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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Eltern - Über unbeschadetes, nicht schädigendes Elternseinkönnen und die hierfür erforderlichen Bedingungen, Voraussetzungen sowie über Bildung des Geistes, des Herzens, des Charakters und das Bildungssystem ...

 
Vorab ein kurzes statement zum verbreiteten Elternbashing:
 
Siehe sogenannte "Helikoptereltern", professionalisierte Elternschaft, siehe Optimierungswahn, siehe, woher dies kommt, woraus es resuliert: Kleinfamilie, übers Kind eigene Defizite kompensieren wollen (meist unbewusst), Primat der Wirtschaft, Leistungsideologie, Effizienz: alle müssen noch flexibler, d.h. flexibilisierbar, noch mobiler, noch besser "qualifiziert", noch umfassender verfügbar, funktional, instrumentalisierbar sein - nicht für mehr Lebensqualität, sondern fürs kapitalistische Wirtschaftswachstum und für Äußerlichkeiten, Oberflächliches: Ansehen, Status, Renommee, Fassade - Haben statt Sein, erinnern wir uns gerne an Erich Fromm und lesen wir ihn wieder.
 
Und genau in dieser "Tradition" stehen auch staatliche Schulen: Konkurrenz, Wettbewerb, Leistungsideologie, Druck, Zwang, Kontrolle, Strafe - letztlich also patriarchale Schwarze Pädagogik.
 
Erforderlich wäre stattdessen - längst und tatsächlich global - der bedürfnisorientierte Umgang mit Säuglingen, Kindern, Jugendlichen (nennt sich heute "attachment parenting", es geht aber auch ohne Anglizismen). Und entsprechende Schulen, siehe demokratische, soziokratische, bedürfnisorientierte Bildung, Schule - bspw. nach dem Konzept von Summerhill, Sudbury Valley, siehe, wie sich bspw. auch Gerald Hüther hierzu äußert.
 
Es braucht auch keine x Erziehungsratgeber, sondern selbst nicht beschädigt worden seiende, empfindsame, feinfühlige, empathische Eltern, die t a t s ä c h l i c h liebe- und respektvoll, also bedürfnisorientiert, mit Kindern umgehen - und das auch können, was wiederum bestimmte Vorbedigungen zur Voraussetzung hat, nicht nur je persönliche (siehe Prägung, Sozialisation, auch bspw. religiöse Indoktrination ...), sondern gerade auch soziale, gesellschaftliche, politische.

Materiell arme Eltern, Familien geraten leicht in die physische und psychische Überlastung, materielle Armut grenzt aus, begünstigt psychische wie physische Krankheiten, treibt in die soziale Isolation, fügt also Schmerz zu, aus dem wiederum r e a k t i v e Aggression, aber auch Verzweiflung, Depression und Resignation resultieren, siehe dazu Joachim Bauers herausragendes Buch "Schmerzgrenze - Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt".
 
Es wäre anders, angemessen möglich, hierfür wären aber für viele Menschen, nicht nur, aber auch in Deutschland, andere politische Verhältnisse vonnöten, man denke an bspw. die materielle Armut, Hartz 4, Niedriglöhne, also Ausbeutung, man denke auch an allein Alleinerziehende, an nicht, schon gar nicht existenzsichernd entlohnte, jedoch für weltweit jede Gesellschaft unentbehrliche Sorge-Arbeit, man denke an Kleinfamilien und einhergehend zu wenige Bezugspersonen für alle, nicht nur die Kinder, stattdessen: immer frühere Fremdbetreuung, vorübergehendes und wechselndes Betreuungspersonal gerade ausgerechnet bei Kleinkindern (Kitas, Krippen - statt verlässlicher, beständiger Bezugspersonen mit emotionaler Bindung, Beziehung), somit zerstörte Bindung, Beziehungen.
 
Entsprechend sind politische und einhergehend gesellschaftliche, soziale Veränderungen erforderlich:
 
- anders Wohnen: gemeinschaftlich, generationenübergreifend, selbstverwaltet, siehe cohousing, entsprechende Architektur, Infrastruktur
 
- anders Arbeiten, anders Wirtschaften: Gemeinwohlökonomie, Wirtschaft der Fürsorge, Solidarwirtschaft, veränderte, zeitgemäße Arbeitsstrukturen (nicht nur bzgl. Erwerbstätigkeit, Arbeit ist noch anderes und weit mehr als kapitalistisch ausbeutbare Erwerbstätigkeit), entsprechend auch veränderte Städteplanung, Wohnungsbau etc..
 
