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Sabeth schreibt

Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie

Marie von Ebner-Eschenbach

 
Lebenszweck
 
Hilflos in die Welt gebannt,
Selbst ein Rätsel mir,
In dem schalen Unbestand,
   Ach, was soll ich hier?
 
- Leiden, armes Menschenkind,
Jede Erdennot,
Ringen, armes Menschenkind,
   Ringen um den Tod.
 
Marie von Ebner-Eschenbach
 
Sommermorgen
 
Auf Bergeshöhen schneebedeckt,
Auf grünen Hügeln weitgestreckt
Erglänzt die Morgensonne;
Die tauerfrischten Zweige hebt
Der junge Buchenwald und bebt
Und bebt in Daseinswonne.
 
Es stürzt in ungestümer Lust
Herab aus dunkler Felsenbrust
Der Gießbach mit Getose,
Und blühend Leben weckt sein Hauch
Im stolzen Baum, im niedren Strauch,
In jedem zarten Moose.
 
Und drüben wo die Wiese liegt,
Im Blütenschmuck, da schwirrt und fliegt
Der Mücken Schwarm und Immen.
Wie sich's im hohen Grase regt
Und froh geschäftig sich bewegt,
Und summt mit feinen Stimmen.
 
Es steigt die junge Lerche frei
Empor gleich einem Jubelschrei
Im Wirbel ihrer Lieder.
Im nahen Holz der Kuckuck ruft,
Die Amsel segelt durch die Luft
Auf goldenem Gefieder.
 
O Welt voll Glanz und Sonnenschein,
O rastlos Werden, holdes Sein,
O höchsten Reichtums Fülle!
Und dennoch, ach - vergänglich nur
Und todgeweiht, und die Natur
Ist Schmerz in Schönheitshülle.
 
Marie von Ebner-Eschenbach
 
Spruchverse
 
Verständnis für jedwedes Leid,
Erbarmen mild mit jedem Fehle;
Daran in dieser Zeitlichkeit
Erkennst du die erwählte Seele.
 
         -
 
Nur der das Leiden kennt,
Kennt auch ein heiß Erbarmen;
Der selber darbt, der giebt;
Großmütig sind die Armen.
 
 
Marie von Ebner-Eschenbach
 
 
 

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