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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Der Psychopath - Über die antisoziale, dissoziale Persönlichkeitsstörung

"[...] Die Symptome der Psychopathie ähneln sehr stark der der dissozialen Persönlichkeitsstörungen. Um die Psychopathie besser differenzieren zu können, hat der kanadische Kriminalpsychologe Robert Hare einen Test zur Erkennung von Psychopathen entwickelt: die Psychopathie Checkliste(PCL-R) Sie enthält folgende 20 Kriterien:
  • trickreich sprachgewandter Blender mit oberflächlichem Charme
  • erheblich übersteigertes Selbstwertgefühl
  • Stimulationsbedürfnis (Erlebnishunger), ständiges Gefühl der Langeweile
  • krankhaftes Lügen
  • betrügerisch-manipulatives Verhalten
  • Mangel an Gewissensbissen oder Schuldbewusstsein
  • oberflächliche Gefühle
  • Gefühlskälte, Mangel an Einfühlvermögen
  • parasitärer Lebensstil: Sie leben auf Kosten anderer
  • unzureichende Verhaltenskontrolle
  • häufig wechselnde sexuelle Kontakte
  • frühe Verhaltensauffälligkeiten
  • Fehlen von realistischen, langfristigen Zielen
  • Impulsivität
  • Verantwortungslosigkeit
  • mangelnde Bereitschaft/Fähigkeit Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen
  • viele kurzzeitige ehe(ähn)lichte Beziehungen
  • Jugendkriminalität
  • Missachtung von Weisen und Auflagen / Widerruf der Bewährung
  • Begehen verschiedenste Verbrechen und Delikte auf unterschiedliche Art und Weise
Jedes Merkmal bewertet der Therapeut oder Psychiater mit 0 oder 1.  und entsprechend der Gesamtsumme stellt er fest, ob eine Psychopathie vorliegt und wie stark sie ausgeprägt ist.
Psychopathie: Behandlung
Die dissoziale Persönlichkeitsstörung kann bislang nicht ausreichend behandelt werden. Die Betroffenen sehen keinen Grund, warum sie sich oder ihr Verhalten ändern sollten. Menschen, die psychisch oder körperlich krank sind, haben in der Regel einen Leidensdruck und gehen zum Arzt oder Therapeuten, damit dieses Leid verringert wird.  Menschen mit Psychopathie empfinden jedoch kein Leid. Zudem lügen sie häufig und versuchen, ihre Mitmenschen zu manipulieren. Dies und die Gefühllosigkeit anderen Menschen gegenüber machen eine vertrauensvolle Beziehung zu einem Therapeuten, die für den Erfolg einer Behandlung entscheidend ist, unmöglich. Auch Psychopharmaka zur Therapie der dissozialen Persönlichkeitsstörung scheinen keine überzeugende Wirkung zu zeigen.
 
Menschen mit Psychopathie können ihre Krankheit oft gut verheimlichen. Sie können den Therapeuten in die Irre führen, indem sie Empathie vortäuschen. Psychopathen haben oft einen starken inneren Trieb Gewalt und Macht auszuüben. Dieses Verlangen kann man in der Therapie nicht löschen. [...]
 
In der Partnerschaft wirken Psychopathen zu Beginn zu gut, um wahr zu sein. Sie sind charismatisch, geben Geschenke und sind oft sexuell sehr aktiv. Möglichst schnell locken sie den Partner in eine Ehe. Sobald sich dieser darauf einlässt, ändert sich die Beziehung häufig radikal. Der Psychopath kümmert sich nicht mehr um seinen Partner, manche werden aggressiv und gewalttätig. Personen, die sich in einer Partnerschaft mit einem Psychopathen befinden, sollten sich unbedingt professionelle Unterstützung holen. Menschen mit Psychopathie wissen, wie sie ihre Mitmenschen  manipulieren und hinterlassen oft viel Schmerz und Leid. Die erste schmerzhafte, aber wichtige Erkenntnis ist, dass sich Menschen mit Psychopathie nicht in ihrem Verhalten ändern. [...]
 
Psychopathen begegnen uns im Alltag. Es kann der eigene Chef sein, der Partner oder ein Freund. Da Menschen mit Psychopathie selbst für Experten schwer zu erkenn sind, ist es wichtig, genau hinzusehen. Personen, die übermäßig selbstbewusst, schlagfertig und nur oberflächlich an anderen interessiert sind, sollten einen skeptisch machen. Besonders herausfordernd ist es, sich nicht von großartigen Versprechungen oder überwältigenden Reden blenden zu lassen. Menschen mit Psychopathie wollen die absolute Kontrolle über andere Menschen haben. [...]"
 
