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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Warum bin ich materiell arm, chronisch krank und sozial isoliert

Gemeinsame Erklärung des Ratschlags Kinderarmut

humanistisch.de

 
update 13. August 2020
 
Ist es wirklich so schwer zu verstehen, dass man erstmal ausreichend gesunde Nahrung und medizinische Behandlung, dann einfach Geld für wenigstens ein Gebrauchtrad und den ÖPNV braucht, um soziale Kontakte knüpfen und pflegen zu können?
 
Ist es so schwer zu verstehen, dass pauschale Ratschläge niemandem helfen, sondern es bedürfnisorienterter, nicht-paternalistischer Unterstützung, Entlastung, Beistand, inkl. anwaltlicher Vertretung (!!) bedarf: niedrigschwellig, unbürokratisch - für alle?
 
Ist es so schwer zu verstehen, dass jemand, der seit Jahrzehnten (!) bereits alleine kämpft, mit zwei Kindern "an der Hand" seit frühester Jugend, in Jobs, Ausbildungen, Umzügen, also: immer aktiv gewesen seiend, mit bald 50 Jahren physisch und psychisch am Ende ist?
 
Und jetzt einfach mal Tacheles zu Alleinerziehenden zur Mütterarmut in Hartz4 und/oder Niedriglohn:
 
1. Ja, meine Tochter bekommt Eis: von der Eisdiele.
2. Ja, meine Tochter hat ein (günstiges) Skateboard, Gebrauchtrad (je Alter in der passenden Größe), Rollschuhe.
3. Ja, meine Tochter hat(te) Spielzeug, das sie sich wünschte, Zimmereinrichtung, Möbel, Kleinkram, Taschen, Trinkflaschen, Kleidung (nein, nicht von Aldi, Kik oder Takko), Schuhe ... : alles Gebrauchtware seit ihrer Geburt, da es neu niemals zu finanzieren möglich gewesen wäre.
Und so auch bei mir: Möbel, Hausrat, Kleidung: secondhandware.
4. Ja, meine Tochter hat eine Schülerfahrkarte.
5. Ja, meine Tochter hatte vorübergehend Haustiere (Meerschweinchen), bis ich sie dann doch nicht mehr finanzieren konnte (Futter, Pflege, Tierarzt, Anschaffung des Gebrauchtgeheges und Zubehör).
5. Ja, meine Tochter geht gelegentlich mal mit Freundinnen ins Schwimmbad und ins Kino.
6. Nein, meine Tochter muss nicht "hungern".
 
Und wie meint ihr, ist das ohne elterliche Unterstützung im Hartz-Vollzug über J a h r e möglich?
 
Insbesondere, wenn man zuvor schon - ab dem Alter von 19 Jahren - ein weiteres Kind allein, alleinerziehend großgezogen hat, das inzwischen 27 Jahre alt ist und man "nebenbei" in Ausbildungen, Jobs und Studium befindlich war.
 
GENAU: Man spart an, bei sich selbst. Man v e r z i c h t e t: Jahre, Jahrzehnte lang. Auf das Basalste. Gesunde Nahrung, medizinische Mittel, soziokulturelle Teilhabe, Mobilität, ein aktives, selbstbestimmtes, ausgefülltes LEBEN. WEIL ES NICHT ANDERS GEHT, weil anderenfalls das Kind litte, wenn man nicht bei sich selbst einsparte ... .

BIS MAN PHYSISCH UND PSYCHISCH IM ARSCH IST. Mit nun fast 50 Jahren. Und keinerlei Perspektive mehr hat. Von Gesundheit, Vitalität, Energie ganz zu schweigen.
 
Und das vor allem auch deshalb, weil man nicht "nur" materiell arm ist, sondern damit, d e s h a l b auch ausgegrenzt.
 
Weil man für das Ertragene, Erlittene, allein Bewältigte und all die Jahrzehnte lang geleistete SorgeARBEIT niemals je Wertschätzung erhalten hat, schon gar keine monetäre, sondern dafür noch zustäzlich abgewertet wird.
 
Und weil man dann auch noch J a h r e lang gegen Jobcenter und rechtsstaatliche Institutionen, Polizei, Justiz, kämpfen muss: immer ohne Anwalt - und somit immer vergeblich und maximal zermürbend, belastend, beschädigend, auch existenziell (Kosten, Schulden, Zwangsvollstreckungsmaßnahmen, außergerichtliche Kosten ...).
 
Ist das wirklich so schwer zu verstehen - für all jene, die einen immer und immer wieder mit ignoranten, unempathischen, autoritären, unrealistischen, nicht bedürfnisorientierten Ratschlägen und sogar Vorwürfen und Diffamierungen überhäufen, dabei nicht im Mindesten helfen, sondern einen nur noch zusätzlich abwerten, herabsetzen, belasten - dies offenbar wollen (anderenfalls äußerten sie sich nicht so wie sie es tun)?
 
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update 22. Mai 2020
 
Hartz 4 - Arbeit - Niedriglohn - Armut - alleinerziehend - krank - alt - unten
 
oder:
Warum reicht das Geld nicht? Wofür gibst du es aus? Warum gehst du nicht arbeiten?
 
Noch einmal versuche ich zu erklären, nachvollziehbar zu machen, warum das Hartz-Geld (die monatliche Alg2-"Leistung") als menschenwürdiges Existenzminimum, zu dem laut Bundesverfassungsgericht auch soziokulturelle Teilhabe gehört (siehe bspw. BVerfG-Urteil vom 09. Februar 2010 - 1 BvL 1/09, dort unter C. I. b) ), nicht ausreicht:
 
weder für gesunde Nahrung, Lebensmittel über den gesamten Monat, noch für Mobilität, den ÖPNV, schon gar nicht für soziokulturelle Teilhabe
 
und folglich nicht die Sicherung eines menschenwürdigen Existenzminimums darstellt, da die Regelbedarfe, Regelsätze faktisch, d.h. empirisch belegbar, erheblich zu niedrig sind, infolgedessen eine permanente Bedarfsunterdeckung besteht, die gerade nicht mittels zurückzuzahlender bzw. mit der monatlichen "Leistung" verrechnet werdender Darlehen beseitigt oder auch nur gemildert wird.
 
Das gesamte Sozialgesetzbuch, insbesondere das SGB II stellt inklusive der "Weisungen" ein für Laien, Betroffene, für Menschen im Hartz-Vollzug undurchdringliches Bürokratiemonster dar.

In Jobcentern, durch Jobcenter-Mitarbeiter werden die "Leistungbeziehenden" üblicherweise über ihre Pflichten informiert, nicht aber über ihre Rechte.
Nicht selten verstoßen Jobcenter hingegen selbst - wissentlich, um nicht zu sagen vorsätzlich - gegen geltende Gesetze. Ohne kontinuierliche versierte (sozialrechtliche) anwaltliche Beratung und Vertretung sind Betroffene hiergegen völlig hilf- und wehrlos, da Widersprüche und Klagen zumeist abgewiesen werden, viele Betroffene ihre genauen Rechte außerdem, aus oben genanntem Grund, gar nicht kennen und die Jobcentervorgänge nicht durchdringen können.
 
Das alles ist im Grunde schon völlig inakzeptabel, eigentlich kriminell.
Durch die Sanktionspraxis wird das sogenannte Sozialgesetzbuch 2 jedoch zum Strafgesetzbuch, Betroffene werden wie Straftäter behandelt.
Anzumerken ist, dass auch hier über die Jahre etliche Sanktionen nachweislich (siehe bspw. gewonnene Klagen) rechtswidrig verhängt, vollzogen und durchlitten wurden, Entschädigung gibt es dafür nicht. Davon betroffen waren stets auch in Haushalten befindliche Kinder.
 
Das Vorgehen von Jobcenter-Mitarbeitern, das SGB II, das zugrundeliegende Menschenbild und daraus resultierende Verhalten basiert üblicherweise grundsätzlich auf Schwarzer Pädagogik:
 
Druck, Zwang, Kontrolle, Härte, Kälte, Strafe - Dressur:
durch psychische und physische Gewalt, denn durch das Kürzen des sogenannten Existenzminimums (mittels Sanktionen, aber auch durch zurückzuzahlende Darlehen sowie ggf. weiterer Zahlungsverfplichtungen, Schuldentilgung, nicht berücksichtigte, aber erforderliche "Sonderausgaben", Bedarfe etc.) wird Betroffenen eben gerade die Existenzgrundlage systematisch, sukzessive, wissentlich, absichtsvoll, somit vorsätzlich entzogen.
Nennt sich im Fachjargon euphemisiert "Anreize setzen" oder auch "Edukation", workfare.
 
Sowohl die Sanktionen als auch die sogenannte Förderung (Weiterbildung, MAT - Maßnahmen bei einem Träger, AGH - Arbeitsgelegenheiten, Ein-Euro-Jobs, Umschulung, erforderliche Bildungsgutscheine) sowie die Eingliederungsvereinbarungen (EGV) stellen jeweils eigene umfassende Themen dar, die ich teilweise bereits in anderen blog-Einträgen zu erläutern versucht habe, siehe jedoch oben bereits erwähntes Bürokratiemonster.
 
Zurück zur Ausgangsfrage: Warum reicht das Hartz-Geld - für alles - nicht?
 
Ich lege das an meinem persönlichen Beispiel dar, denke aber, dass es anderen Betroffenen sehr ähnlich ergeht, auch wenn es je nach individuellen Umständen durchaus Unterschiede (bspw. bei den regelmäßigen und unregelmäßigen Ausgaben, im Bedarf, hinsichtlich persönlich gesetzter Prioritäten, aber auch je individuell unterschiedlicher vorhandener Besonderheiten und Belastungen) gibt.
 
Die aktuellen Regelsätze für Erwachsene, d.h. für einen "alleinstehenden Leistungsempfänger" - Zusammensetzung der Regelsätze im Jahr 2020, siehe aufgelistete Einzelposten - finden sich bspw. hier:

https://www.hartz4.org/zusammensetzung-vom-neuen-regelsatz-diese-posten-werden-beruecksichtigt/
 
 
Die Regelsätze für Kinder finden sich auf oben verlinkter Seite gesondert aufgeführt.

Das Hartz-Geld reicht nicht, weil:
 
- man üblicherweise bei den notwendigen Ausgaben für Strom immer aus eigener Tasche, aus dem Regelsatz, draufzahlt, da die tatsächlichen Stromkosten auch bei angemessenem, sparsamem Verbrauch de facto deutlich höher liegen als der Regelsatz vorsieht
 
Beispiel:
Ich habe mit meiner Tochter, Zwei-Personen-Haushalt, einen unterdurchschnittlichen Jahresstromverbrauch von 1.470kWh. Ich erhalte Ökostrom von "Lichtblick". Das ist z.B. eine solche persönlich gesetzte Priorität.
 
Der durchschnittliche Jahresstromverbrauch für einen 2-Personen-Haushalt liegt (ohne elektrische Warmwasserbereitung) bei 2.000 bis 3.000 kWh
siehe bspw. hier:
 
Ich zahle jährlich aktuell einen Gesamtstrompreis (Grundpreis und Verbrauchspreis) von €504,98 (letzte Jahresabrechnung), aktuell einen monatlichen Abschlag in Höhe von €46,60 (aufgrund erhöhter Kosten von Netzentgelten und Umlagen).
 
Der Hartz-Regelsatz sieht für mich je Monat für den Posten "Wohnen, Energie, Wohninstandhaltung" (also auch für "Wohninstandhaltung", nicht nur für Strom) jedoch nur einen monatlichen Betrag von €38,82 vor, für meine vierzehnjährige Tochter hierfür €25,12. Zusammen also €63,94.
 
Nun muss man wissen, dass sich diese Beträge der Regelsätze eben nicht nur auf Strom bezeihen, sondern auch auf "Wohnen, Wohninstandhaltung" und dass überdies vom Gesamtregelsatz Einkommen abgezogen wird.
 
In unserem Fall beträgt der aktuelle monatliche Regelsatz €432,- für mich und €328,- für meine vierzehnjährige Tochter sowie den Alleinerziehendenmehrbedarf in Höhe von €51,84 (für Kinder bis 7 Jahre sind es ca. €100,- mehr, was nicht nachvollziehbar ist), somit insgesamt €811,84 je Monat.
 
Die Miete wird gesondert vom Jobcenter gezahlt, siehe KdU, Kosten der Unterkunft.
 
