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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Sorge-Arbeit, Fürsorgearbeit, Care-Tätigkeit

update 07. Februar 2022
 
Wie geht eine Gesellschaft mit ihren Alten, Sterbenden, Kranken, Versehrten, Kindern, Fremden um?
 
Wir: lagern sie sämtlich in Einrichtungen zur Fremd"betruung" aus - bequem, kalt, schäbig. Um "frei", ohne Ballast, der Lohnarbeit frönen zu können, uns unter diese Knute zu beugen.
 
Wohl wissend, aber zumeist, alltäglich verdrängend, dass wir alle einmal Kinder waren, krank, alt werden und dass nichts im Leben eines jeden Menschen so gewiss ist wie der Tod - nicht nur sein eigener.
Wie barbarisch kann Mensch sein: wenn sein Mitgefühl betäubt ist.
 
So lange es Kapitalismus, Neoliberalismus gibt, so lange Menschen über Erwerbsarbeit systematisch ausgebeutet werden können und andere infolgedessen ihren zumeist ererbten Reichtum mehren, so lange wird es Armut geben.
 
Zählt 5 Jobs auf (in Anlehnung an eine twitter-Gepflogenheit) - vier davon wollt ihr nie machen, einige/alle musstet ihr trotzdem machen.
Welche warum (nicht)?
 
- Blumenladenhilfskraft
- Kellnerin (Café, Bistro, Cocktailbar ...)
- "Aushilfe" in Altenpflegeheim, Kiga, Krankenhaus
- Verkäuferin (Bäckerei)
- Sorge-Arbeiterin
 
Ergänzung:
Welchen Job würdet ihr weshalb als euren besten und welchen weshalb als euren schlechtesten bezeichnen?
 
Hier: Sorge-Arbeiterin. Beste bisherige Arbeit, weil sinnvoll, unentbehrlich. Zugleich schlechteste, weil null Bezahlung, Einkommen.
Was würdet ihr g e r n e arbeiten?
 
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Warum soll die von mehrheitlich Frauen, Müttern geleistete Sorge-Arbeit oder die Pflege von Angehörigen weniger wert sein als die bullshitjobs von Investment-Bankern, Beamten in Bürokratie, Verwaltung oder Versicherungsmaklern ... ?
Erstere sind für das Gemeinwohl, für weltweit jede Gesellschaft und Gemeinschaft absolut unentbehrlich, unersetzlich, aber nicht - wie Letztere - kapitalistisch ausbeutbar.
Und n u r darum geht es bei unserem gängigen Arbeits- und Leistungsbegriff und bei Einkommen.
 
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update 02. Mai 2021
 
Wenn wir uns immer nur mit dem zufriedengeben, das eine nach wie vor männlich-patriarchal dominiterte Politik - auch solche weiblichen Politikerinnen, die sich den "Spielregeln" anpassen müssen, um in diesem System überhaupt in Führungspositionen (in Politik vor allem) gelangen und sich darin halten zu können - uns ggf. häppchenweise, behäbig, gnädigerweise gewährt, wird sich nichts grundsätzlich zum Gebotenen hin verändern.
 
"Häusliche" Sorge-Arbeit i s t Arbeit: eine für weltweit jede Gesellschaft und Gemeinschaft absolut unentbehrliche, unersetzliche, die nach wie vor weltweit von mehrheitlich Frauen gratis geleistet wird - mit u.a. der Folge der Frauenarmut, Mütterarmut, Kinderarmut, Altersarmut.
 
Das ist systematische Ausbeutung.
 
Und weil und so lange alle Menschen ein Einkommen, Geld zum Leben brauchen, muss gerade diese Arbeit endlich angemessen monetär honoriert werden: mittels eines existenzsichernden Sorge-Gehalts.
 
Stattdessen wird Elternschaft vermeintlich "professionalisiert" oder gebashed und Sorge-Arbeit ausgelagert, siehe immer frühere, immer längere Fremdbetreuung, Pflege, Putzkräfte - die wiederum zumeist unbemittelte Frauen, oft mit Migrationshintergrund, sind, die wiederum ausgebeutet werden. Weil sie arm sind, weil sie, wie jeder Mensch im Kapitalismus, ein Einkommen brauchen, weil sie infolgedessen ausbeutbar sind - via miserabel bezahlter Lohnarbeit, die zumeist unter ebenso miserablen Umständen geleistet wird, Stichwort Arbeitsverhältnisse, Überlastung ... . 
 
Es bedarf eines anderen Verständnisses, Begriffs, einer angemessenen, zeitgemäßen Definition von Arbeit, auch von Wirtschaft.
 
Siehe dazu bspw. auch Angelika Krebs "Arbeit und Liebe" sowie auch David Graeber "bullshitjobs" u.a.m..
 
Zur Zeit der Suffragetten konnte sich die damalige Mehrheitsgesellschaft auch nicht ansatzweise vorstellen, dass Frauen einmal ein aktives und passives Wahlrecht haben werden oder Universitäten besuchen, berufstätig sind u.v.a.m..
 
Feminismus, insbes. Radikalfeminismus ist augenfällig und aus vielen Gründen noch längst nicht entbehrlich, auch in Deutschland nicht.
 
Wie kann man diese o. gen. Missstände ändern?
 
Indem man Druck macht: öffentlichkeitswirksam, indem man sich solidarisiert - und genau das sehe ich nach wie vor kaum, im Gegenteil.
 
Es geht dabei ja auch um "Lebensmodelle", wenn die bürgerliche Frau halt heiratet und alles für zumindest sich selbst so fortsetzt wie gewohnt: beide sind berufstätig, der Mann meist in Vollzeit, jedenfalls hat er zumeist das höhere Gehalt, dann Kinder da sind, die üblicherweise fremdbetreut werden, man sich so in seinem bürgerlichen Leben einrichtet, dann will man sich seinen Wohlstand, seine Privilegien ja für eben nur sich selbst (und die eigenen Kinder) erhalten.
Man interessiert sich nicht, agiert nicht im Sinne von Gemeinwohl, sozialer Gerechtigkeit - solidarisch.
 
Und so bleiben Frauen aber eben wirtschaftlich, finanziell von ihren Ehemännern abhängig. Denn wir wissen ja, dass gerade Alleinerziehende ein deutlich erhöhtes Armutsrisiko haben bzw. von Armut betroffen sind, eben weil sie alle Kohle für Existenzsicherung alleine ranschaffen müssen - also durch Job, zumeist in Vollzeit, die Kinder deshalb, dafür in Fremdbetreuung ausgelagert werden und die alleinerziehenden Mütter dann zusätzlich alles andere auch häufig alleine (er)tragen und bewältigen müssen: Sorge-Arbeit, Haushalt, Behördenangelegenheiten, kranke Kinder, ggf. eigene chronische Erkrankungen (der jeweiligen Mutter), diverse Entbehrungen und Verzichte (zum Wohle der Kinder) sowie weitere Widerfahrnisse des Lebens.
 
Weil sie aber schlechter bezahlt sind, in Niedriglohnjobs malochen und/oder mittels Hartz 4 aufstocken müssen oder ganz im Hartz-Vollzug hängen bleiben (wie ich), kommen sie aus der materiellen Armut zeitlebens nie heraus - es sei denn, es findet sich ein (neuer) Partner, der "mitverdient", unterstützt (auch sozial, tatkräftig) und/oder es ist eine wohlhabende Familie im Hintergrund, die unterstützt.
 
Was da Abhilfe schaffen würde, wäre eben ein menschenwürdiges, existenzsicherndes BGE und ein ebensolches Sorge-Gehalt, das man politisch durchsetzen muss, wofür man Druck machen und erst mal eine Mehrheit gewinnen muss. Das Sorge-Gehalt würden alle erhalten, die Sorge-Arbeit verantwortungsvoll, bedürfnisorientiert leisten, also auch Väter, Männer, alle Personen, die bspw. ihre Eltern, alte und/oder behinderte Menschen zu Hause pflegen. Neben dann noch weiterem ggf. erforderlichen Geld (Sozialleistungen, bspw. für Pflege, diverse Mittel, Geräte etc.).
 
Auch cohousing würde helfen: Gemeinsamschaftliches, partizipatives, selbstverwaltetes Wohnen mit mehreren anderen Menschen, Familien, Singles unterschiedlichen Alters und Geschlechts in einem Haus oder Häuserverbund, jeder mit eigener Wohnung und Gemeinschaftsräumen sowie -aktivitäten, der Möglichkeit, Gelegenheit zu Begegnungen, Austausch, gegenseitiger Unterstützung etc.. Gibt es erfreulicherweise bereits, ist bisher aber wiederum nur Wohlhabenden, Vermögenden zugänglich.
 
Dann nämlich hätten Kinder mehrere Bezugspersonen, statt bezahlten Betreuungspersonals in Fremdbetreuung (Kita, Hort ...). Und auch die Erwachsenen hätten mehrere Bezugspersonen. Damit würde unter anderem Einsamkeit, sozialer Isolation vorgebeugt.
 
Grundsätzlich müssten wir auch alle ja längst schon nicht mehr 8 Stunden täglich erwerbstätig sein. Siehe Digitalisierung, siehe bullshitjobs, siehe Postwachstumsökonomie, Gemeinwohlökonomie, Suffizienz ... .
 
Ja, es hängt zwangsläufig alles mit allem zusammen und vieles könnte so viel konstruktiver, prosozialer, friedlicher, gerechter, wohltuender gemeinsam selbstbestimmt, unbürokratisch und solidarisch gestaltet und gelebt werden als bisher.
 
