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Sabeth schreibt

Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie

Über Mitgefühl, Selbstlosigkeit, Altruismus, Empathie, Gewaltlosigkeit, Werte, die "Goldene Regel" und Religionen

Zivilisation ohne Mitgefühl - Arno Gruen im Gespräch, Radio SRF2 Kultur - Es ist absolut unentbehrlich, so wichtig, was Arno Gruen äußerte.

 
Empathie ist nicht (gleich) Mitgefühl
 
Auf WDR 3 (Radio) in der Sendung "Resonanzen" ging es am 03.02.2017 um "'Die dunkle Seite der Empathie", in welcher der Autor Fritz Breithaupt zu seinem gleichnamigen Buch (das ich hiermit keinesfalls bewerben möchte) interviewt wurde. - Ich kann nur sagen: haarsträubend, was für einen Unsinn Menschen von sich geben und damit sogar noch Geld verdienen (können, dürfen).
Der Autor setzt Empathie und Mitgefühl gleich. Ein unverzeihlicher Fehler - ein extrem grober überdies.
 
Natürlich kann die Fähigkeit, sich einfühlen zu können, zu manipulativen Zwecken missbraucht werden, um andere instrumentalisieren zu können.
Aber eben deshalb ist Empathie nicht gleichbedeutend mit Mitgefühl.
 
Mitfühlen zu können, heißt, mitleiden zu können - und das nicht, weil man das "will", sich "vornimmt" oder damit irgendwelche Zwecke, Eigeninteressen verfolgt (es also instrumentalisiert), sondern weil es einem angeborenen Impuls entspringt - siehe, wie bereits Kleinkinder, auch einige Tiere sich mitfühlend, hilfsbereit, kooperativ verhalten - ohne also zuvor bereits dazu angewiesen, "erzogen", dazu dressiert ;) worden zu sein.
 
Und nein, man löst auch nicht Leid beim Anderen mittels Empathie aus, um seinen je eigenen (vorgeblich "angeborenen") Sadismus ausagieren zu können, sondern ein solcher Sadismus, wenn vorhanden, hat gänzlich andere Ursachen - eben gerade das Fehlen von Mitgefühl.
 
Wenn man das Leid eines anderen "nachfühlt", mitfühlt, so fühlt man selbstverständlich niemals den Schmerz dieses anderen - das ist absolut unmöglich (man ist nicht der Andere, man kann daher niemals so fühlen, wie er fühlt, wahrnimmt, denkt ...). Was man beim Mitgefühl, beim Mitleiden fühlt, ist der eigene Schmerz.
 
Und genau aus diesem Grunde ist Schmerzerfahrung unentbehrlich: Nur durch diese sind wir in der Lage, nachfühlen, mitfühlen zu können, wenn andere leiden (physisch und/oder psychisch)!
 
Es ist dabei keineswegs vonnöten, genau diesen Schmerz (des Anderen) zu fühlen (in derselben "Qualität", Intensität - ist wie gesagt ohnehin nicht möglich), sondern es reicht, d a s s wir wissen, wie Schmerz sich für uns selbst (!) anfühlt, dass wir verschiedene Schmerzarten, Schmerzintensitäten und -qualitäten je persönlich/individuell erfahren (erlitten!) haben.
 
Ich habe viele Jahre geglaubt, das Leid bestätige nur die Absurdität der Existenz von Lebewesen, somit auch Menschen, gerade derer, da sie sich an erfahrenes Leid immer wieder erinnern (können bzw. müssen).
Inzwischen habe ich verstanden, dass das Leid für eben diese unentbehrliche Schmerzerfahrung wichtig ist, dass Leid und Schmerz verschwistert sind, dass sie die Grundlage für Mitgefühl und damit für KOOPERATION bilden.
 
Nur auf dieser Urbasis des Mitgefühls ist Moral überhaupt erst möglich.
Und Mitgefühl ist nur möglich, weil es die Schmerzerfahrung gibt - und wer emfpindsam, sensibel, feinfühlig, mitfühlend ist, hat daher das natürliche Bedürfnis, Leid nicht nur von sich selbst, sondern - auf Basis der Kenntnis eigenen Schmerzes und eben der Empathie (!) - auch von anderen abzuwenden. Weil: man automatisch "überträgt", weil das Sehen, Miterleben des Leids anderer Lebewesen uns unmittelbar "triggert" (siehe Neurobiologie - die das inzwischen/längst ganz genau erläutern kann - Spiegelneuronen etc.).
 