Meine Tochter und ich bewohnen von jeher eine Zwei-Zimmer-Wohnung, sie hat ein eigenes Zimmer und ich habe eines (das ist mein Schlaf- und zugleich unser Wohnzimmer).
 
Exakt so lebte ich auch mit meinem heute 27-jährigen Sohn in dessen Kindheit zusammen, mit dem ich seit meinem 19. Lebensjahr ebenfalls kontinuierlich allein alleinerziehend war, ohne jegliche familiäre Unterstützung, Rückhalt, Beistand.
 
Das Jobcenter errechnet den Bedarf und das Einkommen allerdings ganz anders: die Miete wird, wie auch das Einkommen, auf alle Mitglieder der Bedarfsgemeinschaft "anteilig verteilt". Ich habe die in den Bescheiden aufgeführte Berechnung bis heute nicht verstanden.
 
Lange Zeit musste ich gesundheitlich bedingt erhöhte Wasserkosten selbst tragen, das waren jahrelang um die €17,- je Monat - die jeden Monat, jedes Jahr fehlten (je Jahr ca. €204,-); inzwischen, d.h. wie üblich erst nach langem Kampf, werden diese vom Jobcenter übernommen.
 
Uns wird davon als Einkommen angerechnet/abgezogen:
 
das Kindergeld für meine Tochter, mtl. €204,- und der Unterhalt für meine Tochter, mtl. €101,-, insgesamt somit €305,- je Monat.
 
Von den €811,84 bleiben nach Einkommensanrechnung (Abzug der €305,-) für meine Tochter und mich zusammen je Monat also noch €506,84 "zum Leben", für:
 
- Lebensmittel
 
- Mobilität/ÖPNV
(beinhaltet auch die Anschaffung und Instandhaltung eines Gebrauchtfahrrades, wie nur meine Tochter ein solches hat, das es für ein weiteres Gebrauchtrad hier einfach nie reichte, Kind brauchte je nach Alter, Größe ja immer wieder ein passendes Gebrauchtrad)
 
- Körperpflege-, Hygieneprodukte
(inkl. Putzmittel, Damenmonatshygieneartikel)
 
- Strom
 
- Telefon, Internet
 
- Kleidung, Schuhe, Hausrat
 
- Sonderausgaben
(nenne ich nachfolgend noch detailliert)
 
In unserem Fall bedeutet das allmonatlich, alljährlich, seit kontinuierlich 15 Jahren:
 
1. Ich zahle beim Strom drauf, wie es faktisch alle Menschen im Hartz-Vollzug tun (müssen) oder es entstehen Stromschulden.
Monatlich zahle ich aktuell €46,60,- für Strom.
 
2. Ich habe lange Zeit bei der Miete, den Nebenkosten (Wasserkosten) draufgezahlt, siehe wie oben dargelegt.
 
3. Ich zahle bei Telefon und Internet drauf.
 
Monatlich zahle ich aktuell knapp €30,- für Telefon (Festnetz) und Internet sowie zusätzlich je €10,- für Mobiltelefon für meine Tochter und mich, überall flatrates. Zusammen also mtl. €50,- für Telefon, Mobiltelefone und Internet.
 
Meine Tochter und ich haben beide ein secondhand-Handy. Meines ist das ältere von beiden, zuerst hatte es mein Sohn (er hatte es schon von einem Freund gebraucht erhalten), der es seiner Schwester vor ca. sechs Jahren schenkte, von ihr habe ich es dann übernommen, nachdem ich ihr ein "besseres" (leider von Anfang an defektes) Gebrauchthandy gekauft hatte.
 
4. Das Geld reicht n i e für gesunde Ernährung über den gesamten Monat.
 
Der einzige "Luxus", den wir uns seit Jahren leisten, sind Bio-Lebensmittel (kein EU-Bio, sondern das der Anbauverbände, also aus dem Bio-Laden).
Als minderwertiger Dritte-Klasse-Mensch im Hartz-Vollzug darfst du das natürlich nicht, dem Regelsatz entsprechend darfst du nur in Discountern Lebensmittel einkaufen und/oder zu den "Tafeln" gehen. Bio-Lebensmittel sind im Regelsatz nicht vorgesehen.
 
Diverse Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Malabsorption (wie bei mir seit Jahrzehnten vorliegend) oder auch über Jahre selektiv essende Kinder, sogen. "picky eater" (wie für meine Tochter ärztlich, schulmedizinisch bestätigt) und einhergehende zwangsläufig eingeschränkte Lebensmittelauswahl, besondere Lebensmittel (wie eben bspw. Bio-Lebensmittel), sieht der Regelsatz ebenfalls nicht vor.
 
Mehrbedarfe für Ernährung werden hier nur gewährt, wenn du eine Nahrungsmittelallergie oder eine organische Krankheit, nur bestimmte Darmerkrankung (wie Morbus Crohn), hast.
 
5. Das Geld reicht n i e für Mobilität, den ÖPNV.
 
Beispiel Hamburg, HVV:
 
Die Vollzeitmonatskarte für den von mir benötigten Tarifbereich (Hamburg AB) kostet monatlich €111,20, im Abo immer noch €91,10.
Abo fällt für mich grundsätzlich weg, da ich einen so hohen Betrag generell nicht aufbringen kann.
Selbst mit der sogenannten "Sozialkarte", für die es aktuell €22,20 Vergünstigung gibt, blieben immer noch €89,- je Monat für den ÖPNV.
Wahnsinn! Dieses Geld kann ich im Hartz4-Bezug unter keinen Umständen allmonatlich aufbringen.
 
Eine Teilzeitmonatskarte zu mtl. €53,40 kommt hier nicht in Betracht, da man mit einer solchen nur zu bestimmten Uhrzeiten fahren kann und zu bestimmten nicht bzw. dann wiederum zuzahlen muss. Man darf in den Hauptverkehrszeiten n i c h t fahren, d.h. nicht zwischen 6 und 9 Uhr morgens und vor allem auch nicht zwischen 16 bis 18 Uhr am Nachmittag.
 
Wenn man jedoch in der Innenstadt und/oder verschiedenen Stadtteilen unterwegs sein möchte oder muss, diverse Termine, bspw. auch Arzttermine in Facharztpraxen wahrzunehmen hat (inkl. Wartezeiten etc.) oder Freunde und kulturelle Veranstaltungen besuchen möchte, kann man diese Zeiten oft gerade nicht einhalten bzw. muss dann immer noch zusätzlich zur Teilzeitkarte zuzahlen.
 
Tageskarten und Einzelfahrscheine sind auf den Monat hochgerechnet noch erheblich teurer, weshalb auch diese nicht in Frage kommen, insbesondere nicht, wenn man regelmäßig in der Stadt mobil sein möchte/muss, siehe, weil man Facharztpraxen für medizinische Behandlung (sowohl für Kind als auch mich selbst) regelmäßig aufsuchen muss oder auch, weil man in anderen Stadtteilen günstigere Geschäfte aufsuchen (können) müsste.
 
In unserem Fall hat das zur Folge, dass nur meine Tochter eine - erforderliche - Schülerfahrkarte hat, die sie für den Schulbesuch benötigt, da ihre Schule mehrere Stadtteile entfernt liegt, nein, das Jobcenter zahlt diese Schülerfahrkarte nicht, auch nicht im Rahmen des BuT.
 
Ich selbst bin seit vielen Jahren nur noch fußläufig im von uns bewohnten, elitären, weit außerhalb des Zentrums gelegenen Stadtteil unterwegs, d.h. ich verlasse das Haus nur für den notwendigen Lebensmitteleinkauf (wenn ich es physisch schaffe) und gelegentlich, wenn ich es körperlich, gesundheitlich schaffe, für kurze Spaziergänge mit meiner Tochter, wobei wir seit Jahren nur die immer selben Wege hier im Stadtteil gehen können.
 
Ich habe seit ca. zwanzig Jahren kein Fahrrad mehr, würde größere Distanzen (Fahrten in andere Stadtteile oder die Innenstadt oder Fahrradtouren mit meiner Tochter) aus gesundheitlichen Gründen auch längst nicht mehr bewältigen können.
 
Zu meiner gesundheitlichen Situation gibt es einen eigenen blog-Eintrag, siehe unten verlinkt.
 
Führerschein und Auto hatte ich noch nie.
 
Ich bin seit meinem 19. Lebensjahr alleinerziehende Mutter, "daneben" über Jahre in mehreren Jobs, Ausbildungen und Studium befindlich gewesen und habe zahlreiche Umzüge (auch über größere Distanzen von 600 Kilometern, durch verschiedene Bundesländer) bewältigt - für Führerschein, gar Auto war neben Lebeshaltungskosten (Miete, laufende Kosten, siehe oben genannt, und auch schon damals Kinderbedarfe, Kinderbelange meines Sohnes) nie Geld vorhanden, "übrig", auch nicht für Babysitter.
 
Während Gleichaltrige damals in jungen Jahren "feiern" gingen, auf Parties, zu diversen Veranstaltungen oder auch verreisten, saß ich (auch an den Wochenenden) alleine mit meinem kleinen Sohn zu Hause, schon damals materiell arm und sozial isoliert, da sehr abgelegen in der Provinz gewohnt habend.
 
In Folge der nicht zugänglichen, nicht verfügbaren Mobilität - weil der ÖPNV wie oben dargelegt unbezahlbar ist - bin ich seit Jahren sozial isoliert.
 
Ich kann weder kulturelle Veranstaltungen, Einrichtungen noch Freunde besuchen oder neue (auch bspw. neuen Partner) finden, kennenlernen noch etwas mit meiner Tochter unternehmen, vor allem auch n i e Ausflüge (in bspw. die umliegende Natur oder wenigstens gelegentlich in andere Stadtteile) unternehmen, keine Freizeittätigkeiten, wie bspw. Zoo, Bootfahren etc. mit ihr unternehmen und nicht einmal für die seit sieben Jahren dringend erforderliche medizinische Behandlung Facharztpraxen aufsuchen (da die Behandlung hier im Stadtteil in keiner Praxis durchgeführt wird), weil ich seit Jahren nicht mobil sein kann, weil ich mir den ÖPNV nicht leisten kann.
 
Im Hartz-Vollzug kannst du dir auch nicht aussuchen, in welchen Stadtteil oder gar welche Wohnung du ziehen möchtest - du musst froh sein, wenn du überhaupt eine jobcentertaugliche Wohnung findest und sie dann auch erhältst, einziehen, mieten darfst.
Bekanntlich sind die Jobcentervorgaben zu Miethöhe, Wohnkosten völlig realitätsfern, es ist kaum bzw. nur mit sehr viel Glück möglich, eine Wohnung zu finden, die den Jobcentervorgaben entspricht.
 
Die nächste Tafel-Ausgabestelle ist zwei Stadtteile von hier entfernt, in unserem Stadtteil gibt es keine. Selbst wenn ich wollte, würde ich zur "Tafel" gar nicht gelangen können, da ich auch hierfür den ÖPNV nutzen müsste, was ich aus oben genannten Gründen nicht kann.
Davon abgesehen können meine Tochter und ich aus oben bereits genannten Gründen vieles gar nicht essen, wir müssen unsere Lebensmittel selbst, selbstbestimmt auswählen und kaufen können.
 
6. Für "soziokulturelle Teilhabe", kulturelle Veranstaltungen wie
 
Besuche von Theatern, Konzerten, Museen, Kino, Kinderveranstaltungen, -interessen wie bspw. Zoo, Wildpark, Bootfahren, Schwimmbadbesuche, Kletterhalle, Kirmes, Schlittschuhlaufen/Eisbahn, Geburtstagsfeiern, Geburtstagsgeschenke bei Einladungen zu Kindergeburtstagen anderer Kinder, Weihnachten, Haustiere, Zimmerpflanzen, Restaurant-, Cafébesuche, Ausflüge oder gar Urlaube, Verreisen (auch innerhalb Deutschlands) u.a.m. reicht das Geld n i e.
 
Wenn ich meiner Tochter so etwas doch hin und wieder (dann leider stets nur ohne mich) zu ermöglichen versuche, fehlt dieses Geld stets ab Monatsmitte.
 
Wir haben keinerlei gemeinsame Erinnerungen zu gemeinsamen (nicht-alltäglichen) Unternehmungen, Veranstaltungen, Erlebnissen.
Meine Tochter hat ihre gesamte Kindheit und nun auch schon ihre Jugend im Hartz-Vollzug verbracht, verbringen müssen.
 
