Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
Sabeth schreibt

Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus

Über Täter, Opfer, das Vergeben, über Verzeihenkönnen bzw. -sollen - ohne Heilung ...

 
Worum es grundsätzlich und eigentlich bei Strafe(n) geht bzw. gehen sollte:

Es kann, es sollte letztlich nicht darum gehen, Genugtuung darin zu finden, dass ein Täter verurteilt und - auf welche Weise auch immer - bestraft wird. Strafe als solche, Strafe alleine wird grundsätzlich bei Tätern selten bis nie eine tatsächliche, dauerhafte Änderung ihres Verhaltens bewirken - können.
 
Eine Verurteilung, eine Strafe/Bestrafung soll - als eine Art Erschütterung, Krise - viel mehr bewirken, auslösen, dass dem Täter bewusst (gemacht) wird, dass und warum sein Verhalten inakzeptabel, falsch, unangemessen, verletzend, schädigend ist und dass und warum er es folglich ändern "sollte".

Es geht grundlegend darum, beim Täter Einsicht, Einsehen zu erwirken und auf eine Zunahme von Empathie bzw. Mitgefühl bei ihm hinzuwirken, dies bei ihm zu fördern, zu stärken bzw. wiederzubeleben.
 
Ausschliessliche, alleinige Strafe/Bestrafung wird diese Einsicht und echtes empathisches, mitfühlendes Denken, Eingestelltsein und also vor allem Fühlen sowie - erst daraus resultierend - ein entsprechend geändertes Verhalten, nicht bewirken können - so lange es beim Täter diese erforderliche, vorausgehen müssende Einsicht, dieses emotionale Erleben, das Mit-/Nachfühlenkönnen und somit im Grunde "Reue", d.h. den, seinen eigenen Wunsch nach Verzeihung und nach Wiedergutmachung nicht gibt, bleibt Strafe nur vorübergehende, langfristig gesehen wirkungslose, vergebliche "Symptombehandlung" - führt sie also nicht zu "Heilung", kann diese nicht sein.
 
Überdies ist jeder Täter zumeist selbst zuvor (irgendwann einmal) Opfer/Beschädigter gewesen/geworden, hat selbst Verletzungen, Beschädigungen erlitten. - Kein Mensch kommt "böse" oder "schlecht" zur Welt. Kein Mensch wird als Täter geboren.
 
Dies ist keine Rechtfertigung/Legitimation für sein Tun, durchaus aber eine Erklärung - eine wichtige, unverzichtbare, die hilft, erkennen und möglicherweise also auch erreichen zu können, dass ein Täter sich nicht mehr in bisheriger, unerwünschter, schädigender Weise verhält, verhalten "muss", sondern sein Verhalten ändern kann - erst und nur dann wird eine dauerhafte Verhaltensänderung bei ihm, durch ihn selbst möglich sein: wenn und weil er selbst es will.

Hierfür ist allerdings häufig je individuell wirklich angemessene Unterstützung und Möglichkeit hierzu (zu "Veränderung" ...) erforderlich, die dem Täter verfügbar sein bzw. gemacht werden muss.
 
Wir sind zivilisierte Menschen, wir verfolgen nicht (mehr) die alttestamentarische, barbarische, reflexhafte, unbesonnene, unreflektierte Vergeltungspraxis, bei der es nur um Rache, Vergeltung, Hass, Verachtung, Selbstgerechtigkeit, somit Selbstbetrug und Kompensationsbedürfnisse geht - nicht jedoch darum, die Bedingungen und Möglichkeiten dafür zu schaffen und zu pflegen, dass Menschen friedlich und respektvoll mit- und nebeneinander existieren können.

Verzeihen und um Verzeihung-bitten-Können ist daher von entscheidender Bedeutung.
 
Für dieses Verzeihen bedarf es allerdings sehr wohl bestimmter Voraussetzungen, Gegebenheiten, Umstände - es gibt kein "bedingungsloses" authentisches Verzeihen, ein solches wäre auch eine Form von Selbstbetrug (aus Selbstschonungsgründen).
 
Gerade und allein dieses echte, wahrhaftige, einsichtige, empathische bzw. mitfühlende Um-Verzeihung-Bitten (-Wollen und -Können) des Täters beim Opfer könnte, kann das Opfer nur rehabilitieren und natürlich einhergehend: dass der Täter sein schädigendes Verhalten einstellt.

Tatsächlich nur das kann auf beiden Seiten Heilung - in der Tiefe - bewirken, Heilung ermöglichen, Heilung sein.
Alles andere bleibt Oberflächenbehandlung.
 
Leicht: ist das nicht. Es erfordert sehr viel Selbstreflexion, Schmerz zulassen und ertragen zu können, je eigene Schwächen, Unzulänglichkeiten, "dunkle Flecken" zu sehen, anzusehen, sich selbst und anderen gegenüber zuzugeben und zuzugestehen, statt sie zu verstecken, zu überdecken, zu leugnen. Und daran arbeiten, reifen zu wollen.

Möglich kann es durch letztlich und vor allem nur eines sein: das Mitfühlen, das Mitgefühl.
 
