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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Das lukrative Geschäft mit kranken Menschen, mit Sterbenden - siehe insbesondere Intensivmedizin, Apparatemedizin

"[...] Früher mischten sich unter sie noch gelegentliche Empörungen über das Gesundheitssystem; mittlerweile sind diese Spendenaktionen vollständig in der Normalität angekommen. Es ist nicht mehr der Ausnahme-, sondern der Regelfall, für Fälle reiner Daseinsvorsorge die Internetgemeinde zur Hilfe rufen zu müssen. Es ist ein rührendes Zeugnis privater Solidarität und doch Symptom zerfallender sozialer Systeme. Man richtet es sich ein in der Abwesenheit von Rechten, die einmal blutig erstritten wurden.
 
Wer glaubt, in Deutschland sei so etwas nicht möglich, sehe sich einmal die Unterversorgung der Pflege und den Zustand der Krankenhäuser an. Nach der Privatisierungswelle der Nullerjahre, wo Gemeinden und private Klinikkonzerne in »public private partnerships« die Sektkorken haben knallen lassen, wird jetzt überall knallhart gespart. Der Versorgungsmangel ist erwünscht - nicht, weil böse Mächte die Leute absichtlich krankmachen wollen, sondern weil die Logik einer privatwirtschaftlich organisierten Gesundheitsindustrie eine solche Unterversorgung systemimmanent erzwingt. Natürlich, das Personal gibt stets sein Bestes, leistet immer wieder Übermenschliches. Aber es kann die systematische Unterversorgung nicht ausgleichen - die da begonnen hat, wo Tausende Überstunden schon Teil des Anforderungsprofils sind, wo die Krankenhäuser plötzlich wie Deos oder Fantasy-Helden, Sanifair oder Aeskularius heißen.
 
Der amtierende Gesundheitsminister Jens Spahn war lange Zeit nahezu offener Lobbyist der großen Klinikkonzerne. Er will Versorgungsstrukturen im ländlichen Raum »verdichten«, also Praxen und Kliniken schließen, die sich nicht rechnen - und nimmt dabei billigend Tote in Kauf, die nicht nur dann zu beklagen sind, wenn die Anfahrtswege von Ambulanzen zu lang werden, sondern auch, wenn ältere Menschen den Weg zu den Versorgungsstrukturen nicht mehr finden. Sein Gegenstück in der SPD, Karl Lauterbach, saß jahrzehntelang im Aufsichtsrat eines börsennotierten Gesundheitskonzerns, während er in Talkshows den Anwalt der Patienten mimte. Gerade in solchen Zusammenhängen wird Mangelversorgung sehr clever instrumentalisiert: Während man Strukturen herstellt, die zwangsläufig zu Mangel führen müssen, werden die Mängel dann als Vorwand für weitere Sparmaßnahmen und für den Einstieg weiterer privater Geldgeber herangezogen.
 
Wer den Sozialsadismus von Hartz IV kennt, einem System, in dem die Anwesenheit der privatwirtschaftlichen »Tafeln« schon einmal als Kürzungsgrund für den Regelsatz herhalten muss, der weiß, dass deutsche Behörden bald den Trick erkennen werden: »Wenn Sie Bedürfnisse haben, dann sammeln Sie doch im Internet Geld!«
Es ist eine oft beklagte Tatsache, dass diese Themen auch im linken Spektrum weniger ziehen als Migrationsdebatten. Ja, es gibt sogar die Tendenz, diese Art Spendenkultur als Teil einer autonomen Strategie zu verherrlichen, als Befreiung von staatlichem Einfluss, sogar als Form der Solidarität. Wer aber den Staat nicht konsequent politisch zwingt, seinen Versorgungsauftrag ernstzunehmen, der kann noch so viel spenden und ist doch nicht solidarisch: Er hat die Notlagen mitzuverantworten, die er dann als edler Spender großzügig bezuschusst. Die Versorgung per Spende wird auch immer nur die erreichen, die Internet haben, die sich dort ansprechend darstellen können, die auf ein gewachsenes Netzwerk setzen können. Ein medizinischer Fall darf aber nicht rührend sein, um der Behandlung würdig zu werden, und nicht nur coole und sympathische Leute verdienen lebenswichtige OPs. [...]"
 
Quelle: neues-deutschland.de - "Spendengesundheit"
 
Es ist nur wie gesagt heuchlerisch - denn die TK hat selbst Dreck am Stecken - siehe oben verlinkten ZEIT-Artikel.

Geschädigt werden Patienten, Menschen dabei jedoch nicht nur damit, dass ihnen Krankheiten, die sie tatsächlich nicht haben, angedichtet werden, sondern auch, da andere Krankheiten, die sie de facto haben und für die sie dringend eine angemessene medizinische Behandlung, Therapie, Versorgung benötigen, eben diese ihnen nicht gewährt wird: denn die Diagnose und Therapie dieser Krankheiten (die der Betreuungsstrukturvertrag n i c h t umfasst), werden folglich weniger bis gar nicht von Ärzten diagnostiziert - und somit auch nicht behandelt.

Jens Baas gibt sich hier als "Aufklärer", der das Patientenwohl im Sinn zu haben vorgaukelt - tatsächlich geht es auch ihm/der TK nur ums Geld, denn die TK macht beim Abrechnungsbetrug, wie er äußert, selbst mit - das jedoch ist kein Zwang - es tun dies gerade n i c h t alle Krankenkassen. Es gäbe also durchaus die "Alternative", sich ethisch korrekt zu verhalten - doch darum geht es auch der TK nicht - sondern: ums Geld, um ihre eigenen Profite.
 
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Mögliche "Krankfärberei der Versichterten" durch gesetzliche Krankenkassen - Kleine Anfrage einiger Abgeordneter der Fraktion DIE LINKE, Drucksache 18/10153

bundestag.de

Auch mich interessieren die Antworten der Bundesregierung auf die "Kleine Anfrage" der Linken zum Abrechnungsbetrug der Krankenkassen und insbesondere würde ich auch gerne wissen, ob ich als Patientin darüber informiert werden kann/darf/muss, ob mich behandelnde Ärzte solche Betreuungsstrukturverträge abgeschlossen haben bzw. ob und wie das Patienten transparent gemacht werden kann bzw. muss: ?
 
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