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Sabeth schreibt

Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie

Über das sogen. Ghosting - die stumme Trennung, die einseitig verschlossene Tür - die (demonstrative) Flucht ...

 
Vor einigen Jahren hatte ich einem ebenfalls von solcher Trennung Betroffenen an anderer Stelle das Folgende geantwortet:
 
(...) Einen Brief schreiben, in dem man sich verabschiedet, alles aus seiner Sicht nochmal (freundlich) schildert - und den Brief vielleicht nicht mal abschickt. Nein, ich denke, das reicht einem als "Auf-/Verarbeitung" dann doch nicht wirklich - man beschummelt sich damit doch ziemlich deutlich selbst, wie ich finde.

Denn:
Nach meiner Auffassung ist es mit dem Verabschieden nicht getan in so einer Situation. Man hat Fragen - man hat jede Menge Fragen - man hat das Gefühl, es sei alles entweder nur eine einzige Lüge gewesen (wobei der/die Andere dann ein immens guter Schauspieler/in gewesen sein muss!) oder das jetzt, diese Trennung, sei eine Lüge (ja, bspw. Flucht - wovor auch immer, da gibt es verschiedene Möglichkeiten/Hintergründe für eine Flucht!).

Und eben das ist es, was einen umtreibt, was einen wahnsinnig macht - man versteht es einfach nicht. Man will aber wissen - und nicht nur selbst spekulieren (mit sich selbst oder mit Freunden ...) - man will vom Anderen wissen, denn nur er kann es letztlich wirklich beantworten!: was das jetzt soll, was nun Lüge ist oder war und was nicht - was genau der Andere (sich) denkt, was in ihm vorgeht, warum er sich jetzt so trennt (oder eben: flüchtet) ...

Um also zur Ruhe zu kommen, um abschließen und seinen Frieden finden zu können, braucht man: Antworten - ehrliche, offene -- Wahrheit.

Alles andere sind Selbstgespräche (auch so ein Abschiedsbrief), das reicht einem aber nicht, wenn es noch so frisch ist schon gar nicht. Und mit diesen Selbstgesprächen dreht man sich nur im Kreis. Man kann nur vermuten, spekulieren ... - aber man will es genau wissen - wie es wirklich ist! Man braucht: Gewissheit!

Wie man unschwer erkennen kann, kenne also auch ich solche Art "Trennung"/Verlassenwordensein, auch wenn diese meine, eine solche, mittlerweile eine halbe Ewigkeit zurückliegt - und nein, ich finde nicht, dass das geschlechtsspezifisch in irgendeine Richtung ist.
Auch ich dachte damals, ich komm da niemals mit zurecht - kann ich nicht: so lange ich nicht Antworten, Gewissheit, Wahrheit habe.
Und ja, es dauerte sehr lange. Aber es ging irgendwann vorbei - nach langer schmerzvoller ... Zeit, nach vielen vielen vielen Gesprächen mit Freundin darüber.

Am Anfang ist es aber erst mal ja eine Art Entzug. Kalter Entzug, genau. Und das auch körperlich (nicht nur sexuell), man entbehrt jemanden, in den man wahrscheinlich eigentlich sogar noch verliebt ist. Es war alles irgendwie noch ziemlich erst am Anfang, am Sichentwickeln.

Will jetzt hier nicht stundenlang von mir palavern, aber - die Steigerung ist (war für mich), wenn der Andere nicht nur "geht", sondern "ganz geht" ... - ohne Antworten ... Aber das ist nochmal, ja, ein anderes Thema/Kapitel.

Im Grunde "hilft" einem letztlich doch nur, es mit Vernunft durchzugehen, zu analysieren. Und ich glaube, auch wenn man vielleicht zeitweise, vor allem anfangs dazu tendieren sollte, es sich so zurechtzubiegen, wie man es gerne möchte/hätte, wenn man auf einem Auge doch bisschen blind ist - letztlich (wenn man also gerade nicht sich selbst verschaukeln will) kann man seinem Gefühl, seiner "inneren Stimme" doch trauen: die das durchaus auch "vernünftig" sieht.

Was ich meine: Man liegt wahrscheinlich mit seiner Einschätzung, seinen eigenen gefundenen Antworten, seiner Sicht auf die Dinge gar nicht soo falsch. (Es sei denn, man selbst ist sehr verletzt und schiebt es deshalb - erstmal? - so ziemlich alles dem Anderen zu, das gibt´s auch.)

Ich glaube auch nicht wirklich, dass solche Trennungen so aus heiterem Himmel kommen. Wenn man ehrlich ist - und ich bin der Meinung, du hast das alles schon sehr sehr sehr genau erkannt (... ;) ) ! - gab es schon so "Anzeichen", dass zumindest etwas irgendwie in Schieflage ist, dass es doch schon vorher Ecken und Kanten gab, an denen man sich eigentlich doch etwas gestoßen hat, die man aber "verharmloste" ...