Weihnachtsbäume, Weihnachtsessen, Geburtstagsfeiern und -geschenke, Zimmerpflanzen, Haustiere (auch Kleintiere wie bspw. Meerschweinchen) sind sämtlich im Regelsatz nicht vorgesehen, auch nicht für Kinder.
 
Hier bedeutete das, dass meine wirklich sehr tierverbundene Tochter (rettet noch immer jeden Käfer, jede Spinne, Wespe, Fliege, Schnecke auf dem Weg oder in der Wohnung) ihre zwei, dann drei innig geliebten Meerschweinchen unter Tränen, langer Trauer wieder weggeben musste, weil ich die dafür allmonatlich erforderlichen €40,- (für Einstreu, Heu, Frischfutter) nicht aufbringen konnte, auch die Anschaffung eines angemessenen Gebrauchtgeheges war eine Herausforderung und glücksabhängig.
 
Hier bedeutet das, dass meine Tochter keinen einzigen (!) eigenen Kindergeburtstag feiern konnte, weil hierfür wenigstens, mindestens erforderlich ist, den Gästen, Kindern, Essen und Getränke, eigentlich auch Spiele, Aktivitäten, Unterhaltung anbieten zu können.
Außerdem hätte ich dafür aus gesundheitlichen Gründen dringend Unterstützung gebraucht, auch mehr Platz.
 
Bei meinem Sohn damals gab es jedes Jahr einen (einfachen, unspektakulären) Kindergeburtstag mit eingeladenen Kindern, Freunden von ihm. Auch damals hatte ich dafür kaum Geld zur Verfügung, aber doch mehr als jetzt (seit 15 Jahren) im Hartz-Vollzug, außerdem war ich noch jung und vital. 
 
Von den €506,84 für meine Tochter und mich müssen also schon mal €46,60 (Strom) und €50,- (Telefon, Internet, Mobiltelefon) abgezogen werden, bleiben noch €410,24 je Monat für uns beide für:
 
Lebensmittel, Körperpflege- und Putzmittel, "Mobilität"/ÖPNV (auch Fahrrad), Kleidung, Schuhe, Hausrat, Mobiliar, Instandhaltung, Reparaturen, bei defekten Gegenständen auch Neuanschaffung, Bildung, soziokulturelle Teilhabe, Kinderbelange, Kinderwünsche und auch sowas wie Kontoführungsgebühren, Haftpflichtversicherung und nicht zuletzt Papier, Druckertinte, Porto - das durch leider regelmäßig erforderliche Jobcenterkorrespondenz (Widersprüche, Überprüfungsanträge, Klagen und weitere Schreiben, auch bspw. an den Ärztlichen Dienst der Agentur für Arbeit und an den Inkasso-Service der BA) unabdingbar ist und somit zusätzliche Kosten verursacht.
 
Hierzu ist festzustellen, dass sowohl meine Tochter als auch ich nur Gebrauchtkleidung (außer Unterwäsche, Socken) und immer wieder auch Gebrauchtschuhe kaufen und tragen können, das war schon mit meinem Sohn damals nicht anders.
 
Auch unsere Wohnungseinrichtung - Möbel, Hausrat (auch Bettwäsche) und auch Kinderspielzeug - ist bis auf sehr wenige Ausnahmen (Billigtöpfe und -pfannen bspw.) alles secondhand-Ware.
 
Auch das war schon damals mit meinem Sohn nicht anders.
 
Wenn du aber jahrzehntelang (!) nur über nicht qualitativ hochwertige Gebrauchtsachen verfügen kannst, damit außerdem immer wieder umziehen musst, gehen diese Dinge (Möbel, Hausrat) auch schneller kaputt, es fehlt dir jedoch das Geld, sie reparieren zu lassen (sofern überhaupt noch möglich) oder sie durch neue zu ersetzen. Infolgedessen "lebst" du mit defekten Gegenständen oder musst sie ganz entbehren.
 
Unsere Haftpflichtversicherung habe ich, trotz Kind im Haushalt, vor einigen Jahren bereits gekündigt, da ich auch diese nicht mehr finanzieren konnte/kann. Andere Versicherungen habe ich nicht und hatte ich nie. Auch keinerlei Ersparnisse, finanzielle Rücklagen oder irgendwelches Vermögen. 
 
Zum Friseur geht nur noch meine Tochter und das auch nur ein Mal je Jahr. Ich schneide mir die Haare seit ca. drei Jahren nur noch selbst - für Friseurbesuche für mich fehlt das Geld, in den vorherigen Jahren ging auch ich nur einmal jährlich zum (preisgünstigen) Friseur.
 
Ich rauche nicht, trinke aus Überzeugung nie Alkohol (auch nicht zu "besonderen Anlässen", ich kenne zu viele alkoholkranke Menschen und verabscheue Menschen in betrunkenem Zustand), ich kiffe nicht, schlucke keine Tabletten (auch nie Schmerztabletten oder Aspirin) und bin auch sonst nicht substanzabhängig.
 
Ich gebe kein Geld aus für Schminke, schminke mich nie, in jungen Jahren nur, wenn ich gelegentlich einmal ausgehen konnte (Disco), auch nicht für Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Tonträger oder irgend eine Freizeittätigkeit.
 
Ich weiß nicht, woran ich noch sparen, worauf ich noch "verzichten", was ich noch entbehren soll - außer Wohnung, spärliche Nahrung und Gebrauchtkleidung. ?
 
Mit Lebensqualität, Freude hat all das seit mindestens und jedenfalls 15 Jahren im Hartz-Vollzug nichts mehr zu tun und es gibt keinerlei Perspektive, dem je entkommen zu können. Im Gegenteil: Mit zunehmendem Alter und sich zwangsläufig, unausweichlich (siehe oben genannten Gründe) kontinuierlich verschlechternder gesundheitlicher Situation wird es nur noch schlimmer.
7. Sonderausgaben
 
Von den oben genannten, nach Abzug der laufenden Kosten für Strom, Telefon, Internet verbliebenen €410,24 für meine Tochter und mich je Monat sind nicht nur oben genannte Kosten für Lebensmittel, Körperpflege, Kleidung, Hausrat etc. abzuziehen, sondern auch noch zusätzliche Ausgaben zu bewältigen:
 
a) Deutlich erhöhte Kontoführungsgebühren in Höhe von derzeit €30,- (!) je Monat
 
Hintergrund: Mein bisheriges Kontomodell mit monatlichem Pauschalpreis für Kontoführung in Höhe von mtl. €7,90 wurde von meiner Bank ohne meine Zustimmung - rechtswidrig - in ein teureres Kontomodell "umgewandelt", nachdem es auf meinem Pfändungsschutzkonto zu einem Pfändungs- und Überweisungsbeschluss im Rahmen einer durch die Justizkasse Hamburg vollzogenen Zwangsvollstreckung kam.
 
Die Zwangsvollstreckung resultiert aus einem zivilrechtlichen Rechtsstreit, den mein letzter Ex-"Partner" initiiert hat; er ist nicht biologischer oder sozialer Vater meiner beiden Kinder.
Es handelt sich hierbei um Gerichtskosten, die ich nicht zahlen kann.
 
Ich war im gesamten Rechtsstreit nicht anwaltlich vertreten, da mir PKH wegen vorgeblich mangelnder Erfolgsaussicht verwehrt wurde; mein Ex war seinerseits von Anfang an anwaltlich vertreten.
Auch hierzu gibt es einen eigenen Eintrag in meinem blog.
 
Ich versuche, diese massiv erhöhten Kontoführungsgebühren gerade in einem Schlichtungsverfahren rückgängig zu machen.
 
b) Gesundheitsausgaben
 
Da ich u.a. (neben langjähriger, schulmedizinisch diagnostizierter Eisenmangelanämie und ausgeprägtem Vitamin D-Mangel) einen Vitamin B12-Mangel habe, hier im Stadtteil aber kein Arzt Vit. B12 i.m. injiziert oder dies nur auf Privatrechnung, muss ich mir Vitamin B12-Präparate sowie Spritzen und Kanülen sowohl selbst in der Apotheke kaufen als auch selbst zu Hause s.c. injizieren.
 
Das sind aktuell im Monat nochmal ca. €25,-, da zu Anfang der Substitutionstherapie erst aufgesättigt werden, dafür häufiger Vit. B12 injiziert werden muss, später dann ca. ein Mal monatlich eine geringere Erhaltungsdosis.
 
Das dringend erforderliche Eisen (-präparat) zum Beheben meiner seit elf Jahren bestehenden Eisenmangelanämie kann und darf ich mir leider nicht selbst i.v. injizieren oder infundieren.
 
So bleiben von den €410,24 nur noch €355,24 monatlich für meine Tochter und mich - vor allem für (Bio-) Lebensmittel.
 
c) Ausgaben für meine Tochter
 
Auch meine Tochter wächst, verändert, entwickelt sich. Sie braucht deshalb immer wieder mal andere, größere, passende (Gebraucht-) Kleidung, Schuhe, Zimmerausstattung, siehe bspw. auch so etwas wie Poster, Wandbilder. Aktuell hat sie noch immer ein Kinderzimmer, kein "Jugendzimmer".
 
Dringend erforderlich wäre das Renovieren, Streichen ihres Zimmers, aber weder kann ich die Wandfarbe und weitere Utensilien (Farbrollen, Pinsel, Abdeckplane etc.) bezahlen noch sie auch nur beschaffen, da ich über keinen in der Nähe befindlichen, fußläufig erreichbaren Baumarkt verfüge, den ÖPNV nicht nutzen und schwere Farbeimer nicht tragen kann.
 
Ich bin knapp 1,70m groß und wiege nur noch 48kg - aufgrund von chronischen Krankheiten, Mangelernährung, Armut.
 
Lange Zeit hatten wir auch keine Vorhänge oder sonstigen Fensterbehang, auch die Kosten hierfür übernimmt das Jobcenter nicht, Anträge auf Kostenübernahme werden abgelehnt, ja, auch das habe ich versucht - wie so vieles in den 15 Jahren Hartz-Vollzug: vergeblich.
 
Gelegentlich fallen auch Ausgaben an für eben wenigstens kleine Geschenke bei Einladung zu Kindergeburtstagen anderer Kinder oder für schulische Ausflüge, Eintrittsgelder, mitzubringenden Proviant ... .
 
Auch soll meine Tochter nicht hungern oder auf alles verzichten müssen, so gibt es auch mal Eis von der Eisdiele für sie oder ein Croissant oder Muffin vom (Bio-) Bäcker oder auch Süßigkeiten, Knabberzeug, insbesondere, wenn mal eine Freundin von ihr zu Besuch kommt und man seinen Gästen wenigstens eine Kleinigkeit anbieten möchte.
 
Sie hat auch mal eine Stofftasche oder einen Beutel, Rucksack "außer der Reihe" erhalten, wenn auch dies stets secondhand.
 
Das meiste Geld hatte ich jedoch über die Jahre in ihre secondhand-Kleidung und Schuhe sowie Spielzeug zu investieren.
 
Dann auch in ihre Meerschweinchen und in Farben, Stifte, diversen Kleinkram (Kinderschmuck, Bastelmaterial, Haarspangen etc.).

Augenblicklich isst sie pubertätsbedingt deutlich mehr als in den Kinderjahren zuvor, auch das macht sich in den Ausgaben für Nahrungsmittel deutlich bemerkbar.
 
Und dringend braucht sie aufgrund ihres Alters, Wachstums, ihrer körperlichen Entwicklung nun auch BHs, die ich jedoch nicht anschaffen kann, da bereits ein einziger qualitativ guter, synthetikfreier, richtig sitzender BH oder Bustier mindestens um die €20,- kostet. Sie benötigt aber mehrere zum Wechseln. Gebraucht ist hier nur sehr selten, wiederum nur zufällig etwas Passendes zu finden.
Ich habe ihr schon zahlreiche andere Kleidungsstücke von mir "vererbt", BHs kann ich ihr nicht weitergeben oder mit ihr teilen, da ich selbst keine trage/habe.
 
Gerade kürzlich haben wir die ganze Garnitur Kinderslips durch deutlich größere Damenslips für sie ersetzen müssen. Auch hierfür waren ca. €50,- zu zahlen.
 
Einmal jährlich werden auch neue Socken (immer mehrere Paare zum täglichen Wechseln) benötigt, wenn wachstumsbedingt erforderlich auch öfter.
 