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update 27.12.2020
 
"Häusliche" Sorge-Arbeit i s t Arbeit - eine für weltweit jede Gesellschaft und Gemeinschaft unentbehrliche, unersetzliche. Nach wie vor wird sie weltweit von mehrheitlich und überwiegend Frauen gratis geleistet, weder gesellschaftlich als Arbeit anerkannt und wertgeschätzt noch monetär honoriert.
 
Schade nur, dass Oxfam sich nach wie vor nicht für ein existenzsichernedes Sorge-Gehalt u n d ein emanzipatorisches BGE ausspricht, denn "häusliche" Sorge-Arbeit sollte und kann nicht sämtlich, vollständig oder generell in Form außerhäusiger Erwerbstätigkeit durch Fremde ausgeführt werden, sondern es bedarf hierfür - für den angemessenen, respektvollen, bedürfnisorientierten, liebevollen Umgang mit kranken, alten, pflegebedürftigen Menschen und Kindern (Prägung, Sozialisation, Urvertrauen, Bindung ...) - gerade bekannter, vertrauter Bezugspersonen, die eine emotionale Bindung, Beziehung zu den Bedürftigen, Vulnerablen, besonders Schützenswerten haben und nicht oder vorrangig deshalb diese Sorge-Arbeit leisten, weil sie dafür entlohnt werden und mit diesem Lohn wiederum ihre eigene Existenz sichern wollen bwz. müssen, es nur so können.
 
Sorge-Arbeit ist ohne emotionale Basis, ohne Beziehung unvorstellbar, schädigend und eben keine tatsächlich bedürfnisorientierte (!) Fürsorge.
Menschen sind - lebenslang - keine Ware, keine Gegenstände, Objekte, an oder mit denen man etwas wie an/mit einer Sache vornimmt, verrichtet, sondern bewusste, fühlende, schmerzfähige Lebewesen. Menschenwürde.
 
Nur weil man einen Menschen liebt, ist die Sorge-Arbeit, die man für ihn freiwillig, überzeugt, empathisch, mitfühlend, gewissenhaft, verantwortungsvoll l e i s t e t (dies oft über Jahre, Jahrzehnte) nicht weniger anstrengend, mühevoll, oft auch intensiv belastend, manchmal sogar beschädigend, was durch die bestehenden Umstände, Missstände verursacht ist.
 
Nein, Sorge-Arbeit ist gerade nicht "Privatsache".
Sie ist ein unentbehrlicher Dienst, eine Leistung nicht nur für die jeweilig "umsorgte" Person, Persönlichkeit, sondern insbesondere für die Gemeinschaft, Gesellschaft, denn jeder Mensch ist von Geburt an lebenslang bedürftig und verletzlich.
Wir waren alle mal hilflose Säuglinge, wir sind oder werden alle immer wieder im Lebensverlauf mehr oder weniger intensiv krank, pflegebedürftig, viele von uns werden alt, gebrechlich und wir sind auch psychisch-emotional lebenslang auf Unterstützung, Rückhalt, Beistand, Mitgefühl, Fürsorge, Pflege (Gepflegtwerden, Umsorgtwerden) sowie auf die Verantwortung, Integrität, Loyalität und Liebe anderer Menschen angewiesen.
 
Aktives Lieben ist eben dies:
Erkenntnis, Achtung, Verantwortung, Fürsorge, Freiheit, Verbundensein.
Bei Erich Fromm nachlesbar.
 
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Aktualisierung am 20. Januar 2020 - zur oben verlinkten oxfam-Studie
 
Hinsichtlich der unbezahlten, weltweit von mehrheitlich Frauen gratis geleisteten "häuslichen" Sorge-Arbeit halte ich immer frühere, immer längere Fremdbetreuung und ausgelagerte Pflege sowie ausgelagertes Sterben (in Krankenhäusern, Altenpflegeheimen) nicht für geboten.
 
Stattdessen bedarf es weniger kapitalistisch ausbeutbarer Erwerbstätigkeit (Stichwort Digitalisierung), eines zeitgemäßen Arbeitsbegriffs, der Arbeit nicht mit ausschließlich Erwerbstätigkeit gleichsetzt und parallel eines anderen Wirtschaftens (Gemeinwohlökonomie, Wirtschaft der Fürsorge, solawi, Kreislaufwirtschaft), Handeltreibens (siehe bspw. attac´s Alternatives Handelsmandat), Konsumierens (Tauschen, Teilen, Konvivialismus, Postwachstum, Suffizienz), Produzierens und Wohnens, Miteinanderlebens.
 
Letzteres in Form des Platz sparenden, gemeinschaftlichen, selbstverwalteten, soziokratischen, geschlechter- und generationenübergreifenden cohousings, durch welches auch sozialer Isolation (nicht nur, aber auch im Alter) und elterlicher Überlastung angemessen und effektiv vorgebeugt würde - Kinder und Erwachsene haben hier mehrere Bezugspersonen, statt welchselnden Betreuungspesonals in Fremdbetreuung.

Es gibt bereits solche alternativen Wohnprojekte, bisher leider nur Privilegierten zugänglich. Erforderlich ist hierfür eine entsprechende Architektur (inklusive mobiler, flexibler Wohnmodule) und Infrastruktur. Die isolierende Kleinfamilie gilt es ebenso wie die patriarchale Institution Ehe und die weltweite Ausbeutung gerade von Frauen endlich zu überwinden.
 
Sorge-Arbeit ist weit mehr als "Haushalt, Kochen, Putzen, Waschen, Einkaufen, Organisieren" - es bedarf der Zeit, des Raumes, der M u ß e und Möglichkeit für Beziehung, Bindung, nicht-paternalistische Fürsorge, es ist wohltuendes, konstruktives Gemeinsamsein.
 
Es hat eine Menge mit freiwilligem Verzicht, bedürfnisorientiertem Geben, Sich-Zurücknehmen (-können, -wollen) für andere und mit Verantwortung zu tun - all das jeden einzelnen Tag (oft auch nachts), über viele Jahre.
Ja, das ist auch anstrengend, das kostet Kraft, Energie, ist physisch und psychisch herausfordernd, immer wieder auch belastend, das erfordert Mitgefühl, Persönlichkeitsreife, Verantwortungsbewusstsein, Liebesfähigkeit.
 
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Petition 106938
Anerkennung von Care-Arbeit als gleichwertige Arbeit neben der Erwerbsarbeit vom 08.02.2020

epetitionen.bundestag.de

Aktualisierung am 29. Februar 2020
 
Nachfolgend einkopiert meine Replik auf einen Kommentar unter der Petition 106938.

Einige Antworten auf Ihre Bedenken:

1. Sorge-Arbeit umfasst nicht "nur" je private häusliche Reproduktionsarbeit wie Kochen, Waschen, Putzen, Einkaufen, Organisieren, Verwalten, Pflegen, Umsorgen, "Kinder erziehen" etc., sondern ist für weltweit jede Gesellschaft und Gemeinschaft, für deren Erhalt, Fortbestand, unentbehrlich, da nur auf der Grundlage dieser Fürsorgearbeit alles andere, wie bspw. auch Erwerbstätigkeit, möglich ist.

2. Alle Menschen waren einmal Kinder und sind im Lebensverlauf und auch im Alter Bedürftige, somit auch angewiesen auf respektvolles, mitfühlendes, bedürfnisorientiertes, idealerweise auch liebevolles Umsorgtwerden, Pflege, Unterstützung bei bspw. akuter oder chronischer Krankheit, Behinderung, außerdem im Alter oder in anderen Lebenslagen (nach Unfall etc.).

3. Dass das Umsorgen, Begleiten, "Erziehen" von Kindern gerade keine Privatsache ist, zeigen schon staatliche Einrichtungen wie Kindergärten, Kitas, staatliche Schulen, aber auch diverse Vereine, Musikschulen etc.. Ein Elternpaar kann einem Kind nicht all das zeigen, anbieten, geben, das es für seine gute, gesunde psychisch-emotionale und physische Entwicklung und Persönlichkeitsreifung braucht. Es bedarf hierfür unterschiedlicher Eindrücke, Möglichkeiten, Anregungen, Anlaufstellen, Erfahrungen, Interaktionen mit mehreren anderen, unterschiedlichen Menschen - unterschiedlichen Alters und Geschlechts, mit unterschiedlichen Erfahrungen, Erkenntnissen, Fähigkeiten, Stärken, Schwächen, Persönlichkeiten. Also: mehrerer Bezugspersonen. Das kann die Kleinfamilie grundsätzlich nicht sein, nicht leisten, nicht geben.
Großfamilien gibt es heute kaum mehr.

Hilfreich ist daher das gemeinschaftliche, generationen- und geschlechterübergreifende (selbstverwaltete, soziokratische, nachhaltige) Wohnen, siehe cohousing. Dieses gilt es staatlich zu fördern, inklusive entsprechender Architektur und Infrastruktur etc..

4. Insbesondere ist die häusliche Sorge-Arbeit, die sogen. Reproduktionsarbeit, nicht auf die Kleinfamilie zu beschränken oder in selbige zu verbannen, vielmehr ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, eben da alle Menschen üblicherweise in einer Gemeinschaft, Gesellschaft leben, da alle Menschen einmal Kinder waren und da es das sprichwörtliche "Dorf" braucht, um ein Kind zu "erziehen", was meint, dass jedes Kind sowie auch jeder Jugendliche, Adoleszente und erwachsene, auch alte Mensch grundsätzlich mehrere Bezugspersonen (nicht Betreuungspersonal) braucht, dies insbesondere in der Kindheit, der Zeit der lebenslang wirksamen Prägung und Sozialisation, der Entwicklung, Reifung.