 
Farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
Es trifft dies genau zu. Das in oben verlinktem Text - "Die Emotionen des Psychopathen: Was fühlt er?", Quelle: erkennepsychopathie.wordpress.com - analysierte Verhalten von sogen. Psychopathen.
 
Siehe insbesondere die Punkte Wut, Frustration, Bestürzung, Anflüge von Theatralik, Langeweile (Leere!, daher häufig auch Hedonismus, Sucht), Selbstliebe bzw. Narzissmus sowie Verachtung.
Und eben massive Manipulation, Sich-Verstellen.

Besser hätte man es nicht darstellen können.

So lange man den Psychopathen nicht als solchen erkennt, läuft es - für ihn - sehr gut, für die anderen weniger, diese suchen die Fehler, Schuld eher bei sich und entschuldigen ihn, sein Verhalten, seine Einstellungen ... .
 
Es scheinen interessanterweise mehrheitlich Frauen zu sein, die dies tun, weshalb sich der überwiegend männliche Psychopath offenbar auch bevorzugt mit Frauen umgibt - diese sind wohl eher bereit, sein Verhalten zu entschuldigen, wenden sich daher nicht so schnell von ihm ab wie es (andere) Männer tun.

Schlimm wird es dann, für den, der den Psychopathen als solchen enttarnt, erkennt. Siehe Text. 
Täter von Gewalt, auch Sexualgewalt, Vergewaltigung sind häufig antisozial persönlichkeitsgestört, siehe pathologischer Narzissmus und Psychopathie, häufig einhergehend mit Drogensucht.
 
Solche Menschen halten sich selbst für absolut "richtig, gut, weißbewestet", reden anderen hingegen diverse psychische Störungen sowie auch Schuld ein - zu Manipulationszwecken, gaslighting, um andere "missbrauchen", d.h. unterwerfen, ausbeuten, beschädigen zu können.
 
Zumeist projizieren sie ihre eigenen Gedanken, Gefühle, Absichten und Verhaltensweisen auf andere, unterstellen sie diesen.
 
Narzissten und Psychopathen haben keinerlei Schuldeinsicht, diese ist jedoch Grundvoraussetzung für Verantwortung, Wiedergutmachung, Verzeihen, Versöhnen.
 
-
 
"[...] Doch einige Menschen fallen durch ein genau gegenteiliges Verhalten auf. Sie verletzen ihre Mitmenschen verbal oder auch körperlich, Lügen, schieben die Schuld immer auf die anderen und merken dabei nicht einmal, was sie da tun. Wenn dieses Fehlverhalten besonders ausgeprägt ist, spricht man von einer dissozialen oder antisozialen Persönlichkeitsstörung. Auch die Ausdrücke Psychopathie und Soziopathie werden in diesem Zusammenhang verwendet.
 
Antisozial und reuelos
Wie jemand ist, die Wesensart, der Charakter, macht die Persönlichkeit aus. Antisozial werden diese Persönlichkeitsstörungen deshalb bezeichnet, weil Betroffene nicht in der Lage sind, Reue dafür zu empfinden, was sie anderen angetan haben und auch kein Mitgefühl empfinden. [...]
 
Bis zu 70% der Leute in Suchtbehandlungszentren und Gefängnissen sollen eine solche antisoziale Persönlichkeitsstörung haben, bei Gewaltstraftätern seien es bis zu 81%. Aber man kann überall auf „Menschen ohne Gewissen“ treffen. Oft erscheinen sie als besonders charmant und einnehmend, man vertraut ihnen und wird irgendwann maßlos enttäuscht. Ob beruflich oder in der Familie, es ist niemand davor gefeit, „Opfer“ eines Soziopathen zu werden. Es sollte nicht darum gehen, einen gewissen Prozentsatz von Menschen als „böse“ darzustellen (in der „westlichen Welt“ seien 3-4% der Männer und 1% der Frauen betroffen), wie es in manchen Büchern und Artikeln über Soziopathen oft geschieht. Wichtig ist, zu wissen, dass es diese Persönlichkeitsstörungen gibt und woran sie zu erkennen sind. Manche ExpertInnen gehen davon aus, dass derartige Charakterstörungen nicht therapierbar sind, weil es den Betroffenen an der Einsicht fehlt, dass sie überhaupt Probleme haben.
 
