inzwischen vorgeblich mehrheitlich Mediziner bzw. Psychiater, Psychologen, der vorgeblich einhelligen Meinung sind, diese "Paraphilie", insbesondere auf Seiten des "Tops", sei völlig "gesund".

Fragen darf man sich auch, wie "consensual" es jeweils zugeht - wie subtil oder auch nicht subtil hiergegen Verstöße jeweils begangen werden - wieviel MANIPULATION also auch hier vorkommend/stattfindend ist. ...
 
Es i s t m.A.n. längst zum mainstream geworden - siehe gerade auch eben in/mittels Pornographie.
Und ich denke, es ist weniger die Frage, wo es (noch ...) hinführt (die lässt sich m.E. leicht beantworten), als viel mehr, was die Ursachen hierfür sind. Und ja, das ist eigentlich mehr oder weniger das Gleiche. ;) 
 
Im Klartext: Es hat meiner Überzeugung nach eine Menge mit gesellschaftlichen Veränderungen zu tun - gerade in Bezug auf die Geschlechterrollen, das Geschlechterverhältnis, aber auch grundsätzlich hinsichtlich gesellschaftlicher Veränderungen, die zu diversen "Auswüchsen" führen (siehe u.a. auch bspw. Konsum, Sucht, Hedonismus, Eskapismus, Narzissmus, Depression ...).
 
Es hat mit Zwängen und Begrenzungen zu tun, aber entscheidend auch mit (je persönlichen) frühkindlichen Verletzungen/Beschädigungen. Davon, ja, bin ich absolut überzeugt - siehe bspw. Erich Fromm über den "autoritären" Charakter, siehe Identifikation mit dem Aggressor ... .
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Noch ein paar Anmerkungen zu nach wie vor bestehenden, leider weitflächig verbreiteten Vorurteilen hinsichtlich sexueller Gewalt in Beziehungen
 
Verallgemeinern kann ich es natürlich nicht, hierfür fehlt mir die "Faktenbasis" – fehlen mir valide Daten, Untersuchungsergebnisse, Studien (die wohl gar nicht erst durchgeführt werden) als meine Aussagen untermauernde Nachweise.
 
Mir bleibt bisher lediglich, über eigene Erfahrungen, Beobachtungen und Schlussfolgerungen zu sprechen. Täten dies allerdings noch weit mehr Frauen öffentlich (was aus vielerlei Gründen nicht leicht ist, was sie überdies aus nachvollziehbaren Gründen unterlassen), ergäbe sich womöglich ein Bild, das in deutlichem Kontrast stünde zu bestehenden Ressentiments, das diese erheblich entkräften würde, so denke ich.
Bis auf Weiteres kann ich daher nur bei meinen persönlichen Erfahrungen und Erkenntnissen bleiben – so im Folgenden.
 
Viele Menschen meinen offenbar noch immer, es könne sich nicht um "wirkliche" sexuelle Gewalt, um Vergewaltigung handeln, wenn "etwas", das als solche bezeichnet wird, innerhalb einer Beziehung geschieht.

Man geht allgemeinhin davon aus, dass die Beziehungspartner sich "lieben", respektieren, wertschätzen, dass sie solidarisch und loyal sind, dass sie grundsätzlich fürsorglich und rücksichtsvoll miteinander umgehen.
Streit, Auseinandersetzungen, das kommt nicht nur vor, es gehört dazu – dass es zu Meinungsverschiedenheiten, Konflikten kommt und man diese austrägt, möglichst auflöst. Vielleicht kann es dabei gelegentlich auch zu kleineren Handgreiflichkeiten kommen – abhängig von Temperament, Prägung, Sozialisation und bisherigen sonstigen Erfahrungen der Beteiligten sowie der jeweiligen Situation.

Dem gegenüber steht jedoch "häusliche Gewalt"; hierbei muss es sich, nach gängiger Vorstellung, vor allem um aber physische Gewalt handeln, die sichtbare Spuren auf dem Körper hinterlässt – und es muss dann, nach allgemein verbreitetem Verständnis, auch schon anderes, "mehr" sein, als bloß mal eine Schramme oder ein blauer Fleck - damit Menschen ernstnehmen können bzw. wollen, dass es "Beziehungsgewalt" gibt, damit sie es als Gewalt erkennen, akzeptieren und bezeichnen können/wollen.