Sicher, man selbst dachte, wegen sowas muss man nicht gleich die ganze Beziehung über Bord werfen! Aber die Gründe, weshalb der Andere das dann doch so abrupt und vor allem so ABSOLUT ENDGÜLTIG und irreversibel macht, sind wohl tatsächlich genau die, die m. oben dann schon nannte: Flucht vor allem.
(...)

Was einen halt aber anfangs auch verrückt macht, war bei mir jedenfalls so, ist, dass man sich einfach doch immer wieder fragt:

Wie konnte der Andere sich so verhalten - so extrem "zugewandt", so extrem aufmerksam sein, interessiert, auch vlt. doch sehr anhänglich, zuvorkommend, leidenschaftlich, emotional, liebevoll usw. - WIE ist das möglich, all diese Nähe, Verbundenheit, Vertrautheit, Intensität ... ... ...  - wenn alles doch nur gespielt (?!?!?!?) war?!?

Oder hat der Andere sich selbst extrem belogen, einfach nur, weil er so gerne eine Beziehung wollte (traf in meinem Fall nicht so ganz zu, "der Andere" war gerade noch in einer Beziehung und verliebte sich in mich eigentlich recht unerwartet, spontan ...)?

Oder aber: ist diese Trennung also doch (s)eine Flucht?!

Nur eben: Es gibt Gründe für eine solche Flucht - es kann viele verschiedene dafür geben. Und die kennen die beiden Beteiligten letztlich dann doch selbst am ehesten.

Man möchte es aber halt einfach gerne deutlich und direkt vom Anderen erfahren, hören, wissen! Damit man sich sicher sein kann, damit man damit umgehen, es "wohin packen/einsortieren" kann. Damit man einfach wirklich weiß, woran man ist!

 
Was die Ratschläge angeht, sich klarzumachen, dass das Ding unwiederbringlich erledigt und für immer den Bach runter ist - das ist außerordentlich schwer - umso schwerer, je frischer es ist.
Weil eben, wie du selbst schriebst, m.: da ist so eine blöde, aber unglaublich starke, drängende Hoffnung.

Andererseits ist da aber vor allem auch eine unglaubliche Wut - dass man einfach so abgesägt wird - und sei es TATSÄCHLICH (wahrscheinlich) "nur" aus Selbstschutzgründen es Anderen!

Man ist doch kein Spielzeug, man ist doch kein Gegenstand, der benutzt werden kann und gefallen darf, so lange es dem Anderen beliebt, und wenn es ihm nicht mehr beliebt, schmeißt er das Teil einfach in die Tonne - am besten verbrennt er auch gleich noch den Inhalt ... Auf Nimmerwiedersehen!

Man fühlt sich einfach total ungerecht und respektlos behandelt. Und gleichzeitig trauert man, man hat SEHNSUCHT, so dass es fast körperlich schmerzt (und damit meine ich wie gesagt nicht "bloß" körperliches Begehren, aber auch das kann ... naja  8) ...).

Es HILFT EINEM NICHT, sich zu sagen: ich bin nicht schuld, ich hab es nicht verursacht/zu verantworten, die/der Andere hat ein Problem mit sich selbst ... ... ...

MAN WILL IHN ABER - immer noch und ganz extrem: diese/n "Anderen" - ja: man ist auf Entzug.

Ich glaub, das hat wieder was mit der Hirnchemie und so zu tun. :D  Da kommt der Verstand in solchen "Umständen", in denen man biochemisch dann ist, einfach absolut nicht gegen an.

Oder aber: ist das vielleicht doch auch bei Menschen wieder sehr unterschiedlich und stark abhängig von ihrem Naturell, Wesensart, Temperament ... .

Es gibt Menschen, die müssen sich ablenken, es verdrängen, wegdrücken oder es durchrationalisieren - und können das wohl auch ??

Aber es gibt auch Menschen, die müssen da durch - durch die Hölle, durch all diese Emotionen - die trauern also auch "leidenschaftlich" - im wahren Wortsinn! Das muss nicht "klageweibartig" sein, nicht dass wir uns da missverstehen.

Aber es ist: heftig. Und man denkt, man hält es nicht aus. Und man klammert sich an jeden Strohhalm, also: jedes Fünkchen Hoffnung, Lichtschimmer.

DENN:
Man denkt auch, es sei vielleicht doch vor allem ein "Missverständnis". Und wenn man selbst also nicht das Problem sei (jedenfalls nicht das eigentliche, schwerste), könne man dem Anderen vielleicht aber doch zur Seite stehen: wenn er einen nur ließe ...

Und vor allem will man einfach auch WISSEN, ob man nun selbst sich was eingeredet hat oder der Andere sich und einem was vormachte und vor allem: ob er überhaupt wirklich auch so intensive Gefühle hatte oder nicht! Man will einfach Gewissheit darüber, ob das nun "Liebe" (echte, tiefe Gefühle ...) war(en) oder nur Show. Also:

Ob man sich selbst getäuscht hat/hat täuschen lassen - ob man sich GEIRRT hat - ob es überhaupt möglich ist, dass man sich SO EXTREM irren/"verschätzen", das Verhalten des Anderen wirklich so missverstehen, fehlinterpretieren kann.