Für all das gibt es jedoch kein Extra-Geld vom Jobcenter. Das alles soll aus dem Regelsatz bezahlt werden, darin enthalten sein.
 
d) Ausgaben aufgrund von Rückzahlungen, Schuldenabtragung
 
In meinem Fall betrifft das Kindergeld, das ich zurückzahlen muss, obwohl ich die Kindergeldüberzahlung (damals bei meinem Sohn) nachweislich (es gibt Beweisdokumente) nicht verursacht, nicht verschuldet habe, sondern die damals zuständige Familienkasse selbst dies verschuldet hat.
Die Säumniszuschläge sind inzwischen, nach zehn Jahren, erheblich höher als die ursprüngliche Forderung.
 
Auch hier: ohne Anwalt keine Chance.
Seit zehn Jahren kämpfe ich um Erlass, wenigstens der Säumniszuschläge, um außerdem Billigkeitserlass der Gesamtforderung aus sachlichen Gründen - vergeblich.
 
Eine andere Sache sind einmal jährlich gezahlte Dividenden meiner Baugenossenschaft, die mir vom Jobcenter rechtswidrig nachträglich als Einkommen angerechnet wurden und die ich ebenfalls in monatlichen Kleinstraten (zu €10,-) zurückzahlen muss.
 
Schließlich bereits zurückgezahlte Rückforderung des Jobcenters wegen Mietminderung.

Ich hatte damals, in einer anderen Wohnung und anderen Stadt, die Miete angemessen gemindert. Wir hatten ein halbes Jahr lang "Strom im Wasser", man bekam unvorhersehbar einen deutlich schmerzhaften Stromschlag, wenn man Armaturen anfasste oder ins Wasser fasste, konnte sich also nicht waschen, duschen, zu kompliziert, das hier kurz und knapp zu erläutern. Außerdem hatten wir zwei Winter lang (in den kalten Wintern 2009 und 2010, meine Tochter damals erst drei Jahre alt) eine defekte Heizung in allen Räumen, sie wurde nicht einmal lauwarm.
 
Wir hatten also den Schaden, nicht das Jobcenter. Wir mussten mit diesen gravierenden Mängeln lange Zeit leben, aber das Jobcenter sparte die Miete - forderte den geminderten Betrag von mir zurück.
 
e) Wie schon erwähnt wird eigentlich auch immer wieder Geld benötigt für den Ersatz alter, defekter Secondhand-Möbel und ebensolchen Hausrats, so bspw. für zwanzig Jahre alte Handtücher und Bettwäsche oder Billigpfannen, bei denen sich die Beschichtung nach kürzester Zeit (spätestens einem Jahr) ablöst. Teure langlebige, qualitativ hochwertige Produkte kann man sich im Hartz-Vollzug nicht leisten.
 
Wenn aber die Kommode, der Tisch, die Stühle, das Bett tatsächlich auseinanderfallen, zusammenbrechen (wie hier so der Fall gewesen), das Telefongerät nach Ablauf der Gewährleistungsfrist kaputt geht (wie so auch die billige Digitalkamera oder auch der zehn Jahre alte Drucker), die Kleidung und Bettwäsche stark abgenutzt bis durchlöchert ist, die Schuhe deutlich sichtbar abgetragen sind (jedenfalls meine), im Kinderzimmer tatsächlich noch alte, gebraucht gekaufte Kinderzimmermöbel stehen, man nichts zu Essen anbieten kann, weil das Geld für eigenes Essen schon ab Monatsmitte nicht mehr reicht, will man so auch keinen Besuch - auch keine Freundinnen von Tochter - empfangen und wagt sich kaum mehr nach draußen.
 
Ein Darlehen hilft hier nicht, da es stets umgehend zurückgezahlt werden muss bzw. mit der laufenden Leistung verrechnet, monatlich davon abgezogen, vom Jobcenter einbehalten wird, was wiederum der Kürzung des Existenzminimums gleichkommt. Das Geld reicht ja eben so schon jahrelang allmonatlich für alles nicht, weil die Regelsätze deutlich zu niedrig sind.
 
Alles verfällt: die Wohnung, Kleidung und man selbst - w e i l man materiell arm ist, nicht: "sozial schwach".
 
Man kann solche "Durststrecken, Krisen, prekären Verhältnisse", ggf. ein paar wenige Jahre überbrücken, aushalten, bewältigen, insbesondere, wenn man eine realistische Perspektive auf absehbare, tatsächliche Verbesserung der Lebenssituation hat, nicht aber jahrzehntelang und ohne Unterstützung, Rückhalt durch Familie, Eltern, Partner oder Freunde.
 
Erst recht nicht, wenn man jahrzehntelang alleinerziehend, physisch chronisch krank und materiell arm ist.
 
Und keinerlei "Förderung" für berufliche Qualifizierung oder sonstige respektvolle, bedürfnisorientierte, unbürokratische, effektive Unterstützung durch den Staat erhält, sondern einem diese sogar verwehrt wird. 
 
Was mich betrifft, wollte und will ich mich nie je wirtschaftlich, finanziell von einem Mann, Partner oder Freunden abhängig machen, nicht einseitig nehmen ohne wirklich etwas zurückgeben, mich angemessen und zeitnah revanchieren zu können und keine Almosenempfängerin sein (müssen), schon gar nicht, wenn mir wildfremde Menschen (übers Internet) ihre Hilfe anbieten, so gut es auch gemeint ist. 
 
Das hat nichts mit falschem Stolz, sondern mit Würde, Werten, Integrität zu tun.
 
Und ich möchte nicht, schon gar nicht lebenslang, existenziell auf Glück, Zufall angewiesen sein.
Ich möchte auch nicht, dass mir, wenn überhaupt, zufällig geholfen wird, während es unzähligen anderen nicht selbst verschuldet, sondern aus politischen Gründen schlecht und noch viel schelchter geht als mir.
 
Es sind global wie je regional diese politischen Gründe, Ursachen angemessen zu beheben - somit auch die weltweite Armut. Und ja, möglich, machbar wäre das: längst.
 
Schließlich zur Frage: Warum gehst du nicht arbeiten?
 
Hierzu ist festzustellen:
 
1. Ich arbeite seit 27 Jahren nonstop als nicht entlohnte, alleinstehende, alleinerziehende Sorge-Arbeiterin - wie so viele andere Frauen weltweit auch: gratis, unentgeltlich die für jede Gesellschaft und Gemeinschaft unentbehrliche häusliche Sorge-Arbeit leisten.
 
2. Ich habe davor und "daneben" jahrelang gejobbt, drei "halbe" Ausbildungen und ein "halbes" Hochschulstudium gemacht, aus verschiedenen Gründen jedoch nicht abschließen können.
 
Zwei Ausbildungen waren schulische, mit zu zahlendem Schulgeld, die ich aufgrund von Betreuungsproblemen, damals meines Sohnes bzw. (erste Ausbildung) aufgund damals erster, ungeplanter Schwangerschaft mit meinem Sohn nicht mehr fortsetzen, das Schulgeld nicht mehr zahlen konnte.
Ich war damals 18, bei seiner Geburt 19 Jahre jung, ohne jegliche familiäre Unterstützung, Beistand, Rückhalt.
 
Das Studium, neben dem ich trotz BAföG auch jobben musste, gab ich auf, nachdem ich unerwartet mit meiner Tochter schwanger wurde, es mir in der Schwangerschaft bis zum sechsten Monat gesundheitlich sehr schlecht ging, ich daher viel liegen musste, mich deshalb zunächst beurlauben, dann aber ("wegen Kindererziehung") exmatrikulieren ließ, weil ich das teure Semesterticket nicht mehr zahlen und auch nicht mehr nutzen konnte, außerdem als Studentin in fortgeschrittenem Alter "freiwillig" krankenversichtert sein musste.
 
Immer wieder zahlte der biologische Vater meines Sohnes den Unterhalt für Sohn nicht, was zusätzliche finanzielle und bürokratsiche Belastungen mit sich brachte.
 
Verheiratet war ich nie und wollte es auch nie sein.
 
3. Ich habe somit keinen berufsqualifizierenden Abschluss.

Jahrelang bemühte ich mich um einen solchen mittels "Umschulung", dafür erforderlichem Bildungsgutschein, über das Jobcenter. Vergeblich. Der Bildungsgutschein wurde mir stets verwehrt, somit auch die berufliche Qualifizierung.
 
Inzwischen bin ich 46, bald 47 Jahre alt und langjährig chronisch physisch krank.
 
4. Ich könnte nach Beheben meiner Erkrankungen (sofern, soweit möglich) allenfalls Mini- oder Midijobs machen, nur Niedriglohn erzielen, wäre damit weiterhin "Aufstockende", bliebe also auch dann weiterhin im zermürbenden, vielfach belastenden, beschädigenden Hartz-Vollzug.
 
Ich habe jedoch in meiner Jugend solche Hilfsjobs zur Genüge gemacht und ich weiß, dass und wie intensiv diese körperlich und psychisch schwächen, belasten.
 
Erforderlich wäre eine berufliche Qualifizierung (per zertifiziertem Fernlehrgang), damit ich im homeoffice erwerbstätig sein könnte, so, wie es mit meiner gesundheitlichen Situation vereinbar wäre.
 
5. Seit Jahren gibt es jedoch nicht einmal die Möglichkeit, meine Erkrankungen medizinisch behandeln, gar beheben zu können. Siehe an anderer Stelle im blog ausführlich erläutert.
 
Ich bewältige schon den notwendigen Lebensmitteleinkauf seit ca. drei Jahren kaum mehr, muss Spaziergänge mit meiner Tochter immer wieder abbrechen, kann nicht einmal mehr mit ihr Federball im Park nebenan spielen, weil mir die körperliche Kraft fehlt.
Selbst wenn mir nun jemand eine Reise schenkte, ich könnte sie gar nicht antreten.
 
6. Seit mittlerweile zwei Jahrzehnten habe ich stets a l l e i n e zahlreiche, extrem belastende, schwächende, mich zusätzlich existenziell beschädigende Kämpfe mit diversen Behörden und zuletzt auch zeitgleich mehreren Gerichten (Amtsgericht, Landgericht, Sozialgericht und Finanzgericht Hamburg) ausgefochten. - Vergeblich. Ich war ja nie anwaltlich vertreten, während es die jeweilige Gegenseite immer und von Anfang an war.
 
Ich habe zwei Kinder alleine "großgezogen", umsorgt ..., meine gesamte Jugend dafür (auf-) gegeben, auf Etliches verzichtet ... .
 
Jeden Job, jede Ausbildung, jede Wohnung habe ich mir allein, selbsttätig, eigeninitiativ gesucht und beschafft, ohne Hilfe des Arbeitsamtes oder Jobcenters, mit Ausnahme bezahlter Umzugskosten und vorgestreckter Kautionen, um auch die jedoch stets zunächst zu kämpfen war.
 
Ich hatte keine allzu guten Startbedingungen und habe seit meinem 13. Lebensjahr keine Herkunftsfamilie, keine Eltern mehr.
 
Meine biologischen "Eltern" haben sich beide nie um mich gekümmert, meine sozialen (Pflege-) Eltern, die aufgrund ihres schon damals, bei meiner Aufnahme, fortgeschrittenen Alters meine Großeltern hätten sein können, dafür auch meist gehalten wurden, sind beide längst verstorben; ich sah sie zuletzt kurz im Alter von 16 Jahren, als ich schon drei Jahre nicht mehr bei ihnen gelebt hatte.
 
Näheres dazu findet sich im blog-Eintrag "Biographisches".
 
Über all dem bin ich weder übergewichtig noch substanzabhängig, süchtig oder kriminell geworden.
 
Inzwischen, nach all dem, durch all das: kann ich nicht mehr. Physisch nicht und psychisch auch nicht.
 
Aber für all das Bewältigte, Ertragene, Durchlittene, Erkämpfte und Entbehrte gibt es keinerlei Anerkennung, keinerlei Wertschätzung.
 
Es gibt nur Ignoranz, Gleichgültigkeit, Arroganz, Verachtung, Vorwürfe, Bevormundung, allenfalls "Mitleid" und Bestrafung durch den Rechts- und Sozialstaat, durch Regierungspolitik und Mehrheitsgesellschaft.
 