Und daher ist auch gerade keine je persönliche Bindung an diese anderen erforderlich - es geht der Eindruck, das Wahrnehmen von Leid direkt an unser eigenes Inneres (im Gehirn ist das wahrscheinlich das Limbische System?) - es "triggert" uns grundsätzlich und unmittelbar, unwillkürlich.
 
Wenn dieser natürliche Impuls jedoch gestört, beschnitten, beschädigt wird, reagieren wir nicht (mehr) mitfühlend - sondern bspw. gleichgültig, verdrängend, abgestumpft/kalt, ignorierend/ignorant oder eben auch gewaltvoll, sadistisch oder masochistisch.
 
Und massiv "gestört", beschädigt wird dieser allen Menschen angeborene, in allen Menschen genetisch angelegte Impuls (Leid von anderen abwenden oder es mildern zu wollen, mitfühlen zu können bzw. es einfach spontan, unwillkürlich zu tun) durch den falschen Umgang mit Säuglingen und (Klein-) Kindern. Immer und überall auf dieser Welt.
 
Siehe Schwarze Pädagogik, siehe autoritäre und anti-autoritäre Erzieheung (beide nicht bedürfnisorientiert), siehe all die Indoktrination gerade von Kindern durch Religion(en)/Ideologien, siehe die frühe Fremdbetreuung (Zerstören von BINDUNG, Beziehung - Gewalt, die dem Kind und seinen Hauptbezugspersonen auf diese Weise angetan wird und die nach wie vor auch "bei uns" als sogar "normal" (!) gilt), siehe etliche Erziehungsratgeber, wie bspw. "Jedes Kind kann schlafen lernen" (auch hier wird dem Kind Gewalt angetan, wird die Bindung, sein Urvertrauen massiv und "nachhaltig" beschädigt – es resigniert früher oder später, wenn seine Bedürfnisse nicht erfüllt werden oder es wird krank …), siehe, wie mit gerade Kleinkindern umgegangen wird - es findet noch immer verbreitet kein BEDÜRFNISORIENTIERTER UMGANG statt - und das setzt sich umso mehr später in der Schule fort.
 
Und gerade in den drei monotheistischen Religionen, die alle ein massiv patriarchalisches Fundament (das Alte Testament) haben, wie auch im Kapitalismus, Neoliberalismus, der auf Konkurrenz, Kampf, Leistung, Druck, Zwang, Strafe beruht, liegt der Grund, die Ursache für die global verbeitete Gewalt, für die global verbreiteten Beschädigungen von Menschen - mit entsprechenden, bekannten Folgen: weitere Gewalt, Unterdrückung, Machtstreben etc. - zu Kompensationszwecken.
 
Siehe wiederum "autoritärer Charakter", "freiwillige Knechtschaft" (Erich Fromm, Th.W. Adorno), "Identifikation mit dem Aggressor" (Ferenzi) - statt Mitgefühl (siehe bspw. bei Arno Gruen) und Kooperation.
 
Nein, Empathie ist gerade n i c h t das Gleiche wie Mitgefühl. - Auch nicht, wenn vorgeblich schlaue Leute solches in Büchern behaupten und es auf diese Weise verbreiten.

Anzumerken ist abschließend, dass durch das Mitgefühl und durch Kooperation (statt Kampf) - durch Miteinander statt Gegeneinander - sich übermäßiges, damit unnötiges, sinnloses Leid vermeiden lässt. - Denn es ist keineswegs erforderlich, dass es massive Greueltaten geben muss, um "die Schmerzerfahrung machen zu können" - die Schmerzerfahrung machen wir zwangsläufig schon in einem sehr frühen Stadium unserer Existenz - mindestens als Säuglinge bereits (Frieren, Hunger - der Säugling empfindet Hunger wie physischen Schmerz - und andere Schmerzerfahrungen, die nicht sämtlich vermeidbar sind) sowie auch immer wieder im weiteren Lebensverlauf, weil physische wie psychische Verletzungen nicht immer, nicht grundsätzlich, nicht sämtlich vermeidbar sind.
 
Um aber Sadismus, Masochismus, Gewalt, übermäßigem, sinnlosen Leid vorbeugen, dies eindämmen zu können (statt all dies zu befördern) und um Kooperation, ein weitgehend und langfristig friedliches Miteinander zu ermöglichen, ist MITGEFÜHL unabdingbar.
 