-
 

Was kritisieren wir am
Begriff „Opfer“ bzw. am Umgang damit?

netzwerkB

Sie idealisieren zum Beispiel die Täter ihrer Kindheit, da es für Kinder unerträglich wäre zu merken, dass die Person, der sie vertrauen müssen, und von der sie existenziell abhängig sind, nicht vertrauenswürdig ist und ihnen im Gegenteil Schaden zufügt.
So lange die Idealisierung der Täter nicht aufgelöst wurde, kann diese
über einen langen Zeitraum, ggf. sogar über ein gesamtes Leben hinweg, aufrechterhalten werden.

netzwerkB

 
Oben Zitiertes / im Text Dargelegtes (das Idealisieren des Täters, die tiefgehenden, weitreichenden Gründe und Folgen dessen, netzwerkB - Positionspapier "Prostitution") trifft im Übrigen nicht alleine auf Kinder mit "Erfahrung" von sexualisierter Gewalt bzw. Gewalt grundsätzlich zu, sondern in genau dieser Weise (Idealisieren ...) auch auf Erwachsene, die durch verschiedene Formen von physischer und/oder psychischer Gewalt ge- und beschädigt wurden - von Menschen, denen sie emotional nahestanden, denen sie vertrauten, mit denen sie in Beziehung verbunden waren.
 
Da es so unerträglich schmerzvoll, verletzend, entwertend ist, festzustellen, d.h. zu erkennen, einzusehen, dass ein Mensch, dem man emotional sehr nahestand, verbunden war, dem man vertraute (!), einen absichtlich, zielgerichtet benutzt, ausbebeutet, erniedrigt, entwertet, betrogen, belogen, einem etwas vorgemacht und einen ebenso wissentlich, absichtlich beschädigt hat (denn eben dies ist gerade Inhalt, Gegenstand, Ziel des Ausübens von Gewalt: die Erniedrigung, Entwertung, Beschädigung des Misshandelten, das Demonstrieren von vermeintlich eigener Macht (des Täters), die misshandelte Person ihre Wehrlosigkeit, Ausweglosigkeit, Hilflosigkeit, vermeintliche "Schwäche", ihre vermeintliche Minderwertigkeit spüren, erfahren zu lassen).
 
Um diesen Schmerz nicht fühlen zu müssen, der ein vernichtender sein kann ..., wird der Täter idealisiert, entschuldigt, wird sein Tun, seine Tat relativiert, verharmlost bzw. ganz geleugnet und die "Schuld" bei sich selbst (der beschädigten Person) gesucht bzw. gefunden. Zumindest wird dies immer wieder versucht - so lange, wie/bis die geschädigte Person Heilung erfahren kann, Rehabilitierung, bis sie wirklich verinnerlicht, dass ihr Wertschätzung, ein respektvoller Umgang "gebührt"/zusteht, sie ein natürliches Recht hierauf hat und der Täter diese unbedingte Unversehrtheit beschädigt hat - absichtsvoll.
 
Der Selbstwert der geschädigten Person ist es also, der wieder- oder überhaupt erstmals erlangt werden "muss".
 
Für den Heilungsprozess unabdingbar ist jedoch gerade nicht das einseitige "Vergeben" der beschädigten Person, sondern ehrliche, echte "Einsicht"/"Reue", d.h. das Erkennen und Einsehen der eigenen Tat als Gewalttat sowie ihres Umfanges, Ausmaßes, ihrer schwerwiegenden Folgen aufseiten der beschädigten Person und das ehrliche Bedürfnis des Täters, die beschädigte Person möge ihm verzeihen - wozu auch Wiedergutmachung (auf unterschiedliche, individuell gebotene, zuträgliche, wohltuende, erleichternde Weise: im Sinne der Heilung aufseiten der geschädigten Person wie aber letztlich auch des Täters) gehören kann  bzw. tatsächlich unverzichtbar gehört.
 
-
 
Mit Beziehungsgewalt beschäftigt sich bspw. auch Rona Duwe intensiv, siehe hierzu ihre website http://phoenix-frauen.de/.
 
In ihrem facebook-Profil schreibt und rät sie zum Weg des Herausgelangens aus einer Gewaltbeziehung u.a. Folgendes:

"Phoenix-Frauen hilft Frauen, sich nachhaltig aus einer Gewaltbeziehung zu befreien. Die Grundlage dazu ist die Änderung Deiner inneren Haltung. Die Trennung aus einer Gewaltbeziehung ist unendlich schwer und lässt sich nicht mit einer normalen Trennung vergleichen. Es sind ganz andere Schritte notwendig.

10 Schritte aus einer Gewaltbeziehung sind:

1. Die Hoffnung aufgeben
2. Den anderen vollkommen gehen lassen
3. Kontaktsperre und Vernunftentscheidungen
4. Sich selbst als Opfer (an)erkennen
5. Die Gewaltspirale verstehen lernen
6. Vergeben beenden
7. In die Wut gehen / Polarisieren
8. Selbsterkenntnis – Wie konnte mir das passieren?
9. Sich selbst verzeihen und Frieden schließen
10. Sich selbst lieben und ins Leben zurückkommen

Einen tieferen Einblick in diese Schritte erhälst Du in meinem Booklet "10 Schritte aus einer Gewaltbeziehung". Dies erhältst Du, wenn Du gleich hier oben neben dem Logo meinen Newsletter abonnierst.

