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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Über Gendern, das "Feminat", Biologismus, die "natürliche Geschlechterordnung", Ideologie

 
update 28. Juli 2022
 
Gendern
 
1. Ja, Sprache, Denken, Fühlen und Verhalten/Agieren hängen bekanntlich eng zusammen.
 
2. Ja, unsere Sprache ist nach wie vor androzentrisch, auch exkludierend.
 
3. Das ändert sich aber nicht durch bloßes Anhängen von "-innen", durch Lücke, Stern, Unterstrich.
 
Wir ändern das Denken, Fühlen, Verhalten, die Überzeugungen, Menschenbilder, das Frauenbild von Menschen nicht auf positive, wohltuende, gebotene, gerechte, prosoziale Weise, indem wir bestimmte Menschen durch Lücken und als! Anhängsel genau damit n o c h deutlicher herabsetzen.
 
Vor allem ändert man kritikwürdige Verhältnisse, Umstände, Verhaltensweisen, Denkmuster, Stereotype, Klischees, Ausgrenzung, Marginalisierung, Diskriminierung nicht n u r durch - verunstaltete - Sprache, sondern durch Reflexion und Taten, Lebenspraxis.
 
Und erst im Anschluss daran kann, wird sich das auch in angemessener, gebotener, passender Weise in einer dann - grundlegend - anderen Sprache, Sprachpraxis, Sprachanwendung, Sprachausdruck manifestieren.
 
Es gibt nicht weniger Vergewaltigungen, Sexismus, Genitalverstümmelung, Unterdrückung, Ausbeutung, Femizid, Rassismus, Marginalisierung ..., nur weil Leute jetzt überall Lücken, Sterne, Unterstriche schreiben und sprechen. Es ist nicht einmal kosmetische Symptombehandlung.
 
Die einzige Wirkung, die dieses "Gendern" hat, haben kann und offenbar auch nur diese haben soll, ist, dass jene, die sich selbst als woke, reflektiert, intellektuell und moralisch richtig/gut wähnen (möchten), sich eben dies hierdurch gegenseitig zu bestätigen versuchen.
 
Und vielleicht hinterfragen wenigstens einige auch mal, wie Gendern und Trans, geschlechtliche, letztlich personelle, gesamte persönliche Identität, das Ausradierenwollen biologischen Geschlechts zusammenhängen könnten. ;)
 
Wann hören "links-grün-woke" Leute auf, Identität hauptsächlich an Geschlecht, Gender zu koppeln, fast nur noch das mit Identität zu assoziieren? Und warum nicht? (Rhetorische Frage.)
 
Identität - Herkunft, Wurzeln, Eltern - Kohärenz. Identitätsbildung und Persönlichkeitsentwicklung. Biographie, "Biographiearbeit":
 
Ich darf jetzt also meinen Vornamen und mein Geschlecht (das biologische und/oder das soziale? ;) ) ändern lassen, aber meine direkten Vorfahren: meine leiblichen, biologischen Eltern darf, kann ich nicht kennenlernen? Kindeswohl, Kinderrechte?
 
LGBTQIA
Wie oft muss man noch wiederholen, dass und warum das Unsinn, einfach falsch und gefährlich ist? Das eine ist sexuelle Präferenz, Neigung (LGBA: homo-, bi-, asexuell - hetero kommt da ja gar nicht erst vor). Das andere ist sexuelle, geschlechtliche IDENTITÄT (TIQ).
 
Und nein: sexuelle Orientierung, Präferenzen, Neigungen, Interessen sind gerade n i c h t dasselbe wie sexuelle, geschlechtliche, persönliche Identität. Und Identität ist weit mehr als nur sexuelle, geschlechtliche.
 
Vielleicht mal andenken, was dieses gegenwärtig verschärfte Agenda Setting bzgl. Trans, Selbstbestimmungsgesetz", Gender, Flinta, Pronomen, Geschlecht, Identität mit dem WEF, Great Reset, Transhumanismus, Totalitarismus zu tun haben könnte.
 
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14. April 2022
 
Zur Regenbogenflagge an Bundesgebäuden - von Regierung getätigte, jedenfalls angeordnete, vollzogene Beflaggung
 
1. Neutralitätsgebot, statt Ideologiedemonstration und Propaganda.
 
Hier geht es nicht um "den Staat" (Volkssouveränität - das Staatsvolk als souveräner Träger der Staatsgewalt), sondern um seine Repräsentanten, also um die Regierung, Regierungsmitglieder.
Für diese gilt in ihrer Funktion, in ihrem Amt: "Die Verpflichtung des Staates auf Neutralität kann keine andere sein als die Verpflichtung seiner Amtsträger auf Neutralität, denn der Staat kann nur durch Personen handeln.
 