5. Völlig realitätsfern ist die Vorstellung, Kinder seien für deren biologische Eltern - die keineswegs zwangsläufig die sozialen Eltern sind (man denke an Adoptiveltern, Pflegeeltern, Kindern, die bei Großeltern aufwachsen etc.) - eine, Zitat "sichere Einkommensquelle" und/oder "sichere Altersvorsorge, Altersversorgung", denn Kinder kosten zunächst einmal durchaus eine Menge Geld, es wird in sie durch Sorge-Arbeit Zeit, Geld, Emotionen und noch vieles andere mehr investiert bzw. ihnen gegeben und nein, daraus folgt trotz Solidaritäts- und Verantwortungsprinzip sowie prosozialen Verhaltens nicht, dass dies "mit gleicher Münze zurückgezahlt" wird.
Heute leben erwachsene Kinder und deren Eltern häufig an räumlich weit distanzierten Orten und keineswegs erlauben es die finanziellen, wirtschaftlichen, beruflichen Verhältnisse, dass Kinder im Alter ihre Eltern pflegen, umsorgen, finanzieren können - u.a. eben diesen Missstand gilt es mit dem Sorge-Gehalt zu ändern.

6. Besonders belastet und benachteiligt sind (materiell arme) Alleinerziehende sowie materiell arme Eltern, Familien, also auch die so aufwachsen müssenden Kinder, da sie ihre Existenz häufig nicht durch ein Erwerbseinkommen sichern können (was sie keineswegs sämtlich oder generell selbst verschuldet haben - eigenes Thema), aber intensiv mehrfachbelastet sind: durch fehlende Bezugs-, Verantwortungspersonen, durch auch gerade die materielle Armut und all ihre bekannten Begleiterscheinungen und Folgen.

7. Es ist zu erwarten, dass erst dann effektiv mehr Männer Sorge-Arbeit leisten, wenn sich der hierfür entsprechende, erforderliche Bewusstseinswandel, Bewusstwerdung vollzogen hat und wenn es ein existenzsicherndes Sorge-Gehalt sowie entsprechende gesellschaftliche, politische und auch monetäre Wertschätzung dieser Arbeit gibt.

Bis dahin bleiben Frauen, Mütter, Sorge-Arbeit-Leistende benachteiligt, vielfach belastet bis beschädigt und gesellschaftlich, wirtschaftlich, politisch Ausgebeutete.
 
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Aktualisierung am 13. Januar 2019

Es handelt sich bei Sorge-Arbeit gerade nicht um sogenannte "Privatangelegenheit".
Das Private ist politisch, wie wir lange schon wissen.

Erwerbsarbeit kann nur geleistet werden auf dem Rücken all derer - weltweit sind das mehrheitlich nach wie vor Frauen - die die Sorge-Arbeit leisten und diese umfasst gerade nicht "nur" Putzen, Kochen, Waschen, Einkaufen, Organisation ..., sondern auch Opfer bringen, Verzichte leisten, bedürfnisorientiertes, nicht-paternalistisches, verantwortungsvolles Verhalten, Geben - Liebe letztlich. Exakt. Auf Basis von Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein sowie Solidarität und Kooperation.

Es geht genau gerade darum, n i c h t alles bürokratisch, vertraglich vermeintlich zu "regeln", sondern sich auf zwischenmenschlicher Ebene tatsächlich fair, prosozial, gerecht, solidarisch zu verhalten, dies zu w o l l e n. Und das wiederum gerade nicht durch oktroyierte, sondern durch intrinsische Moral (auf Basis von Mitgefühl - nicht auf Basis von Zwang, religiösen, ideologischen Dogmen, Kontrolle, Dressur ...).
 
Erforderlich ist, den Arbeitsbegriff angemessen, zeitgemäß, sozial gerecht und ethisch vertretbar zu definieren:
Arbeit ist faktisch und augenfällig weit mehr und noch anderes als nur Erwerbstätigkeit (inklusive bullshitjobs). Genau darum geht es.

Sorge-Arbeit i s t Arbeit.
 
Es ist etwas nicht nur oder erst dann Arbeit, wenn es unter Druck, Zwang, mit Mühe getan wird, wenn es als Last empfunden wird und es ist etwas nicht nicht Arbeit, nur weil es Freude macht, erfüllt und "sogar" mit Liebe und Verantwortungsbewusstsein getan wird. Letzteres sollte eigentlich "normal", verbreitet sein, nicht Ersteres.

Ich empfehle bspw. die Lektüre von Angelika Krebs - "Arbeit und Liebe".
Verlinkung hierzu findet sich, neben weiteren Informationen zur Sache, im blog.
 
Da die Gemeinschaft, Gesellschaft insgesamt von dieser geleisteten Sorge-Arbeit profitiert, da weltweit jede Gesellschaft und Gemeinschaft ohne diese Sorge-Arbeit binnen kürzester Zeit keinen Bestand mehr hätte, kollabierte, eben deshalb ist es mitnichten Privatsache, sind somit nicht bspw. Ehemänner jene, die die Sorge-Arbeit existenzsichernd zu entlohnen haben, sondern die gesamte Gemeinschaft, also aktuell der Staat, die "Solidargemeinschaft".

Denn es geht gerade darum, dass Sorge-Arbeit-Leistende einen gesetzlich verbrieften Anspruch auf existenzischerndes Sorge-Gehalt haben und gerade nicht - wie früher und auch heute noch (auch in Deutschland) - wirtschaftlich, finanziell von Männern abhängig zu sein, deren Erwerbstätigkeit entlohnt wird.
 
So lange wir in einer global kapitalistischen Welt leben, benötigen alle Menschen ein Einkommen, um überleben bzw. angemessen leben zu können.
In einer post-kapitalistischen Gesellschaft sieht das möglicherweise anders aus. Bis dahin benötigen jedoch auch Sorge-Arbeit-Leistende ein Einkommen, ein existenzsicherndes Gehalt (keine Herdprämie), monetäre und gesellschaftliche Wertschätzung für die von ihnen geleistete, unverzichtbare Arbeit.
 
Der Idealismus dieser weltweit mehrheitlich Frauen, die unentgeltlich diese Sorge-Arbeit leisten, hilft ihnen leider nicht, zu überleben, sondern führt sie augenfällig direkt in materielle Armut.
 
-
Auf Basis welcher moralischen, ethischen Legitimation wird Fürsorge-Arbeit nur dann als Arbeit gesellschaftlich anerkannt, wenn sie sogenannt "professionalisiert" getätigt wird, wenn sie in Form von Erwerbstätigkeit ausgeführt wird - und selbst dann: erheblich unterbezahlt?

Auf welcher ethischen Legitimationsgrundlage wird Care-Arbeit (Fürsorge-Arbeit) in bisher bekannter und gängiger Weise abgewertet und insbesondere nach wie vor Frauen überlassen? Frauen, welche diese Arbeit deshalb - unentgeltlich - tun, leisten, gerade die häusliche, familiäre Sorge-Arbeit, eben w e i l sie erforderlich ist, weil die Frauen sich den Schutzbefohlenen, den Familienangehörigen (Kindern, Eltern, Alten, Kranken) gegenüber moralisch verpflichtet fühlen und weil im Rahmen von auch Zuneigung, Liebe und Beziehung sie diese Arbeiten - trotz aller Belastungen, trotz aller Erschöpfung, auch Verzweiflung ... - ausführen.
(Siehe dazu auch das Buch "Arbeit und Liebe" von Angelika Krebs.)

Auf welcher moralisch-ethischen Grundlage beutet man diese Frauen nach wie vor in gewohnter Weise aus? Und das global.

Armut "ist weiblich". Kinderarmut ist nachweislich immer auch Mütterarmut.

Warum wird man, wenn man "fremdputzt" und "fremdbetreut" bezahlt - allerdings auch hier zumeist miserabel - während man für die gleiche oder auch intensivere, nicht selten für die Schutzbefohlenen, Bedürftigen auf zuträglichere Weise ausgeführte Arbeit, Leistung, nicht nur nicht bezahlt, sondern häufig dafür sogar noch verachtet, bemitleidet oder müde belächelt wird?

Auf welcher ethischen und gesetzlichen Legitimationsgrundlage werden diese für weltweit jede Gesellschaft unentbehrlichen Arbeiten, Leistungen als eben solche nicht anerkannt und nicht auch nur ansatzweise monetär honoriert - geschweigedenn angemessen?

Wieviel, wie intensive, aggressive - patriarchale, kapitalistische - Indoktrination musste dem vorausgehen, dass also genau jene Arbeit, die für das Überleben von Menschen auf diesem Globus existenziell, unverzichtbar, unersetzlich ist, so massiv entwertet, diskreditiert werden konnte und nach wie vor kann, wird - dass sie nicht einmal mehr als Arbeit anerkannt, wertgeschätzt wird und überdies nach wie vor fast vollständig Frauen überlassen, aufgebürdet, selbstverständlich als von ihnen zu leisten erwartet wird und Frauen auf diese Weise massiv ausgebeutet werden können: als gratis Sorge-Arbeit-Leistende, die hierfür kein existenzsicherndes Einkommen erhalten, sondern eben deshalb zumeist materiell arm sind - weltweit, mitsamt ihren Kindern.

Jede Frau sollte - wie jeder Mann - die Möglichkeit haben, tatsächlich selbst entscheiden zu können, auf welche Weise sie erwerbstätig sein möchte und kann, welchen Beruf sie ergreifen möchte, welche Ausbildung sie machen möchte und ob und wenn ja, wann sie Mutter werden möchte.