Psychopathen
Vor allem im angelsächsischen Raum hat sich der Begriff der „psychopaths“ gehalten. Der kanadische Psychologe Robert D. Hare hat mit seinem Team eine Psychopathie-Check-Liste (PCL) entwickelt. Der forensische Psychologe Hare sieht Psychopathen als besonders stark ausgeprägte Untergruppe dissozialer Persönlichkeiten, bei denen es oft zu Gewaltstraftaten kommt. Doch Psychopathen sind nicht immer kriminell oder auf den ersten Blick zu erkennen.
 
Kriterien der Psychopathie-Checkliste sind unter anderem:
Trickreich sprachgewandter Blender mit oberflächlichem Charme, erheblich übersteigertes Selbstwertgefühl, Stimulationsbedürfnis (Erlebnishunger) bei ständigem Gefühl der Langeweile, krankhaftes Lügen, betrügerisch-manipulatives Verhalten, Mangel an Gewissensbissen oder Schuldbewusstsein, oberflächliche Gefühle, Mangel an Empathie (Einfühlungsvermögen) bis zur Gefühlskälte, parasitärer Lebensstil ("gnadenloser Ausnutzer"), unzureichende Verhaltenskontrolle, Promiskuität (Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern), frühe Verhaltensauffälligkeiten, Fehlen von realistischen, langfristigen Zielen, Impulsivität (spontan bis unkontrolliert), Verantwortungslosigkeit, mangelnde Bereitschaft und Fähigkeit, Verantwortung für eigenes Handeln zu übernehmen, viele kurzzeitige partnerschaftliche oder eheliche Beziehungen, Jugendkriminalität, Missachtung von Weisungen und Auflagen. [...]
 
Sich schützen
Für Menschen mit „normalem“ Gewissen, Einfühlungsvermögen und Schuldbewusstsein ist es schwer vorstellbar, dass es so etwas wie Soziopathie überhaupt gibt. Der charmante, redegewandte Geschäfts- oder Lebenspartner wird plötzlich zum „Feind“ der einen ohne Hemmungen fertig macht und sich von Dr. Jekyll zu Mr. Hyde verwandelt. Man wird in eine Opferrolle gedrängt, viele Betroffene suchen erst einmal die Schuld bei sich. Ein erster Schritt sich zu schützen, ist zu erkennen, was da abläuft und mit anderen darüber zu reden, sich Hilfe zu suchen. Man ist nicht schwach, naiv oder „selber schuld“, sondern man hat vertraut und dieses Vertrauen wurde missbraucht, der mitfühlende Mensch wurde verletzt und gedemütigt. Es ist nie zu spät, um „Stopp, mit mir nicht!“ zu sagen."
 
Farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
"[...] Stout: Es gibt sicher narzisstisch veranlagte Menschen, die den ein oder anderen soziopathischen Zug besitzen und Soziopathen, die auch teilweise narzisstisch sind – Letzteres dürfte sogar sehr häufig vorkommen. Wo ich aber eine ganz klare Linie ziehe – was ich auch in meinem Buch versuche – ist beim Gewissen. Soziopathen haben schlichtweg keines.
 
Es gibt außerdem keine andere klinisch feststellbare Persönlichkeitsstörung, bei der es nicht zu einem wie auch immer gearteten Unwohlsein kommt. Soziopathen stört ihre Erkrankung nicht – ihnen ist sie nur selten überhaupt bewusst. Damit sind Soziopathen auch eine Patientengruppe, bei denen der Behandelnde sich eingestehen muss, dass er fast keine Möglichkeit hat, gegen die Störung vorzugehen. Ganz einfach zusammengefasst: Wenn man kein Gewissen hat, kann man es auch nicht nachträglich wiederherstellen. Persönlichkeitsstörungen sind immer schwer zu behandeln, weil sie Teil der Persönlichkeit sind – aber hier ist es nahezu unmöglich. [...]
 
Zudem haben Soziopathen oft keine Motivation, sich in Behandlung zu begeben, weil sie einfach nicht leiden. Sie sind nicht einsam, weil ihnen andere Menschen eigentlich egal sind, während ein Narziss beispielsweise etwa wegen seiner Beziehungsunfähigkeit in Behandlung käme. Soziopathen denken häufig, dass mit ihnen alles in Ordnung ist – die Außenwelt ist das Problem, nicht sie. Deshalb kommen sie oft nur dann in die Praxis, wenn dies beispielsweise ein Richter angeordnet hat.
 