Allerdings muss sich "der Staat" nicht jede bei Gelegenheit der Amtsausübung getätigte private Grundrechtsausübung seiner Amtsträger als eigene zurechnen lassen. Eine Zurechnung kommt aber insbesondere dann in Betracht, wenn der Staat – wie im Bereich der Justiz – auf das äußere Gepräge einer Amtshandlung besonderen Einfluss nimmt." Siehe in der verlinkten Quelle, BVerfG, unter Punkt 3.
 
 
2. Die Regenbogenflagge ist nicht nur ein Symbol für sexuelle Identität und/oder sexuelle Präferenzen, sondern - mit anderer Farbanordnung - ursprünglich die PACE-Fahne der Friedensbewegung, insbesondere von NATO-Gegnern.
 
 
3. Vielleicht sollten "wir" vor diesem Tatsachenhintergrund den Toleranzgedanken und die vielbeschworene Toleranzpraxis noch einmal und dann etwas gründlicher überdenken, reflektieren.
 
 
Wer beflaggt denn die Staatsgebäude - auf wessen Geheiß hin?
Und welche anderen, bisherigen "in Gesetze geronnenen Werte" werden seit wann wie häufig via Beflaggung "sichtbar gemacht, gezeigt" - und warum all diese anderen Werte bisher in dieser Weise nicht?
Wie verhält es sich bspw. diesbezüglich, Armut, mit Werten, "nationalen Gedenktagen", Beflaggung von Bundesgebäuden, um Werte?, Ethik?, Solidarität wenigstens symbolhaft auszudrücken?
 
Es geht dabei, Regenbogenflagge, Beflaggung von Staats-, Bundesgebäuden, ja vorgeblich um Grundrechte, Selbstbestimmung, Menschenwürde - wann wird auf dem Bundestagsgebäude dann die Flagge für Unbemittelte #IchBinvonArmutbetroffen, misshandelte Kinder, Vergewaltigte, Justizopfer u.v.a.m. gehisst?
 
Identitätspolitik via Beflaggung von Bundesgebäuden:
 
"Samuel Salzborn kritisiert die „kollektiv-repressive“ Identitätspolitik, wie er sie etwa in den Critical-Whiteness-Ansätzen (Kritische Weißseinsforschung) am Werk sieht, als nahezu identisch mit völkischen Konzepten der extremen Rechten: Es werde nicht mehr pluralistisch über Ziele und Inhalte diskutiert, vielmehr reduziere diese Identitätspolitik „alles und jeden auf eine vermeintliche Identität und hierarchische, antiemanzipative Vorstellungen von irreversiblen ‚Sprechorten‘ innerhalb von Gesellschaften“. Der Kampf um Identitäten ersetze „Emanzipation durch Repression“."
 
update 29.07.2022
 
Übrigens: Ich finde mich in "Schwarz-Rot-Gold", Deutschlandfahne, -flagge, (ebenfalls) nicht wieder, sehe mich hierdurch nicht gemeint, nicht vertreten, repräsentiert, denn ich bin keine Nationalistin, keine Patriotin, durchaus aber Staatskritikerin.
 
Staat Nation Macht
 
"Ein Volk ist stets eine ziemlich engumgrenzte Gemeinschaft; eine Nation aber umfaßt in der Regel eine ganze Anzahl verschiedener Völker und Völkerschaften, die durch mehr oder weniger gewaltsame Mittel in den Rahmen einer gemeinsamen Staatsform gepreßt wurden. In der Tat gibt es in ganz Europa keinen Staat, der nicht aus einer ganzen Reihe der verschiedensten Völkerschaften besteht, die ursprünglich durch Abstammung und Sprache voneinander getrennt waren und lediglich aus dynastischen, wirtschaftlichen oder machtpolitischen Interessen gewaltsam zu einer Nation zusammengeschweißt wurden. [...]
 