Deutlich weniger als Gewalt anerkannt ist hingegen die "subtile" Gewalt, sind andere Gewaltformen, die es de facto gibt und welche häufig weit verbreiteter sind als rohe physische Gewalt. Letztere möchte ich damit keinesfalls in irgendeiner Weise relativieren, mir ist aber daran gelegen, für diese "subtile" Gewalt zu sensibilisieren.
An anderer Stelle im blog habe ich einige Informationen hierüber gesammelt, siehe, bei Interesse, verlinkt .

Und ebenso wenig gesellschaftlich als Gewalt akzeptiert ist gerade die sexuelle Gewalt, die sich innerhalb von Beziehungen bzw. zwischen einander bekannten und insbesondere zwischen sich nahestehenden Menschen getätigt wird.
Und das gerade deshalb, weil sie in diesem Rahmen passiert.
 
Denn, so fragt man sich:
Wie kann es sein, dass solche Gewalt (Beziehungsgewalt, sexuelle Gewalt) wiederholt stattfinden kann? – Jeder "normale Mensch" würde doch gehen, die Beziehung beenden, wenn der Partner gewalttätig wird, man würde doch gar nicht zulassen, dass es zu Wiederholungen oder gar zu einer Regelmäßigkeit kommen kann. – Kein "normaler" Mensch würde bei einem solchen Partner bleiben – schon gar nicht freiwillig.

Nun, es gibt Gründe, weshalb Frauen (die mehrheitlich von physischer und sexueller, aber auch von subtiler Gewalt betroffen sind) nicht "einfach gehen", sich nicht vom gewalttätigen Partner trennen (können) – bspw. weil sie finanziell/materiell/wirtschaftlich, beruflich oder anderweitig sozial vom Partner abhängig sind oder auch, weil es gemeinsame Kinder gibt und gerade hier das Gehen, eine Trennung, mit vielerlei Belastungen, Beschwernissen und auch Gefahren verbunden ist (siehe hierzu den wichtigen, informativen Text "Warum Schweigenbrechen nicht reicht").

Das alles mag für einige durchaus noch nachvollziehbar sein.
Wo es mit dem Verständnis zumeist gänzlich aufhört, ist, wenn betroffene, beschädigte Frauen sich nicht trennen (können), weil sie nach wie vor auch positive Gefühle, Zuneigung für den gewalttätigen Partner haben.

Wie kann das sein? - Wie kann man jemanden noch, fortwährend, mögen oder gar lieben, der einem Gewalt antut (und womöglich auch den Kindern), der einem absichtlich, wissentlich massiven Schaden zufügt – der einen mit seinem Verhalten belastet, beschwert, physisch und psychisch versehrt, zum Verzweifeln bringt … ?
Da müssen die Gefühle doch eigentlich schlagartig einfrieren, absterben! So oder ähnlich denken wohl viele Menschen.
Wohl deshalb, weil sie bisher keine persönlichen Erfahrungen mit solchen Situationen, solcher Beziehung gemacht haben bzw. vor allem auch, weil sie sich konventionell verhalten – möchten oder zu müssen glauben. Weil es als "normal", als "gesund" gilt. Weil alles andere ihrer Überzeugung nach "krank, gestört" und falsch wäre.

Und wenn sie doch auch selbst noch etwas wie Zuneigung, Hingezogensein empfänden, würden sie es sich verbieten, abklemmen, denn: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Es wäre krank – Stockholm Syndrom. Oder was auch immer. (Siehe auch dazu einen unten verlinkten Text.)

So einfach machen Menschen es sich selbst – bekanntlich: immer wieder, in auch anderen Lebensbereichen.
Doch so einfach ist es tatsächlich gerade nicht.
 