TR: Auch Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung haben enorme Probleme, die Gefühle anderer Menschen wahrzunehmen. Können Sie das zum Konzept des "Gewissens" bei der Soziopathie näher abgrenzen?
Stout: Ich erkläre das immer so: Bei einem Narzissten fehlt die Empathie völlig oder nahezu. Er versteht nicht, was andere fühlen – und das tut diesen anderen oft sehr weh. Ein fehlendes Gewissen ist das aber nicht. Es gibt durchaus Narzissten, die sich um andere Menschen sorgen – ihnen fehlt nur die Erkenntnis der Gefühle anderer. Der Narziss selbst kann aber fühlen – etwa traurig sein, lieben, leidenschaftlich sein.
Bei Soziopathen fehlt nicht nur die Empathie, sondern die eigene Gefühlswelt. Soziopathen können nicht lieben, sie empfinden nur Leere und Kälte. Ich weiß, dass das für viele Menschen sehr schwer begreifbar ist.
Das Gefährliche an Soziopathen ist aber, dass sie Empathie simulieren können – sie lernen, wie man sie vorspielt. Das wirkt auf andere Menschen häufig charmant, während Narzissten eher abstoßen. [...]
 
TR: Sie trennen sehr scharf zwischen Soziopathen und "normalen" Menschen. Ist es wirklich so einfach?
Stout: Ich glaube, dass es die Trennlinie gibt – Soziopathie ist hier die Ausnahme von der psychologischen Regel. Entweder hat man ein Gewissen oder man hat keines. Unter denjenigen, die ein Gewissen haben, gibt es aber feine Unterschiede: Es gibt Menschen, die haben ein ausgeprägtes Gewissen und solche, bei denen es geringer entwickelt ist – nicht jeder von uns ist eben eine Mutter Theresa. Bei Soziopathen ist da aber nichts – da ist ein Loch. Sie sind vielleicht nicht alle Killer, denn sie besitzen nicht alle Mordlust, aber das fehlende Gewissen ist eine ganz neue Qualität.
Wir kommen alle einmal in die Situation, wenn wir krank sind oder in anderen extremen Fällen, in denen wir weniger Gewissen zeigen. Aber das vollkommene, wortwörtliche Fehlen von Gewissen ist etwas ganz anderes.
 
TR: Wie behandelt man einen Soziopathen?
Stout: Wenn er sich tatsächlich in Therapie befindet, ist das eine eher mechanische Sache, normale Therapieformen greifen kaum. Es geht darum, das Verhalten zu kontrollieren. Soziopathen werden ganz anders motiviert als normale Menschen. Es hat etwas Erzieherisches: "Wenn Du das machst, gehst Du ins Gefängnis" oder "Das Verhalten hat diese materiellen Konsequenzen für Dich". Es geht um sehr, sehr einfache, grundlegende Dinge – A folgt auf B, wie ein Lehrer vor kleinen Kindern.
 
Ich habe mich einmal mit einem Mann unterhalten, der ein Programm für Menschen leitet, die wegen Alkohol am Steuer mehrfach verhaftet wurden. Ihm wurde irgendwann klar, dass sich darunter viele Soziopathen befanden. Er stellte seinen Ansatz daraufhin um: Früher versuchte er den Leuten zu erklären, dass sie anderen Menschen durch ihr Verhalten Schaden zufügen oder sie sogar töten könnten. Es stellte sich aber heraus, dass das diesen Delinquenten ziemlich egal war.
Inzwischen erzählt er seinen Kandidaten einfach die kalten, harten Fakten: Sie werden jedes Mal verhaftet, verlieren ihren Führerschein, sie werden nicht mehr mobil sein und so weiter. Das war die einzige Chance, ihr Verhalten zu ändern. "

Farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
Die eigentliche, grundsätzliche Frage müsste doch lauten:
 
Wie lässt sich global verhindern, dass Narzissten, dass Psychopathen in Macht-, Führungs-, Verantwortungspositionen gelangen?
 
Was alles müsste sich dafür insbesondere in der Erziehung, Sozialisation, Prägung im Elternhaus und in den Schulen - massiv - verändern - im Umgang mit Kindern also?
 