Aber jene Völker, die im Namen der nationalen Befreiung das Joch einer verhaßten Fremdherrschaft von sich abschüttelten, haben dadurch auch nichts gewonnen; in den meisten Fällen haben sie nur ein neues Joch auf sich genommen, das häufig viel bedrückender ist als das alte. Polen, Ungarn, Jugoslawien und die Randstaaten zwischen Deutschland und Rußland sind klassische Beispiele dafür. Die Verwandlung menschlicher Gruppierungen in Nationen, das heißt in Staatsvölker, hat der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung Europas keine neuen Ausblicke erschlossen; sie hat sich vielmehr zu einem der festesten Bollwerke der internationalen Reaktion ausgewachsen und ist heute eines der gefährlichsten Hindernisse für die soziale Befreiung. [...]
 
Damit aber der Wille der wenigen der Wille aller werde – denn nur so kann er seine volle Wirksamkeit entfalten –, müssen alle Mittel des geistigen und seelischen Drills herhalten, um ihn im religiösen Bewußtsein der Massen zu verankern und ihn zu einer Sache des Glaubens
zu gestalten. Die wahre Stärke jedes Glaubens aber liegt eben darin, daß seine Priester die Trennungslinien, welche den «Rechtgläubigen» von dem Bekennertum anderer Glaubensgemeinschaften scheiden, möglichst scharf herausarbeiten. Ohne die Ruchlosigkeit des Satans wäre es um die Größe Gottes schlecht bestellt. – Nationale Staaten sind politische Kirchengebilde. Das sogenannte Nationalbewußtsein, das dem Menschen nicht angeboren, sondern anerzogen wird, ist eine religiöse Vorstellung;man ist Deutscher, Franzose oder Italiener, wie man Katholik, Protestant oder Jude ist."
 
 
Warum gibt es - weltweit - noch immer so viele Menschen, die sich vermeintlich freiwillig unterwerfen wollen: einem Staat, "Gott", einer Religion, Ideologie ..., die sich selbst verknechten? Antwort: Autoritarismus, Kindheit, Prägung, Sozialisation, Patriarchat, Selbstbetrug.
 
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update 29.12.2020
 
Vielleicht kann mir jemand mal grundsätzlich zum besseren Verständnis hinsichtlich Transsexualität, Intersexualität, doing gender, Geschlecht helfen:
 
Vorab meine persönliche Sicht auf die Dinge, am Beispiel meiner Person.
 
Ich bin biologisch-geschlechtlich, physisch äußerlich weiblich (geboren), d.h. "Mensch mit Gebärmutter", Eierstöcken, entsprechendem Hormon- und Stoffwechselgeschehen, Vagina, Vulva, Brüsten, Menstruation, mit erfahrenen Schwangerschaften, Geburten und Stillzeiten.
 
Ich bin u.a. als biologische und soziale Frau (gender) und alleinerziehende, überzeugt ledige Mutter gesellschaftlich, politisch faktisch benachteiligt, belastet. Stichworte Sorge-Arbeit, Ausbeutung, Armut.
 
Als durch genetische Anlage, Prägung und Sozialisation sowie einhergehende und resultierende Erfahrungen beeinflusste, geformte Persönlichkeit habe ich unterschiedliche Eigenschaften, Persönlichkeitsmerkmale, Verhaltensweisen, Präferenzen, Abneigungen, Vorstellungen, Einstellungen, Überzeugungen, Gedanken, Gefühle, aber auch u.a. biologisch bedingte physische und psychische Befindlichkeiten, Stichworte Zyklus, Hormone, Menstruation, Wechseljahre.
 
Wer mich aus welchen Gründen von außen als eher "männlich" oder eher "weiblich" wahrnimmt, einordnet, tut das wiederum auf Basis seiner Vorstellungen, Prägungen usw. - nicht ausschließlich aufgrund meines Verhaltens, meines Selbstausdrucks, siehe auch Äußerlichkeiten, Aussehen, Habitus.
 
Ich selbst kann und auch andere können an mir Verhaltensweisen und Persönlichkeitsmerkmale, Eigenschaften benennen, die man unter "eher weiblich" oder "eher männlich" binär einordnen kann, keineswegs muss, sondern sich ebensogut geschlechtsneutraler Bezeichnungen bedienen kann, wie bspw.:
empathisch, kämpferisch, fürsorglich, durchsetzungsstark, temperamentvoll, fürsorglich, gewissenhaft, emphatisch, expressiv, extrovertiert, zärtlich, leidenschaftlich, dominant, impulsiv, feinfühlig, melancholisch u.a.m..
 