Wenn sie Mutter werden möchte, sollte eine Frau das nicht von ihrer Existenzsicherung mittels Erwerbstätigkeit abhängig machen müssen, sie sollte sich ebensowenig von Privatpersonen wie bspw. Eltern, Partner (siehe auch Ehemann) wirtschaftlich, finanziell abhängig machen müssen, von diesen abhängig sein, sondern ein existenzsicherndes Sorge-Gehalt für die von ihr geleistete, unentbehrliche Sorge-Arbeit erhalten sowie im Alter eine entsprechende Rente.

Ob mehrheitlich die Mutter oder der Vater diese Sorge-Arbeit (sogen. Reproduktionsarbeit) leistet oder sie unter beiden auf welche Weise aufgeteilt wird, ist allein Sache dieser Mütter, Väter, Eltern und sollten sie tatsächlich frei für sich, ihre persönliche Situation, Umstände, Bedürfnisse, Wünsche festlegen können und dürfen.

Keine Frau sollte aus Gründen der Berufstätigkeit, Erwerbstätigkeit, beruflichen Karriere dazu genötigt sein, keine oder erst spät (wenn dann noch möglich) Kinder bekommen zu können/zu müssen oder zu diesem Zwecke ihre Eizellen einfrieren lassen zu müssen.

Keine Frau muss Mutter werden (wollen), aber jede Frau sollte tatsächlich selbstbestimmt wählen können, ob und wann sie es wird, w e n n sie es möchte und entsprechend geänderter, bedürfnisorientierter, sorge-freundlicher Arbeitszeiten, -formen und -strukturen bedarf es, auch für bspw. pflegende Angehörige, entsprechender Freiräume und Unterstützung sowie materieller Existenzsicherung - hierfür haben Politik und Wirtschaft gemeinsam ihrerseits Sorge zu tragen, dies zu ermöglichen, statt es weiterhin zu untergraben, zu verunmöglichen.

 
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28. April 2018
 
Danke für diese wichtige, gute Sendung (ein weiteres Mal): scobel, über SorgeArbeit.
 
Abhilfe schüfe ein Sorge-Gehalt, keine Herdprämie, sowie das gesellschaftliche Wertschätzen dieser für weltweit jede Gesellschaft und Gemeinschaft unentbehrlichen, unersetzlichen Arbeit, die jedoch als solche längst nicht mehr anerkannt wird - aus Gründen.
 
Infolgedessen - existenzsicherndes Sorge-Gehalt und Wertschätzung von Sorge-Arbeit - würde dann Gleichberechtigung endlich möglich werden, da sich dann wohl auch mehr Männer dafür entschieden und Frauen endlich tatsächlich selbstbestimmt wären, hinsichtlich finanzieller Unabhängigkeit und der Entscheidung, ob und wann sie in Berufstätigkeit zurückkehren wollen oder auch nicht.
 
Denn über Mutterschaft sollte in diesem Zusammenhang auch gesprochen werden - Sorge-Arbeit können und sollen unstrittig auch Männer leisten, global btw, nicht nur in Deutschland oder Europa, sie sollte zwischen den Geschlechtern "gleichbereichtigt", paritätisch aufgeteilt sein, aber es sollte dabei auch den einzelnen Individuen und Familien die Entscheidlung überlassen bleiben bzw. endlich werden, wie sie das jeweils persönlich aufteilen - ohne Paternalismus.
 
Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass Mütter unersetzlich sind, insbesondere hinsichtlich des Aufbaus einer lebenslang wichtigen stabilen, sicheren Bindung, nicht nur in Bezug auf Schwangerschaft, Gebären, Stillen, nicht nur in den ersten ca. drei Lebensjahren.
 
Ebenso wichtig ist es hierfür (Bindung, Urvertrauen und daraus resultierendes Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, Resilienz, Mitgefühl, Beziehungs- und Liebesfähigkeit) jedoch, dass Kinder und Jugendliche wie auch Erwachsene mehrere Bezugspersonen verlässlich über Jahre haben - idealerweise unterschiedlichen Geschlechts und Alters.
Dies sind gerade keine wechselnden, vorübergehenden Betreuungspersonen im Rahmen von Fremdbetreuung.
 
Die Kleinfamilie müsste folglich überwunden werden, erforderlich wäre das Leben in familiären Strukturen, in familiären Gemeinschaften, Wahlverwandtschaften - generationen- und geschlechterübergreifend.
Damit würde sozialer Isolation, auch im Alter, und Überforderung, Überlastungssituationen von Eltern (somit Kindeswohlgefährdung ...) vorgebeugt werden können und es hätte noch viele weitere Vorteile für alle Beteiligten.
 
Hierfür wiederum ist ein anderes Arbeiten, Wirtschaften, Wohnen Voraussetzung, wofür es einer entsprechenden Städteplanung, Architektur, Infrastruktur bedarf.
 
Zusammengefasst lässt sich das formulieren als Primat des Sozialen statt - wie bisher - der Wirtschaft. Den Mensch und seine gerade auch immateriellen Bedürfnisse in den Mittelpunkt (von Politik, Gesellschaft) stellen, nicht das Wirtschaftswachstum, Profit, kompensatorischen Konsum, ebensolches Machtstreben, Unterwerfen, Ausbeuten (von Mensch und Natur) - nicht Konkurrenz und Kampf, sondern Mitgefühl, Kooperation.

Ich verweise daher immer wieder auf Arno Gruen, Erich Fromm, Alice Miller, Jeand Ziegler, Noam Chomsky, David Graeber, Thomas Piketty, attac ("Faires Handelsmandat", denn die Veränderungen können nur global, transnational erwirkt und erhalten werden), Christian Felber (Gemeinwohlökonomie - nicht oktroyiert, sondern bedürfnisorientiert), Fabian Scheidler, Martha Nussbaum ("Gerechtigkeit braucht Liebe").
 
Und nein, das ist keine "Sozialromantik", sondern beschreibt die Verhältnisse v o r der neolithischen Revolution (und dem Beginn des Patriarchats).
 
Mitgefühl ist btw nicht nur dem Menschen, sondern auch anderen Primaten (wie bspw. den Bonobos) angeboren - es bedarf für faires, moralisches, prosoziales, kooperatives Verhalten also keineswegs irgendeiner oktroyierten, indoktrinierten Ideologie, Religion, sondern Moral kann im Grunde dauerhaft, langfristig nur intrinsisch, freiwillig gelebt werden.
Das Fundament jeglicher Moral und Ethik ist Mitgefühl - unabhängig von Kultur, Zeit, ethnischem Hintergrund, Alter, Geschlecht.
 
Erforderlich wäre daher, das Mitgefühl von Menschen zu stärken, zu fördern, statt es zu beschädigen: durch Leistungsideologie, siehe schon in staatlichen Schulen, Konkurrenz, Kampf, durch einen unangemessenen, schädigenden, d.h. nicht bedürfnisorientierten Umgang mit gerade Kindern - siehe lebenslang wirksame Prägung und Sozialisation.
 
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07. Juli 2018
 
Stellungnahme zum oben verlinkten Artikel von Charlotte Roche in der Süddeutschen Zeitung
 
Mütter, lasst euch nicht zu neoliberal-kapitalistischen Instrumenten machen.
 
Sorge-Arbeit ist genau das: Arbeit. Sogenannt "häusliche". Reproduktionsarbeit.
 
Es bedürfte längst eines existenzsichernden Sorge-Gehalts, dann erst hätten Frauen tatsächlich die Wahl, die Selbstbestimmtheit, zu entscheiden, ob und wann sie Mutter werden wollen. Dann erst übernähmen wohl auch mehr Männer diese Arbeit, könnte sie geschlechterparitätisch aufgeteilt werden - nach je individueller Absprache der Paare, Eltern, Sorgenden, siehe auch häusliche Pflege ... .
 
Sorge-Arbeit ist weit mehr als "Haushaltstätigkeit", vor allem hat sie eine Menge mit Mitgefühl, Beziehung, G e b e n zu tun - sie ist nicht nur organisatorische, physische, sondern auch psychisch-emotionale, soziale Arbeit und erfordert, sich selbst, eigene Bedürfnisse und Wünsche für einen anderen Menschen (oder mehrere) zurücknehmen zu können.

Nein, nur weil diese Arbeit aus/mit Liebe und Verantwortungsbewusstsein getan, geleistet wird, ist sie deshalb nicht weniger Arbeit.
 
Ja, es sind nach wie vor weltweit mehrheitlich Frauen, die diese für jede Gesellschaft und Gemeinschaft absolut unentbehrliche Arbeit leisten, eben deshalb sind global mehr Frauen (und deren Kinder) von materieller Armut betroffen, beschädigt als Männer. Frauen werden weltweit als Gratis-Sorge-Arbeit-Leistende ausgebeutet.
 
Nein, man löst das nicht damit, indem man Frauen in die Erwerbstätigkeit zwingt (und sanktioniert ...). Man löst es, indem man Sorge-Arbeit als Arbeit endlich und zeitgemäß anerkennt, wertschätzt - auch monetär, siehe Sorge-Gehalt.

Man löst es, indem Frauen tatsächlich selbstbestimmt entscheiden können, ob und w i e sie Mutter sein wollen - dafür erforderlich sind andere, bedürfnisorientierte Strukturen, Formen und Zeiten in Erwerbstätigkeit, aber auch entsprechend angemessene Wohn-, Lebensverhältnisse: weg von der Kleinfamilie, hin zu generationenübergreifendem Wohnen, Leben in familiären Strukturen, Wahlverwandtschaften, entsprechende Architektur, Städteplanung, entsprechende politische Unterstützung, Förderung solcher Lebensweise.
 