Denn wir sehen solche Menschen überall, seit langem schon und immer wieder. Siehe auch Amoklaufende und Terroristen, siehe auch Hassende, Hetzende, Extremisten ... . Und sie sind mehrheitlich männlich. - Die jeweilige Ideologie folgt erst im nächsten bzw. späteren Schritt - sie wird zwar mittels Indoktrination gerade bei Kindern bereits sehr früh angelegt und angewandt, aber es ist eben der Umgang mit den Kindern, der sie beschädigt und zu herzensverengten, charakterschwachen, engstirnigen bzw. psychisch "kranken" Menschen werden lässt. Immer. Überall.
 
Die jeweilige Ideologie dient dann nur als Rechtfertigung des je eigenen Fühlens und entsprechenden Denkens und Verhaltens.
 
Es hilft daher auch kein Argument, keine Fakten, denn diese Menschen sind emotional verpanzert, es mangelt ihnen erheblich an Feinfühligkeit und Mitgefühl und das geht stets auf ihre Kindheit (und Jugend) zurück.
 
 
Alice Miller über Sadismus, Autoritarismus, Erziehung und Folgen - nach wie vor: Rache, Strafe, Gewalt, Wut, Hass, Liebesunfähigkeit, Mangel an Mitgefühl, Identifikation mit dem Aggressor, Introjektion, Internalisierung
 
"[...] Die späteren Massenmörder sind mit Sicherheit auf grausame Art und Weise von ihren Eltern terrorisiert worden, niemand war da, der ihnen nur einen Funken Mitgefühl oder Zuwendung entgegengebracht hätte. Brutalität; Grausamkeit und Demütigung waren allgegenwärtig, die Kindheit bestand aus nichts anderem. Die Grausamkeit war einfach Normalität, eine Selbstverständlichkeit. Genau so wie man das erlernt, was wir “Humanität” nennen, erlernt man die Grausamkeit. In einem absolut lückenlosen System, das keinerlei Aussicht auf etwas anderes zulässt, entstehen die sogenannten Monster, die einen unglaublichen Hass und Vergeltungswünsche mit sich herum tragen. Dieser Überdruck wartet nur darauf, um sich entladen zu können. Der Hitlerfaschismus bot hier die beste Gelegenheit, zumal der Antisemitismus Tradition hatte.
 
Wir haben bereits den Bürgerkrieg in den 90iger Jahren in Ruanda erwähnt und ich habe in “Evas Erwachen” (2001) auf die routinemäßigen Klapse im Zusammenhang mit der Reinlichkeitserziehung hingewiesen. Die Klapse bereiten das Erlernen des sehr frühen Gehorsams und der späteren Grausamkeit vor. Einem Kind wird durch Gewalt verboten, auf seine natürlichsten Bedürfnisse angemessen zu reagieren. Dann geht es weiter bis hin zur Rache an Unschuldigen. [...]
 
Die Deutschen geben sich so geläutert. Man möchte meinen, seit dem 8. Mai 1945 gab es keinen Sadismus mehr in Deutschland. Er verschwand über Nacht, man weiß nur nicht wohin. Ist es nicht so, dass dieser Sadismus weiter gärte, sich nach dem Krieg weiterhin in den Kinderzimmern ein Ventil suchte? Gerade Menschen, die zwischen 1940 und 1970 geboren wurden, fangen nun an, über entsetzliche Vorkommnisse in ihren Elternhäusern zu berichten. Es handelt sich hierbei um Kinder von Menschen, die ihrerseits von Eltern aufgezogen wurden, die zumindest durch die eigene Erziehung den Sadismus aufgesogen haben wie ein Schwamm.
 
Gleichzeitig lernten diese Menschen, den Sadismus ihrer Eltern als Wohltat anzusehen. Ihre Frage ist sehr wichtig: Was ist mit dem Sadismus geschehen, dem wir im letzten Krieg so häufig begegnet sind und den Goldhagen so genau beschreibt? Mir scheint Ihre Hypothese richtig, die Menschen, deren Wahrheit sich z.B. in vereinzelten Berichten und Internetforen abzeichnet, haben diesen Sadismus oft bei ihren Eltern zu spüren bekommen, aber so früh, dass sie sich noch kein Urteil darüber zutrauen, meistens zumindest. Und nur ein ganz winziger Teil dieser Opfer getraut sich überhaupt an die Öffentlichkeit. Es bleibt abzuwarten, ob zunehmend mehr Menschen den Mut aufbringen, über ihre Kindheit zu berichten.
 