Neben dem Booklet sende ich Dir regelmässig unterstützende und inspirierende Mails – direkt in Deine Mailbox. Ein Eintrag ist 100% vertraulich. Deine Daten werden niemals weitergegeben.
[...]"

Meine Gedanken hierzu und Antwort auf vor allem ihren Punkt "Vergeben beenden" im Folgenden:
 
Den Punkt "Vergeben beenden" finde ich kritikwürdig. Denn: Was bedeutet das generell für Täter-Opfer-Verhältnisse?
Was bedeutet es, wenn wir Tätern - generell - n i c h t vergeben - was ist die Kehrseite dessen?: Strafe, Vergeltung, Verachtung, ggf. Hass und Groll.
 
Nein, Verzeihen(können) ist niemals bedingungslos.
Was es braucht - für beide übrigens: Opfer und Täter - ist, wo immer möglich: ein "Täter-Opfer-Ausgleich" - ein echtes, wahrhaftiges Um-Verzeihung-Bitten und ein ebensolches Um-Wiedergutmachung-Bemühtsein des Täters.

In Fällen, da das Opfer tot ist, ist das natürlich nicht mehr möglich - das Opfer kann dann nicht mehr Verzeihen und nichts kann "wiedergutgemacht" werden.
 
Aber die grundsätzliche, dahinterstehende Frage ist doch: Wie gehen wir mit Täterschaft und mit Schuld um?
Was soll und was kann Strafe bewirken?
Was wäre statt Strafe wirklich "zielführend" - dahingehend, dass Menschen weitgehend respekt- und friedvoll miteinander umgehen (lernen) können und: dies selbst wollen - denn nur auf dieser Basis ist Veränderung möglich.
 
Entscheidend muss es m.A.n. um Prävention gehen - und diese kann nur stets in der Kindheit beginnen, genau hier liegt jedoch so vieles im Argen und das global.
 
Es hat daher auch sehr viel mit also Mutterschaft zu tun, damit, welchen "Status" Mütter in einer Gesellschaft, in einer Kultur haben - und auch, welche Rolle Männer, Väter als BEZUGSpersonen und Orientierungsgeber (gerade für Jungen, aber nicht nur für diese) spielen bzw. was hier gerade nicht stattfindet und aus welchen Gründen nicht.
 
Es hat immens viel mit bedürfnisorientiertem Umgang mit Säuglingen und (Klein-) Kindern, mit sicherer/stabiler (frühkindlicher) BINDUNG zu tun und mit dem Frauenbild von ungezählten Männern rings um den Globus (siehe Patriarchat):
 
In Form von Folter und Todesstrafe sehen wir das Prinzip des Strafens, der Vergeltung pervertiert bzw. potenziert. - Wollen wir das? Was erreichen wir damit? - Eben.
 
Unterschieden werden muss zwischen Selbstbetrug und Verzeihen.
Für Opfer von narzisstischem Missbrauch muss es zunächst um Erkennen gehen, ja.
Aber du wirst deinen Frieden nicht finden (können), wenn/so lange es mit dem Täter keinen AUSGLEICH gegeben hat - und das gilt für jedes Täter-Opfer-Verhältnis.
 
Rona Duwe antwortete mir hierauf (via facebook-Austausch in ihrem Profil):

Phoenix-Frauen - Rona Duwe Mir ist gerade dieser Punkt sehr wichtig - besonders für die erste Trennungsphase. Ich habe weiter oben den Artikel verlinkt, der diesen Punkt weiter erläutert. Der Fokus als Gewaltopfer muss erst einmal weg vom Täter gehen. Auf Dich selbst, auf Deine Bedürfnisse und auf Deine Grenzen. Ständiges Verzeihen und Vergeben kann in der Beziehung halten und in die Beziehung zurückführen. Daher halte ich auch den von Dir verlinkten Artikel an dieser Stelle für problematisch. Die Aufgabe eines Gewaltopfers ist nicht, für den Täter zu sorgen und es ist erst einmal auch nicht Aufgabe des Gewaltopfers über Möglichkeiten des Ausgleichs nachzudenken. Es gibt zum Beispiel nicht wenige, die aus diesem Grund Briefe an ihren Ex schreiben, um für Verständnis und Ausgleich zu sorgen – und prompt sind sie nach kürzester Zeit wieder in der Falle. Gesamtgesellschaftlich und politisch gesehen finde ich, die Täter müssen mit ihren Taten viel mehr in die Verantwortung und ins Tun kommen. Das ist mir derzeit noch zu wenig. Wenige Täter werden angezeigt und noch weniger werden verurteilt und bestraft. Über Kindesumgang erhalten sie weiter Kontakt etc. Eine Verbesserung und Reflexion des Täters ist nur möglich, wenn er seine Verantwortung voll erkennt und dafür auch die Konsequenzen trägt. Dann ist vielleicht (!) Verbesserung möglich. Leider haben viele Täter von Partnerschaftsgewalt aber diese Einsicht selten und schieben Verantwortung und Schuld auf die Opfer. Die, die zum Therapeuten rennen, zur Beratung und auch sonstige Unterstützung suchen (müssen), sind in vielen Fällen die Opfer. Die werden aktiv. Dabei bräuchten gerade sie Hilfe und Unterstützung.
 