Gäbe es solche Wohn"projekte" flächendeckend und bundesweit, machte dies die immer frühere, immer längere Fremdbetreuung überflüssig, würde es keine sozial isolierten, einsamen Singles, Senioren mehr geben (jeder behält selbstredend seinen privaten Rückzugsbereich, aber die Gemeinschaft ist dennoch vorhanden, zugänglich) und es würde auch Kindesmisshandlung besser vorgebeugt schon auch deshalb, weil Eltern weniger schnell überfordert, überlastet, weil nicht mehr allein wären, weil Kinder mehrere Bezugspersonen, statt, wie bisher, Betreuungspersonal (in Kitas) hätten.
 
Nein, Kinder brauchen keine "Frühförderung", sondern Bindung, einen bedürfnisorientierten Umgang - eigentlich brauchen das alle Menschen, lebenslang - statt neoliberal-kapitalistisches Verfüg-, Verwertbar-, Funktionalisierbargemachtwerden.
 
Ja, möglich wäre das, war es bereits (vor der neolithischen Revolution) und ist es noch - in den wenigen noch heute bestehenden sogen. Matriarchaten (Khasi, Mosuo, Minangkabau), siehe auch die bedürfnisorientierte Gemeinwohlökonomie; es ist jedoch selbstredend völlig unvereinbar mit neoliberal-kapitalistischem System - mit also Fremdbestimmung, Ausbeutung, Untertanentum, Indoktrination - die g e r a d e bei den Kindern ansetzt (siehe auch religiöse und anderweitig ideologische Indoktrination von Kindern: von jeher so getätigt).
 
Ja: Kinder brauchen Mütter - das hat mit Bindung zu tun, insbesondere im ersten Lebensjahr, der Vater wird entwicklungspsychologisch erst ab etwa dem zweiten Lebensjahr des Kindes für dieses, für dessen Entwicklung wichtig. Je älter das Kind wird, umso mehr Bezugspersonen - idealerweise unterschiedlichen Alters und Geschlechts - braucht es, findet sich in dem Sprichwort "Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen." Wobei es weniger ums "Erziehen", als ums Miteinanderleben in Gemeinschaft geht: prosozial, solidarisch, kooperativ, respektvoll, mitfühlend.

Und Eltern brauchen dieses tragende "soziale Netz" ebenfalls, denn auch Eltern, auch Mütter haben Bedürfnisse, Wünsche, Ziele - sind Menschen, keine eierlegenden Wollmilchsäue.
 
Weg von der Kleinfamilie, der patriarchalischen Ehe, weg von der Dreifachbelastung der Mütter und von regretting motherhood - durch: Selbstbestimmung und zeitgemäße Lebens-, Wohn-, Arbeitsverhältnisse. Arbeit ist btw mehr und noch ganz anderes als Erwerbstätigkeit.

Wir sollten uns nicht vorrangig über unsere Erwerbstätigkeit definieren, identifizieren, sondern über unsere Persönlichkeit, unsere Charakter- und Herzensbildung, Persönlichkeitsreife, unsere Vernunft, unsere Ambivalenz, auch Zweifel, Widersprüche, Liebesfähigkeit - nicht über unseren rein ökonomischen "Wert" als Menschenmaterial.
 
Im Übrigen, Frau Roche, gibt es auch noch so etwas wie Gefühle, Liebe, die sich nicht rationalisieren oder planen lässt. Ich persönlich möchte keine Welt, in der Menschen sich ihre Partner nach Pro-/Kontra-Listen, nach ökonomischer oder anderweitiger Leistungsfähigkeit und Verwertbarkeit, Nützlichkeit aussuchen - wie Gebrauchs-, Konsumgegenstände (Eva Illouz lässt grüßen: Ökonomisierung der Liebe).
Dass wir all das längst haben - siehe dating-Plattformen, online-Kontaktbörsen, mingles, fuckbuddies, milfs, ohnehin Frauenkauf/Freiertum und Pornographie etc. - macht es nicht besser, ist jedoch ein weiterer Beleg für die narzisstische Gesellschaft. Nein, diese ist eines gewiss nicht: wohltuend und erhaltenswert.
 
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"[...] Wertschöpfung - das bedeutet doch normalerweise, dass ich ein vorhandenes Gut umwandle in ein Gut, das ich zu einem höheren Geldwert verkaufen kann. Doch es geht eben nicht nur ums Verkaufen, erwidert Katharina Mader.
 
"Eine feministische Ökonomin aus der Schweiz, Mascha Madörin, hat berechnet, dass zum Beispiel die Wertschöpfung des Kochens in einem Jahr genauso hoch ist wie die Wertschöpfung des Schweizer Finanzsektors. Daran sieht man, wie groß die Wertschöpfung dieses Bereiches auch ist. Und deshalb kann man ihn nicht außen vor lassen und ignorieren, dass das auch Arbeit ist." [...]
 
Zum Vergleich: Angemeldete Putzfrauen und Haushaltshilfen in Deutschland erzielen laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft eine Wertschöpfung von 664 Millionen Euro im Jahr. Unbezahlte Haus- und Familienarbeit würde Schätzungen zufolge, wenn ihr Geldwert gemessen würde, etwa ein Drittel des Sozialprodukts moderner Industriegesellschaften ausmachen.
 
"Wenn wir das als Basis allen Wirtschaftens und als Basis der Ökonomie als solches sehen, dann wäre das ein Gegenmodell zur derzeitigen Situation und würde wahrscheinlich auch die Idee von Ökonomie ein bisschen menschlicher machen. Wir würden nicht nur von abstrakten Dingen wie Finanzsektor und Hedgefonds und weiß ich nicht was reden und hören, oder Finanzkrisen - sondern würden davon ausgehen, dass es um Menschen geht und um deren Handeln, und um die Auswirkung der Krisen auf Menschen. Es wäre absolut ein Gegenmodell zu dem, was wir heute haben."
 
Ansätze gibt es schon: zum Beispiel Kindererziehungszeiten bei der Rente anzurechnen. Doch zirka zwei Drittel der unbezahlten Arbeit wird weltweit immer noch von Frauen geleistet. [...]"
 
Quelle: deutschlandfunkkultur.de - "Unbezahlte Arbeit ist Milliarden wert"
 
"Tagtäglich sorgen Frauen dafür, dass die Wirtschaft läuft – so wie wir es gewohnt sind und so wie es das Wirtschaftssystem verlangt. Das tun sie in ihren bezahlten Jobs, ganz erheblich aber auch durch ihre unbezahlte, beinahe unsichtbare Arbeit: Frauen verrichten insgesamt 75 Prozent der unbezahlten Pflege- und Sorgearbeit, und damit zwei- bis zehnmal so viel wie Männer. Der globale monetäre Wert dieser Arbeit wird auf zehn Billionen US-Dollar pro Jahr geschätzt!
 
Damit subventionieren Frauen Wirtschaft und Staat – denn das, was sie unbezahlt übernehmen, muss nicht in Form von höheren Löhnen durch die Wirtschaft oder durch mehr öffentliche Angebote vom Staat finanziert werden. Man stelle sich vor, Frauen würden sich der unbezahlten Pflege- und Sorgearbeit verweigern – die Arbeits- und Wirtschaftswelt würde still stehen.
 
Für Frauen und Mädchen steht die Welt zurzeit allerdings nicht still, sondern scheint sich rückwärts zu drehen. Das bezieht sich nicht nur auf die aktuelle Rhetorik von Regierungsverantwortlichen (zu der es an dieser Stelle keine Beispiele gibt, denn in diesem Blog ist für Diskriminierung, Sexismus und Frauenfeindliches kein Platz).
 
Der Rückwärtstrend manifestiert sich auch in Zahlen: Bei dem aktuellen Tempo, in dem sich Wandel vollzieht, und in Anbetracht der größer werdenden wirtschaftlichen Disparität zwischen Frauen und Männern, wird es 170 Jahre dauern, bis gleiche Löhne für gleiche Arbeit gezahlt werden, bis genauso viele Frauen wie Männer einer bezahlten Arbeit nachgehen und bis schließlich auch in den Führungsetagen ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern herrscht. Damit sind wir, global betrachtet, auf das Level von 2008 zurückgefallen. Das ist ein heftiger Rückschritt und zeigt, dass es in vielen Ländern nicht mehr darum geht, neue Rechte und Fortschritt zu erkämpfen, sondern darum, das Erreichte zu verteidigen.
 
Wir brauchen nicht Geduld, sondern Einsatz
Vieles scheint auf dem richtigen Weg zu sein und man mag glauben, dass sich Geschlechtergerechtigkeit mit ein bisschen Geduld irgendwann von alleine einstellt, weil ja alles andere auch absurd wäre.
Allein, das ist nicht so: Auch in Europa, wo rückständige Frauenbilder und Sexismus im Rechtspopulismus wieder salonfähig werden, ist Zeit zum Handeln angesagt. Für Geschlechtergerechtigkeit und die Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen müssen wir uns jeden Tag einsetzen und denen, die sie in Frage stellen, entschieden entgegentreten, um das Erreichte zu behalten und um weitere Fortschritte zu erzielen.
In Politik und Wirtschaft hingegen ist es an der Zeit den Fokus zu verschieben: Es darf nicht länger nur darum gehen, wie Frauen zur Wirtschaft beitragen können, sondern darum, wie die Wirtschaft für Frauen funktionieren und zu Gleichberechtigung und Gerechtigkeit beitragen kann!
 
Mehr zum Thema finden Sie in unserem aktuellen Report „An Economy that Works for Women“. [...]"

Quelle: oxfam.de - "Ohne Frauen steht die Welt still"; Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
"[...] Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ignoriert ziemlich viele Aufgaben, die über Jahrhunderte den Frauen zugefallen waren. Kochen, waschen, putzen, alles was in den 50er Jahren eine vorbildliche Hausfrau mit Schürze und Schnellkochtopf übernahm. Alles, was trotz Alice Schwarzer und Vätern in Elternzeit auch heute noch vor allem die Frauen schultern, wenn sie Kinder umsorgen und Eltern pflegen.
 