Ich bin kein Einzelfall, keine Ausnahme.
So wie mich gibt es sehr viele andere Menschen, auch im reichen Deutschland, die schon in Kindheit und Jugend erheblich vorbelastet, auch seitdem beschädigt sind, die nicht gefördert wurden, die kein stabiles Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen und Resilienz entwickeln konnten, die aus vielerlei Gründen nicht so funktionieren können und/oder wollen wie andere und die dafür zusätzlich (!) durch den Staat, durch Regierungspolitik bestraft werden. Mit materieller Armut. Mit Ausgrenzung. Mit systematischer, sukzessiver Existenzvernichtung.
 
Agenda 2010, Hartz 4, Niedriglöhne, Kinderarmut, Mütterarmut, Altersarmut, Krankheit, Verfall, frühere Sterblichkeit.
 
Menschen wie ich gelten Staat, Regierungspolitik, Gesellschaft nach wie vor als Asoziale, Ballastexistenzen. Zu vernichten.
Drum.
 
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Aktualisierung am 27. Juni 2019
 
Zum Thema "Netzwerke", siehe hierzu u.a. oben verlinkten Text "Armut prägt stärker als Familienstatus", pharmazeutische-Zeitung.de:
 
1. Es ist Aufgabe, Pflicht eines Sozialstaates - siehe Sozialstaatsgebot Art. 20 Abs. 1 GG - materieller Armut vorzubeugen bzw. sie bei Entstanden-, Vorhandensein angemessen und zeitnah zu beheben.

Dies trifft somit auch auf Kinderarmut und Mütterarmut zu - siehe Armutsfaktor Alleinerziehendsein, siehe hierzu außerdem Art. 6 Abs. 1 und Abs. 4 GG.
 
2.  Private Neztwerke entbinden den Staat, die jeweilig amtierende Regierung nicht von dieser Pflicht.
 
Solche Netzwerke basieren auf vielfältigen Umständen, Zufällen, je persönlichen sozialen sowie finanziellen, wirschaftlichen Möglichkeiten und Kapazitäten, wiederum insbesondere dem möglichen, uneingeschränkten, nicht verstellten Zugang zu soziokultureller Teilhabe, Mobilität, Bildung, Information, guter medizinischer Versorgung u.a.m..
Hierfür sind bereits entsprechende finanzielle Mittel unabdingbar.
 
Voraussetzung ist außerdem, nicht bereits je persönlich (siehe Biographie) intensiv, langwierig psychisch-emotional und/oder physisch überlastet oder gar beschädigt (worden) zu sein, bspw. in eigener Kindheit und Jugend - u.a. wiederum aufgrund materieller Armut, des sozialen Status ... .

3. Soziale Netzwerke lassen sich am besten dort und dann aufbauen, wo dies tatsächlich niedrigschwellig, unbürokratisch, bedarfsgerecht, bedürfnisorientiert und nicht konstenintensiv möglich ist.
 
Hierzu trägt die Kleinfamilie gerade nicht bei, im Gegenteil. Stattdessen erforderlich ist anderes, d.h. zeitgemäßes, ökologisches gemeinschaftliches, selbstverwaltetes Wohnen, Miteinanderleben auf Basis entsprechender Architektur und Infrastuktur, siehe sogen. alternative Wohnprojekte, generationenübergreifendes Wohnen, co-housing.
 
D i e s gilt es staatlich angemessen zu fördern - statt es wie bisher zu behindern, siehe bspw. Architektur/Wohnungsbau, zu hohe Mieten, Hartz 4 (Stichwort/Problem Bedarfsgemeinschaft, permanente Bedarfsunterdeckung etc.), Niedriglöhne, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, zu geringe Altersrente, Altersarmut, Ehegattensplitting, Mehrfachbelastung von Frauen, Müttern, Alleinerziehenden (Stichwort unbezahlte häusliche Sorge-Arbeit und Erwerbstätigkeit ...) - bzw. es nur Privilegierten vorbehalten bleiben zu lassen. 
 
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Aktualisierung am 09. November 2018
 
Randläufige Feststellung von Tatsachen:

Mir geht die physische Energie (fürs Widerstandleisten, Durchhalten) aus, die Vitalität ging schon lange verlustig.
 
Das hat seine Ursache(n) in seit Jahren bestehenden, nicht therapierten chronischen, physischen Erkrankungen und im systematischen, staatlich getätigten Dauerbeschuss, in daraus resultierender materieller Armut, damit einhergehender fehlender soziokultureller Teilhabe, Ausgrenzung, Entwürdigung und Verschärfung der physischen Erkrankungen.
 
Es liegt auch daran, dass das Durchhaltenmüssen sich - ohne Regenerationsmöglichkeit(en) - schon zu lange hinzieht und es keinerlei realistische Perspektive auf zeitnahe Veränderung, Verbesserung der Situation, der (persönlichen wie politischen) "Missstände" gibt.

Ich bin dabei im Übrigen bekannterweise kein Einzelfall - weder in Deutschland noch in Europa, schon gar nicht anderswo auf der Welt:
Etliche Menschen, davon unzählige Frauen und Kinder, krepieren, verrecken, l e i d e n - jeden einzelnen Tag auf dieser Erde. Aus ebenso bekannten Gründen. Wir gelten als Ballastexistenzen. Drum.
 
Was mich persönlich betrifft, so hatte ich nie wirklich eine Jugend, jedenfalls allenfalls eine sehr kurze.
Aber von frühester Jugend an vollumfänglich alleine Verantwortung für erst ein, dann zwei Kinder zu tragen und "nebenbei" irgendwie unsere Existenz wirtschaftlich, finanziell zu "sichern" - durch Jobs, Ausbildungen, Studium (und zahlreiche erforderliche Umzüge), durch zu bewältigende Hürden, Widerstände, Bürokratie und persönliche Widerfahrnisse ... .
 
Ohne dabei je Eltern, eine Familie, einen Partner an der Seite, als Rückhalt, Unterstützung (gehabt) zu haben.
 
Ich war nie je wenigstens auch nur ein Mal in einem klassischen oder auf einem Rockkonzert oder Festival.
Ich war nie bei einer Goa-, Techno- oder sonstigen "Party".
Ich habe nie je in einem Flugzeug gesessen.
 
Ich war nie drogensüchtig (von wenigen Jahren Zigarettenrauchens abgesehen, das Aufhören stellte für mich jedoch tatsächlich kein Problem dar, ich rauche seit mehr als zehn Jahren nicht mehr und davor auch nur für wenige Jahre).
 
Ich war nie je auch nur ein einziges Mal in meinem Leben betrunken. Ich mag keinen Alkohol, ich kenne zu viele alkoholkranke Menschen und die verheerenden Folgen dessen.
 
Ich bin nie je verreist, insbesondere leider auch kein einziges Mal je mit meinen Kindern, was ich sehr, sehr bedaure - nicht einmal innerhalb Europas oder auch bloß Deutschlands.
 
Abgesehen von den Urlauben mit meinen Pflegeeltern in meiner Kindheit - nach Österreich und wenige Male mit meiner "Mutter" in die Schweiz. Die Alpen, die von mir so geliebten Berge.
Zuletzt habe ich solchen Urlaub im Alter von 12 Jahren erlebt - seither nicht mehr. Kein einziges Mal.
 
Ich habe gute - wenn auch im Alter fortgeschrittene, einfache, pädagogisch nicht geschulte, relativ ungebildete, aber pflichtbewusste, fürsorgliche - soziale (Pflege-) Eltern gehabt: Er Arbeiter, Sie Hausfrau.

Meine biologischen Eltern (Sie Musikpädagogin, Er Unternehmer) waren nie je meine Eltern.
 
Meine biologische Mutter hatte mich wiederholt und seit meiner frühesten Kindheit (schon im Säuglingsalter) zu verschiedenen Tagesmüttern, später (ab dem/meinem Alter von eineinhalb Jahren) zu Pflegeeltern ab-, weggegeben - entsorgt.

Mein biologischer Vater hatte noch nie je Interesse an mir, er war vor meiner Geburt bereits verheiratet gewesen und hatte einen Sohn, er wollte (gemäß der Aussage meiner Mutter mir gegenüber) keine weiteren Kinder. Meine Mutter war ungeplant von ihm schwanger geworden, so zumindest sagte sie.

Ich habe meinen biologischen Vater nie je auch nur ein einziges Mal gesehen, nicht kennenlernen können, nicht ein einziges Mal wenigstens sein Land, seine Heimatstadt (Barcelona) sehen, kennenlernen, erleben können.
Es fehlte dafür immer das Geld, die Zeit, die Möglichkeit - ich bin seit meinem 19. Lebensjahr alleinerziehende, materiell arme Mutter.

Erst vor zwei Jahren (2016) fand ich durch Zufall ein einziges winziges Foto von ihm im Internet, davor (in meiner gesamten Kindheit, Jugend ...) hatte ich ihn nicht einmal auf einem Foto je gesehen - meine Mutter hatte vorgeblich keines. Jahrzehnte lang wusste ich nicht einmal, wie mein Vater aussieht.
 
Ich habe gejobbt, Ausbildungen gemacht, studiert, wenngleich alles nicht beendet, denn "daneben" hatte ich allein für stets mindestens ein Kind zu sorgen.

Ich habe seit 25 Jahren nonstop/kontinuierlich Sorge-Arbeit geleistet - allein.
 
Und das bedeutet, beinhaltet gerade nicht "nur" putzen, waschen, kochen, einkaufen, sondern sich zurücknehmen, eigene Bedürfnisse, Wünsche permanent hintanstellen zu müssen, auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen, sie erfüllen zu müssen, allein für ihr physisches und psychisches Wohlergehen, ihre gute, gesunde Entwicklung, Entfaltung verantwortlich zu sein: jeden einzelnen Tag, jahrelang - alleine.
 
Es blieb keine Zeit, kein Raum für mein Jungsein (-können), für meine Interessen, für Experimente, für wichtige Erfahrungen, Erlebnisse ... . Ich wollte eine gute, verantwortungsvolle Mutter sein - bedürfnisorientiert. Das hatte zwangsläufigen Verzicht für mich zur Folge.
Vielleicht wäre es mit Unterstützung (durch Eltern, Familie, Partner, Kindesväter) und mehr Geld anders gewesen, verlaufen. Vielleicht: nützt mir jedoch nichts.
 
Ich habe die Dinge so gut als mir möglich zu tun, pflichtbewusst, gewissenhaft zu erledigen, Diverses zu bewältigen versucht - nicht nur die Alltagsherausforderungen (wie bspw. weite Einkaufswege, nicht vorhandene Mobilität, kein Auto, Führerschein, kein Fahrrad, kein Geld für den ÖPNV oder auch wiederholt mit krankem Kind allein im Krankenhaus gewesen zu sein ...), nicht nur die andauernde, intensive Behördenwillkür/-schikane, nicht nur die materielle Armut, sondern auch die Haltlosigkeit, das Entwurzeltsein, die Identitätssuche sowie auch den Verlust von nahegestandenhabenden Menschen (die starben - manche durch eigene Hand), all die immerwährenden Existenzsorgen, -nöte, -ängste (aufgrund der materiellen Armut, der Mittellosigkeit) und auch all die Beziehungsgeschichten, Erfahrungen mit Männern im Lauf der Zeit.
 
Ich dachte, ich könnte "etwas aufbauen" - eine sichere Existenz. Ich dachte, ich könnte meinen Kindern dann/damit Rückhalt geben, sie unterstützen auf ihrem eigenen Weg. - Es ist mir nicht gelungen.

Für "Selbstfindung" war keine Zeit - es ging nie darum, was ich wann wie gerne gewollt, getan, ausprobiert, erlebt, erfahren hätte, wohin ich wollte, wie ich mir mein Leben vorstellte, was mein Weg sein könnte.
Es ging stets nur um Alltagsbewältigung, Existenzsicherung und Bedürfniserfüllung der Kinder - soweit mir dies eben im Rahmen der bestehenden "Missverhältnisse", Belastungen ... möglich war.
 
Es war und ist kein Raum für (meine) eigene, persönliche Entfaltung ... .

Für all das Geleistete, Erlittene, Bewältigte: gab es nie je Anerkennung, Wertschätzung. Stattdessen Verachtung, Mitleid, Abwertung und Druck, Zwang, Strafe, Unterwerfung, Beschädigung. Durch den Staat.
 
Mehr, anderes k a n n ich leider nicht (mehr) leisten. Es tut mir leid.
 
Nun bin ich 45 Jahre alt. Seit 13 Jahren im Hartz 4-Vollzug. Materiell arm, chronisch physisch krank. Und ich weiß, ich habe begriffen:
 
Da kommt nichts mehr. Da ist nichts mehr zu holen, zu erreichen, zu erwirken, zu erkämpfen.
 