Man will nicht nur vermuten, ob der Andere das aus Selbstschutz macht und "nur" flüchtete - man will, man MUSS es WISSEN, weil man nur dann selbst damit umgehen kann.

Man braucht also einfach, wie schon gesagt: Antworten auf seine Fragen!

 
(...) Ich möchte nochmal resümierend feststellen, dass

es schlichtweg und unzweifelhaft sehr egomanisch ist, sich auf diese Weise zu "trennen", sich eines Menschen einfach zu entledigen - indem man ihn absägt, vor vollendete Tatsachen stellt und die Tür von innen verschließt, so dass sie auch nur von dieser Seite - wenn - je wieder zu öffnen wäre. Am besten aber den Schlüssel gleich noch verschluckt oder ins Meer wirft, damit man selbst gar nicht erst in Versuchung gerät, sie auch nur einen Spalt nochmals zu öffnen - nicht, dass die andere Seite da doch nochmal wieder einen Fuß reinkriegt - geschweigedenn andere Körperteile.

Ich will das jetzt nicht mehr - und damit ist das erledigt, für immer (mindestens aber: so lange mir das so in den Kram passt und wie lange das ist, weiß auch nur ich!) - is mir völlig lattenhagen, ob du dadrauf klarkommst oder nicht - ich denke da jetzt an mich und meine Interessen ... Alles Weitere empfinde ich als Belästigung. Also scher dich zum Donnerdrummel! Du existierst gar nicht mehr für mich (jedenfalls tu ich so als ob).
Für mich gibt es da keinen weiteren Diskussions-/Gesprächsbedarf und wenn du halt noch solchen hast, is das einfach mal dein Pech!

 
 
Meine Erfahrung zeigt, dass Menschen sich vor allem dann massiv zurückziehen ;), wenn sie im Mark getroffen wurden.
Wenn man also ihre intimsten, eingemachtesten Stellen trifft, verletzt.

Und das macht man viel öfter unwissentlich und unbeabsichtigt als man annehmen könnte. Denn selbst wenn man sich zu kennen glaubt (weil man schon "längerfristig" miteinander "zu tun" hatte), ist es nicht selten dennoch so, dass man zwar vieles "Intime", "Private" tatsächlich teilt bzw. vom Anderen kennt (weil er es einem offenbart hat und/oder weil man es selbst herausgefunden hat bzw. im gemeinsamen Kontakt "am" Anderen erlebt hat ...), man aber das absolut Eingemachteste nicht kennt/weiß.

Und das erklärt sich nicht nur damit, dass der Andere das vlt. irgendwie doch lieber verborgen halten will bzw. hält, sondern vor allem damit, dass der Andere selbst oft gar nicht bewusst wirklich/richtig erkannt hat, DASS es sich bei diesem und jenem um sein Allereingemachtestes" handelt! Kein Scherz. Absolut nicht.

Wenn man sich aber halt irgendwie ganz unangenehm genau an diesen Stellen im wahrsten Wortsinn sowie in mehrfacher Bedeutung des Begriffes: getroffen fühlt, dann machen Leute oft dicht.

Denn es sind ja ihre "geheimsten" (mitunter also ihnen selbst nicht mal vollumfänglich bewussten) Schwachstellen, empfindlichsten Punkte bzw. Zonen. Da getroffen zu werden, ist immer äußerst schmerzhaft und reicht oft weit zurück ... genau, wie üblich: Kindheit und so (dazu zählt übrigens auch die Zeit der Pubertät!!).

Womit man sich also schon viele Jahre abschleppt, ohne die Last wirklich verringert bzw. viel mehr abgetragen zu haben, sich entledigt oder sie wenigstens verteilt oder modifiziert zu haben, damit hat man so seine liebe Not, wenn genau dieses Paket immer wieder ;) vorgekramt wird, einem vorgehalten bzw. noch Gewicht draufgeladen wird.


Der Andere macht das wie gesagt in vielen, wenn nicht den meisten Fällen unwissend. Im Gegensatz zu absichtlichem Schwächen-Treffen, um die man genau weiß - das gibt es auch, ja.

Es reicht aber einfach, dass man selber mit etwas eben schon seit längerer Zeit überhaupt nicht (wirklich) zurande kommt - man kann dann nämlich dem Anderen ja nicht einfach "versprechen", dass man daran "arbeitet", dass man bemüht ist, das zu verändern (bestimmtes Verhalten bspw.) - denn man hat mit sich selbst ja nun schon längere Zeit die Erfahrung gemacht, dass genau das einem (bisher) nicht gelang/gelingt. Und man ist es dann irgendwann auch leid, da ständig (sich bzw. etwas) verändern zu sollen ... - also: auch noch auf Druck/Erwartung von außen, von "Anderen". Weil: man es nicht kann. Zumindest bisher keinen Weg gefunden hat, es zu können oder anderweitig damit umzugehen, so dass es einen nicht mehr selbst behindert ...

Das hat alles wirklich furchtbar viel mit Kindheits(alt)lasten und Prägungen und eben Unbewusstem zu tun.
 

37 Grad (zdf) "Abgetaucht - Wenn Menschen den Kontakt abbrechen"

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