Sicher gibt es das Stockholm Syndrom und unstrittig gibt es auch Narzissten (narzisstisch persönlichkeitsgestörte Menschen) sowie Psychopathen. Siehe unten verlinkte Texte, insbesondere jenen mit "Traumatisches Sex-Bonding (…)" betitelten, der auf schon erschreckend detaillierte Weise darlegt, was u.a. auch ich erlebt, erlitten habe – dabei sowohl die im Text beschriebene psychisch-emotionale als auch physische, sexuelle Gewalt.
 
Ein wirklich erhellender, hilfreicher Text, der zwar unwissenschaftlich sein mag, jedoch absolut treffgenau beschreibt, was in solchen "Beziehungen" stattfindet und der überdies erkennen lässt, dass es also auch andere auf diese Weise Belastete, Geschädigte gibt, die solches "erleben", denen solches widerfährt, die damit konfrontiert werden oder wurden. 
 
Worauf ich dennoch aufmerksam machen möchte, ist, dass man alles mögliche bequem (auch selbstschonend) pathologisieren oder zumindest etikettieren kann, es damit (alleine) jedoch keinesfalls löst, behebt, heilt. Und auch hinsichtlich etwaiger Prävention sind solche Beschreibungen und Analysen sowie Pathologisierungen nicht unbedingt, nicht wirklich hilfreich, nicht in der Lebenspraxis "anwendbar" (wie etwa ein Werkzeug).
 
Vor allem aber haben wir es nicht mit (zu untersuchenden) Gegenständen, Objekten zu tun, sondern mit Menschen, d.h. mit Individuen, Persönlichkeiten – die mehr sind als die Summe ihrer Unzulänglichkeiten und etwaigen Störungen.

Ja, man kann tatsächlich trotzdem, weiterhin oder überhaupt einmal den Menschen in einem Täter sehen. Denn er war, ist und bleibt eben dies: ein Mensch. Zum Täter ist er – aus Gründen – geworden.
 
Das bedeutet nicht, dass man "alles verzeihen" können soll, wohl aber, dass man Vorkommnisse und Menschen nicht ausschließlich aus psychologischer, psychologisierender, psychiatrischer, medizinischer, also pathologisierender Perspektive betrachten sollte.

Wir alle haben unsere je eigenen kleineren und größeren Fehler, Schwächen, Defizite.
Problematisch wird es dann, wenn ein Mensch seine je individuellen Unzulänglichkeiten, Schwierigkeiten, nicht selbst als solche erkennen kann oder will, wenn er sie stattdessen als bestehend dauerhaft und starrsinnig leugnet, wenn er die Ursache seiner Schwierigkeiten ausschließlich, ausnahmslos bei anderen Menschen nicht nur sucht, sondern festmacht, generell nur anderen Fehler, Schuld unterstellt (siehe victim blaming, Täter-Opfer-Umkehr, Projektion, Manipulation).
Wenn es auf seiner Seite hinsichtlich seiner eigenen Defizite also keinerlei Einsicht, Selbsterkenntnis gibt, diese verweigert, umgangen, gemieden wird.
In einem solchen Fall bleibt dem Anderen tatsächlich nur, sich zu distanzieren, wenn sie/er weiteres, noch länger andauerndes Beschädigtwerden vermeiden will.

Aber Gefühle der Zuneigung, vielleicht sogar Liebe, können durchaus bestehen bleiben – für eben den Menschen "dahinter", der sich zwar nicht "bessern", ändern (lassen) wird – und genau dessen muss man sich in vollem Umfange bewusst sein/werden - der aber trotzdem nicht nur "schlecht und böse" ist, sondern aufgrund eigenen Beschädigtwordenseins zum Täter wurde und der daher durchaus eigenen Schmerz fühlt, mit sich herumträgt, wenngleich dieser meist verdrängt, weggedrückt, unter Kontrolle zu halten versucht wird (bspw. mittels Drogen, Selbstbetrug, Eskapismus, Hedonismus, Sucht, Konsum etc.).

Eine "gute", nicht schädigende Beziehung, Bindung ist mit einem solchen Menschen definitiv nicht möglich – und man muss sich absolut im Klaren darüber sein, dass dies auch niemals je möglich werden (können) wird - denn es mangelt ihm an etwas für Beziehung, für Liebe Grundsätzlichem, Unentbehrlichem: Mitgefühl.