Meine Replik wiederum hierauf:

In weiten Teilen stimme ich dir zu - genau das ist auch mein Punkt, deshalb habe ich "meinen" Täter angezeigt: Weil es zunächst zur Erkenntnis auf meiner Seite kam, dass ich "Opfer", dass ich Geschädigtwordenseiende/Beschädigte bin, warum ich das geworden bin, dass es also einen Täter gibt und worin seine Täterschaft besteht (narzisstischer Missbrauch, häufig kommt es auch zu körperlicher, u.a. bspw. auch sexueller Gewalt in solchen "Beziehungen") und: damit es auf Täterseite eine Erschütterung gibt, eine Krise - nur eine solche kann a u s l ö s e n, dass er reflektert, dass er erkennen (lernen) will und nur dann auch kann, dass und warum er "ein Täter ist", warum sein Verhalten, sein Tun, seine Tat(en) inakzeptabel, verletzend, beschädigend sind.

Täter müssen also in die Verantwortung genommen werden, wie du sehr richtig schreibst. Deshalb bin auch ich der Meinung, es ist erforderlich, dass hier gesellschaftlich viel mehr getan werden müsste. Leider werden Täter jedoch durch unsere Exekutivorgane noch zusätzlich geschont und geschützt - aktiv. Es kommt kaum zu Verurteilungen in solchen Fällen/bei Strafanzeigen gegen sexuelle und auch gegen häusliche Gewalt.

Auch hier sehen wir die nach wie vor herrschenden patriarchalischen Strukturen wirken - gewaltvoll (siehe staatliche, strukturelle Gewalt).


Aber im nächsten Schritt bzw. grundsätzlich wird sich nichts wirklich auflösen - gerade auch für das Opfer nicht - so lange es diesen Täter-Opfer-Ausgleich nicht gibt - wie dieser genau aussieht, vonstattengeht, hängt von den spezifischen, individuellen Umständen und Personen letztlich ab, ist von diesen miteinander und mit "Mediation" zu vereinbaren und durchzuführen.

Leider kommt es jedoch genau dazu zumeist nicht. Wie wir wissen. Aus oben bereits genannten Gründen - gesellschaftlichen, politischen, auch kulturellen, religiösen (siehe Patriarchat).

Aber du wirst auch als Opfer mit der Sache, dem Thema, dem Vorgefallenen nicht "abschließen" können, es wird dich immer wieder gedanklich, zumeist auch emotional beschäftigen, du lässt also nicht los: so lange es diesen Ausgleich nicht gegeben hat.

Mit Kontaktabbruch und Trennung, Ablenkung, Selbstsorge ... : ist es eben gerade n i c h t "getan", nicht: bewältigt.
Das erkennst du daran, dass du eben mit der Sache immer wieder befasst bist - also jede Betroffene, bei der es sich so verhält.

"Losgelassen" hast du erst, wenn es dich gedanklich und emotional nicht mehr beschäftigt.

Auch, dass man für andere um Veränderung kämpft, ist eine Form von Beschäftigung mit der "Sache" - denn man "sublimiert" und rationalisiert es auf diese Weise - das ist durchaus gut, wichtig - für einen selbst, aber tatsächlich auch für andere Betroffene, die dadurch informiert werden und Stärkung erfahren können.
Aber es ist auch Zeichen dafür, dass es immer noch in dir "vorhanden" ist: die je persönliche Verletzung, die "nicht verheilte Wunde".

Genau darum geht es mir aber: um Heilung. Und diese ist meiner Überzeugung nach nur möglich, wenn sie auf beiden Seiten stattfindet.
 
Noch ein Mal ganz explizit:
Heilung (!) - gibt es nur, wenn sie auf beiden Seiten stattfindet - auf Opfer- u n d auf Täterseite. Ja, davon bin ich zutiefst überzeugt.
 
Und das ist ein uraltes Prinzip, das nicht erst Jesus erfunden hat ;), das außerdem bzw. eigentlich ein urweibliches ist: Fürsorglichkeit, GEBEN, MITGEFÜHL, Güte, Verständnis, Verzeihen = Liebe.
 
Nur: kann das nicht totale Selbstaufgabe/Selbstvernichtung bedeuten. Das sollte eigentlich klar sein.
 
-
 
Noch ein Mal Grundsätzliches zu Sanktionen:
 
Was verbirgt sich denn hinter der Ansicht, gar der Überzeugung, Menschen mittels bspw. und besonders der Hartz 4-Sanktionen, welche ihre Existenz gefährden, welche diese Existenz sowie auch die Menschen direkt beschädigen (sowohl physisch als auch psychisch) - und das überdies langandauernd, wiederholt, mehrheitlich unabwendbar (k e i n e aufschiebende Wirkung von Rechtsbehelfen wie Widersprüche und Klagen!) sowie außerdem in Form einer permanenten Drohkulisse/Ängstigung/Dauerstresssituation, da die Sanktionen stets wie ein Damoklesschwert über den Menschen im Hartz-Vollzug hängen?
 
Es ist diese Ansicht und Vorgehensweise nichts als Schwarze Pädagogik: Man, in diesem Fall die Legislative und Exekutive, die Staatsgewalt also, will die Betroffenen auf diese Weise schlicht gefügig machen, zu Gehorsam zwingen.
 