Ohne die unbezahlte Arbeit würde eine Gesellschaft zusammenbrechen, würde keine Gemeinde bestehen, keine Familie. Die Deutschen verbringen im Jahr 89 Milliarden Stunden mit unbezahlter Arbeit. Viel mehr Zeit also als die 69 Milliarden Stunden, die ihnen Geld einbringen und trotzdem beschäftigt sich kaum jemand mit diesem gewaltigen Arbeitsvolumen. Die feministischen Ökonominnen forschen fern des Mainstreams, es gibt in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht viele Frauen, die sich mit dem eigenen Geschlecht auseinandersetzen. Wer nach oben will, der wird Ökonomin. Aber keine Feministin. Katharina Mader ist das egal. [...]
 
In den 30er Jahren wollten die Amerikaner endlich die Produktion im Land bewerten; bisher stapelten sich nur einzelne Statistiken, etwa über Verkaufszahlen oder Importe. Aber niemand konnte sagen, wie sich die gesamte Wirtschaft entwickelte, dabei war das nach dem Ersten Weltkrieg die alles überschattende Frage. Simon Kusznets, ein emigrierter Russe, arbeitete an der Entstehung des damaligen Bruttosozialprodukts entscheidend mit, empfahl die unbezahlte Arbeit miteinzuberechnen, nur Ländervergleiche seien dann nicht mehr möglich. Die Kollegen belächelten ihn: Genau das wolle man doch. Nach dem Zweiten Weltkrieg brachten die Amerikaner mit dem Marshall-Plan schließlich ihre Statistiken nach Europa, damals berechnete man in Deutschland zum ersten Mal den Wert aller Güter, aller Dienstleistungen - ohne die unbezahlte Arbeit.
 
"Das andere Geschlecht", so beschrieb die französische Philosophin Simone de Beauvoir die Frau. Die Frau als all das, was der Mann nicht ist. In Anlehnung an Beauvoir spricht man in der feministischen Ökonomik von der "anderen Wirtschaft", Katharina Mader entwickelt Modelle, in denen beide Wirtschaften vereint werden könnten. Mit Hilfe ihrer Berechnungen könnten Politiker irgendwann prognostizieren, wie sich zum Beispiel Steuerkürzungen auf die unbezahlte Arbeit in ihrem Land auswirken würde. Wie die Politik das immense Arbeitsvolumen beeinflusst, das bisher niemand beachtet.
 
Die unbezahlte Arbeit würde das BIP kaputt machen
Was die konservativen Ökonomen vergessen, wenn sie die Kolleginnen mit ihrer ach so niedlichen Heimarbeit belächeln: Die Millionen Stunden an unbezahlter Arbeit beeinflussen eine Volkswirtschaft gewaltig. Wenn etwa eine Finanzkrise die Wirtschaft erschüttert, wenn der Staat seine Sozialausgaben kürzt, etwa Pflegeheime dichtmachen, helfen wieder einmal die Frauen aus. Dann nimmt die unbezahlte Arbeit zu, Frauen haben weniger Zeit für bezahlte Arbeit. [...]
 
Man könne die unbezahlte Arbeit nun einmal nicht mit berücksichtigen, heißt es beim Statistischen Bundesamt. Das BIP solle nicht das Wohlergehen einer Gesellschaft messen, also etwa wie gleichberechtigt es in einem Land zugeht. Sondern das BIP solle als Grundlage für politische Entscheidungen dienen, zum Beispiel zu Steuern oder Sozialversicherung. Die unbezahlte Arbeit aber werde nicht versteuert, sei nicht sozialversicherungspflichtig. Sie würde alle Aussagen des BIPs kaputt machen. Zwar erheben Statistiker die unbezahlte Arbeit mit Hilfe von Haushaltsbefragungen, allerdings nur etwa alle zehn Jahre und getrennt von der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, dem großen Gemälde der Wirtschaft eines Landes. Die Berechnungen haben keine unmittelbaren politischen Folgen.
 
Dass sie überhaupt durchgeführt werden, geht auf die Frauenbewegung in den 70er und 80er Jahren zurück, damals prangerten Ökonominnen zum ersten Mal den Sexismus der Statistik an. "Wir hatten diese Diskussionen doch alle schon einmal", sagt ein Mitarbeiter des Bundesamts. Die schwedische Journalistin Katrine Marcal schreibt in ihrem Buch "Machonomics" von einer Welt "in der Frauen weniger verdienen, unter schlechteren Bedingungen arbeiten und den Großteil unbezahlter Arbeiten verrichten, von denen dann behauptet wird, sie hätten mit Wachstum nichts zu tun und in der ökonomischen Statistik nichts verloren".
 
Die feministischen Ökonominnen wollen noch immer die Wirtschaftstheorie revolutionieren. Nicht nur Löhne sollen entscheiden, sondern auch Fürsorge, nicht nur Egoismus, sondern auch Hilfsbereitschaft. Fragt man Katharina Mader nach ihrer Utopie, dann spricht sie von Freiheit. Von der Freiheit, dass Frau und Mann sich ihr Leben so gestalten können, wie sie es sich wünschen, weil die Wirtschaft ihnen so viel Freiheit lässt. Ob es in ihrer Utopie noch einen Kapitalismus gibt? Mader überlegt für einen Moment und sagt dann: "Ein kapitalistisches System kann nie geschlechtergerecht sein, weil der Kapitalismus ein Patriarchat ist." [...]"
 
Quelle: sueddeutsche.de - "Nur Männer bestimmen, was Wirtschaft ist"
 
"[...] So deckt sich die Analyse, dass Familienarbeit in den letzten hundert Jahren zunehmend zur “dienenden Hintergrundarbeit” und – strukturell den Frauen und Müttern zugewiesen – in unangemessener Weise trivialisiert wurde, mit unserer Auffassung. Es tut gut, dass hier einmal von ganz anderer Seite beschrieben wird, was wir im vffm schon seit Jahren sagen, und wir begrüßen, dass die Bundesregierung diese Erkenntnisse weitergibt.
 
Fangen wir als Einstieg mit der immensen Bildungsexpansion bei den Frauen an. Für die AutorInnen des Familienberichts ist es mehr als plausibel, dass gut ausgebildete Frauen erwerbsorientiert sind (vgl. S. 83) (1). Demzufolge wird die Realität gar nicht thematisiert, dass sich auch gut ausgebildete Frauen – und Männer – bewusst für Familie und Familienarbeit entscheiden. Eine zunehmende Zahl von Frauen nimmt während des Studiums Abschied von der Idee eigener Mutterschaft (vgl. S. 84). “Dies kann auch als Erkennen der unzureichenden Rahmenbedingungen für die Verknüpfung von beruflicher Karriere und Familie gewertet werden.” (S. 85) Hier wird das Dilemma umrissen, in dem wir uns befinden. Die Familiengründung wird eher nach hinten verschoben, verzögert, wenn nicht verhindert, wenn die finanzielle Sicherung nur auf zwei (männlichen) Schultern lastet (vgl. S. 86).
 
Angesichts Erwerbslosigkeit oder Zeitarbeit oder befristeter Verträge stellt der Familienbericht die Frage, ob das “Ernährer-Hausfrau-Modell/60er Jahre” und auch das “Ernährer-Zuverdienerin-Modell/80er Jahre” – sehr irreführende Begriffe – nicht endgültig aufgegeben werden sollten. Also: Am besten zwei am Arbeitsmarkt verankerte Personen, die sich zugleich die Familienarbeit teilen und untereinander koordinieren. (vgl. S. 87)
 
In diesem Zusammenhang steht ein Satz, den ich überhaupt nicht verstehe:
“Auch gälte es, die Gründung von Familie – wie in den USA – von dem Gedanken zu lösen, dass diese sich erst auf der Basis einer gesicherten Erwerbsveränderung mit Langzeitperspektive realisieren ließe.” (ebd.) Ich verstehe den Satz wirklich nicht, denn dann ist es doch Unsinn, die Bezahlung der Familienarbeit in Form von Elterngeld ausgerechnet an die Erwerbsarbeit zu binden anstatt an den Wert der Familienarbeit!
 
Diesem Wert der Familienarbeit wendet sich der Familienbericht in bemerkenswerten Abschnitten zu, die wir nachfolgend abdrucken.
“Familienarbeit bezeichnet auch heute einen gesellschaftlich konstitutiven Arbeitsbereich von beträchtlicher Größenordnung. Der vielfach prognostizierte Rückgang des Zeitaufwands für die “Arbeit des Alltags” ist bis heute ausgeblieben. In den privaten Haushalten der Bundesrepublik Deutschland wurde im Jahre 2001 ein Gesamtvolumen an 96 Mrd. Stunden unbezahlter Arbeit geleistet, d. h. das 1,7 fache an Zeit im Vergleich zu insgesamt 56 Mrd. Stunden Erwerbsarbeit (Statistisches Bundesamt/ BMFSFJ 2003).
 
Diese Relation verdeutlicht, dass es sich bei familialer Arbeit, die zum einen sachbezogene Hausarbeit und zum anderen personenbezogene Fürsorgearbeit für bedürftige Angehörige unterschiedlichen Alters umfasst, nicht etwa um ein frühkapitalistisches Relikt oder eine vernachlässigbare Restgröße handelt. Vielmehr ist sie ein Bestandteil gesellschaftlich notwendiger Arbeit, ohne den auch moderne westliche Gesellschaften nicht überlebensfähig wären. Dieser Tatbestand geriet jedoch durch die Verkürzung von wirtschaftlichem Handeln auf lediglich marktförmig organisierte Formen von Erwerbsarbeit mehr und mehr in Vergessenheit. Seit Adam Smith verkümmerte die Familienarbeit zunehmend zur “dienenden Hintergrundarbeit” . In dieser Weise konnotiert und strukturell den Frauen und Müttern zugewiesen, wurde sie in unangemessener Weise trivialisiert.” (S.87-88) [...]
 