Und letztlich bedeutet das Verweigern von Mitgefühl (siehe das Ablehnen des "Einforderns" von Mitgefühl, das Abwerten von Menschen (als "Idioten", "Schwache", "Verweichlichte" etc.), die mitfühlend sind, sich so verhalten, folglich, dass Menschen mit ihren je eigenen, ganz persönlichen/individuellen Schmerzen, Schmerzerfahrungen und Schmerzerinnerungen gerade nicht (wieder) konfrontiert werden, sondern dies verdrängen, unter Verschluss halten, in Schach halten wollen – weil: sie damit nicht umgehen können, weil sie nicht zulassen können, dies zu fühlen, diese je eigenen Beschädigungen als solche zu erkennen, zu akzeptieren und auch, wer sie verursacht hat (denn gegen diese – häufig die Eltern … - können sie sich nicht richten, nicht (mehr) zur Wehr setzen …; sie haben all das stattdessen längst (!) verinnerlicht (siehe Identifikation mit dem Aggressor) und geben diese selbst erfahrenen, erlittenen Verletzungen nun an andere weiter (siehe verschiedene Formen von Gewalt, Unterdrückung, Wille zu Macht, Herrschaft, somit der Unterwerfung, Erniedrigung, Schwächung anderer – bis hin zu (deren) Zerstörung, Vernichtung) – zu vermeintlicher Kompensation, zur eigenen Entlastung, Erleichterung also.
 
Dies nur leider auf völlig ungesunde Art – mittels derer sie selbst gerade nicht heilen können und überdies auch noch andere - nicht selten massiv - beschädigen (nicht nur, aber gerade auch eigene Kinder bspw. und andere nahestehende Menschen oder Fremde, die dann die Sündenbock-, Feindbildfunktion aufgedrückt bekommen, da "alles Schlechte" auf diese projiziert wird/werden kann/werden muss – um die je eigenen Defizite und Unzulänglichkeiten "veräußern", auslagern zu können – wiederum aus Gründen der Selbstschonung).
 
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Noch einer (Paul Bloom), der es nicht verstanden hat. - Fängt schon damit an, dass er sagt, Empathie (mit Opfern bzw. Geschädigten) mache rachsüchtig(er) - wer rachsüchtig ist, ist wiederum gerade nicht mitfühlend, schon gar nicht Menschen, die "längere Haftstrafen" fordern - denn Strafe, Gefängnis: nützt überhaupt nichts und niemandem - den Tätern nicht und hilft auch den Opfern nicht. (Ich habe dazu im blog ausführlicher Stellung genommen, siehe bei Interesse unten verlinkt).

Dann unterscheidet er zwar zwischen Empathie und Mitgefühl, setzt aber Mitleid mit Empathie gleich und Mitgefühl mit - ja was? ;) Er behauptet schlicht, aus seinen Beobachtungen schlussfolgern zu dürfen, Mitgefühl sei weniger auf Gefühlen basierend - was Unsinn ist. Denn es ist beim Mitgefühl genau und gerade das: Man leidet mit dem anderen aufgrund e i g e n e r Schmerzerfahrungen (der Erinnerung daran, die dann unwillkürlich "abgerufen" wird) - weil man niemals den Schmerz eines Anderen empfinden, fühlen kann. Es ist der eigene Schmerz, der Mitgefühl, also gerade: das Mitleiden (!) ermöglicht und hervorruft - die eigene (erinnerte) Schmerzerfahrung.

Und nur w e i l es Mitgefühl gibt, kann es auch Moral geben - anders: die Urbasis jeglicher Moral ist Mitgefühl, denn auf dieser Basis habe ich das Bedürfnis/den Impuls, helfen, unterstützen, das Leid/den Schmerz vom Anderen abwenden oder es mildern zu wollen - und mich überdies kooperativ zu verhalten. Es (das moralische Verhalten) ist auf diese Weise also intrinsisch. Und nur so kann es langfristig/dauerhaft gelebt werden.
Wird Moral hingegen von außen oktroyiert (siehe Religionen/Ideologien), wird sie nur befolgt durch Strafe oder Belohnung - nicht aber aus ureigenem Antrieb/Bedürfnis/Impuls.

Ethik folgt dann erst im zweiten Schritt - auf der "theoretischen (Meta-) Ebene" - siehe, was/wie ich oben bereits schrieb.
 