Denn mitnichten geht es darum, moralisch gebotenes Verhalten - also prosoziales, kooperatives, verantwortungsvolles - erwirken oder befördern zu wollen; solches Verhalten kann niemals oktroyiert, d.h. durch Zwang, Schikane, Druck, Kontrolle, Strafe, Gewalt - bewirkt werden; durch all solches wird nur Schmerz, Leid, Not, Angst und infolgedessen Gehorsam generiert oder aber auch: Trotz, Abwehr, Verweigerung, Aggression (siehe durch das Überschreiten der Schmerzgrenze) und schließlich Gegengewalt oder Selbstzerstörung/Selbstvernichtung (bspw. auf Raten oder auch durch Suizid).
 
Letzteres wird sodann mit neuerlicher Sanktion/Gewalt geahndet, belegt, verfolgt.
 
Moralisch wünschenswertes, gebotenes, prosoziales, kooperatives Verhalten kann nur durch Einsicht, Erkenntnis, Zustimmung, Mitbestimmung, Einbezogensein, Anerkennung, Wertschätzung, Mitgefühl intrinsisch erzielt bzw. gelebt werden, insbesondere langfristig/dauerhaft: nur auf diese Weise.
 
Genau darum geht es offensichtlich jedoch gerade n i c h t.
 
Ziel ist nicht, dass Menschen sich prosozial, kooperativ, solidarisch, loyal, mitfühlend, verantwortungsvoll, gemeinwohlorientiert, friedlich, freundlich und sogar freudig (!) unter- und miteinander verhalten k ö n n e n (und es dann auch wollen), sondern das Gegenteil dessen will erreicht werden: durch Spaltung, durch Diskreditierung, Herabwürdigung, Diskriminierung, Ausgrenzung bis hin zur Ächtung und Existenz(grundlagen)vernichtung. - Beschädigung von Menschen auf allen Ebenen also: psychisch, physisch, geistig.

Und das: durch Staatsgewalt, legal(isiert).
 
Zu dem einzigen Zweck, diese Menschen mittels dieser Gewalt unterwerfen, instrumentalisieren, ausbeuten zu können - wie Gegenstände, Objekte. Verheizbares Menschenmaterial. "Idealerweise": widerstandslos.
 
D a r u m geht es tatsächlich bei den Sanktionen.

Und aus eben diesem Grunde "wollen" sie mit allen Mitteln erhalten werden und aus eben diesem Grunde d a r f es aus staatlicher Sicht kein BGE, d.h. keine tatsächlich menschenwürdige Existenzsicherung geben. Denn diese würde die Sklaverei zunichte machen, sie würde damit überwunden werden können. - Zum Nachteil all jener, die von den bestehenden Verhältnissen maximal profitieren und um ihre "Privilegien", ihre Macht mit allen - noch so unlauteren, unmoralischen, n i e d e r e n, abscheulichen, menschenverachtenden und menschenvernichtenden - Mitteln kämpfen.
 
-
 

Erich Fromm - Humanismus und Psychoanalyse - über das Menschsein, den Anderen/den Fremden, die Feindesliebe, Toleranz, Bewusstsein ...

Wer sind die Täter?

netzwerkB

"[...] Da gab es einen Fall, der vor zwei Jahren vor den Obersten Gerichtshof ging, da hatte ein Mann Essen von einer Kirche gestohlen. Man hatte Essen gesammelt, um es anschließend zu verteilen, und er stahl einiges und er wurde zu lebenslänglich verurteilt. Leute bekommen lebenslänglich, weil sie eine Jeans geklaut haben, oder ein Fahrrad. Sie haben ein Akte, und der Richter kann nichts dagegen tun, es ist seine Pflicht, sich an die Gesetze zu halten.

Weil das System auf diese Weise immer mehr Kriminelle und immer mehr Gefängnisse produzierte, wurde dadurch eine private Industrie auf den Plan gerufen, die von dem Geschäft mit den Gefangenen satte Profite macht. Vierzig Milliarden Dollar kostet der Gefängnisbetrieb allein in diesem Jahr. [...]
 
In Philadelphia sehen wir zum Beispiel, dass die Gefangenen nicht immer Zugang zu Medikamenten haben, die verzweifelt benötigt werden und einige nicht ins Krankenhaus eingeliefert und behandelt werden, wenn sie es nötig haben. Manche Versicherungen versprechen den Ärzten sogar einen Bonus, wenn sie Notfallbehandlungen unterlassen. In einem Gefängnis in Florida, zum Beispiel, bekommt ein Anstaltsarzt 250 Dollar für jeden Besuch in der Notfallaufnahme, der gar nicht erst stattfindet. [...]
 
Eines der größten Probleme ist, dass viele Leute zu schnell ins Gefängnis geschickt werden. Dabei würde ihnen ein Aufenthalt in einer Reha-Klinik viel mehr helfen. Drei Viertel aller Gefangenen waren vorher schon mit Drogen oder Alkohol in Kontakt. Einige davon müssen natürlich ins Gefängnis, weil sie andere gefährden, aber viele Straftäter wären in einem Community Service besser untergebracht. Bei uns werden die Leute auch sehr viel länger weggeschlossen als in anderen Ländern. [...]"
 
