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Sabeth schreibt

Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie

Über hate speech - die Hassrede, das verbale Ausdrücken von Hass im Zusammenhang mit Tat(en), Verhaltensweisen und die Hintergründe dessen (Menschenbild ...)

Ja, so kurzsichtig (siehe Cicero-Artikel "Hass im Internet - Taten und Worte sind nicht dasselbe") kann man es - aus manipulativen Gründen - darstellen, jedoch bleibt es genau das: eine manipulative Verkürzung des Sachverhalts.
 
Hinter "dem" Hass (auf andere Menschen, auf bestimmte Menschen - siehe Xenophobie, Misogynie, Homophobie, Islamphobie, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit) steht ein bestimmtes Menschenbild. Und dieses wird sich - zwangsläufig - (bewusst oder weniger bewusst ;) ) i m m e r auch im Verhalten, in Taten ausdrücken - insbesondere im Alltag, also gerade auch anderen (den gehassten) Menschen gegenüber.
Nein, nicht jede dieser Verhaltensweisen stellt dabei gleich eine Straftat dar, aber berechtigt ist die Frage:
 
Wer ist aus welchen Gründen (wann/in welcher Situation) wie weit von der "Meinung" zur Tat entfernt - oder eben auch nicht: entfernt ... .
 
Nein, Hass ist keine Meinung, sondern ein Gefühl. - Weder für seine Meinung noch für seine Gefühle kann, darf und sollte man bestraft werden, aber es sollte ein Bewusstmachen erlaubt sein und stattfinden. Diese Selbstreflexion findet sich jedoch gerade bei hassenden Menschen mehrheitlich nicht. Und die Frage ist, ob das aus ihrer "Meinung" und ihren Gefühlen resultierende (!) Verhalten nicht früher oder später doch zu einem Problem wird - nicht (nur) für sie selbst, sondern insbesondere für andere Menschen (die "Gehassten" ...) und: in welchem Ausmaß.

Wenn ein Mensch sich bspw. aus Gründen des Hassens von einem anderen Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln (mehr oder weniger demonstrativ) wegsetzt, wenn ein Mensch außerdem meint, sich (bspw. mit diversen Messern, auch kleinen, skalpellartigen ... - also: unauffällig) bewaffnen (!) zu müssen, um sich einer vermeintlichen Bedrohung vonseiten der von ihm gehassten Menschen (bspw. Flüchtlingen ...) erwehren, sich vorgeblich "schützen zu können", wenn ein Mensch verächtlich, verachtend über andere Menschen spricht, dann ist durchaus die Frage danach berechtigt, ob es sich hierbei nicht tatsächlich längst auch um eine Tat handelt - um eine sehr offensichtliche, "wenig" missverständliche, sehr demonstrative, somit bspw. um also eine Beleidigung. Siehe auch Warnen, Bedrohen, Verunsichern, Kränken ... . - Wir erinnern uns an dieser Stelle an Austin, Searle (Sprechakttheorie) und Wittgenstein (Sprachspiel), siehe Sprachphilosophie.

Wir sehen also: So unschuldig, so harmlos, so zweifelsfrei trennbar von Tat(en) ist das Sprechen keineswegs, also auch nicht das Meinen und schon gar nicht: das Hassen und das Äußern dieses Hasses.
 
Statt die hate speech krampfhaft zu rechtfertigen, reinzuwaschen zu versuchen, sollte man das Augenmerk viel mehr darauf richten, was Ursache des Hasse(n)s ist: in den hassenden Menschen selbst. - Aber genau hiervon soll ja gerade und unbedingt abgelenkt werden. Exakt.
 
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Es bleibt daher nur zu wiederholen:
 
Wenn Menschen sich gegen die Kritik an hate speech, an Hassrede, aussprechen, so nicht deshalb, weil es ihnen um "Meinungsfreiheit", "Redefreiheit", also demokratische Freiheitsrechte und Werte geht, sondern: weil sie ihre ganz persönlichen niederen Gefühle, Gedanken (und nicht selten tatsächlich auch: Ziele, Absichten, Verhaltensweisen) übertünchen wollen bzw. zu rechtfertigen, zu legitimieren und durchzusetzen versuchen - um sie gesellschaftlich zu verankern, um bestimmte gesellschaftliche Veränderungen zu erreichen ... .
 
Noch einmal in aller prägnanten Übersichtlichkeit ;) :
 
Extremismus, Rassismus, Misogynie, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Anti-Humanismus, Hass: ist keine Meinung, sondern Ausdruck je eigener/persönlicher Defizite/Unzulänglichkeiten, Kompensationswünsche, hysterisierter Ängste, emotionaler Verpanzerung - kurz: von Herzensenge, Charakterschwäche und Kleingeistigkeit.
 
Was hilfreich und - um den aktuell so häufig genutzten Begriff auch einmal zu verwenden - desavouierend (naja, sagen wir eher: aufdeckend, erhellend) sein würde (würde!), wäre, all diese Rassisten, all die hysterisiert Ängstlichen, all die Hetzenden und Hassenden je individuell genauer unter die Lupe zu nehmen. Dann nämlich fänden sich bei ihnen ganz spezifische Gemeinsamkeiten - im "Hintergrund", d.h. insbesondere in der Kindheit, der Prägung, der Sozialisation und dem daraus resultierenden (!) Selbst-, Menschen- und Weltbild. - Hier gälte es dann anzusetzen: ganz basal. Grundsätzlich. Zumindest dann, wenn einem tatsächlich an positiver, d.h. konstruktiver Veränderung im Sinne humanistischer Werte gelegen ist.
 