Es ist daher auch völliger Nonsens, was Bloom im Weiteren (siehe ZEIT-Artikel) äußert: das Arzt-Patient-Verhältnis betreffend, dass Mitgefühl weniger mit Gefühl als mit Verstandestätigkeit einherginge und man (er) "vermutlich ein besserer Mensch" sei, wenn er weniger "intuitiv mitfühlte". - Natürlich ist die Verstandestätigkeit erforderlich, um Lösungen zu finden, um komplexe Vorgänge, Sachverhalte zu erfassen, zu analysieren, zu reflektieren, um besonnen zu reagieren. Das alles ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass wir nicht helfen würden/werden, wenn nicht gerade und zuerst intensiv unser Gefühl "getriggert"/angesprochen würde/wird.

Erst kommt dieser "Gefühlstrigger", der den Impuls "helfen zu wollen" (Leid verringern, abwenden zu wollen ...) auslöst, dann kommt der Verstand hinzu, der beiträgt, herauszufinden, wie genau - angemessen - vorzugehen, was wie zu tun und was möglicherweise weshalb zu unterlassen ist.
 
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Mitgefühl, Selbstlosigkeit, Hingabe. - Ja. Genau das. Und exakt: Angelegt/bestärkt/gefördert wird das: in der (frühen) Kindheit - oder aber: beschnitten, beschränkt, geschwächt.

Warum dafür religiöser Glaube? Wozu braucht man dafür (einen) Gott oder eben religiösen Glauben? - Es liegt im Menschen begründet - von Geburt an - in: jedem! Aber ja, Babies sind keine unbeschriebenen Blätter, sie bringen schon etwas mit - manche also augenfällig mehr "Fähigkeit"/Möglichkeit zu Mitgefühl, Sensibilität, Feinfühligkeit ... als andere. Aber wie gesagt: Ausschlaggebend ist dann der Umgang mit: DEM KIND. Immer.

- "Das gute Leben im empathischen Sinne verstanden. Jegliche Gewalt ist ausgeschlossen. Der Respekt der Menschenrechte ist der universelle Maßstab. (...) Vom Gefühl her schätzen ... . " Nicht nur mit dem Verstand. - Denn eben: Empathie, Mitgefühl - der Urgrund jeglicher Moral (!) - kommt aus dem Gefühl.
Ethik: schafft dann erst im nächsten Schritt der Verstand.
 
An keiner Stelle: ist ein "Gott", ist Religion erforderlich. An keiner.
 
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Über Mitgefühl, Selbstlosigkeit, Altruismus, Empathie, Gewaltlosigkeit, Werte, die "Goldene Regel" und Religionen
Das (siehe oben stehendes Zitat des Dalai Lama) "genügt" nicht nur, sondern das ist tatsächlich d a s Grundlegende schlechthin:
 
Der Urgrund jeglicher Moral ist eben dies: Einfühlungsvermögen und Mitgefühl (Mitfühlenkönnen), das ist auch der "Kern" von Liebe.
 
Alle religiösen Ge- und Verbote, alle Gesetze, Vorschriften, auch alle Ethik ist letztlich nur der theoretische Überbau - mit dem nicht selten Schindluder getrieben wird.
Jedes Kleinkind zeigt sich bereits mitfühlend und sogar hilfsbereit - wenn es nicht zuvor bereits (durch Erwachsene) beschädigt wurde ... .
 
"[...]Die Voraussetzungen der Empathie
Wir haben sie vom ersten Tag an: die Fähigkeit uns in andere Menschen hineinzufühlen. Die biologische Voraussetzung der Empathie sind bestimmte Nervenzellen im Gehirn. Diese wurden 1995 von den Biologen Vittorio Gallese und Giacomo Rizzolatti an der Universität in Parma entdeckt. Die Forschergruppe wollte herausfinden, wie Handlungen im Gehirn geplant und umgesetzt werden. Ihre Frage war: Welche Nervenzellen sind aktiv, wenn der Affe nach etwas Essbarem greift?
 
Dabei beobachteten die Forscher eine Sensation: die Nervenzellen sandten nicht nur dann Signale, wenn der Affe selbst nach dem Essen griff, sondern auch, wenn er einen anderen dabei beobachtete. Das Gesehene wurde im Gehirn des Schimpansen "gespiegelt". Die Nervenzellen, die diese spiegelnden Signale auslösten, bekamen von den Forschern den Namen „Spiegelneuronen“. Seit diesem Zeitpunkt gibt es eine wissenschaftliche Erklärung für das Phänomen Mitgefühl.
 
Von Geburt an gehören die Spiegelneuronen zur Grundausstattung unseres Gehirns. Wir fühlen beim Beobachten eines Vorgangs das gleiche, als würden wir ihn selbst vollziehen – das ist auch die Grundlage des Spracherwerbs: Je öfter die Mutter das Kind zur Nachahmung anregt, desto schneller lernt es zu sprechen.
 
