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Sabeth schreibt

Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus

Über die vorgebliche Unantastbarkeit der menschlichen Würde

 
 
Da ist immer wieder die Rede von "Würde". Die Würde des Menschen sei unantastbar. - Kann mir freundlicherweise jemand erklären, was das eigentlich genau bedeutet: ?
 
Wo fängt die Würde des einzelnen Individuums (!) an und wo hört sie möglicherweise bzw. tatsächlich dann doch auf? Wer entscheidet darüber auf welcher Legitimationsgrundlage: wessen Würde wie weit "verletzt" ist/wird oder eben nicht? - Das einzelne Individuum selbst?: :D
 
Wer also dann? Mit: welcher Berechtigung??? - Was also, wenn man sagt, die Würde von Menschen, die in Armut und Elend "leben" (müssen) sei eben deshalb verletzt? Was, wenn man sagt, genitalverstümmelte Frauen seien in ihrer "Würde" (vor allem an Leib und Seele) "verletzt"? Was, wenn man sagt, Menschen in Indien, die der untersten Kaste angehören (oder auch die Witwen dort) seien in ihrer "Würde" ... ... ... verletzt? Was, wenn man sagt, Opfer von Folter und/oder Isolationshaft oder unter grundsätzlich unmenschlichen Haftbedingungen (siehe Gefängnisindustrie in usa) seien in ihrer Würde verletzt oder all jene, die also dem "Dienstleistungsproletariat" angehören oder auch verarmte Senioren oder auch in Armut aufwachsen müssende Kinder oder auch Obdachlose ... - ja, die Liste ließe sich noch weit, weit fortsetzen.
 
Wie ist es also um die "Unantastbarkeit" der Würde des Individuums bestellt? - Oder anders: Aus welchen Gründen d a r f sie - rund um den Globus - verletzt werden, mit welchem Recht (?!?) wird sie: mit Füßen getreten - Tag für Tag, Jahr für Jahr ... .
W a s nützt ("betroffenen") Menschen also eine Theorie, ein vermeintliches "Recht", die/das nicht hält, was sie/es verspricht? - Nein, natürlich: Ich bin schlicht mal wieder viel zu naiv ... . Daran wird´s liegen. Daran k a n n es nur liegen! Klar.

Wer sorgt eigentlich wo, wann und auf welche Weise für wie lange dafür, dass die Würde des je einzelnen Individuums unverletzt bleibt? ?
 
... Und da kommen wir natürlich im nächsten Schritt zu folgender Frage:
Was, wenn jemand für sich selbst also befindet, sein Leben sei nicht (mehr) "würdevoll"? - Beispiel: Nehmen wir an, jemand, der einen Unfall hatte und nun bspw. an den Rollstuhl "gefesselt" ist oder jemand, der gar unter dem Locked-in-Syndrom "leidet" ... (kann nichts mehr bewegen und das bei vollem, klaren Bewusstsein) oder jemand, der anderweitig traumatisiert wurde ... : Nehmen wir an, ein solcher Mensch befindet für sich (nach einiger Zeit und dann wiederholt), sein Dasein sei unter diesen Bedingungen kein "würdevolles" mehr - was: dann? - Dann kommen wieder die, die sagen, man muss sich zusammenreißen, man muss versuchen, durch "Leistung" und/oder Disziplin oder "Willensstärke" :D (sorry, aber: mehr Selbstbetrug geht kaum, wer´s genauer wissen will, dem empfehle ich Michael Schmidt-Salomons Text über den freien Willen ...) "wieder auf die Beine" lolol zu kommen. - Ja: wozu? Warum? Erst mal: Wer setzt mit welchem Recht, dass man das muss? - Gibt es eine Pflicht zu leben? ??
 
Und dann: Wenn die Leute antworten, man "müsse" das tun, um (wieder) "glücklich" zu sein/zu werden/werden zu können - dann frage ich: Ist d a s also "der Sinn des Lebens" (welchen Lebens - wessen?!?): "Glücklichsein" (im Sinne von zufrieden, klar)? - Warum? Nur, weil es eben also ein angenehmer Zustand ist? Dann würde dahinter ja so etwas wie Bequemlichkeit/Behaglichkeit stehen.
 
Was, wenn es gar keinen "Sinn" gibt? Sondern jedes Individuum diesen nur je für sich selbst konstruiert, phantasiert!? ;) Um: überhaupt weiter existieren zu können, zu: w o l l e n, d.h.: um eine Rechtfertigung dafür zu kreieren, weiterhin zu existieren.
Ja, man kommt nicht allem auf psychologischer Ebene bei - manches Mal kann es hilfreich sein, sich die Dinge, Gegebenheiten, Phänomene ... aus philosophischer Sicht (etwas genauer) anzusehen ... .
 
... Und schließlich gibt es "Daseinszustände", die gar nicht - nie mehr! - "veränderbar" sind - siehe als demonstrativstes Beispiel bereits erwähntes Locked-in-Syndrom.
Aber es gibt auch etliche andere, die wenig bis keinen Handlungs- und/oder "Entfaltungs"spielraum lassen/ermöglichen. Oder einfach Lebensumstände, die für das jeweilige Individuum als vollständig inakzeptabel gelten.
(Siehe bspw. Menschen im Dritten Reich ..., wir kennen das von einigen Künstlern, die sich dann/deshalb suizidierten.)
 
Was also ist mit der "WÜRDE" all dieser/"solcher" Menschen: WER sorgt dafür, dass sie unverletzt bleibt oder dass sie "wiederhergestellt" wird: ?
 
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Es stimmt natürlich nicht, wie wir heute wissen, dass der Mensch aus der Kette des Determiniertseins enthoben wäre - Kant konnte das noch nicht wissen.
 
Worauf sich Moral, d.h. prosoziales, kooperatives Verhalten, gründet, ist ganz basal das Mitgefühl und über dieses "verfügen" auch andere Säugetiere, Primaten etwa.
 
Der Absolutheitsanspruch der Würde lässt sich daher auf jene eben deshalb ausweiten - weil sie leidende Wesen sind - wie wir. Weil es im Kern nicht um die Vernunft und auch nicht um die (Handlungs- und/oder Willens-) Freiheit und Selbstbestimmtheit geht, sondern um die Schmerzfähigkeit. Diese ist der Urgrund, die Voraussetzung für jegliches Mitfühlenkönnen.
 
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