Ähnliches gilt für mein Äußeres, das man als "eher biologisch weiblich" einordnen kann, das ich selbst aber als androgyn wahrnehme und bezeichne.
 
Ich kann lange und kurze Haare tragen, Hosen, Röcke, Kleider, mich schminken oder es lassen, Schmuck tragen oder nicht, mich je nach Kleidung und Schuhwerk sowie äußeren Umständen, Witterungsverhältnissen, Anlässen, Umgebung und physischer sowie psychischer Befindlichkeit unterschiedlich bewegen usw..
 
All das gilt m.E. in ähnlicher Weise auch für andere Menschen.
 
Es ist also eine Sache, wer aus welchen Gründen wann von wem weshalb wie geprägt und sozialisiert wird (Familie, Kultur, Gesellschaft, Zeit), eine andere, dabei zugleich damit einhergehende, wer sich aus welchen Gründen wie selbst sieht (wahrnimmt, erlebt, einordnet) oder sehen will, sich weshalb wie selbst beschreibt, definiert, ausdrückt, zeigt.
 
Wenn ein "Transmann" bzw. eine "Transfrau" aufgrund vorhandener biologischer Körpermerkmale, Körpergeschehens schwanger wird und ein Kind gebärt, ist er dann dennoch biologisch eine Frau.
Auch wenn man diese "binäre Zuschreibung" weglässt, ändert sich nichts an den biologischen Voraussetzungen, die für Schwangerschaft und Geburt biologisch erforderlich sind.
 
Daneben sind wir alle individuelle Persönlichkeiten: unterschiedlich geprägt, sozialisiert und auch "biologisch ausgestattet",  mit verschieden wie auch ähnlich gemachten Erfahrungen.
 
Wo liegt das Problem?
Es liegt in Diskriminierung, Benachteiligung, sogar Beschädigung und diese findet seit Jahrtausenden global durch "patriarchal-konservativ-autoritäre Menschen" statt, die mehrheitlich dem biologisch männlichen Geschlecht zugehörig sind. Und das hat gerade nicht mit Biologie zu tun, sondern mit Sozialisation, Prägung, Kultur, Ideologie, patriarchal-autoritären Religion(en), mit Autoritarismus und Kompensationsbedürfnissen.
 
Im Grunde ist es doch völlig egal, ob ich Frau oder Mann bin, so lange ich nicht sozial, politisch, gesellschaftlich, ethisch und ethnisch benachteiligt, beschädigt werde.
Trotzdem habe ich einen Körper, eine Physis, unterliege biologischen Vorgängen - gleich, welches biologische oder soziale Geschlecht ich "habe", mir zuschreibe oder mir von anderen zugeschrieben wird.
 
Diese jeweilige Physis, Leiblichkeit beeinflusst selbstverständlich grundsätzlich auch mein, d.h. menschliches Wahrnehmen, Mich-Verhalten, mein Fühlen, Denken, meine Befindlichkeit ... .
 
Und diese Leiblichkeit hat erheblichen Einfluss auf die je eigene Persönlichkeitsentwicklung, Identitätsbildung, das Selbstbild, also auch das Selbstwertgefühl.
 
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Da am 29.12.2020 auf twitter "Menschen mit Gebärmutter" im Zusammenhang mit oben verlinktem taz-Artikel trendete, nachfolgend meine Stellungnahme hierzu.
 
Die Reduzierung auf rein biologische Merkmale, auf (vorhandene) Körperorgane tätigen eben jene selbst, die von "Menschen mit Gebärmutter", statt von Frauen, Männern sprechen.
 
Es g i b t nun einmal biologisches und soziales Geschlecht, Geschlechter, auch wenn beides nicht immer, nicht zwangsläufig in eins fällt.
 
Es gibt überdies auch kulturell geprägte, nicht nur politisch-ideologische Geschlechtsidentität, geschlechtliches Selbstverständnis, Leiblichkeit und vor allem je individuelle Persönlichkeit.
 
Ich bin nicht Frau, nur/erst dann, wenn/weil ich eine Gebärmutter habe und keine Frau mehr, wenn ich keine Gebärmutter mehr habe.
 
Ich bin nicht nur dann/deshalb Frau, weil/wenn ich Brüste habe, mich schminke, mich empathisch, fürsorglich verhalte, Röcke trage ... .
 
Warum sprechen wir bei Männern dann nicht auch konsequenterweise von Menschen mit Penis und Hoden?
Eben.
 