Die frühen Spiegelungen sind nicht nur möglich, sondern sind sogar ein emotionales Grundbedürfnis des Neugeborenen.
 
"Kinder kommen mit der angeborenen Fähigkeit auf die Welt, sich für das menschliche Gesicht mehr zu interessieren, als für alles andere, was ihm unter die Augen kommt. Babys sind bereits in der Lage subtilste Veränderungen im Gesicht sofort ablesen zu können und sich darauf einzustellen; diese Fähigkeit, den Emotionsausdruck im Gesicht adäquat zu lesen, ist mit die erste, die ganz schnell ausgebildet wird."
(Leiterin des Staatsinstituts für Frühpädagogik, Dr. Fabienne Becker-Stoll)
 
Empathie bei Kleinkindern
Bevor wir aber mit einem Menschen mitfühlen, steht unsere eigene Fähigkeit, das Gefühl beim anderen wahrzunehmen. Und davor müssen wir das Gefühl erst bei uns selbst spüren.
 
Forscher gehen davon aus, dass die Spiegelneuronen zwischen dem 3. und 4. Lebensjahr voll entwickelt sind. Ab diesem Zeitpunkt hat das Kind eine eigene Sichtweise auf das Geschehen um sich herum. Dass die Spiegelneuronen bei Kleinkindern aktiv sind, zeigt sich, wenn ein Kind anfängt, ein anderes zu trösten. Es erkennt und spiegelt, dass das Gegenüber traurig ist. Die Auseinandersetzung mit Gleichaltrigen ist die Bedingung zur Entwicklung sozialer und emotionaler Fähigkeiten. Zum einen üben die Kinder verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten  – verbal und non verbal – zum anderen lernen sie etwas, was sie alleine nicht lernen können, nämlich ihre Gefühle zu regulieren. Kommunikationskompetenz und Emotionsregulation sind zwei wichtige Bausteine der Empathie-Entwicklung.
Die Spiegelneuronen funktionieren unbewusst, wir müssen darüber nicht nachdenken: in unserem Gehirn entsteht ein Spiegelbild von dem, was wir sehen. Egal ob Trauer, Ärger oder Freude - in kürzester Zeit beginnen die Spiegelneuronen uns in den gleichen Zustand zu versetzen, in dem unser Gegenüber ist. Das gilt auch für negative Gefühle oder z.B. Aggression. Auch aus diesem Grund sollten Eltern genau überlegen, welche Filme oder Computerspiele sie ihren Kindern zumuten wollen.
 
Störungen im Empathie-Empfinden
Nicht alle Kinder haben emotional gefestigte Eltern - und somit Schwierigkeiten, ihre eigenen Emotionen spüren zu lernen. Der Paulihof in Kühbach bei Augsburg betreut traumatisierte und vernachlässigte Kinder und Jugendliche, die das Vertrauen in ihre Gefühle und das ihrer Mitmenschen verloren oder nie kennengelernt haben. Als Co-Therapeuten helfen ihnen Tiere; durch den behutsamen Kontakt lernen die Kinder hier Angst zu überwinden, Mut zu fassen und Verantwortung zu übernehmen.
 
"Die Kinder, die bei uns sind, haben fast kein Selbstbewusstsein und kein Selbstwertgefühl mehr. Sie suchen bei Schwierigkeiten immer bei sich selbst die Schuld. Die Kinder haben immer das Gefühl, ich bin derjenige, der nicht stimmt, ich bin derjenige, der versagt, oder ich bin nichts wert. Bei der Arbeit mit den Tieren, geht es ihnen relativ schnell so, dass sie wieder Selbstbewusstsein aufbauen.“ (Ulrike Heigenmooser, Leiterin auf dem Paulihof)
 
Die Kinder, die hierher kommen, haben erlebt, dass Menschen, von denen sie emotional abhängig waren, plötzlich unangenehm, aggressiv oder depressiv wurden. Das zieht Konsequenzen hinsichtlich der Spiegelneuronen nach sich. Denn wird die Fähigkeit positiv zu spiegeln unterdrückt oder nicht genutzt, geht sie verloren. "Use ist or lose it" – nutze oder verliere sie - ein Gesetz, dass für alle Nervenzellsysteme gilt; auch für die Spiegelneuronen. Aber die Spiegelneuronen und damit die Grundlage der Empathie können ein Leben lang angeregt werden; sie sind in der Lage neue, gute Erfahrungen zu machen, zu speichern und wieder abzurufen. 
 