Quelle: deutschlandfunk.de - "Gefängnismisere in den USA"
 
"[...] Die Vereinigten Staaten von Amerika sind Weltmeister. Zumindest was den Strafvollzug angeht. Von den 288 Millionen Bürgern der USA befinden sich in diesem Augenblick 2.2 Millionen Menschen im Gefängnis. Das ist unangefochten Weltspitze. Da können Schurkenregime wie Iran oder Nordkorea nur vor Neid erblassen: In den USA kommen auf 100.000 Bürger 737 Strafgefangene (Stand: Ende 2005). Putins Russland ist mit 607 Strafgefangenen auf Hunderttausend Zweiter. Die Bronzemedaille geht an Kuba mit 487 Gefängnisinsassen. Bescheiden nehmen sich da geradezu die 98 Strafgefangenen aus, die in Deutschland im Jahre 2004 auf je Hunderttausend Einwohner kamen. [...]
 
Nach herrschender Logik der Law-and-Order-Befürworter aller Länder sollte härtere Bestrafung von Delikten zu einer wirkungsvollen Verbrechensbekämpfung durch Abschreckung führen. Dem steht aber die nüchterne Sprache der Statistik entgegen. In den USA oszillierte die Zahl der Gefängnisinsassen nämlich bis 1970 immer – abgesehen von den beiden Weltkriegen – um 200.000 Personen. Dann zog die Schraube der Gefängniseinlieferungen dramatisch an und ihre Zahl ist bis heute um den Faktor 11 angestiegen. Die Abschreckung scheint also auszubleiben. Sind die US-Bürger heute tatsächlich elfmal so kriminell wie vor 35 Jahren?
Besonders groß ist die Neigung der Behörden, Afroamerikaner zu einer Gefängnisstrafe zu verdonnern. Die Afroamerikaner stellen lediglich 13% der US-Bevölkerung, sind aber zu 51% wegen Drogendelikten im Strafvollzug. Entgegen landläufiger Meinung konsumieren Afroamerikaner aber weniger Drogen als die Weißen. Das Kokain-Derivat Crack ist eine Droge der armen Leute. Ein Viertel aller Crack-Konsumenten sind Afroamerikaner. Jedoch 80% aller wegen Crack-Besitz oder Crack-Dealerei Verurteilten gehören der afroamerikanischen Community an. Obwohl die absolute Zahl weißer Drogenkonsumenten die Anzahl der afroamerikanischen Drogenkonsumenten um das Fünffache übersteigt, wurden im Jahre 2002 28.314 Weiße wegen dieser Vergehen ins Gefängnis eingewiesen. Jedoch mussten mehr als zweimal so viele Afroamerikaner (62.087 Personen) den Weg in den geschlossenen Strafvollzug antreten. [...]"
 
MAKE AMERICA WHITE AGAIN. ... Das ist: Rassismus. Und bei uns will eine AfD die Strafmündigkeit Minderjähriger auf das Alter von 12 Jahren herabsetzen!
 
"[...] Wege des Wachstums für die Gefängnismaschine bieten sich dagegen bei den opferlosen Vergehen. Wenn kein Verbrechensopfer zu beklagen ist, muss der Staat nicht eingreifen. Er schafft sich sein Tätigkeitsfeld selber, indem er Kriterien konstruiert, wen er verfolgen will und wen nicht. Zu diesen Vergehen gehört u.a. der Bereich Drogenhandel und –besitz. Die Breite des Ermessensspielraums des Staates wird in diesem Bereich deutlich, wenn einerseits der Handel und Besitz von Alkohol erlaubt wird, obwohl von stark alkoholisierten Mitbürgern extreme Gefahren ausgehen; andererseits der Besitz von Haschisch verboten ist, obwohl nachweislich von diesem Genussmittel keine Gefahren für die Gemeinschaft ausgehen.
 
Und hier deutet die JPI-Studie auf jene unheimliche Symbiose des vom damaligen US-Präsidenten Richard Nixon 1971 verkündeten „War on Drugs“, dem Krieg gegen die Drogen, und dem im gleichen Jahr einsetzenden Wachstum der Gefängnismaschine. Scheinbar war der Krieg gegen Drogen eine ehrbare Bestrebung, Menschen von der Heroin-Nadel zu befreien. Tatsächlich diente der Drogenkrieg ganz anderen Zwecken. Zum einen konnten US-Streitkräfte unter einem „humanitären“ Deckmantel in souveräne Staaten implantiert werden. So besetzen US-„Drogenkrieger“ heute nicht nur Kolumbien, sondern auch die Philippinen – rein zufällig - in jener Region der Inselgruppe Mindanao, wo sich islamistische Aufständische befinden. [...]
 