Es meint und ist absolut biologistisch, diskriminierend, da auf (nicht) vorhandene Körperorgane reduzierend:
"Menschen mit Gebärmutter" und "Menschen ohne Gebärmutter".
Solche Bezeichnungen sind genau das: reduktionistisch, biologistisch, unangemessen. Was bitte sonst.
 
"Menschen mit Gebärmutter" - dann nennt all jene, die eine Gebärmutter haben, sich aber nicht als Frauen verstehen, fühlen, identifizieren doch auch "Transmänner".
 
Eine Frau ohne Gebärmutter nennen wir auch nicht "Mensch ohne Gebärmutter".
 
Es gibt im Übrigen auch Frauen mit Gebärmutter, die - bedingt durch bspw. Verhütungsmittel, Hormonstörungen, Wechseljahre - nicht (mehr) menstruieren.
 
Es wird im taz-Artikel mal von "Menschen mit Gebärmutter", im Zusammenhang mit Schwangerschaft dann aber wieder von Frauen gesprochen. Sind Schwangere auch "Menschen mit Gebärmutter" - nicht Frauen, nicht werdende Mütter?
Oder sind "Menschen mit Gebärmutter" nur oder vor allem dann doch (wieder) Frauen, wenn/weil sie schwanger sind?
Das ist doch alles komplett biologistisch-reduktionistisch.
 
Was und wie ist denn für Transmänner bzw. Transfrauen überhaupt Frau-Sein, Mann-Sein? Wie definieren sie das - generell und je persönlich, an welchen Körpermerkmalen und/oder welchem Sozialverhalten orientieren sie sich selbst also?
 
Warum bezeichnen sie sich problemlos als Transmänner, haben aber eine so augenfällig ausgeprägte Aversion gegen das biologische und/oder soziale Frau-Sein?
 
Ich denke, wenn wir diese Fragen ehrlich, wahrhaftig beantworten würden, kämen wir der Sache, dem zugrundeliegenden Problem deutlich näher.
 
Es geht, so weit ich es bisher verstehe, darum, dass "Frau" und "Mann" als binäre Zuschreibungen nicht nur biologisch oder nur sozial verstanden werden sollen, genau das aber von trans- und inter-Menschen ihrerseits getätigt wird.
 
Dass und warum biologisches und soziales Geschlecht gerade nicht strikt trennbar sind, insbesondere nicht in patriarchalen Kulturen, Gesellschaften, wird durch z.B. Vergewaltigung und Femizid erkenntlich und bestätigt.
 
Diese "Übergriffe", Gewalttaten werden getätigt, w e i l Frauen und Mädchen sowohl biologisch bestimmte Geschlechtsmerkmale, -organe haben als auch weil sie sozial als Frauen, Mädchen, weiblich gesehen werden: von Tätern, die mehrheitlich Männer sind - "Menschen mit Penis".
 
Die Übergriffe, Sexualgewalt, Vergewaltigung, psychische Gewalt (die mit physischer Gewalt ausnahmslos immer einhergeht) wird getätigt, weil die Opfer dem jeweiligen Täter als sozial und biologisch "weiblich" und "devot", verfügbar gelten und der Täter sich als "männlich" versteht: biologisch und sozial wiederum.
 
Dieses antisoziale, gewaltvolle Kompensationsverhalten gründet sich auf Minderwertigkeitskomplexe solcher Täter und drückt sich aus in dem Demonstrieren, Ausagieren von Macht, Kontrolle, Unterwerfung, Ausbeutung, bis hin zu Sadismus, Misogynie, Vergewaltigung und Femizid, aber siehe auch Pornographie und Prostitution bzw. Freiertum.
 
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Es sind - aus bekannten Gründen - unhaltbare Vorurteile bezüglich der gender studies im Umlauf und Ziel ist, sie zu diskreditieren, um sich ihrer entledigen zu können, aus wiederum uralt bekannten, d.h. den immer selben Gründen - von "außerhalb" und "innerhalb" feministischer Kreise: Neid, Selbstschonung, Selbstgerechtigkeit, fehlende Solidarität und Bereitschaft zur respektvollen wie empathischen, aufgeschlossenen Auseinandersetzung, von "außerhalb" und insbesondere von konservativer und männlicher Seite: all das Aufgezählte und zusätzlich die Wut über Privilegien-, Deutungshoheits-, Machtverlust, einhergehend der Wille, zu spalten.
 