Er kreist viel mehr permanent um sich selbst, um sein Ego. Er kann nicht - von Herzen - geben (fürsorglich sein, sich für jemand anderen freiwillig, aus einem Bedürfnis heraus zurücknehmen, freiwilligen Verzicht leisten, die Bedürfnisse anderer in den Vordergrund stellen, sich für jemand anderen um dessen Interessen bemühen, dafür kämpfen, schon gar nicht längerfristig, etc.).
 
Man darf sich diesbezüglich keinerlei Illusionen oder Hoffnungen hingeben. Man selbst bliebe in einem solchen Verhältnis stets die/der Gebende, der Andere stets nur der Nehmende – es würde, wird, kann sich dies mit solchen Menschen tatsächlich niemals ändern. Daher ist wirkliche Beziehung, Liebe, Geliebtwerden mit und von ihnen nicht möglich, nicht erlebbar, erfahrbar. Grundsätzlich: niemals.
 
An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, dass es im Kontakt mit solchen Menschen durchaus zu eigenen, heftigen Gefühlen, u.U. auch Gefühlsausbrüchen kommen kann – so bspw. zu gerade auch Aggression, Abwehr, Wut, denn man fühlt sich durchaus massiv verletzt, benutzt, ausgesaugt, misshandelt. Eben: gerade nicht geliebt, nicht wertgeschätzt, nicht gesehen, sondern übergangen (eigene Bedürfnisse, Wünsche … werden vom "Partner" missachtet, ignoriert oder herabgesetzt).
 
Man hat, wie an anderer Stelle bereits ausgeführt, das Gefühl, manipuliert zu werden – und immer wieder den Eindruck, man könne der eigenen Urteilsfähigkeit nicht mehr trauen. Spätestens an diesem Punkt sollte dann wirklich versucht werden, innezuhalten und Abstand zu gewinnen – emotionale vor allem, aber auch geistig-intellektuelle zunächst – sich also selbst vom Anderen zu distanzieren und die Situation distanziert, analysierend zu betrachten – auf diese Weise wieder Land zu gewinnen, wieder Boden unter die Füße zu bekommen.  
 
Dies ist allerdings wohl die schwierigste Phase im Ablöseprozess von einem solchen Menschen. Sich aus seinen Fängen tatsächlich zu befreien, seiner Anziehungskraft zu widerstehen, auf seine Manipulationsversuche nicht mehr einzusteigen und sich vor allem darüber vollständig bewusst zu werden, dass der Andere sich niemals "ändern" wird, dass es absolut keine "Hoffnung" darauf gibt, dass er je lieben (können oder es lernen) wird, dass mit ihm jemals  eine gute, wohltuende Beziehung möglich wäre oder würde. Von diesen Illusionen, Wünschen, Hoffnungen muss man sich restlos freimachen.
 
Nein, einfach ist das nicht. Ja, man idealisiert den Anderen – immer wieder. Aber man ist gleichermaßen abgestoßen, vor den Kopf gestoßen, enttäuscht, verletzt, schließlich auch verzweifelt – immer wieder.
Weil man natürlich unter seinem Verhalten leidet – darunter, dass er einen hemmungslos, schamlos, gnadenlos aussaugt. Dieser Ausdruck trifft es tatsächlich sehr gut – der Andere nimmt sich nicht weniger als alles von einem selbst und das permanent, er entleert einen – so man ihn lässt.
Wie ihm das möglich ist? Durch massivste, aggressive, "meisterliche" Manipulation.
Und: weil man selbst ein Mensch und damit emotional bedürftig ist.
Man wünscht sich, gerade von diesem Menschen wertgeschätzt, geliebt zu werden, aber gerade er tut es nicht, kann es nicht. Ganz gleich, was immer er behauptet, wie er sich verhält bzw. zeigt – wie charmant, vermeintlich zugewandt, intim, "niedlich", leidenschaftlich, reflektiert, vertraut … .
 
Und so sieht man den Anderen mal als "Monster" und dann wieder als "Gott".
Man steht in seinem Bann. Und genau darum weiß er, genau das nützt er aus – so lange und so intensiv es geht; wie gesagt: Er nimmt (für) sich, so viel, so oft, so lange er (kriegen) kann.
 