Aber für Millionen Menschen bringt dieser Wahnsinn, der Methode hat, unbeschreibliches Leid. In Lateinamerika werden die Anbauflächen indigener Völker mit giftigen Chemikalien aus US-amerikanischen Antidrogenhubschraubern auf lange Zeit unfruchtbar gemacht. Zum anderen wird das Territorium der USA durchkämmt nach armen Teufeln, die man mit verbotenen Pülverchen aufgreift. Erfolge lassen sich leichter in dicht besiedelten Gebieten erzielen, wo der Drogenhandel offen auf der Straße abgewickelt wird – also in den Slums mit ethnischen Minderheiten, und nicht in den verschlossenen weißen Suburbs der Großstädte. Auf diese Weise kann man der Öffentlichkeit auch immer wieder Bilder liefern von Afroamerikanern, die den ganzen Tag nichts anderes im Kopf haben, als mit Drogen zu dealen. [...]

Und so wie beim Militär-Industriellen Komplex der politische Wille zur Beschränkung durch staatliche Regulierung fehlte, der Staat selber gar zum willigen Helfer verkam, so schwillt auch der Zwillingsbruder des Militär-Industriellen Komplexes dank vieler williger Helfer im Staatsapparat unreguliert immer weiter an. Die Rede ist von der sog. Sicherheitsindustrie.

Die Sicherheitsindustrie fing an mit privatem Objekt- und Personenschutz, übernimmt Geldtransporte sowie Überwachung öffentlicher Räume. Mittlerweile durchdringt die Sicherheitsindustrie das Gemeinwesen mit einer eigenen „Gesellschaftsphilosophie“. Sicherheitsfirmen übernehmen nicht nur Planung und Bau von Gefängnissen, sondern sie weiten ihre erworbenen Kenntnisse in der Führung von Betrieben auf genuin zivile Bereiche wie Schul-, Universitäts- und Behördenmanagement aus. In ihren Diensten stehen Heerscharen von PR-Experten, Soziologen, Psychologen, Mediziner und Sozialarbeiter.

In den USA befindet sich ein großer Teil der Gefängnisse bereits vollständig in der Hand privater Security-Konzerne. Die Corrections Corporation of America konnte im Jahre 2004 einen satten Gewinn von 1.15 Milliarden US-Dollar einfahren. Der Wert der CCA-Aktie verdoppelte sich im Lauf des Jahres 2006. Gerne schiebt der Staat besonders delikate Aufträge an Private ab. So unterhält die CCA in Florida ein Gefängnis für abgeschobene Einwanderer, die keine Delikte begangen haben, aber trotzdem wie Verbrecher eingesperrt werden. [...]"

Quelle: heise.de - "Im Strudel der Gefängnisindustrie"
Farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
DAS ist law and order-"Politik", wie sie einer CSU und einer AfD gefällt! So (und so lukrativ ...) hätten sie es hier auch gerne. Wie gesagt: die AfD will die Strafmündigkeit Minderjähriger auf ein Alter von 12 Jahren herabsetzen ... . Es ist also klar, aus welcher Richtung und wohin der Wind bläst ... .
 
"[...] Die Wackenhut Corrections Corporation gibt es schon seit 1954. Ihr Begründer George Wackenhut kaufte von dem McCarthy-Ausschuss jede Menge Personendateien über „verdächtige Elemente“ – also US-Bürger, die sich irgendwie kritisch zur Tagespolitik geäußert haben. Wackenhut, der seinen Busenfreund George Bush den Älteren mit „Hey Pinco!“ anreden durfte, besaß die persönlichen Daten von 4 Millionen US-Bürgern. Wackenhut verkaufte seinen Security-Konzern nebst Personendateien an die Group 4 Securicor. Dieser Sicherheitskonzern beschäftigt weltweit 500.000 Beschäftigte, davon allein in Deutschland 4.776 Mitarbeiter. Zu deren Aufgaben zählen u.a. „Nuclear Security“ und „Energy Consulting Services“.
 
Wackenhut und CCA betreiben in den US-Gefängnissen Werkstätten und Fabriken, in denen die Insassen für einen Dollar pro Tag schuften. Die anstelligeren Gefangenen übernehmen zum Billigstlohn Außendienstarbeiten in der Landwirtschaft oder auf Baustellen. Damit wird ortsansässiges mittelständisches Gewerbe kaputtkonkurriert. [...]"
 
-
 
SOLIDARITÄT mit den Gefangenen!

Es ist ein Skandal, es ist unmenschlich, grausam, widerwärtig, w i e Gefängnisse in usa geführt werden, was es für eine GefängnisINDURSTRIE ist, für wen sie lukrativ zu wessen "Lasten" ist: Menschen werden hier nicht nur würdelos gehalten, misshandelt, sondern tatsächlich (oft mehrfach) lebenslang inhaftiert und/oder getötet (Todesstrafe) - auch das unter unmenschlichen, grausamen Bedingungen.
Und das in einem vorgeblich demokratischen Land - das mittels solcher Praktiken (siehe auch Folter ...) DEMONSTRATIV gegen Menschenrechte verstößt - und w a s unternimmt "die Weltgemeinschaft" dagegen?! Sie: kriecht.
 
Nicht minimalst trägt diese Praxis, diese Gefängnisindustrie dazu bei, Straftaten vorzubeugen, zu verhindern - auch die Todesstrafe hat bekanntlich k e i n e "abschreckende Wirkung".