Ulrike Heigenmooser sagt, dass manche "ihrer" Kinder für einen Menschen sehr wenig Mitgefühl empfinden oder sogar keines mehr. Gegenüber Tieren sei dies aber anders: "Wir haben manchen Rabauken hier und manche, die ganz wenig Grenzen kennen und auch nicht aufpassen, ob etwas dem anderen weh tut oder nicht. Bei den Tieren sind sie aber einfach vorsichtig." Die zahlreichen Pferde, Ziegen, Hunde und Katzen auf dem Paulihof sind für die Kinder emotionale Wegbegleiter zurück in die Gesellschaft. [...]"
 
Quelle: br.de - "Ich möchte fühlen, was du fühlst - Empathie bei Kindern"
 
"Der Security Service MI5 hat herausgefunden, dass lediglich 20% der Terrorverdächtigen vom 11. September 2001 eine typisch islamische Erziehung genossen haben. Die überweigende Mehrheit der Attentäter sind entweder Konvertiten (...), manche waren Autodidakten und manche sind gar nicht streng gläubig (...), die nie eine Moschee aufsuchten und auch nicht beteten. - Warum ist das wichtig? Wenn man diese Gewalt nur auf den Islam reduziert, verliert man andere wichtige Faktoren aus dem Blickfeld, z.B. die Entfremdung, die ein großer Teil der Jugendlichen empfindet. Viele von ihnen, so fanden Psychiater heraus, sind schlichtweg verzweifelt und finden keinen Sinn im Leben. (...) Auf dem Schlachtfeld sehen sie einen Daseinszweck. Das Leben reduziert auf Gut und Böse, Schwarz und Weiß. Aber natürlich bilden Schwarz und Weiß in Wirklichkeit nicht die Komplexität der Dinge ab. (...)"
Zitiert aus oben stehendem Link - dem Vortrag von Karen Armstrong (im dai in Heidelberg).
 
Ich wiederhole es nochmal:
 
Das Problem, der Urgrund von Gewalt, liegt in konservativer, patriarchaler, unempathischer Erziehung - in solchem Umgang mit Kindern ... und natürlich auch mit erwachsenen Menschen. Die Grundursachen für alle möglichen Auswüchse an Unterdrückung, Unterwerfung, Gewalttätigkeit, Hass sind: Schmerz, fehlendes Mitgefühl, mangelnde Sensibilität/Feinfühligkeit und entsprechender Umgang mit Menschen, besonders: Kindern - eine Erziehung, die sich überwiegend an strikten Prinzipien, Regeln orientiert, statt: am individuellen Kind/Menschen.
 
Es fehlt also an bedürfnisorientiertem, einfühlsamen Umgang mit vor allem und zuallererst immer: Kindern und Jugendlichen. - Es liegt doch auf der Hand, dass bei solcher an Prinzipien ausgerichteten "Erziehung", solchem Umgang, Entfremdung eine logische Folge nur sein kann. Dass sie Wunden und Schmerz verursacht - der dann später im Leben auf diverse, ungesunde Weisen überdeckt, verdrängt, überlagert, "in Schach gehalten" werden soll - dass dies versucht wird mittels diverser, ungesunder, d.h. dem Wohlergehen abträglicher Verhaltensweisen (siehe u.a. Sucht - nicht nur, aber auch Substanzabhängigkeit ...), auch mittels Flucht - bspw. in "den" Glauben. Oder durch Verdrängung, Leugnung (eigener "Probleme", eigener Unzulänglichkeiten ...), aber auch durch das Überdecken mittels Hedonismus, der vermeintlich "Spaß bringt", der vermeintlich "gut tut", jedoch nicht tatsächliche, längerfristige Zufriedenheit und/oder Freude mit sich bringt, sondern im Gegenteil - noch mehr Gier, Maßlosigkeit, Völlerei, noch mehr Unbewusstheit, Überdecken, Verdrängen und noch mehr Egozentrismus, Ignoranz, Gleichgültigkeit - noch weniger: Mitgefühl, Tiefe und Fähigkeit, das Leid des Anderen als eigenes Leid(en) zu sehen, nachempfinden zu können und zu wollen. - Genau dies: wird v e r w e i g e r t. Ebenso wie Unterstützung, Hilfe. - Stattdessen wird nur noch mehr Raum gegeben für Wut, Hass, Hetze, Spaltung, Feindbilder, Herzensenge, Charakterlosigkeit.
 
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