In diesem Zusammenhang ist es wichtig, noch einmal darauf hinzuweisen, dass bereits dann eine grenzenlose Wut in einem Menschen entstehen kann, wenn seine echten Bedürfnisse von Anfang an nicht beantwortet, sondern ignoriert und unterdrückt werden. Bereits das ist eine Verstümmelung des emotionalen Lebens, die dauerhaft sein kann. Viele Menschen werden bei auf diese Art emotional verarmten Eltern aufgewachsen sein. Solche Eltern können nicht lieben, selbst wenn sie es wollen. [...]
 
Indem er als Kind blind bleiben muss für den Sadismus der Eltern, die diesen Erziehung nennen. Indem das Kind notgedrungen alle Gefühle in sich erdrosseln muss, um überhaupt überleben zu können. Schon die Eltern verbieten ja den Ausdruck der Gefühle, machen Jagd auf die authentischen Reaktionen des Kindes. Aber auch das Kind muss jede Empfindung ins sich abtöten. Es lernt übrigens auch bei den empfindungslosen Eltern, dass dieser Zustand angeblich normal ist. Wenn der Erwachsene später umgeben ist von ebenfalls fühllosen Menschen, wie soll er auf die Idee kommen, dass er einen tiefgreifenden Schaden genommen hat? Im Deutschland Hitlers waren ja auch die Fühllosigkeit, die Härte, das Eiserne, die Rücksichtslosigkeit sich selbst und den nächsten Angehörigen gegenüber das Ideal schlechthin. Wer fühlen konnte, war krank, entartet, verweichlicht und untauglich.
So konnten die meisten Deutschen nicht erkennen, dass die Verfolgung der Juden ebenso wahnsinnig wie sadistisch und pervers war. Sie glaubten, sich vor den Juden retten zu müssen. [...]
 
Sigrid Chamberlain beschreibt in ihrem sehr lesenswerten Buch “Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind” das Erziehungssystem der nationalsozialistischen Pädagogin Johanna Haarer, deren Pädagogik geradezu darauf ausgerichtet war, die natürlichen Bedürfnisse des Säuglings und Kleinkindes zu bekämpfen. Das Kind soll auf keinen Fall verwöhnt werden, nicht verweichlicht durch mütterliche Zärtlichkeiten. Gehen wir also davon aus, ein Kind wächst in einem Klima heran, in dem sämtliche Bedürfnisse angefangen bei der Verdauung und der Nahrungsaufnahme einer rigiden Kontrolle unterworfen sind.
Vielleicht hat es Glück und wird lediglich mit Klapsen bestraft und nicht grün und blau geschlagen. Es wird auch nicht sexuell belästigt. Aber es verliert durch die elterliche Ignoranz jeden Kontakt zu seinen Bedürfnissen. Vor allem wird sein Bedürfnis nach körperlicher und seelischer Nähe torpediert. Produziert nicht im ungünstigen Fall allein ein solches Erziehungssystem, das auch nach dem Krieg von vielen Müttern und Kinderpflegern mit dem besten Gewissen vertreten wurde, Erwachsene, die völlig versteinert sind, deren emotionales Leben abgestorben ist?
 
Ja, der Mangel an Zärtlichkeit und Kommunikation kann weder in der Kindheit noch später erlebt, benannt, betrauert werden, weil all das unbekannt bleibt. Dennoch hinterlässt er offenbar Minenfelder in der Psyche dieser Opfer, die für die eigenen Kinder (oder unter entsprechenden Voraussetzungen sogar für ganze Völker) zu einer großen Gefahr werden können. Der Mangel, der Hunger, die innere Verelendung werden von Generation zu Generation weiter gegeben, solange sie nicht durchschaut werden können. Jedenfalls sehe ich darin eine Gefahr. [...]"
 
https://www.alice-miller.com/de/sadismus/
 
Farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
Ich halte ja von Pathologisierung(en) nicht allzu viel, aber es lassen sich einfach Verhaltensweisen bei Menschen beobachten, die sich auf gewisse Weise durchaus sehr zutreffend beschreiben lassen.
 
Und exakt: Siehe die im oben verlinkten Text ("Antisoziale/dissoziale Persönlichkeitsstörung" von Volker Faust) erwähnte Nähe zu, "Verwandtschaft" zwischen Psychopathie und Narzissmus.

Vor allem auch kennzeichnend:
Keine Fähigkeit zu eigenem Schuldbewusstsein, gar zu Reue.
 

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