Ich kann und ich will nicht mehr permanent nur kämpfen und durch-, aushaltenmüssen. Nur fremdbestimmt überleben, vegetieren, statt selbstbestimmt zu leben - l e b e n zu können, zu dürfen. - Ich darf es wie so viele andere offensichtlich nicht.
 
Als materiell arme, mittellose, ledige Frau, als alleinerziehende Mutter. Als Ballastexistenz.
 
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14.12.2016
 
Warum bin ich materiell arm, chronisch krank und sozial isoliert?
 
Weil: Ich alleinerziehend, chronisch krank, materiell arm und sozial isoliert bin.
 
Das ist die Kurzversion.
Für die ausführlichere Version der Antwort ist ein weiteres Ausholen unvermeidlich.
 
Sehen wir uns die einzelnen "Risikofaktoren" also etwas genauer an, die im Übrigen keineswegs mich alleine, als eine Art seltene Randerscheinung, treffen, sondern auf solche bzw. mehr oder weniger ähnliche Weise auch etliche andere Menschen - darunter gerade viele Frauen und Mütter (Armut ist global "weiblich" – betrifft, beschädigt deutlich mehr Frauen als Männer).
 
Der erste Armutsrisikofaktor besteht also bereits tatsächlich darin, dass ich weiblich bin. Ein weiterer darin, dass ich keiner wohlhabenden Familie entstamme.
Ich wurde folglich in Bezug auf schulische Bildung, Ausbildung, beruflichen Werdegang, individuelle (finanzielle wie "soziale", musische …) Förderung und Unterstützung in der Kindheit, Jugend, Adoleszenz nicht durch das soeben Aufgezählte auf eine "erfolgversprechende" Bahn, in entsprechende Position – mit üblicherweise einhergehendem Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen – gebracht.
Man bezeichnet das allgemeinhin als "schlechte Startbedingungen".

Immerhin wurde ich als Kind nicht sexuell missbraucht, war auch nicht von Hunger und/oder Obdachlosigkeit betroffen, musste nicht in einer Dikatur oder in Zeiten, an Orten "kriegerischer Konflikte" meine Kindheit fristen.

In meinem Fall war es lediglich das bereits im Säuglingsalter mehrfach Herumgereichtwordensein, dann das Aufwachsen in zwei Pflegefamilien – unterbrochen und abgelöst von außerdem dem Besuch zweier Internate, da meine leibliche Mutter "alleinerziehend" war bzw. eben hierauf keine rechte Lust hatte (inklusive all der Opfer, Verzichte, Entbehrungen, die das damals wie heute mit sich brachte und bringt), sondern stattdessen ein kindfreies Leben als (späte) Musikstudentin für sich präferierte und ihre Tochter aus diesem Grunde wiederholt/kontinuierlich weggab.  Zunächst wie gesagt zu Pflegeeltern.
Aus mir unerfindlichen Gründen hatte sie sich zur Adoptionsfreigabe ihrer Tochter nicht entschließen können, hatte sie zu dieser doch so gar keine emotionale Bindung, Beziehung.
 
Der im fernen Spanien lebende, leibliche Vater hatte ebensowenig Interesse an seiner Tochter, so dass von dieser Seite erst recht keine Unterstützung, Förderung, Zuwendung in irgendeiner Form zu erwarten bzw. je zu erhalten war.
Rechtlich hatte und hat man hier übrigens hinsichtlich eines etwaig einklagbaren Unterhalts oder des Geltendmachens des Umgangsrechts des Kindes (!) – länderübergreifend, im Rahmen europäischer Gesetzgebung – noch weniger Chancen und Möglichkeiten als auf nationaler Ebene bereits.
 
Bei den Pflegeeltern handelte es sich (im Gegensatz zur akademisch gebildeten, "intellektuellen" Mutter und dem als Unternehmer tätigen, sicher nicht am Hungertuch nagenden Vater) um recht einfache Leute, Er Arbeiter, Sie Hausfrau, die keine eigenen Kinder hatten, dem Alter nach aber bereits meine Großeltern hätten sein können, wofür sie dann auch stets gehalten wurden.
 
Von ihnen gab es immerhin Fürsorglichkeit, "geordnete Verhältnisse", jedoch auch viel Einschränkung, Bevormundung, Überbehütung (da es ja "nicht das eigene Kind" war und man nicht allzu viel reflektierte, pädagogisch weder gebildet noch geschult war), außerdem Kontrolle und eine gewisse Strenge – keine Wegbereitung also für musische, naturwissenschaftliche, politische Bildung, kein Bewusstsein hierfür, kein Interesse der Pflegeeltern daran. – Sie hatten auch kein einfaches Leben gehabt, schon gar keine solche Kindheit. Sie machten es, so gut sie es konnten, wussten, verstanden und gaben jedenfalls eine gewisse Stabilität, Beständigkeit, Verlässlichkeit und Sicherheit.
 
Nun möchte ich mit derartigen Details aus meiner Biographie nicht länger langweilen. Es soll mittels des bisher Offengelegten lediglich ansatzweise aufgezeigt werden, dass, wie wir alle wissen, das (mehr oder weniger bewusst gelegte) Fundament, auf das wir als Kinder jeweils kaum bis keinen Einfluss haben können, bereits eine tragende oder eben gerade nicht tragende Rolle lebenslang spielt. Bei uns allen.
 
Auf u.a. Basis eben dieses Fundaments kam es dazu, dass ich im Alter von 18 Jahren erstmalig ungeplant schwanger wurde.
Der zwei Jahre ältere "Vater" meines Sohnes hatte allerdings so gar keine Lust auf Säuglingsalltag, durchwachte Nächte, Vaterpflichten, Verantwortung – im Klartext: auf Verzichte, Einschränkungen, Belastungen, Verlässlichkeit, Fürsorglichkeit – siehe, wie so bereits meine leiblichen Eltern.
Infolgedessen war ich seit meinem 19. Lebensjahr so alleinerziehend wie alleinstehend – und hatte aus finanziellen wie organisatorischen Gründen meine damalige Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin (Schulgeld …) abbrechen müssen.

Da auch gleichaltrige Freundinnen sich nicht allzu intensiv mit Säuglingspflege und Kleinkindbelangen zu befassen gewillt waren (was durchaus nachvollziehbar ist), war ich recht schnell nicht nur ökonomisch arm, sondern auch sozial isoliert.
 
Herkunftsfamilie gab es keine; die Pflegeeltern hegten Groll gegen mich, seit ich mit 13 Jahren beschlossen hatte, fortan bei meiner leiblichen Mutter leben zu wollen, die darüber alles andere als erfreut war, sich nun aber schlecht weiterhin ihrer Sorgepflicht entziehen, ihrer Tochter verweigern konnte – hätte sie doch damals bloß eine Adoption vornehmen lasse, nun war es zu spät.
 
Es waren zwischenzeitlich mehrere Umzüge mit der Mutter erfolgt, auch in verschiedene Bundesländer, dann die Aufenthalte in den bereits erwähnten Internaten, unterbrochen von einer kürzeren Phase bei einer zweiten Pflegefamilie.
 
Im Alter von 17 Jahren hatte ich im Rahmen eines Sozialen Jahres meinen ersten eigenen "Haushalt" (eine möblierte Ein-Zimmer-Wohnung).
Damals hatte sich kurz zuvor meine gleichaltrige, beste Kindheitsfreundin das Leben genommen.
 
Im Alter von 19 Jahren war ich alleinerziehende, materiell arme, sozial isolierte Mutter. Eigene Kindheit und Jugend, das Jung- und Unbeschwertsein-Können, waren somit endgültig und definitiv vorbei – noch ehe es überhaupt so recht begonnen hatte.
 
Dieser Aufgabe, dem Muttersein, widmete ich mich nichtsdestotrotz gewissenhaft, wollte ich doch nicht die Fehler meiner leiblichen "Eltern" wiederholen.
 
Es folgte der Ausbildungsbeginn zur Rechtsanwaltsfachangestellten, als mein Sohn im Alter von drei Jahren, damals in der Provinz, einen Kindergartenplatz bekam und dort (städtischer/staatlicher Kindergarten) ab dem ersten Tag ohne Eingewöhnung (damals, in der Provinz) täglich acht Stunden bleiben musste.
Was das mit ihm, mir und unserer Beziehung gemacht hat, habe ich an anderen Stellen meines blogs bereits andeutungsweise ausgeführt, daher hier nun nicht erneut.
Ich wurde damals von der Kindergartenleitung recht scharf darauf hingewiesen, mir einen anderen Platz für meinen Sohn suchen zu müssen, sollte ich es nicht schaffen, ihn täglich pünktlich um 17 Uhr abholen zu kommen – schwierig, wenn man selbst bis exakt 17 Uhr arbeiten, in der Ausbildungskanzlei tätig, also anwesend sein muss. Glücklicherweise hatte ich einen sehr verständnisvollen, tatsächlich herzensguten Chef (selbst mehrfacher Vater), der mich täglich fünf Minuten früher entließ.
 
Aus Provinzmüdigkeit, noch jugendlichem "Sturm und Drang", der Lust auf Neues, auf Abwechslung, Horizontweitung und auf Basis noch vorhandener Vitalität sowie "der Liebe wegen" kam es – nach abermals mehreren Umzügen zuvor, die aufgrund finanzieller Zwänge und des Kindes wegen zusätzlichen Raumbedarfs erforderlich waren - zum Umzug in die norddeutsche Großstadt.
 
Ich hatte mit meinem neugeborenen Sohn zunächst einige Monate in einer Mansarde aus Umzugskartons "gelebt", dann bei Freunden von Bekannten vorübergehend zur Untermiete, schließlich in einer Einliegerwohnung mit Ölofen in der Pampa, wo es nahezu keinen ÖPNV gab, was meine soziale Isolation noch verschärfte, und zuletzt in einer Kleinstadt, in einer viel zu teuren Zwei-Zimmer-Wohnung.
 
Dort hielt ich mich zunächst mit diversen Jobs über Wasser (auch hierzu finden sich im blog an anderen Stellen nähere Angaben), wurde zuvor innerhalb der Probezeit in der neuen Ausbildungskanzlei leider entlassen, versuchte mich sodann am Abitur auf dem Zweiten Bildungsweg (Kolleg für Erwachsene), scheiterte erneut, u.a. deshalb, da ich mit Kind, d.h. alleinerziehend Muttersein, Haushalt, Lernen, eigenen "Unfertigseins" der Persönlichkeit im Alter von Mitte 20, gescheiterter Paarbeziehung, fehlenden sozialen, familiären Rückhalts und permanenten finanziellen Sorgen und Nöten - auch durch regelmäßig ausbleibende Unterhaltszahlungen des "Vaters" meines Sohnes - tatsächlich ziemlich überfordert war: in einer mir nach wie vor fremden Großstadt, in der ich eigentlich niemanden kannte.
 
Wann immer ich jedoch etwas in den Sand gesetzt hatte, tat ich mich realtiv zeitnah nach Neuem um.
So kam es zur Ausbildung zur Tanzpädagogin, die allerdings wiederum eine schulische war, somit die Zahlung von Schulgeld erforderte. Mit Schüler-BAföG alleine ließen sich jedoch nicht sämtliche laufenden Kosten (Miete, Strom, Lebensunterhalt für Sohn und mich) bewältigen, so dass abermals Jobben – neben Ausbildung, Kind, Haushalt – unerlässlich war.
Nach dem Verlust eines solchen "Nebenjobs" - in Folge meiner angeschlagenen psychischen Verfassung aufgrund des Suizids eines weiteren, mir nahegestanden habenden Menschen - kam es erneut zur auch finanziellen Bredouille.
 
Mit Männern, Paar-Beziehung hatte ich im Übrigen wenig Glück; meist ging es um Sex, um Jungsein(wollen), um "Freiseinwollen": den Männern – da passte ich mit meinem Sohn,  mit also einem völlig anderen Leben, Alltag mit bzw. durch das Kind, nicht hinein, nicht dazu, darauf hatte mann zumeist keine Lust, jedenfalls nicht langfristig oder nur gelegentlich, wann es jeweils beliebte.
 
Es hätte vielleicht die Möglichkeit gegeben, sich von diesem oder jenem Mann finanziell abhängig zu machen, sich mehr oder weniger "versorgen zu lassen", das aber wollte ich nie. Wie ich meine, aus nachvollziehbaren, aus eigentlich auf der Hand liegenden Gründen.
 