So lange wir dem Neoliberalismus, dem Kapitalismus anhängen, wird sich nichts zum Besseren im Sinne von Menschlichkeit, (sozialem bzw. evolutionären) Humanismus, globaler sozialer und Verteilungsgerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Kooperation, Solidarität, Wohlergehen, Freude, Sinnfindung wenden können.
 
Viel hat das auch mit Konservatismus, Narzissmus, autoritärem Charakter und dem Mangel an Mitgefühl zu tun.
 
Letztlich also wiederum mit Prägung, frühkindlichen Beschädigungen, Beschädigtwordensein in Kindheit und Jugend, mit lebenslang wichtiger, insbesondere, aber nicht nur frühkindlicher Bindung, Beziehung, daraus resultierendem Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, Resilienz, Mitgefühl, Kooperationsfähigkeit, Solidarität, prosozialem Verhalten - auf Basis von intrinsischer, nicht religiös, ideologisch oktroyierter "Moral".
 
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Aktualisierung am 27. Juni 2019
 
Zum Thema "Netzwerke", siehe hierzu u.a. oben verlinkten Text "Armut prägt stärker als Familienstatus", pharmazeutische-Zeitung.de:
 
1. Es ist Aufgabe, Pflicht eines Sozialstaates - siehe Sozialstaatsgebot Art. 20 Abs. 1 GG - materieller Armut vorzubeugen bzw. sie bei Entstanden-, Vorhandensein angemessen und zeitnah zu beheben.

Dies trifft somit auch auf Kinderarmut und Mütterarmut zu - siehe Armutsfaktor Alleinerziehendsein, siehe hierzu außerdem Art. 6 Abs. 1 und Abs. 4 GG.
 
2.  Private Neztwerke entbinden den Staat, die jeweilig amtierende Regierung nicht von dieser Pflicht.
 
Solche Netzwerke basieren auf vielfältigen Umständen, Zufällen, je persönlichen sozialen sowie finanziellen, wirschaftlichen Möglichkeiten und Kapazitäten, wiederum insbesondere dem möglichen, uneingeschränkten, nicht verstellten Zugang zu soziokultureller Teilhabe, Mobilität, Bildung, Information, guter medizinischer Versorgung u.a.m..
Hierfür sind bereits entsprechende finanzielle Mittel unabdingbar.
 
Voraussetzung ist außerdem, nicht bereits je persönlich (siehe Biographie) intensiv, langwierig psychisch-emotional und/oder physisch überlastet oder gar beschädigt (worden) zu sein, bspw. in eigener Kindheit und Jugend - u.a. wiederum aufgrund materieller Armut, des sozialen Status ... .

3. Soziale Netzwerke lassen sich am besten dort und dann aufbauen, wo dies tatsächlich niedrigschwellig, unbürokratisch, bedarfsgerecht, bedürfnisorientiert und nicht konstenintensiv möglich ist.
 
Hierzu trägt die Kleinfamilie gerade nicht bei, im Gegenteil. Stattdessen erforderlich ist anderes, d.h. zeitgemäßes, ökologisches, gemeinschaftliches, selbstverwaltetes Wohnen, Miteinanderleben auf Basis entsprechender Architektur und Infrastuktur, siehe sogen. alternative Wohnprojekte, generationenübergreifendes Wohnen, cohousing.
 
D i e s gilt es staatlich angemessen zu fördern - statt es wie bisher zu behindern, siehe bspw. Architektur/Wohnungsbau, zu hohe Mieten, Hartz 4 (Stichwort/Problem Bedarfsgemeinschaft, permanente Bedarfsunterdeckung etc.), Niedriglöhne, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, zu geringe Altersrente, Altersarmut, Ehegattensplitting, Mehrfachbelastung von Frauen, Müttern, Alleinerziehenden (Stichwort unbezahlte häusliche Sorge-Arbeit und Erwerbstätigkeit ...) - bzw. es nur Privilegierten vorbehalten bleiben zu lassen. 
 
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"[...] Grundlage der Betrachtung der Kleinfamilie ist die ‚kritische Patriarchatstheorie‘, an deren Entwicklung die Autorin mitgewirkt hat. Diese ist eine ‚systemische Metatheorie‘ und besagt im Kern, dass das Ziel und die Praxis patriarchaler Macht die Auslöschung der Mutter als natürlicher Beginn allen Lebens ist. Damit verbunden ist ein Fortschrittsdenken, welches die Natur eliminiert, um sie künstlich zu rekreieren. Die Reproduktionstechnologie ist ein klassischer Ausdruck dessen. Auch die Kleinfamilie ist Teil dieser Strategie. Die gnadenlose Naturzerstörung ist die Folge patriarchalen Denkens.
 