Aber … dieser Bann lässt sich lösen. Je nach persönlichen (Lebens-) Umständen schwieriger, langwieriger oder leichter, schneller.
 
Das Wichtigste ist, den Selbstwert zurückzugewinnen, sich der eigenen Stärke (wieder) bewusst zu werden, sich wieder seines Selbst zu ermächtigen, den Anderen nicht mehr über sich, über die eigenen Gefühle, Gedanken verfügen, herrschen, regieren zu lassen.
Nur man selbst kann dies abstellen. ! – Indem man sich oben Genanntes vor Augen führt: Es gibt keine Chance auf Liebe, auf Beziehung mit einem solchen Menschen. Nicht heute, nicht morgen und nicht in Jahren. Er kann nicht lieben. Er wird niemals je (einen anderen Menschen) lieben. – So brutal das klingt. Er kann es auch nicht "lernen".

Und hilfreich ist überdies, sich zu vergegenwärtigen, dass der Andere einem im Grunde ständig eine Show vorgeführt hat – er inszeniert sich permanent narzisstisch selbst.

Dennoch gibt es natürlich auch unter solchen Menschen individuelle Unterschiede – somit auch je persönliche Merkmale, Eigenheiten, Besonderheiten am Anderen, die man "mag", die man liebgewonnen hat, die nur ihm eigen sind … .
Und natürlich bedeutet jede Trennung von einem Menschen, dem man zugeneigt war, immer auch eine Entwöhnung, eine Art Entzug.
Durch diesen muss man – leider (immer wieder, bei jeder Trennung) – hindurch.
 
Es ist ein Verlust – der Verlust nicht nur des Anderen, seiner Gegenwart, seiner Persönlichkeit (und all der vermeintlichen Kleinigkeiten) …, sondern eines "Teils" des eigenen Selbst, das man dem Anderen, das man in die Beziehung gegeben hat, all das, das man dem Anderen offenbart, ihm anvertraut, das man mit ihm geteilt hat.
 
Es ist immer ein Loslassen von Gegenwart, die zu Erinnerung wird, nur werden kann – werden "muss".
Es ist immer ein Ende. Eine Begrenzung, ein Schluss – ein Schließen.
 
Häufig ist das schmerzhaft. Mal intensiver, mal weniger intensiv.
Man trennt sich. Eben – deshalb.
 
Man gibt etwas auf, lässt es los – etwas, worin man "verstrickt" war, woran man (sich!) gehangen hat, woran einem gelegen war, worum man sich bemüht, worum man vielleicht gekämpft, gerungen hat.
Aber … man kann auch "etwas" zurückerhalten – sich. Die eigene Freiheit, Unabhängigkeit, Stärke, den eigenen Wert – die Würde.
 
Und gerade wenn, weil man selbst ein mitfühlender, ein lieben könnender Mensch ist, hat man auch mit dem Täter Mitgefühl – man (er-) kennt seinen Schmerz – und leidet mit ihm daran.
Und hat folglich das Bedürfnis, diesen Schmerz von ihm abzuwenden.
Jedoch: Man kann es nicht. Nicht bei "solchen" Menschen. Man würde sich selbst dabei vollständig opfern, als zu schlachtendes Opfer geradezu darbieten.
 
Man kann nur einen einzigen Weg gehen, wenn man sich davor bewahren will: weg vom Anderen.
Trennen. Loslassen. Sich nicht länger verirren, verrennen, sondern zu sich selbst (zurück-) finden.
 
Man kann ihn (weiterhin) lieben – im Bewusstsein all seiner Fehler, seiner Widerwärtigkeiten, seiner Täterschaft – aber:
Man wird nie von ihm (einem solchen Menschen) "zurückgeliebt", stattdessen verbraucht, konsumiert und dann entsorgt. Skrupellos und absolut gewiss. Dann nämlich, wenn man ihm nicht mehr von Nutzen, wenn man völlig ausgesaugt … ist. Oder auch dann, wenn/weil man ihn enttarnt hat und sich abwendet oder ihn "angreift".
 
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