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Sabeth schreibt

Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie

Liegt Karen Duve in "Macht" wirklich so daneben, ist es tatsächlich überzeichnet, übertrieben, lächerlich: das, das sie darin "erzählt", beschreibt?

 
Nein, ich habe es (bisher) nicht gelesen, es wird allerdings überwiegend eher verrissen. Dabei kann man s i e wohl durchaus "total" verstehen. ;) - Und was sie wohl also schildert/beschreibt, jedenfalls zumindest "erzählt": findet ja statt. Auch die nicht seltene Wandlung derer, die sich vor einem Scherbenhaufen (ihres Seins, Wollens, Strebens, Mühens ...) sehen - und dann zu Tieren degenerieren bzw. zu Psychopathen, nicht selten: zu Bestien. Und auch ist es für jene geradezu typisch, dass sie sich selbst bemitleiden. - Letztlich ist es immer (u.a. auch) ein krankhafter und krankmachender Narzissmus, der hinter all der Egozentrik, Selbstsucht, Aggression, Wut, dem (Selbst-) Hass und der Depression steht. Und unsere Gesellschaften fördern diesen Narzissmus, ja sie erzwingen ihn geradezu.
 
Das Folgende ist aus oben stehendem Link/Text "Backen sollst du" (erschienen in der Freitag) zitiert.
 
"[...] Genau das, das Fehlen jeglichen Schuldbewusstseins, erzeugt beim Lesen ein heiteres Gruseln. Sebastian, ehemaliges Greenpeace-Mitglied und Foodwatch-Aktivist, erlebt sich selbst ja nicht als misogynen Widerling. Im Gegenteil: Die Emanzipation der Frauen habe er unterstützt, zumindest in Form von Lippenbekenntnissen, auch deshalb, weil es die einzige Art gewesen sei, eine intelligente Frau abzubekommen. Man habe also zwangsläufig mitmachen müssen in diesem Spiel, weil man nun mal keine vom Islamischen Staat abgerichtete syrische Braut haben wollte. Und wenn sein ehemaliger Mitschüler, Ingo Dresen, Teil der „Maskulo“-Szene, seine misogynen, antifeministischen Botschaften kundtut, überkommt Sebastian der Ekel. Es ist einfach so: Sebastian hält sich für einen guten Mann, einen, der den Frauen doch jedes Recht zugestanden hätte, wenn, ja wenn. Hätten sie die Männer nur nicht überflüssig gemacht in diesem Staatsfeminismus, in dem Fahrradfahren ohne Helm unter Strafe steht und Olaf Scholz „Herr Bundeskanzlerin“ ist. Sebastian kann sich wirklich darüber aufregen – wenn er nicht gerade seine Exfrau vergewaltigt. [...]
 
Die Pointe des Romans, dessen böse Bissigkeit man mögen muss, besteht darin, dass es nicht die offenen Frauenhasser sind, deren Lust an der Unterwerfung plötzlich hervorbricht. Es sind die „frauenbewegten“ Männer, die an der Seite ihrer Karrierefrau Bedeutungslosigkeit erleben. Sebastian sagt selbst: „Es gibt keine Gleichheit zwischen Männern und Frauen, es gibt nur Sieger und Besiegte.“ Als Leserin fragt man sich, ob diese Gier nach Macht über Frauen tatsächlich tief in den Seelenkellern so mancher Männer lauert. Man wischt den Gedanken weg. Ist doch albern, oder nicht?"
 
... oder nicht. Denn es ist inzwischen schon durchaus ziemlich offensichtlich, was sich in wohl leider nicht wenigen Männerhirnen tatsächlich abspielt - wenn wir uns vergegenwärtigen, wie Männer sich verhalten und auch (sogar öffentlich) äußern - denken wir an Pornographie, Prostitution, weit verbreiteten Sexismus (subtilen wie plakativen und plakatierten), denken wir an die doppel-/scheinmoralischen Texte im Zusammenhang mit den "sexuellen Übergriffen von Köln", denken wir an all die ungezählten Witzchen, kleineren und größeren sexistischen Äußerungen und Übergriffe, die wohl jede Frau im Lauf ihres Lebens erlebt, erfährt, erleidet und meist: erduldet ... . Und denken wir nicht zuletzt an sogen. pick up artists, an Maskulisten/Anti-Feministen, an Chauvinisten und Männer, die Mütter als "milf" bezeichnen und eben genau so sehen und behandeln (wollen). - Und dann bleibt uns nur noch das Kotzen. Freunde. Gell? ;)
 

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