Nach Zeiten von Erwerbslosigkeit und geringem Einkommen durch Hilfs-, Nebenjobs sowie einigen privaten Turbulenzen, begann ich schlussendlich das ersehnte Philosophiestudium an der Uni, mittels "Besonderem Hochschulzugang für Berufstätige" mit Aufnahmeprüfung, bei welchem erfreulicherweise auch Erziehungszeiten berücksichtigt wurden.
 
Das war das erste Mal, dass ich mich am richtigen Platz fühlte.
Ich genoss die ersten Semester sehr: unter jungen Leuten, mehr oder weniger Gleichgesinnten, mit all dem neuen, interessanten, sehr anregenden Input, in einer mir bis dahin völlig unbekannten, bisher unzugänglichen Welt.
Dennoch war ich auch hier (zu meiner Studienzeit und im Fachbereich) nicht wirklich zugehörig – älter als die meisten meiner Kommilitonen, außerdem, anders als sie, bereits in "Erziehungsverantwortung" und überdies alleinerziehend. Ohne jegliche Kindesväterunterstützung, ohne jegliche Unterstützung durch Großeltern oder andere Familie, immer alleine verantwortlich für alle Belange (Wünsche, Bedürfnisse, Gesundheit, Wohlergehen, schulische Angelegenheiten, Hobbies, Kindergeburtstage …) meines Kindes, unserer Wohnsituation (Umzüge, Kostenbewältigung, Wohnungseinrichtungsbeschaffung …), für auch alle nervenaurfreibenden Behördenangelegenheiten (zu stellende Anträge, anzufertigende Schreiben etc.) und alle mehr oder weniger permanent bestehenden finanziellen Belastungen, Existenzsorgen. Damit einhergehend bzw. daraus resultierend damals schon: diverse Verzichte, Entbehrungen für sowohl meinen Sohn als auch mich.
 
Nein, ich "feierte" nicht – wie andere in meinem damaligen Alter. Ich nahm nie irgendwelche Substanzen (Drogen), ich war nie je auch nur ein einziges Mal betrunken, ich kiffte nicht; ich konnte auch nie mit bspw. Kommilitonen oder Bekannten übers Wochenende spontan wegfahren. Meine Freizeitgestaltung war durch Kind und Geldmangel stets sehr eingeschränkt/überschaubar, um nicht zu sagen spärlich.
Unsere Alltagsgegenstände (Möbel, Spielzeug, Kleidung …) konnte ich grundsätzlich nur gebraucht anschaffen – und auch das stets ohne Führerschein und Auto, mit also öffentlichen Verkehrsmitteln, was auf diese Weise nur und soweit es eben jeweils (körperlich) möglich war.
 
Im Studium wurde ich dann nach sechs Semstern erneut ungeplant schwanger, brach das Studium ab bzw. ließ mich zunächst, wie mir so geraten, "beurlauben", da ich alleine mit nun zwei Kindern, wovon eines ein Säugling war, unsere finanzielle Situation und ein Studium nicht bewältigen konnte, ich hätte auch weiterhin noch zusätzlich jobben müssen. - Es ging einfach nicht.
Unerwarteterweise lag ich überdies das erste halbe Jahr der Schwangerschaft mit meiner Tochter flach; es ging mir physisch in dieser Schwangerschaft ziemlich schlecht und zu Anfang sah es nach einer Fehlgeburt aus, so dass ein spontaner Klinikaufenthalt erforderlich war.
 
Der Vater meiner Tochter konnte mich nie je wirklich unterstützen, er hatte stets mit eigenen, mehrfachen, intensiven Beschädigungen genug zu tun. Er war und ist schlicht nicht in der Lage, so Vater zu sein, wie es erforderlich gewesen wäre (für unsere Tochter, aber auch für mich – zur Entlastung, Unterstützung), wie es in anderen Familien üblich ist. Er kann seinen Teil der Verantwortung nicht tragen. Der Vater meines Sohnes wollte es (für seinen Sohn) nie.
 
Aus persönlichen Gründen war es mir schließlich  bzw. schon mehrere Jahre lang ein Herzensbedürfnis, die Großstadt, in der ich nie heimisch geworden war, zu verlassen und zum Ort meiner Kindheit zurückzukehren, den ich so viele Jahre nicht mehr gesehen, nicht mehr erlebt … hatte - um genau zu sein: 23 Jahre.
 
Mein Pflegevater war unterdessen bereits einige Jahre zuvor verstorben. Ich hatte nicht die 600 Kilometer (einfache Strecke) zu seiner Beerdigung fahren und vor Ort unterkommen können – mit meinem damals siebenjährigen Sohn, der weder meine Heimat, noch meine Pflegeeltern noch meine "Geschichte, Vergangenheit" kannte oder verstand, den dies auch nicht interessiert hatte (damals nicht und bis heute nicht).
Ich war außerdem zur Trauerfeier gar nicht "eingeladen" worden.
 
Dennoch wollte ich nach all den vielen Jahren der völligen Kontaktstille meine inzwischen betagte Pflegemutter "aufsuchen" - versuchen, einen Kontakt doch vielleicht wieder herzustellen.
Dies sollte sich recht bald als vollständig vergeblich erweisen. Sie verweigerte jeglichen Kontakt, nachdem ich mit viel Glück in meine Kindheitsheimat zurückgekehrt war – mit widerspenstigem, pubertierenden Sohn und kleiner, knapp dreijähriger Tochter. Damals bereits im Hartz 4-Bezug, der einen solchen Umzug eigentlich unmöglich macht, nicht zulässt, nicht gewährt, ihn sogar gesetzlich verbietet.  Wie gesagt: Ich hatte einfach Glück. Und den intensiven Wunsch und Willen, endlich wieder "nach Hause" zu gelangen.
 
Mit meiner leiblichen Mutter (die an anderem, entfernten Ort lebte und dort nach wie vor lebt) hatte ich bereits ein Jahr zuvor gebrochen – aus vielerlei persönlichen, intimen Gründen, die hier ebenfalls den Rahmen sprengten.
 
Ich hatte/habe meine leibliche Mutter im Alter von 23 Jahren das letzte Mal gesehen, vor nunmehr 20 Jahren also.
Meine Pflegeeltern hatte ich für wenige Stunden im Alter von 16 Jahren zuletzt gesehen.
Meinen leiblichen Vater sah ich lebenslang kein einziges Mal, habe ihn nie kennengelernt.
 
Der Sohn schließlich verließ uns (meine Tochter und mich, seine Familie also) im Alter von 16 Jahren auf sehr gewaltvolle, brachiale, auch sehr egoistische Weise – ohne Weitblick, mit tragischerweise jedoch der Unterstützung anderer, ebenso kurzsichtiger Erwachsener, die eigene Blessuren, eigene zerrüttete Familienverhältnisse auf diese Weise zu kompensieren versuchten, indem sie es über meinen Sohn und mich ausagierten. Dies zum großen, vielseitigen Schaden meines Sohnes, meiner Tochter und mir selbst.
 
Dieses Vorkommnis ist ebenfalls ein so umfassendes, einschneidendes wie weitreichendes, bis heute für uns alle Drei erheblich negativ "nachwirkendes", dass ich hierüber eine eigene Abhandlung verfassen müsste, es kann an dieser Stelle daher nur erwähnt, nicht in angemessener Weise weiter ausgeführt werden.
Jegliche Unterstützung seitens des Jugendamtes (zuletzt auch einer Rechtsanwältin), die ich in jener Zeit erbeten, aktiv, eigeninitiativ gesucht hatte, wurde mir damals verweigert bzw. vereitelt.

Letztlich wurde ich physisch krank. Und bin es nach wie vor.

Auch für meine physischen chronischen Erkrankungen erhalte ich aus finanziellen wie gesundheitspolitsichen Gründen keinerlei (dringend erforderliche!) medizinische Behandlung mehr bzw. überhaupt je.
Auch hierzu habe ich mich an anderer Stelle im blog bereits ausführlicher geäußert, siehe bei Interesse dort.
 
Ich kann aus gesundheitlichen Gründen seit vielen Jahren fast nichts mehr essen. Was den Verlust von nicht nur Körpergewicht, sondern auch Vitalstoffen, was also Mangelernährung, weitere physische Schwächung, Erschöpfung, den Verlust von Vitalität und Lebensqualität zur Folge hat.
 
Ich kann aufgrund der materiellen Armut nichts (mehr) unternehmen, nicht einmal gelegentlich, schon gar nicht regelmäßig: wenigstens Freunde besuchen, ich bin nicht mobil: ohne Führerschein, Auto und/oder das Geld für den ÖPNV.
Aus diesen Gründen kann ich auch mit meiner Tochter nichts unternehmen, außer im Stadtteil spazierengehen – es fehlt an Geld, Mobilität und meiner physischen Kraft, erforderlichen stabilen Konstitution hierfür.
 
Es gibt keinerlei Bezugsperson(en), emotional nahestehende, vertraute Menschen, die dies in irgendeiner Weise auffangen, abfedern, "ausgleichen" könnten. Niemanden.
Ich verfüge über keinerlei Erspartes oder gar Vermögen, ich habe stattdessen nicht geringfügige Schulden.
 
Deshalb sind wir, meine inzwischen zehnjährige Tochter und ich, materiell arm, sozial isoliert. Physisch wie vor allem psychisch massiv belastet, überlastet, um nicht zu sagen: beschädigt.
 
Gerade für meine Tochter hat das gravierende negative Folgen, sie wird davon lebenslang geprägt.
Und wie sie ungezählte andere Kinder, die in ähnlichen Verhältnissen aufwachsen müssen.
 
Weshalb also sind unter anderen auch wir materiell arm und infolgedessen sozial isoliert?
 
Weil ich meine Tochter nicht im Alter von einem oder zwei Jahren ganztags fremdbetreuen ließ, da ihr dies geschadet hätte bzw. hat, als wir es kurzfristig versuchten: als sie allerdings bereits drei Jahre alt war; sie ging erst mit vier Jahren regelmäßig für wenige Stunden täglich in den Kindergarten, dann aber vom ersten Tag an freiwillig, gerne, ohne Tränen, Verlustängste, Trennungsschmerz. - So, wie es eigentlich, grundsätzlich sein soll, richtig, d.h. kindgemäß, wäre.
 
Weil ich mich nicht langfristig, dauerhaft in irgendeiner (Vollzeit-) Berufstätigkeit/Erwerbstätigkeit verbrauchen lassen wollte, die mich physisch wie psychisch massiv geschwächt, mir die erforderliche Kraft für den wichtigen, sinnvollen, sinnstiftenden "Umgang" mit meiner Tochter geraubt hätte und von der (solcher Erwerbstätigkeit) ich dennoch unsere Existenz finanziell nicht einmal hätte sichern können – aufgrund deutlich zu geringen Lohns, geschweigedenn "gut davon leben", etwas ansparen oder gar eine Altersrente aufbessern bzw. erzielen.
 
Weil es außerdem in unserer Gesellschaft kein adäquates, obgleich dringend erforderliches Wertschätzen von für jede Gesellschaft absolut unentbehrliche Sorge-Arbeit gibt, geschweigedenn ein angemessenes monetäres Honorieren derselben.
 
Stattdessen werden Frauen, wird ihre Erwerbstätigkeit, vollständig dem Primat der Wirtschaft unterworfen. - Keineswegs geht es dabei um die Unabhängigkeit, Selbstbestimmtheit, "berufliche Selbstverwirklichungsermöglichung" von/für Frauen.
Keineswegs geht es um Entlastung oder Gleichberechtigung von Frauen, die durch ihre nicht selten finanziell erforderliche Erwerbstätigkeit viel mehr häufig einer sie überbeanspruchenden, auslaugenden Dreifachbelastung – Familie/Kinder, Beruf, Haushalt, Partnerschaft und ggf. noch eigene Interessen, Wünsche, Bedürfnisse – unterliegen, was u.a. zu Mütter-Burnout und regretting motherhood führt sowie auch dazu, dass Frauen immer später immer weniger oder auch keine Kinder mehr bekommen: wollen bzw. können.
Denn nach wie vor spielt die Biologie eine für Frauen entscheidende Rolle und nach wie vor leisten die meiste "Reproduktions-, Sorge-, Familienarbeit" mehrheitlich Frauen, Mütter.
Und nach wie vor müssen sich Menschen, so auch Frauen, Mütter den Bedürfnissen, den Zwängen, den Bedingungen der Wirtschaft unterordnen – statt umgekehrt.
 