In Kapitel 1 „Die Mutterfalle“ wird die Debatte um das Mutter-Sein in westlichen Gesellschaften beschrieben und warum der Feminismus Teil und nicht Lösung des Problems ist.
 
In Kapitel 2 „Politik und Familie“ wird der Bogen etwas weiter gespannt und konstatiert, dass die politische Rhetorik der Familie um die Normierung der Kleinfamilie kreist und sich der Staat mitnichten aus dem Privaten heraushält. Im Gegenteil, medizinische und pädagogische Kontrolle sind ab dem Zeitpunkt der Geburt eines Kindes Standard. Über den Staat wird die Kleinfamilie hergestellt und positiv sanktioniert, zugleich erscheint sie als natürliche Institution. So wird die Gewalt ihrer Herstellung verhehlt und die Gewalt in ihr unsichtbar. Die auf patriarchaler Aggression und Herrschaft beruhende Kleinfamilienideologie lebt. Dem wird an Beispielen eine nicht-patriarchale Politik entgegengestellt.
 
Kapitel 3 schließt an die Familienpolitik an und entlarvt „Die Vereinbarkeitslüge“ von Familie und Beruf, die auf falschen Prämissen beruht und nur der Aufrechterhaltung der Kleinfamilie dient, obschon der Antagonismus zwischen der Logik des Erwerbssystems und der Kleinfamilie evident ist. [...]
 
In Kapitel 4 „Die Wirtschaft mit der Familie“ erfolgt primär eine Auseinandersetzung mit dem Neoliberalismus (Friedman), dessen Folgen für die Menschen und Überlegungen zu alternativen Wirtschaftsformen, die von einer Korrelation von Naturausbeutung und Unterdrückung der Frau ausgehen, wobei die Wissenschaft immer als involvierte mitgedacht wird. Anschließend werden alternative Ökonomieansätze benannt. Dabei wird auf Basis des Ökofeminismus auf den Zusammenhang von Überproduktion in einem Teil der Welt und Ausbeutung in anderen eingegangen. Basal für diesen Zustand ist die (Fortschritts)Haltung und deren Grundgedanke Freiheit als Naturüberwindung zu verstehen. Dieses patriarchale Konzept ist aufzugeben zugunsten einer Subsistenzwirtschaft, die sich auf das Notwendige beschränkt [...]
 
Die neoliberalen Bedingungen verunmöglichen das Kleinfamilienleben, steigern aber den Wunsch danach. In der Familie selbst wird ‚emotionaler Frieden‘ gesucht, aber die für diese Ökonomie basale emotionale Distanzierung wird gelernt, die dann wiederum die Sehnsucht produziert: „Die emotionale Entwurzelung wird durch eine Reihe von Praktiken der körperlichen Distanzierung von der Mutter und allen mütterlich fürsorgenden Menschen von frühester Kindheit eingeübt. Dazu gehört die Separierung in einen Schlafbereich, die Abfütterung nach rigiden Zeiten, das Distanzbedürfnis der Mutter selbst…“ [...]"
 
Siehe sogenannte Erziehungsratgeber wie "Jedes Kind kann schlafen/essen lernen" und ähnlich grausame, gewaltvolle, beschädigende, destruktive Dressurmethoden. Erziehung
 
"In Kapitel 5 „Neue“ oder „alte“ Väter? geht es um die Frage, ob es denn neue Väter gibt, wie die Politik in diesem Kontext argumentiert und kritisiert, dass die Väterrechtsbewegung Väter heute zu Opfern stilisiert. Faktisch bleibt die Fürsorglichkeit der Väter im Hinblick auf Kinder stark begrenzt. [...]
 
In Kapitel 7 „Familie als matrilineare Verhältnisse“ wird die Lösung der zuvor behandelten Probleme vorgestellt. Es werden verschiedene Modelle vorgestellt, z.B. die Sami und die Miniangkabau auf Sumatra. Das matrilineare Verständnis wird skizziert, ebenso wie in diesem Kontext Vaterschaft verstanden wird. Es geht darum, sich dieser Konzeptionen zu erinnern und von diesen zu lernen. [...]
 