Ja, ich kann mich leider nur endlos wiederholen:
Es kommt der Rassismus, der Hass ... nicht aufgrund von Armut, Benachteiligung in die Köpfe bzw. Herzen der Menschen - es gibt Etliche, die arm und ausgegrenzt sind (so vegetieren müssen - global btw) und dennoch keine Extremisten, Rassisten, Hassende sind oder werden. Der Hass: war i m m e r schon lange vorher da - mehr oder weniger unterschwellig bzw. offensichtlich.

Unstrittig können Menschen durch das Überschreiten ihrer Schmerzgrenze (siehe Joachim Bauers unentbehrliches, gleichnamiges Buch) derart belastet sein, dass sie sich radikalisieren bzw. dass sie mit Aggression und auch mit Gewalt "antworten". Und es bedarf daher eben solcher Verhältnisse für Menschen (ebenfalls selbstredend global), die ihnen solche Schmerzgrenzüberschreitung nicht (immer wieder) zumuten, sondern davor schützen.

ABER: Es sind eben vor allem jene, die sich selbst übergangen, ignoriert, benachteiligt ... fühlen - ohne es tatsächlich zu sein - die am intensivsten schimpfen, hetzen, hassen und sich selbst zu Opfern stilisieren. Und das hat Gründe, die je individuell weit zurückreichen - siehe oben. - In der Kindheit also muss jegliche Prävention ansetzen. Und das nicht "nur" in Kindergärten und Schulen oder Vereinen ..., sondern ganz besonders im Elternhaus.
 
Die je individuelle "psychische Verfasstheit", insbesondere die Anlage im Verbund mit der erfahrenen Prägung, Sozialisation, auch den erlittenen Verletzungen also und erlebter/erlittener Indoktrination stellt den eigentlichen Ursprung, die Quelle für späteren Hass etc. dar - aller theoretische, ideologische Überbau: kommt erst danach - dient nur der Rechtfertigung eben dieser eigenen/persönlichen Defizite/Unzulänglichkeiten, Absichten, Wünsche, Ziele und: Verhaltensweisen/Taten.
 
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... Ja, es geht durch alle "Gesellschaftsschichten". Siehe, was ich oben ausführlich schrieb: Es geht grundsätzlich - bei jedem Einzelnen - auf die Kindheit zurück. Wie die Leute in dieser Zeit behandelt wurden, wie mit ihnen umgegangen wurde, wie sie "sozialisiert", geprägt und auch indoktriniert sowie verletzt/beschädigt wurden - von ganz klein auf bereits. - Hier liegt bei allen die Gemeinsamkeit. Es ist eine spezifische Weise der Kindesmisshandlung, die nicht sofort ins Auge sticht - es ist dies nicht unbedingt immer physische Gewalt, sondern viel mehr psychisch-emotionale - auch: solche Vernachlässigung ... . Und es kommt dann die Indoktrination hinzu (durch Strenge, durch patriarchalische Erziehung, durch schlicht einen nicht bedürfnisorienterten, nicht empathischen, liebe- und also auch respektvollen Umgang mit dem Säugling und (Klein-) Kind. - Und eben deshalb finden sich bei solchen Menschen zumeist auch andere Probleme - wie bspw. Sucht, diverse Persönlichkeitsstörungen, Gier, Geiz, Hedonismus, Eskapismus, Narzissmus ... .
 
Nein, mit "Schlausein", Klugheit, Intelligenz hat das nicht so viel zu tun bzw. ist dem nicht beizukommen - diese Leute sind nicht sämtlich ungebildet. - Es hat mit ihrem FÜHLEN zu tun, das zu ihrem Denken führt. Und ihre Verhaltensweisen und auch Gefühle versuchen sie dann mittels des Denkens (Ideologie ...) zu rechtfertigen.

Daher erreicht man diese Menschen auch nicht mit Argumenten. Sie sind nicht in der Lage, wirklich selbstkritisch, selbstreflexiv zu sein - daran hindert sie ihre Abwehr, ihre emotionale Verpanzerung. Sie möchten sich ja die je eigenen Unzulänglichkeiten gerade um jeden Preis n i c h t eingestehen müssen, die zu eben ihrem Welt- und Menschenbild führen. Zu also ihrem Hass. Der durch Selbsthass gespeist wird, der Selbsthass, (unbewusstes) Ablehnen/Missbilligen/Verurteilen des eigenen Selbst zur eigentlichen Quelle hat. - Die je eigenen Schwächen, Unzulänglichkeiten, Defizite werden dann (zumeist unbewusst) auf andere Menschen (generell) projiziert, ihnen unterstellt. Weil man es von sich selbst also nur so/nicht anders kennt.
 
Wer selbst nicht empathisch bzw. mitfühlend, sensibel, empfindsam, feinfühlig sein kann bzw. es nicht ist, kann sich nicht "vorstellen", nicht (nach-) fühlen, daher auch nicht denken, dass es Menschen gibt, die dies tatsächlich sind: von sich aus/"eigeninitiativ", die hierfür keine (religiösen) Ge- und Verbote, keine Hierarchien, keinen Paternalismus, keine Drohungen und Strafen brauchen, sondern die ihr je eigenes Gewissen, ihre intrinsische "Moralität", ihr eigenes Fühlen (und erst in Folge: Denken und Handeln) leitet.
 
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