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Sabeth schreibt

Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus

Über Verletzlichkeit, Schmerz, emotionale Bedürftigkeit, Empfindsamkeit = Lebendigkeit und: Grundlage für das Mitfühlenkönnen

Zivilisation ohne Mitgefühl - Arno Gruen im Gespräch, Radio srf 2 Kultur - Was Arno Gruen äußerte, ist unverzichtbar, ist so wichtig ... .

Besser: kann man es nicht formulieren, erklären. Dankeschön. - Zu Anfang war ich ja noch skeptisch (weil ich das "beschwichtigende Gesäusele" grundsätzlich nicht mag), aber sie spricht wirklich genau all das an/aus, das essentiell ist bei diesem "Thema" - Verletzlichkeit, Schmerz, Bedürftigkeit, Lebendigkeit, Empfindsamseinkönnen und -wollen. Denn all das: ist auch unentbehrliche Basis für das Mitfühlenkönnen.

"[...] Verletzlichkeit und radikale Offenheit in einer Beziehung
Eine erfüllende Beziehung, geprägt von Nähe und Vertrauen kann nur dann entstehen, wenn ich bereit bin, mich verletzlich zu machen.
 
  • Wenn ich ehrlich kommuniziere, wie es mir geht.
  • Wenn ich sage, wenn mich etwas stört.
  • Wenn ich zu meinen Ängsten und Unsicherheiten stehe.
  • Wenn ich meine tiefsten Bedürfnisse und Wünsche kommuniziere.
 
Nur dann, wenn ich komplett offen bin, kann mein Partner wirklich erkennen, wer ich bin. Ansonsten schaut er nur auf meine Schutzmauer und nicht dahinter.
 
Wer weiß was passiert wäre, wenn ich meiner Freundin damals genau gezeigt hätte, wie es mir geht.
Wenn ich sie hinter meinen Schutzwall hätte schauen lassen und mich so verletzlich gemacht hätte.
Wenn ich ehrlich über meine inneren Vorgänge gewesen wäre.
Wenn ich meine Unsicherheit offen kommuniziert hätte und zu meinen Gefühlen gestanden hätte.
 
Klar, sie hätte mich als schwach ansehen und verlassen können. Das Risiko besteht immer. Auch hätte sie mit dem verdammten Barkeeper durchbrennen können.
Aber genauso gut hätte sie auch sehen können, dass ich zu mir und meinen Gefühlen stehe. Vielleicht hätte sie gesehen, dass sie mir vertrauen kann. Weil ich immer ehrlich sage, wie es mir geht.
Vor allem aber hätte sie meinem wahren Wesen um einiges näher kommen können.
So hätte unsere Beziehung unglaublich an Tiefe gewinnen können.
 
Die große Angst vor Verletzlichkeit
Sich verletzlich zu zeigen bedeutet übrigens in keinem Fall, dass wir uns alles Gefallen lassen und jede sich bietende Verletzung mitnehmen.
Es bedeutet vielmehr, vollkommen ehrlich zu kommunzieren, wie wir uns fühlen.
 
Sich so zu öffnen bringt Verletzlichkeit mit sich, denn wir setzen uns so der “Gefahr” aus, unser echtes, wahres Inneres könnte zurückgewiesen werden – nicht nur unsere Fassade.
Alleine der Gedanke daran klingt nicht gerade wie eine Einladung zum Wellnessurlaub im Fünf-Sterne-Hotel. Wir alle haben da eine Heidenangst vor – und das ist auch ganz normal und gut so.
Sich selbst schützen zu wollen ist das natürlichste auf der Welt.
Nur schützen wir uns teilweise viel zu sehr.
 
Ich bin mir sicher, bei jedem von uns ist in der Vergangenheit irgend ein Kack passiert, der uns dazu bringt, dichtzumachen.
Nur ist diese Situation vorbei. Die automatische Schutzreaktion haben wir aber dummerweise mitgenommen und schaden so uns und unseren Beziehungen zu anderen Menschen.
 
Verletzlichkeit ist keine Schwäche
Verletzlichkeit wird von vielen Menschen mit Schwäche assoziiert. Doch bedeutet sie in Wahrheit Stärke.
Denn nur jemand, der innerlich stark ist und davon überzeugt ist, ein wertvoller Mensch zu sein, der zu sich steht und sich akzeptiert, kann sich so öffnen. [...]
 
Deine Beziehung zu dir selbst ist die Grundlage. Nichts ist für eine gesunde und offene Beziehung zu einem anderen Menschen wertvoller, als bedingungslose Selbstliebe und Selbstakzeptanz.
Wenn wir in der Lage sind, zu all unseren Gefühlen, Charaktereigenschaften und auch Verhaltensweisen “Ja” zu sagen, dann haben wir keine Angst mehr, sie zu zeigen. Was wir an uns akzeptieren, können wir ohne Bedenken zeigen.
 
Anstatt uns abzukapseln und emotional dicht zu machen können wir jetzt da bleiben, offen bleiben, die Gefühle spüren und annehmen, gegenwärtig bleiben so die Verbindung aufrecht erhalten, anstatt abzuwürgen und die gläserne Mauer entstehen lassen.
Wenn wir lernen, in der Situation zu bleiben, anstatt wegzulaufen, dann öffnet sich uns das volle Leben. [...]
 