Es geht hierbei auch nicht darum, Straftäter zu "integrieren", sondern das Gegenteil dessen findet statt: Es gibt für sie keine Rehabilitation, keinerlei Therapie, sie werden wie Gegenstände, wie Schlachtvieh gehalten, misshandelt - physisch wie psychisch. Sie gelten als minderwertig und müssen FÜR DIE RACHE-, VERGELTUNGSWÜNSCHE derer herhalten, die "draußen" sind, die ihr selbstgerechtes, verlogenes, ignorantes Spießerdasein führen - die dazu die Mittel und Möglichkeiten haben und einen Sündenbock brauchen, ein Hassobjekt, an dem sie ihre ureigenen Niederheiten auslassen und an dem sie sich vermeintlich "aufwerten" können, indem sie andere abwerten. - Es ist überall dasselbe ... .
 
Wer ernstlich, wirklich Straftaten vorbeugen und "Opfern", Geschädigten helfen, sie heilen will, muss ganz und gar anders vorgehen.
 
-
 
"[...] Immer mehr hoheitsstaatliche Aufgaben werden an private Sicherheitsfirmen ausgelagert. Deren lukratives Geschäft besteht längst nicht mehr nur aus Portierdiensten oder nächtlichen Kontrollgängen durch leere Firmengebäude. Privates Personal in Uniform konfisziert Regenschirme und verdächtige Objekte an den Sicherheitsschleusen von Bezirksgerichten. Es verscheucht wärmesuchende Obdachlose aus Bankfoyers, verteilt Verkehrsstrafen und greift im Ernstfall auch zur Waffe. Die Angebotspalette des Marktführers Group4S kennt noch exotischere Dienstleistungen: »Präventionsarbeit durch verdeckte Ermittlungen und Observationen« wird hier ebenso feilgeboten wie »die Sicherung von Beweismaterial in zivil- und strafrechtlichen Angelegenheiten durch moderne Technik und internationale Kontakte«.
 
Wie weit reicht der Arm der privaten Sicherheitsfirmen? Wer schützt die Subjekte vor den Objektschützern? Und sind sie gar ein Sammelbecken für Waffennarren und Rechtsextreme?
Das Umsatzvolumen von Group4S, Securitas und der rund 200 anderen privaten Sicherheitsfirmen in Österreich stieg allein zwischen 2004 und 2009 von 212 Millionen auf 347 Millionen Euro (aktuellere Zahlen gibt es nicht). Wo starke Gewerkschaften gute Rahmenverträge ausgehandelt hatten, versuchen nun immer öfter staats- und gemeindenahe Unternehmen auf private Billiganbieter auszuweichen. In Graz planten die Verkehrsbetriebe gar, das Lenken von öffentlichen Bussen an einen Sicherheitsdienst auszulagern. Erst als Betriebsrat Horst Schachner polternd von »Lebensgefahr« für die Fahrgäste sprach, wurde der Plan verworfen. Securitas-Mitarbeiter sind heute trotzdem in den Bussen unterwegs, wenn auch nur als Fahrscheinkontrollore. »Am Anfang habe ich mich auch dagegen gewehrt«, sagt Schachner, »aber das habe ich aufgegeben. Securitas ist einfach viel billiger.« [...]
 
Die Fluktuation im Sicherheitsgewerbe ist extrem hoch, die Qualifikation der Beschäftigten gering. Eine maximal zweitägige Grundausbildung auf eigene Kosten mit abschließender Multiple-Choice-Prüfung, mehr wird nicht verlangt. »Ein richtiger Dodel-Test war das«, erzählt Alex P. Der Ausbildner habe sogar erzählt, bei diesem Auswahlverfahren sei »noch niemand durchgefallen«.
Immer wieder stehen Sicherheitsfirmen wegen der mangelhaften Ausbildung ihres Personals in der Kritik. Auch Securitas-Chef Robert Wiesinger weiß diese Vorwürfe nicht zu entkräften. [...]
 
Es gibt aber auch manche, die ganz gezielt in die Sicherheitsbranche streben: »Wir wissen aus Deutschland, dass solche Jobs Waffenhungrige oder Rechtsextreme anziehen«, sagt Walter Fuchs vom Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie . Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands in Wien , das die rechtsextreme Szene erforscht, registriert starke personelle Verflechtungen: Viele einschlägig bekannte Gesichter seien bei Security-Dienstleistern tätig.

Manche Sicherheitsfirmen bieten solch hochmotivierten Bewerbern sogar eigene Anreize. Ein früherer Securitas-Beschäftigter erzählt von Firmenrabatten für bestimmte Pistolentypen und einem erleichterten Zugang zum Waffenpass. »Manche haben das gerne genutzt.« Und Alex P. erzählt von einem Vorgesetzten, der zur Arbeitskontrolle nie ohne Revolver erschienen sei.

Wann und wie eine Waffe verwendet werden darf, ist bei privaten Sicherheitsdiensten weit weniger streng geregelt als bei der Polizei. »Privaten wird zu einem gewissen Grad zugestanden, dass sie überreagieren, wenn sie angegriffen werden, einem Polizisten nicht«, erklärt Kriminalsoziologe Walter Fuchs. Die Möglichkeiten, sich gegen Missbrauch der Waffe zu wehren, sind beschränkt. [...]"
 
Quelle: zeit.de - "Wenn die Polizei mal Pause macht"; (farbliche) Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 

Diesen Post teilen

Repost 0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:

Kommentiere diesen Post