Die Kleinfamilie ist primär Leiden für die ‚Betroffenen‘ mit der Folge von Scheidung und vaterlosen Kindern. „Täglich erfahren wir aus den Medien vom Familien-Elend, wenn es zu Verwahrlosung, zu physischer und sexueller Gewalt oder tödlichen Attacken bei einer Trennung kommt.“ (S. 169) Die Kleinfamilie ist strukturell dysfunktional, da sie nicht leisten kann, was sie soll/verspricht. Daher ist der Blick radikal zu ändern, vor allem darauf, wem das System nützt, warum es sich hält und welche Denkmuster ihm zugrunde liegen [...]
 
Es ist ein patriarchales Denksystem, welches Männer und Frauen beherrscht und ökonomisch katastrophale Folgen hat. In diesem Rahmen müssen Familien funktionieren. Die Kinderbetreuung wird ausgelagert in der Hoffnung, die Geburtenzahl zu sichern. Dennoch wird von den Menschen an Ehe und heterosexuellem Liebesmythos festgehalten, obwohl Scheidungsraten und Trennungen klar auf die Brüchigkeit verweisen, ebenso wie der Therapiebedarf und die notorische Überforderung der Mütter. Hinzu kommt die Kleinfamilie als Gewaltschauplatz: „Frauen und Kinder sind nirgendwo gefährdeter als in Familien“ (S. 182). Politik, Kirchen und selbst Therapeuten halten aber an der Kleinfamilie fest. Regierende und Wirtschaftstreibende haben ein Interesse, die kostenlose Arbeit der Mutter zu erhalten und ebenso den Zufluchtsort Familie, weil er das System am Laufen hält (S. 183). Das Glaubenssystem Kleinfamilie kann sich halten, weil es massive ideologische Unterstützung von verschiedenen Seiten erfährt und sich zugleich über das ödipale Dreieck, welches Mann und Frau – als selbstlose Mutter oder männlichen Werten anhängende – wieder hervorbringt. [...]
 
Zugleich sind die Kinder der Kleinfamilie chronisch gefährdet für „jede Art von Sucht“ (S. 186), wozu nicht nur Drogen zählen, sondern auch Status. „Die Kleinfamilie versagt, weil es nur unter den Umständen der isolierten Dreieckskonstellation (…) zu den dramatischen Brüchen im stabilen familialen Umfeld oder zu seinem abrupten Verlust kommen kann. Das Risiko vom Vater verlassen zu werden und der Zwang zur Neuorientierung, von denen Kinder nach einer Scheidung betroffen sind, treten ausschließlich im Kontext der Kleinfamilie auf. Wenn nur so wenige Bezugspersonen für ein Kind zuständig sind, führt dies (…) zum Verlust eines und zeitweilig sogar beider Elternteile. Für ein sicheres Aufwachsen von Kindern ist das fatal“ [...]"
 
 
Meine Rede:
Das afrikanische Sprichwort "Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen." meint nicht, Kinder seien so schwierig, weshalb es mehrerer Erwachsener bedarf, aber durchaus, dass Sorge-Arbeit Arbeit ist und dass die Kinder eben mehrere verschiedene Bezugspersonen brauchen.
 
Das gilt übrigens auch für die Eltern, Mütter.
Ich finde, keine Mutter, kein Mensch sollte ein Kind oder gar mehrere völlig alleine umsorgen müssen. Denn früher oder später bleiben Kinder und/oder Erwachsener - meist die Mütter - auf der Strecke: physisch, psychisch, sozial ...
 
Fremdbetreung ist nicht ansatzweise vergleichbar, gar gleichsetzbar mit dem Vorhandensein mehrerer unterschiedlicher, vertrauter, über Jahre begleitender Bezugspersonen, Beziehungen. Da wir nicht mehr in Großfamilien leben, halte ich cohousing für eine gute Möglichkeit.
 
Wie geht eine Gesellschaft mit ihren Alten, Sterbenden, Kranken, Versehrten, Kindern, Fremden um? Wir: lagern sie sämtlich in Einrichtungen zur Fremd"betruung" aus - bequem, kalt, schäbig.
Um "frei", ohne Ballast, der Lohnarbeit frönen zu können, uns unter diese Knute zu beugen.
 
Wohl wissend, aber zumeist, alltäglich verdrängend, dass wir alle einmal Kinder waren, krank, alt werden und dass nichts im Leben eines jeden Menschen so gewiss ist wie der Tod - nicht nur sein eigener.
Wie barbarisch kann Mensch sein: wenn sein Mitgefühl betäubt ist.
 
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