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Sabeth schreibt

Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie

Über Muße, Müßiggang und die Hintergründe des heute gängigen Begriffs/der Definition von Arbeit ...

 
Ein ausgezeichneter Artikel (taz - "Wer faul ist, muss bestraft werden"). :) Es ist darin nur leider ausschließlich von Müßiggang/Faulsein die Rede - nicht von Muße. - Nein, niemand möchte lebenslang tagein, tagaus "nichts tun"/"rumhängen" oder dem grenzenlosen Hedonismus frönen. Warum nicht? Weil es nicht "glücklich", d.h. zufrieden macht.

Wir alle möchten uns einbringen, wir alle brauchen die Anerkennung anderer, das Teilsein der Gemeinschaft und wir fühlen uns gerade dann "gut" (Zufriedenheit, Wohlbefinden, auch Glücksgefühle, Harmonie ...), wenn wir etwas getan haben, das uns erfüllt, womit wir uns "identifizieren" können, das uns am Herzen liegt, wofür wir uns überzeugt einsetzen, anstrengen, einbringen und: was uns liegt/entspricht - worin wir also Fähigkeiten, Stärken, Interessen haben.
 
Nur: ist das, das wir da/so tun nicht zwangsläufig Erwerbsarbeit, sondern "andere" Arbeit, "Leistung", anderes: Tätigsein.
Bspw. indem wir kreativ tätig sind oder sozial - indem wir mitfühlend sind, Anteil nehmen (echt/ehrlich), anderen zuhören, uns um sie - auf verschiedene Weise - kümmern (Fürsorglichkeit), indem wir Reproduktions- bzw. (Für-) Sorge-Arbeit leisten, indem wir geistig tätig sind, gestalterisch, handwerklich ... . Nur eben selbst-, nicht fremdbestimmt und: um der Sache willen, nicht: weil wir damit unsere Existenz sichern müssen wollen. D a s ist der entscheidende Punkt - eben deshalb ist ein BGE erforderlich - um endlich auf solche Weise je individuell tätig sein zu können: selbstbestimmt.
 
Es geht also darum, den gängigen Arbeitsbegriff anders zu definieren - ihn im Sinne dessen zu erweitern, das real passiert, das an Arbeit getan, geleistet wird, die nicht Erwerbsarbeit ist.
 
Und es geht desweiteren darum, anzuerkennen, zu etablieren, dass Muße unabdingbar ist - weil sie für geistiges und emotionales Reifen, Reflektieren, für Entwicklung und natürlich für Regeneration essentiell ist.
 
Stattdessen rennen die Menschen mehrheitlich im Hamsterrad der Erwerbsarbeit und versuchen, ihren Selbstverlust, ihre Entfremdung, ihre Fremdbestimmtheit mittels Selbstbetrugs zu kompensieren - mit bekanntermaßen also: Hedonismus, mit Konsum und/oder Eskapismus, Glaube, Esoterik und nicht zuletzt: Sucht.
 
Auf diese Weise - ohne wirkliche, echte Muße - kommen sie erst gar nicht zum Reflektieren, zum Analysieren, Schlussfolgern ... . Zum: Erkennen. ...
Und sie halten all das noch immer mehrheitlich für vollkommen "normal", sogar für richtig. - Wie überaus praktisch. Nicht wahr? ... ;)
 
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Die Leute kennen einfach oft leider den Unterschied zwischen Langeweile und Muße in der (Lebens-) Praxis nicht.
 
Natürlich geht es nicht darum, in wirklich frei verfügbarer Zeit nur irgendetwas passiv zu konsumieren, sondern: sich mit Dingen, Umständen, Menschen, Verhältnissen, Theorien ... aktiv zu beschäftigen, auseinanderzusetzen: aber eben freiwillig und nicht, um damit/dabei
Einkommen zu mehren oder sich beliebt zu machen, anzubiedern, einzuschleimen, sich zu "profilieren", andere zu übervorteilen etc.
 
Sondern um Zeit, Raum, MÖGLICHKEIT zu haben, sich mit den wirklich existenziellen Fragen auseinandersetzen zu können ... . Dass daran offensichtlich Bedarf besteht, sieht man am Bedürfnis der Menschen nach "Spiritualität" - und den nicht selten fragwürdigen Folgen, die dies nach sich zieht ...
 
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