Familiale Arbeit umfasst damit die Gesamtheit der Arbeitsleistungen, die in Familie und Haushalt erbracht werden, um die physische und psychische Reproduktion aller Mitglieder eines Haushalts zu gewährleisten. Es handelt sich um privat geleistete Arbeit, die in der heutigen Form einseitiger nur noch in der Nachkriegsphase dem weiblichen Geschlecht zugewiesen wurde. Entsprechend übernehmen Frauen die heute alltäglich anfallenden Versorgungs-, Betreuungs-, Pflege- und Erziehungsleistungen im Haushalt überwiegend hauptverantwortlich, vor allem dann, wenn sie sich für Familie und Kinder entscheiden. Diese Tätigkeiten binden einen Großteil ihrer Lebenszeit und ihrer Kompetenzen und führen unter den heutigen Bedingungen zu teils erheblichen Abstrichen bei ihrer beruflichen Teilhabe, ihrem aktuellen Lebensniveau und ihrer Alterssicherung im Vergleich zu Männern, aber auch im Vergleich zu Frauen, die sich nicht auf familiale Lebensformen eingelassen haben. Die für die Sorge- und Pflegearbeit erforderlichen Fähigkeiten und Kompetenzen wurden weiterhin entweder zum Bestandteil des weiblichen Geschlechtscharakters erklärt oder als minderwertige “Jedefrau”- Qualifikation abgetan. In der Konsequenz führte das schließlich auch zu einer Geringschätzung entsprechender weiblicher Tätigkeitsfelder jenseits von Familienarbeit.
 
Die gesellschaftliche Relevanz dieser nur vermeintlich rein “privaten” Arbeit des Alltags wird im Allgemeinen erst dann besonders deutlich, wenn sie nicht oder nur in unzureichendem Maße erbracht wird. Hier zeigt sich der “Erfolg” der Unsichtbarmachung des Arbeitscharakters von Familienarbeit im öffentlichen Bewusstsein.” (S. 88-89)
 
Jetzt haben wir es sozusagen “amtlich”. [...]
 
“Einerseits hat ein Teil der traditionellen Hausarbeit durch Auslagerungsprozesse aus den Haushalten nachweislich abgenommen, andererseits ergeben sich für die Haushalte auf Grund der Zunahme von Außenbeziehungen und Verflechtungen zahlreiche neue Aufgaben, deren Arbeitscharakter zunächst kaum beachtet wurde.
In der Ausweitung und Intensivierung dieser neuen Formen von Hausarbeit als Bestandteil von Familienarbeit liegt ein Grund, weshalb der Gesamtzeitaufwand für diesen Arbeitsbereich seit etwa 100 Jahren keineswegs nennenswert zurückgeht. Auch zeigt diese Entwicklung, dass die von der ersten Generation der Haushaltswissenschaftlerinnen erhoffte Reduzierung von Hausarbeit durch ihre fortschreitende Rationalisierung und Technisierung so nicht eingetreten ist. Außerdem fällt Zeit für die Informationsbeschaffung über neue Produkte und Dienstleistungen und deren Verarbeitung ins Gewicht. Sie alle lassen sich bis zu einem gewissen Grad in ihrer Erledigung zeitlich flexibel einpassen, unterliegen aber zugleich den extern gesetzten Zeitregimen.” (S. 90-91)
 
Der nächste Abschnitt bezieht sich auf den markanten Wandel auch in der Beziehungs- und Erziehungsarbeit. Das hört sich, was Sorge/Fürsorge angeht, alles etwas geschwollen an, aber so steht es nun mal im Familienbericht.
“Gewandelt hat sich aber auch die Anforderungsstruktur an ebenfalls kaum individuell zu rationalisierende familiale Beziehungs- und Erziehungsarbeit im weitesten Sinne. Diese Seite familialer Alltagsarbeit verfestigt sich normativ als emotionaler Wert und verflüssigt sich zugleich in kaum noch arbeitsinhaltlich zu fassender Sorge für andere, als “irgendwie” zu gestaltender Ausgleich gegen Stress im Berufsleben, als Geborgenheitspostulat mit Anspruch an eine möglichst allseitige Frühförderung des Nachwuchses – ebenso als Hort verlässlicher emotionaler Sicherheit gegenüber Belastungen und Leistungsanforderungen im öffentlichen Raum. [...]
 
Bis jetzt können wir vom Verband der Familienfrauen und -männer mit den Aussagen des Familienberichts ziemlich einverstanden sein, aber zu dem, was jetzt kommt, wüsste ich doch gern die Meinung unserer Mitglieder:
“Wiewohl bekannt ist, dass Kinder nicht die leibliche Mutter brauchen, sondern feste Bezugspersonen, um verlässliche Beziehungen aufbauen zu können, und dass diese verlässlichen Personen zum Wohle des Kindes schon um der Entwicklung emotionaler Autonomie willen möglichst zahlreich sein sollten, geben die weit verbreiteten Normen immer noch vor, dass Frauen sich von ihren Aufgaben in der Familie nicht in größerem Umfang entfernen sollten.” (S. 91)
 
Wie kann im Haushalt Entlastung organisiert werden?
Der Technisierung und Rationalisierung sind Grenzen gesetzt. Rückgriff auf “familiale Netzwerke”, sprich Oma/Opa, ist nicht immer möglich. Es gibt Anzeichen dafür, dass eine nennenswerte Umschichtung von Familienarbeit nicht zwischen Frauen und Männern verläuft, sondern zwischen unterschiedlichen Gruppen von Frauen (vgl. S. 92).
 
“Während Männer durchaus bereit sind, bestimmte Hausarbeiten zu übernehmen, wenn sie dazu aufgefordert werden, bleiben insbesondere routinemäßig anfallende Arbeiten der täglichen Versorgung sowie die Gesamtkoordination und -organisation des Alltags und schließlich die “Gefühlsarbeit” weitgehend den Frauen überlassen. Auch die zahlreichen Koordinierungs-, Synchronisations- und Organisationsaufgaben werden überwiegend und mit enormen Anstrengungen von ihnen übernommen, und zwar für alle Haushaltsmitglieder . Das trifft auch auf die große Zahl von berufstätigen Frauen zu, die als Managerinnen des Alltags eine Vielzahl von Belastungen zwischen Beruf und Familie bewältigen müssen: “Unabhängig davon, ob erwerbstätige Mütter viel verdienen oder wenig, ob sie einen hohen oder niedrigen Bildungsstand haben, ob sie in Leipzig oder in Frankfurt leben, die Hauptlast der Familienarbeit liegt auf ihren Schultern, und zwar auch dann, wenn sie 40 Stunden pro Woche oder länger erwerbstätig sind.” ” (S. 92)
 
“Auf Grund der Versorgungslücke an öffentlicher Infrastruktur im Bereich der Kinderbetreuung und der Betreuung und Pflege von bedürftigen älteren Angehörigen wird zunehmend auch diese höher geschätzte Sorgearbeit an bezahlte haushaltsfremde Personen vergeben. Auf diese Strategie können vor allem einkommensstarke Akademiker/Akademikerinnen- und Selbständigenhaushalte zurückgreifen.

Demgegenüber können einkommensschwache Haushalte eine Auslagerung von Familienarbeit an bezahlte Arbeitskräfte meist nicht finanzieren. Eher handelt es sich dabei um Frauen, die in anderen Haushalten gegen Entgelt Familienarbeit übernehmen. Wenn Frauen aus einkommensschwachen Haushalten nicht auf unentgeltliche Hilfen aus ihrem Verwandtschaftsnetzwerk oder Freundeskreis zurückgreifen können, besteht die Gefahr einer chronischen Überforderung, häufig aber auch einer Unterversorgung der in diesen Haushalten lebenden Kinder.” (S. 93) [...]"
 
Quelle: familienarbeit-heute.de (Verband Familienarbeit e.V.) - "Nun haben wir sie! Anerkennung und Wertschätzung im 7. Familienbericht (Fh 2007/2)"
 
"[...] "70 Prozent der 1,4 Milliarden armen Menschen weltweit sind Frauen. Sie sind nicht nur stärker von Armut betroffen als Männer, sie haben auch einen schlechteren Zugang zu Bildung und unsicherere Einkommensverhältnisse. Ihre rechtliche Stellung ist vielerorts mehr als prekär. Frauen leisten laut UNICEF mit 66 Prozent einen weitaus größeren Anteil an der weltweiten Arbeit – bezahlt und unbezahlt, können jedoch lediglich 10 Prozent des Einkommens auf sich vereinigen. Ihr prozentualer Anteil am Zugang zu Ressourcen, inklusive zu Land und Krediten, liegt lediglich bei 1 Prozent. Armut ist weiblich. Frauen stellen das Gros der working poor.
Es ist daher notwendig und sinnvoll zu fragen, wie sich die Armutsverteilung jenseits geografischer Analyse darstellt und was die Ursachen sind. [...]
 
„Frauen sind arm an Ressourcen, Bildung, Gesundheit, Beschäftigung, Einkommen, etc., weil sie arm sind an Rechten, Chancen, Macht, sozialer Sicherheit, Zeit, Gewaltfreiheit etc. [...]
 