Und auch geht es bei sogenannter, viel beworbener "Frühförderung" nicht um die tatsächlichen Bedürfnisse von Kindern, insbesondere jener von Säuglingen und Kleinkindern, es geht stattdessen um Verwertbarkeit, Funktionalität, Kontrollierbarkeit, Verfügbarmachen, um Ausbeutung – mittels massiver Manipulation, Indoktrinierung.
 
Und materiell arm und isoliert sind wir nicht zuletzt deshalb, weil es de facto eben keine echte, angemessene Förderung, Unterstützung von auch im Alter bereits fortgeschritteneren Menschen, Frauen, Müttern, von gerade den viel zitierten erwerbslosen, nicht oder geringqualifizierten Alleinerziehenden und/oder Berufsrückkehrerinnen gibt – in Form von mit Kindern, mit Familie wirklich vereinbaren Arbeits-, Ausbildungszeiten, -orten, –bedingungen und –verhältnissen.
 
Stattdessen mangelt es nahezu vollständig an mit Kindern wirklich, d.h. nicht beschädigend, vereinbarer, individuell passender Qualifikation.
Ich beziehe mich hierbei selbstredend nicht auf die unsinnigen Maßnahmen diverser Träger, in die Jobcenter so gerne zur Schönung, Fälschung der Arbeitslosenstatistik vermitteln bzw. welche die Jobcenter den "Kunden" mittels Druck, Schikane, Desinformation, Eingliederungsvereinbarungen und angedrohten sowie verhängten Sanktionen aufzwingen.
Und nein, es ist auch nicht für jede Frau eine kaufmännische Aus-, Weiterbildung oder Umschulung passend. Über die Absurdität, Heuchelei und Schädlichkeit von Ein-Euro-Jobs dürfte man btw gar keine Worte mehr verlieren müssen.
 
Materiell arm und sozial isoliert sind u.a. auch wir (meine Tochter und ich), weil es k e i n e menschenwürdige, existenzsichernde, sanktionsfreie Grundsicherung gibt, die, gäbe es eine solche, nicht nur uns eine Menge Sorgen, Nöte, Last, Druck, Entbehrungen, Ausgrenzungserfahrung und infolgedessen: Verzweiflung ersparte und für viele bereits verlorene Jahre Leben hätte ersparen können.
 
Materiell arm und isoliert sind wir auch deshalb, weil es uns an Beziehungen fehlt, an tragenden, entlastenden, erfreuenden, stärkenden, hilfreichen Sozialkontakten – Bindungen, Bezugspersonen.
Beziehungen also zu/mit nahestehenden, vertrauten, freundschaftlich, persönlich verbundenen Menschen, die man nur dann finden und solche Beziehungen aufbauen kann, wenn man regelmäßig "unter Leute überhaupt kommen" k a n n, die möglichst ähnliche Interessen haben.
 
Solche Beziehungen lassen sich nicht planen, nicht bürokratisch vermitteln, sie entstehen zumeist zufällig, sie ergeben sich und wachsen dann oder auch nicht. Sie brauchen dafür jedoch den unabdingbaren Rahmen, Raum, die Möglichkeit, wachsen, sich entwickeln und verfestigen zu können. Dies wiederum erfordert, dass man mobil ist, sich sehen, treffen, etwas gemeinsam, mehr oder weniger regelmäßig unternehmen, erleben, erfahren, auch ausprobieren … kann.
Und das wiederum erfordert letztlich doch fast immer auch Geld. Und sei es nur, um Freunde überhaupt besuchen, sie auch einladen und ein wenig bewirten zu können oder auch, um sich gegenseitig hilfreich zur Hand gehen zu können  -wofür immer wieder auch bestimmtes Material vonnöten ist, bestimmte Gegenstände, nicht nur Fertigkeiten.
 
Es muss die Möglichkeit geben, sich wenigstens in der eigenen Stadt, der Wohngegend einigermaßen frei, mobil bewegen zu können, gerade für Kinder - um Neues kennenlernen zu können, neue Eindrücke zu gewinnen, etwas erleben, erfahren zu können: Ausflüge, Freizeitgestaltung, Hobbies, eigentlich auch Urlaube, Reisen …. 
 
Materiell arm und sozial isoliert sind wir nicht zuletzt auch deshalb, weil ich für meine chronische Erkrankung – u.a. aufgrund meiner ökonomischen Armut im langjährigen Hartz4-Bezugkeine medizinische Behandlung erhalte, obwohl ich darum schon lange nach Kräften bemüht bin – mit tatsächlich dramatischen Folgen für vor allem meine Tochter, die schon längere Zeit fürchtet, ich könne bald sterben, da sie meine physischen Erschöpfungszustände (nach geringster Anstrengung wie bspw. Einkaufen) zwangsläufig mitbekommt.
 
Mit Lebensqualität, gar Lebensfreude hat dieses seit so vielen Jahren in sozialer Isolation und materieller Armut Vegetierenmüssen, Ausgegrenztsein – ohne jegliche Perspektive auf Verbesserung - längst nichts mehr zu tun.
 
Mit wie gesagt verheerenden Folgen für alle Kinder, die in solchen Verhältnissen aufwachsen müssen, die davon geprägt und beschädigt werdenweil: es politisch so gewollt ist, siehe Agenda 2010, Niedriglöhne, Hartz 4, Sanktionen mit allen Folgen dessen, und permanent verschärft, statt behoben wird.
 
Es bedarf gerade nicht noch längerer, intensiverer, noch früherer Fremdbetreuung, vorgeblicher "Frühförderung" von Kleinkindern – sondern des Gegenteils dessen.
Gerade die Kleinsten brauchen Nestwärme, familiäre Geborgenheit, einen liebevollen, fürsorglichen, bedürfnisorientierten Umgang, eine enge, stabile Bindung zu zunächst wenigen, nicht wechselnden Hauptbezugspersonen, um ein Urvertrauen ausbilden zu können, aus dem später Selbstvertrauen und Empathie, Mitgefühl hervorgeht.
 
Es überfordert die Kinder die frühe Fremdbetreuung (im Alter von unter drei bzw. vier Jahren) auf vielfältige, langfristig wirkende Weise, es gibt zum Thema valide wissenschaftliche Daten, Studien: wirtschaftsunabhängige.
 
Es bedarf grundsätzlich nicht des Zwangs, Drucks, der Kontrolle und Schikane, sondern der Menschlichkeit, Empathie, des Mitfühlens, Vertrauens und wirklicher, je individuell passender, niedrigschwelliger, vielgestaltiger Unterstützung für Menschen von: Menschen – statt Bürokratie, Verwaltungsapparat, bevormundendem, übergehenden, ignoranten, überheblichen, heuchlerischen Paternalismus´, mittels dessen die Menschen schlicht leichter manipulierbar, kontrollierbar und instrumentalisierbar, also ausbeutbar, verheizbar sind. Das hat mit Humanismus nichts zu tun, dieser ist nachweislich, augenfällig gerade nicht der Grundgedanke, nicht das Ansinnen, nicht das Ziel, das Bestreben aktueller, neoliberaler, menschenvernichtender Politik – weder auf nationaler noch globaler Ebene.
 
Es bedarf vor allem eines anderen, menschenfreundlichen, d.h. menschengemäßen Arbeitens (siehe jedoch den nach wie vor gängigen Arbeitsbegriff, Definition dessen, das nur als Arbeit, als Leistung anerkannt ist (Erwerbsarbeit) und entsprechend honoriert wird bzw. was eben deshalb alles nicht honoriert, nicht angemessen oder überhaupt wertgeschätzt und entlohnt wird), zusammen Wohnens – in familiären, generationenübergreifenden Strukturen, Wahlverwandschaften, Freundschaften, statt in isolierender Kleinfamilie und Single-Haushalten  – und Wirtschaftens.
 
Hierfür gibt es ebenfalls längst Ideen, Konzepte, praktisch bereits Umgesetztes, Angewandtes; es ist all dies jedoch bisher zumeist nur Privilegierten zugänglich und es wird nach wie vor nicht regierungspolitisch gefördert – das Gegenteil dessen passiert.
 
Wir sind also materiell arm und sozial isoliert, weil es sowohl persönliche wie politische Gründe, Ursachen gibt, die dazu führten, die dies forcierten, letztlich unausweichlich und scheinbar unabwendbar machten und machen.
 
Wäre ich nicht eine Frau, sondern ein Mann, so hätte mein Leben wahrscheinlich anders ausgesehen, wäre es anders verlaufen.
 
Ich bin materiell arm, vor allem also auch deshalb, weil ich eine Frau, eine Mutter bin – eine allein alleinerziehende.
 
Weil Mutterschaft, Sorge-Arbeit, in unserer Gesellschaft nichts gilt, stattdessen abgewertet, entwertet, diskreditiert wird. Aus Gründen - nicht aus Zufall.
 
Weil ich dies außerdem nicht – wie so aber viele andere Frauen - erstmalig im Alter von Anfang/Mitte 30 wurde (Mutter, noch dazu alleinerziehende), sondern es seit mittlerweile 23 Jahren kontinuierlich bin.
 
Ich bin auch deshalb materiell arm, alleinerziehend und sozial isoliert, weil die biologischen Väter meiner, unserer Kinder ihren Teil der Verantwortung nicht tragen konnten/können oder wollten. Und weil solche Männer sich einfach ihrer Verantwortung, ihren Pflichten als Väter gegenüber vor allem ihren Kindern, nicht den Müttern entziehen dürfen – zumeist, ohne Sanktionen fürchten oder erleiden zu müssen.
 
Und das gerade auch dann, wenn sie eine Frau schwängerten, die gar nicht schwanger werden wollte, was auch in Zeiten des sexuellen Aufgeklärtseins und verfügbarer Verhütungsmittel/-methoden durchaus möglich ist.
Die Frau hat letztlich immer "den Schwarzen Peter". Auch dann, wenn sie abtreibt, einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lässt.
 
Inzwischen bin ich 43. Und ich bin müde, erschöpft. Vor allem physisch.
 
Ohne jegliche Aussicht auf absehbare Verbesserungsmöglichkeit unserer Situation – vor allem der meiner Tochter, der ich die materielle Armut de facto unfreiwillig, zwangsläufig "vererbe". Mit allen mehr oder weniger bekannten, vorhersehbaren Folgen.
 
Ohne Perspektive, Zuversicht, Lebensfreude.
 
Mit stattdessen permanentem Kämpfen seit Jahrzehnten an diversen Fronten – um das Basalste. Weitestgehend alleine. Nach wie vor.
 
Das zermürbt. Ja. Es macht nicht nur traurig und wütend – es lässt einen verbittern, verhärten, verzweifeln. Schließlich resignieren.
 
Du willst nicht sehen, erkennen, hinnehmen (müssen), dass du nichts dafür tun kannst – selbstwirksam – dass es deinen Kindern "später einmal" besser geht.
Du willst, du kannst sie nicht leiden sehen … . Irgendwann hast du dafür nicht mehr die Kraft. So theatralisch es klingen mag, es verhält sich genau so.
 
Irgendwann brauchst auch du so etwas wie Pause, Auszeit, Erholung, Regenerationsmöglichkeit – Leichtigkeit, Aufatmenkönnen. Aber aussichtslos. Total.
 
Ich wiederhole es nochmals: Meine Tochter und ich stellen keinen "bedauernswerten Einzelfall" dar.
Und das: ist ein Skandal.
 
Verschweigen möchte ich abschließend jedoch nicht, dass es immer wieder auch kleinere bis größere Unterstützung, Handreichungen, offene Ohren, praktische, tatkräftige, engagierte Hilfe gab – fast ausnahmslos von Frauen.
 
Für ihre Hilfe, ihre Anteilnahme, ihr Mitgefühl, ihre Tatkraft, ihre Güte und Beständigkeit bin ich von Herzen dankbar.
 
Hätte es sie nicht gegeben, hätte ich längst den Glauben an "das Gute im Menschen" und an das kleine, große Gute in auch unserer persönlichen kleinen Welt aufgegeben.
 
Es sind diese menschlichen Gesten, diese Strohhalme von Wärme, Licht, Anteilnahme, Zuneigung, Zuwendung, an die man sich klammert, um nicht unterzugehen, um nicht aufzuhören … .
 
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