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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Über mobbing und die Folgen - nicht nur für Gemobbte ...

 
Es gibt offenbar an vielen Schulen faktisch keine tatsächliche, keine bedürfnisorientierte, keine effektive Hilfe bei getätigtem mobbing.
Auch ich spreche aus Erfahrung.

Meine Tochter wurde die gesamte Grundschulzeit über gemobbt, ich hatte es damals zunächst gegenüber der Elternschaft thematisiert, man (einige der Eltern) zeigte sich zwar betroffen, reagierte dann aber mit üblichen Sätzen, die eigene Hilflosigkeit und/oder Ignoranz und Mangel an Mitgefühl und Veränderungsbereitschaft ausdrücken: "Sie wird auch später im Leben an solche Menschen geraten, daher ist es wichtig, dass sie sich ein dickeres Fell zulegt."
 
Oder es wurde (von anderen Eltern) einfach vollständig ignoriert, insbesondere von den Eltern der mobbenden Schüler.
 
Das mobbing setzte sich an der weiterführenden Schule fort, dort bezog ich Lehrer und Schulleitung mit ein - die Schulleitung bot lediglich an, meine Tochter solle einfach immer zu ihr (genauer der Unterstufenleiterin) ins Büro kommen - als ob ihr das in irgendeinerweise in der Klasse, im Kontakt mit den anderen Schülern, im Schulalltag, in den konkreten Situationen (auch auf dem Pausenhof) auch nur annähernd hilfreich hätte sein können - und man sie dann nicht vielmehr erst recht gemobbt und als "Petze" oder "Mimose" etc. bezeichnet, verurteilt und noch intensiver ausgegrenzt hätte.
 
Insgesamt lässt sich feststellen, dass sowohl Lehrer nur oberflächlich, pro forma etwas unternehmen (es nannte sich in unserem Fall bspw. hochtrabend "mobbing-Seminar", wobei die Kinder nur herumgealbert und sich belustigt haben: in Anwesenheit der Lehrerin, die das nicht im Mindesten anleitete, begleitete, hinterfragte ...) als auch Schulleiter es relativieren, verharmlosen oder zur Gänze leugnen und sich hinter vermeintlichen Unterstützungsmaßnahmen, die faktisch für betroffene Kinder nicht hilfreich sind, verstecken.
 
Uns half letztlich nur ein Schulwechsel, der so einfach ebenfalls nicht zu vollziehen, zu erwirken ist.
 
Ursache für das mobbing war in "unserem" Fall, dass meine Tochter ein sehr mitfühlendes, gutmütiges Mädchen ist, das grundsätzlich nicht "austeilt", auch nicht verbal - sie sagte immer, es mache sie dies traurig, es tue ihr weh, wenn sie anderen verbal Grenzen setzen soll, sie empfand das bereits als andere verletzend.

Und dieses "Anderssein", diese Gutmütigkeit, Vertrauenswürdigkeit, Arglosigkeit nutzen einige Kinder fast sadistisch aus - ein Junge zertrat bspw. eine Schnecke demonstrativ vor ihren Augen, weil er um ihre Tierliebe wusste - er tötete ein Tier, nur, um sie damit zu verletzen.
Und das ist nur e i n Beispiel.
 
Grundsätzlich ist mein Eindruck, dass es in Schulen nach wie vor - trotz aller theoretischer Proklamationen und aufgestellter Regeln - in der Praxis, im Schulalltag massiv an Herzens- und Charakterbildung mangelt, am Lernen und Praktizieren rücksichtsvollen, respektvollen, insbesondere mitfühlenden, fairen, prosozialen Verhaltens, am Tolerieren von "Andersartigkeit", am Solidarisieren und Kooperieren.
 
Stattdessen geht es immer noch um Konkurrenz, konventionelles, konformistisches, "normgerechtes" Verhalten, nicht um Individualität, nicht um Persönlichkeitsentwicklung, im Übrigen auch nicht um Allgemeinbildung und Wissensvermittlung, sondern ums Leistungsprinzip und Aussortieren, um das Verfügbarmachen von Kindern für die Wirtschaft. Eigenes Thema. Alternativen hierzu gibt es bereits, siehe demokratische Bildung, Schule (siehe bspw. Summerhill, Sudbury Valley ...), leider sind diese vielen Menschen, Kindern, Familien nicht zugänglich, da zu selten und/oder zu teuer.
 
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Schöne Kommentare (auf facebook) unter dem Beitrag übrigens:

Andreas Junglas: "Der Ball müsste genau anders fliegen. Wer an der Schule als Mobber identifiziert wird, der muss entfernt werden. Knallhart. Das muss ganz groß in den Regeln stehen. Dann dürfen sich die
Eltern eine neue Schule suchen. Viel Spass! Ich hätte auch keinerlei Problem damit, einen ganzen Pulk von der Schule zu schmeißen. Thema "Großgruppe". Und bitte nicht so tun, als ob die Lehrer das nicht mitbekommen. Wie soll denn sonst "Inklusion" gelingen?! Wenn schon irgendwelche Normalos gemobbt werden?"

Meine vollste Zustimmung - nicht die Täter schonen und die Opfer sanktionieren, sondern die Gemobbten schützen, stärken, bestärken, sie nicht noch ein weiteres Mal, noch zusätzlich pathologisieren, zum Problemfall machen, ihnen damit noch mehr Selbstwertgefühl nehmen, sondern die Täter als Täter benennen und deren Verhalten verändern. Aber ja - siehe, was ich dazu oben bereits ausführlich schrieb: das muss/müsste stets in der frühen Kindheit stattfinden - im Schulalter ist es meist schon zu spät.
 
Und schließlich wissen wir mittlerweile - doch eigentlich ganz genau ... - dass das Überschreiten der Schmerzgrenze bspw. auch Amokläufe zur Folge haben kann/hat.
 

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