Also: Mehr Mut zur Verletzlichkeit, bitteschön
Lasst uns den Mut haben, um unsere Wünsche offener zu kommunizieren und dadurch unsere Beziehungen mehr Tiefe zu geben.
Lasst uns zu unseren Schwächen und Unsicherheiten stehen und sie offen zeigen.
Lasst uns mutig sein und jedes Gefühl authentisch ausdrücken.
Lasst uns den Mut haben, die gläsernen Mauern zwischen uns und unserem Partnern einzureißen und wieder mehr in Verbindung zu treten.
Mir ist es inzwischen viel lieber, verletzt zu werden, anstatt eine Maske aufzusetzen.
 
Dann passiert es halt – fuck it. So ein Leben ist für mich aber tausend Mal erfüllender, als immer nur an der Oberfläche zu kratzen.
 
Wieso warten wir immer nur darauf, bis der andere den ersten Schritt macht? Lasst uns verletzlich sein und es selbst tun. Warten wir nicht länger um jemandem deutlich zu zeigen, dass wir ihn attraktiv finden. Lasst uns zuerst “ich liebe dich” sagen."
 
Quelle: DuBistGenug. - "Verletzlichkeit - meine wichtigste Beziehungserfahrung"
 
"[...] Wir haben uns derart daran gewöhnt, dass es fast immer Männer sind, die töten – es scheint kaum erwähnenswert. Hätten die Täter ein anderes, augenfällig gemeinsames Merkmal, man würde längst darüber reden. Nach Ursachen forschen und Prävention betreiben. Das männliche Geschlecht reicht dafür offenbar nicht. Man nimmt es hin. Ist halt so. Obschon die Taten, die so viel Leid brachten, einen gemeinsamen Ursprung haben, über den es sich nachzudenken lohnte: eine falsch verstandene, kranke und altertümliche Männlichkeit.
 
Überhöht war das Maskuline schon immer. Versehen mit Attributen, die so fernab der Realität waren wie jene, die für typisch weiblich standen. Die Klischees taten beiden Geschlechtern nicht gut, sie hielten sie klein, machten sie unfrei. Bei den Männern war das weniger offensichtlich, sie schienen davon zu profitieren. Unter Geschlechterstereotypen litten und leiden angeblich nur Frauen. Und unter dem Patriarchat erst recht.
 
Dabei tut dieses den Männern genauso wenig einen Gefallen. Es verlangt von ihnen, stark zu sein, heldenhaft, tapfer. Wie wenn das Y-Chromosom zwangsläufig ein Garant für Stärke wäre, jeden automatisch zum Helden machte. Wie wenn Männer keine Angst hätten. Nicht davonrennen, verzweifeln oder scheitern würden. Nicht feige wären. Das gilt als weibisch. Oder schwul. Alles Schwache wird als nicht männlich definiert.
Und so gefallen sich Männer bis heute in der Rolle des überlegenen Geschlechts und merken nicht, dass sie selbst am meisten darunter leiden. Dass diese übersteigerte Männlichkeit tödlich ist. [...]

Dabei ist es vermutlich gerade das, was die Männer nicht aushalten: ohnmächtig zu sein. Weil sie dann das Gefühl haben, gescheitert zu sein. [...]

Man respektiert ihn, so, wie einem Mann Respekt gebührt: Man fürchtet ihn. Er glaubt, damit sein Selbstbewusstsein ins männliche Lot zu rücken. [...]

Sie verstehen Männlichkeit als absoluten und naturgegebenen Anspruch auf Dominanz und Herrschertum, fordern von allen anderen Gehorsam und Unterwerfung.
Diese Männer sind stehen geblieben, während die Welt um sie herum sich verändert hat. Sie reagieren trotzig und nach dem uralten Muster der Gewalt, wenn sie auf Ablehnung stossen oder sich machtlos fühlen. In ihrer blinden Wut machen sie alle anderen für ihre Lage verantwortlich und gern auch den Feminismus, der das Maskuline entwertet haben soll.
Dabei könnten sie doch just diesen als Befreiung verstehen. Er erlaubt ihnen, endlich nicht mehr diese verkrampfte Stärke an den Tag legen zu müssen, die nicht nur unmenschlich ist, sondern ihnen ohnehin nie jemand wirklich abkaufte."
 
Quelle: sonntagszeitung.ch - "Weibliche Breiviks gibt es nicht"
 
Von allem, das sie über den (erweiterten) Suizid schreibt distanziere ich mich ausdrücklich. Ihre Sätze darüber offenbaren, dass sie sich mit dem Phänomen Selbsttötung bisher nicht oder nur wenig auseinandergesetzt hat.
Den anderen, hier einkopierten Aussagen kann ich nur zustimmen.
 
Auch in Bezug auf die "Kulturhoheit" sowie auch die Macht über Frauen, d.h. die Macht beim Sex und auch jene über Zeugung und Fortpflanzung (siehe die Feindlichkeit gegenüber Abtreibung, gegenüber natürlicher Geburt ...) geht es letztlich um nichts anderes als um Dominanz, Macht, Herrschen und Unterwerfen (-wollen). Um also das Erweitern, die Expansion des männlichen Egos. Und darum, die eigene Bedürftigkeit verbergen, ja leugnen zu wollen (vermeintlich auch: zu können).
 

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