Geschlechterungleichheit besteht nicht nur in der Erwerbsarbeit, sondern vor allem auch in der Sorgearbeit (Haushalt, Pflege, Reproduktion) weiter. Sorgearbeit wird weitgehend unbezahlt von Frauen geleistet, u.a. weil sie nicht mit dem dominierenden Männerbild in Einklang zu bringen zu sein scheint. Frauen und Männer lösen das Vereinbarkeitsproblem durch die Beschäftigung niedrig entlohnter Putzhilfen, Kindermädchen, Altenpflegerinnen – häufig Migrantinnen. Die Neuverteilung von Sorgearbeit findet derzeit rund um den Erdball statt, aber nicht in ausreichendem Maße zwischen Männern und Frauen, sondern durch eine globale Versorgungskette zwischen sehr verschiedenen Frauen aus verschiedenen Ländern, sozialen Klassen und Kulturen. [...]"
 
"[...] Wie Zeitbudgeterhebungen deutlich gemacht haben, ist die in einer Volkswirtschaft geleistete unbezahlte Arbeit selbst in modernen Gesellschaften umfangreicher als das gesamte Volumen der bezahlten Arbeit (z.B. UNDP 1995; Schäfer 2004). Da zudem sowohl die bezahlte als auch die unbezahlte Arbeit geschlechtsspezifisch verteilt sind, ist eine geschlechterbewusste Analyse der Wirtschaftsprozesse daher nur möglich, wenn der unbezahlte Bereich des Wirtschaftens systematisch in die Untersuchung einbezogen wird (Jochimsen & Knobloch 1997, 2006).
 
Jenseits der Geschlechtsneutralität: Das Handeln des Wirtschaftssubjektes wird auch heute noch vielfach als rationales Verhalten eines Homo Oeconomicus konzipiert, der seinen eigenen Nutzen bzw. Gewinn maximiert. Oberflächlich betrachtet, sieht es dadurch so aus, als kämen Frauen und Männer in der ökonomischen Theorie nicht vor. Schauen wir dann aber genauer hin, so wird deutlich, dass diese wirtschaftstheoretischen Analysen auf einem nicht geschlechtsneutralen Subtext basieren. Diesen unterlegten Text gilt es zu erkennen und aus einer geschlechterbewussten Perspektive zu lesen. Denn implizit hat das geschlechtslos konzipierte Konstrukt des Homo Oeconomicus ein Geschlecht, da seine Lebensumstände viel eher denen des Mannes bzw. einer bestimmten Form von Männlichkeit als denen einer Frau entsprechen.
Um also nicht die relevanten Fragestellungen aus den Augen zu verlieren, muss eine geschlechterbewusste ökonomische Wissenschaft von Frauen und Männern als wirtschaftlich handelnden Personen in ihren je spezifischen Lebenszusammenhängen ausgehen, deren Handeln in den verschiedenen Bereichen von unterschiedlichen Motivationen geprägt ist. [...]
 
Die integrative Wirtschaftsethik macht deutlich, dass die Wirtschaft keine eigenständigen Ziele verfolgt, sondern eine dienende Aufgabe hat. Der Sozialethiker Arthur Rich hat den Gedanken von der Lebensdienlichkeit als dem elementaren Sinn des Wirtschaftens geprägt. Er folgert daraus, dass sich die Wirtschaft primär nach den Bedürfnissen der Menschen zu richten hat und nicht der Mensch nach den Bedürfnissen der Wirtschaft (Rich 1990: 22f.). Peter Ulrich hat diesen Gedanken in seinen wirtschaftsethischen Ansatz übernommen und weiterentwickelt, indem er zeigt, dass sich zwar auch wirtschaftsethisches Handeln am Kriterium der Effizienz orientiert, aber nur auf untergeordneter Ebene. Übergeordnet sind zwei weitere Dimensionen: die Sinndimension und die Gerechtigkeitsdimension (Ulrich 2005: 27ff.). [...]
 
Die eine Dimension, die über das Effizienzkriterium hinausgeht, ist die Sinnfrage des Wirtschaftens als Frage nach dem guten Leben: Welches sind die grundlegenden Ziele des Wirtschaftens? Worum geht es beim Wirtschaften ganz grundsätzlich? Welche Werte erwirtschaften wir? Wirtschaften ist nur ein Mittel zum Erreichen eines übergeordneten Zwecks, so dass die Sinnfrage über die ökonomische Wissenschaft hinausweist. In der Standardökonomie wird meist ziemlich unreflektiert unterstellt, dass sich im Marktprozess mehr oder weniger automatisch die Präferenzen der Wirtschaftssubjekte erfüllen. Allerdings sind Präferenzen, die über den Markt geäußert werden, kein geeignetes Kriterium, um darüber Auskunft zu geben, ob auch wirklich die Bedürfnisse der Menschen erfüllt sind und ob Männer, Frauen und Kinder mit dem zum Leben und zum guten Leben Notwendigen versorgt werden. Was das gute Leben ist, hat die Philosophie seit Jahrtausenden beschäftigt. Auch wenn diese Frage wohl nie abschließend beantwortet werden kann, muss sie trotzdem immer wieder neu gestellt und zu beantworten versucht werden. Martha Nussbaum und Amartya Sen haben mit den grundlegenden menschlichen Fähigkeiten ein viel beachtetes Kriterium entfaltet, das nicht nur die vielfältigen Probleme des Präferenzkriteriums überwindet, sondern auch für die Begründung sozialökonomischer Grundrechte herangezogen werden kann (Nussbaum 2003; Sen 2002).
 
Die andere Dimension ist die Legitimationsfrage des Wirtschaftens als Frage nach dem gerechten Zusammenleben: Ist unser Wirtschaften gegenüber allen vertretbar? Welche verbindlichen Grundsätze müssen im Wirtschaftsleben gelten, um das gerechte Zusammenleben der Menschen zu gewährleisten? Für wen werden Werte erwirtschaftet? Das Tun der Einzelnen wird hier mit den moralischen Rechten aller verbunden. Ethisch legitimiert ist ein Handeln dann, wenn es nach Maßgabe guter Gründe, die unparteilich gegenüber allen Menschen vertretbar sind, moralisch berechtigt ist (Ulrich 2005: 28f.). Dies sind vor allem so grundlegende Dinge, wie die Menschenwürde, also die Achtung vor jedem Menschen, und die Menschenrechte, also die angeborenen, unveräußerlichen Rechte und Grundfreiheiten, die jedem Menschen aufgrund seines Menschseins zustehen. Zu diesen grundlegenden Rechten und Freiheiten gehören neben den Persönlichkeitsrechten und politischen Teilnahmerechte auch die sozialökonomischen Teilhaberechte, z.B. das Recht auf Nahrung und Trinkwasser, auf Arbeit und Einkommen, denen durch die enorme wirtschaftliche Globalisierung heute eine besondere Bedeutung zukommt. [...]
 
Die geschlechterbewusste Wirtschaftsethik wendet sich damit gegen zwei Dinge zugleich: Sie hängt nicht mehr dem Irrglauben an, Ökonomie und Ethik wären zwei getrennte Welten und Ökonomie könne wertfrei betrieben werden. Darüber hinaus gibt sie aber auch die verbreitete und nur vermeintliche Geschlechtslosigkeit von Wirtschaftstheorie und -ethik auf. Zentral für eine geschlechterbewusste Wirtschaftsethik ist demnach die Erkenntnis, dass Wirtschaften weder wertfrei noch geschlechtsneutral sein kann (Knobloch 2008, 2009).
 
Die grundlegende Aufgabe einer geschlechterbewussten Wirtschaftsethik sehe ich darin, den androzentrischen, auf die Erwerbswirtschaft fokussierten Blick der ökonomischen Wissenschaft zu überwinden und herauszuarbeiten, wo selbst moderne Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme noch auf der Ungleichheit der Geschlechter basieren. Damit sind folgende weitere Aufgaben verbunden:
  • die Geschlechterordnung sichtbar machen, die dem Wirtschaftssystem zugrunde liegt, insbesondere die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in den verschiedenen Wirtschaftsbereichen und -sektoren,
  • die ökonomischen Grundbegriffe hinterfragen und wo nötig neu fassen, so dass auch die ökonomisch relevanten Lebenszusammenhänge von Frauen einbezogen werden,
  • der Frage, inwiefern auch eine moderne Marktwirtschaft auf unbezahlte Arbeit angewiesen ist, nachgehen; dabei zum einen das Ausmaß der unbezahlten Arbeit und zum anderen Verlagerungsprozesse aus dem und in den unbezahlten Bereich sichtbar machen,
  • die ökonomische Bedeutung asymmetrischer Beziehungen jenseits von symmetrischen Tauschverhältnissen herausarbeiten (siehe dazu den Beitrag von Maren Jochimsen).
Eine ökonomische Theorie, die sich der Geschlechterfrage stellt, muss demnach von Männern und Frauen anstatt von geschlechtsneutralen Wirtschaftssubjekten ausgehen, explizit auch die ökonomisch relevanten Lebenszusammenhänge von Frauen zusätzlich zu denen von Männern einbeziehen, die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, die dem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem zugrunde liegt, beleuchten und die Bedeutung so grundlegender Begriffe wie Wirtschaft und Ökonomie, Arbeit und Produktion überdenken. Dadurch rückt der gesamte Bereich der unbezahlten Arbeit in den Vordergrund, ohne den kein Wirtschaftssystem existieren kann. Mithilfe einer solchen, hier nur grob skizzierten geschlechterbewussten Wirtschaftstheorie und -ethik ließen sich dann auch Ansatzpunkte einer geschlechtergerechten Wirtschaftspolitik formulieren."
 
Quelle: gwi-boell.de - "Geschlechterbewusste Wirtschaftsethik"
 

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