Ich bin nicht vom Fach (gender studies), denke aber, worum es grundsätzlich geht und m.A.n. auch gehen sollte, ist generell natürlich das Erreichen von Geschlechterparität, d.h. von Gleichwertigkeit, Gleichwürdigkeit (nicht "nur" Gleichberechtigung) der Geschlechter, dann aber auch um das Sensibilisieren für all die Folgen, die das soziale Geschlecht, somit also Vorstellungen, Erwartungen, Umgangs- und "Erziehungs-, Sozialisationsweisen", Normierungen, einhergehend bzw. daraus resultierend jeweils persönliche Glaubenssätze im Zusammenhang mit Geschlechterrollen, Verhaltensweisen ... umfasst, die durch gender hervorgerufen werden.

Ich denke schon, dass die ExpertInnen durchaus zwischen gender studies und gender mainstreaming unterscheiden (nicht nur können, sondern auch wollen), es nimmt diese Unterscheidung allerdings der Durchschnittsbürger eher nicht vor - mit bekannten Folgen: Vorurteilen, Abwehr bis hin zur Diskreditierung oder auch zur Misogynie und zum Sexismus.

Natürlich gibt es auch Biologie, das biologische Geschlecht, was jedoch wiederum nicht mit Biologismus gleichsetzbar ist, so aber von all jenen immer wieder gerne und aggressiv vorgenommen wird, die gender studies wie auch "den" Feminismus allzu gerne in Misskredit bringen möchten, weil es ihnen gerade um Privilegien-, Machterhalt, Definitions-, Deutungshoheit geht und somit gerade nicht um Geschlechterparität.

Selbstverständlich gibt es Unterschiede zwischen Individuen, die aber häufig nicht überwiegend oder gar ausschließlich aufgrund der Biologie zustandekommen, sondern aufgrund der je persönlichen Prägung (d.h. des Geprägtwordenseins), der Sozialisation, der jeweiligen Kultur, des Kulturkreises, in dem jemand aufwächst und aufgrund auch dessen, das je individuell, als genetische Anlage bzw. Persönlichkeit(sstruktur, mitgebracht wird und wie all das mit der jeweils persönlich erlebten, erfahrenen Umwelt korreliert.
 
Und klar, an dieser Stelle "schließt sich der Kreis", gelangen wir unweigerlich wieder zum sozialen Geschlecht - wie es wodurch zustandekommt, geprägt, geformt und auch konstruiert wird, mit welchen einhergehenden Normierungen, Zwängen, Beschränkungen, Erwartungen und daraus wiederum resultierenden Glaubenssätzen usw..

Selbstredend spielt hier auch Sprache eine gravierende Rolle.
 
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Hervorragende Analyse.
 
"[...] Erst mit der Moderne wurde das patriarchalische Geschlechterverhältnis richtig funktional. May Ayim, eine wichtige Protagonistin der Schwarzen deutschen Frauenbewegung, bringt die Veränderungen auf den Punkt:
 
„Auch wenn die Familie bereits im Mittelalter patriarchalisch gegliedert war und dem Mann als Hausvorstand rechtliche und soziale Privilegien einräumte, bildeten sich erst mit den veränderten Produktionsbedingungen wirtschaftliche und ideologische Strukturen, die nichterwerbstätige Frauen in die ökonomische und emotionale Abhängigkeit von Männern drängten. Mit der Trennung in Privatsphäre und außerhäusliche Produktion kam der – von der beruflichen und politischen Lebenswelt ausgeschlossenen – Bürgersfrau die Rolle der treusorgenden Gattin, Hausfrau und Mutter zu. Diese Entmachtung wurde verklärt und idealisiert, wobei im 18. Jahrhundert die Mehrzahl der deutschen Frauen dem neuen Frauenideal nicht entsprechen konnte, weil sie in Manufakturen und Fabriken Schwerstarbeit leistete.“ (1)
 
Das bürgerliche „Ideal“ prägte (und prägt) die moderne Gesellschaft – als „weiblich“ zugeschriebene gesellschaftliche Sphären wurden entwertet, dem privaten Bereich zugewiesen und sind bis heute nicht oder nur schlecht entlohnt. Als „männlich“ betrachtete gesellschaftliche Sphären – in Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und den oberen Rängen des Militärs – wurden hingegen aufgewertet, mit Prestige und gutem Einkommen ausgestattet. Dieses seit dem 16. Jahrhundert neu aufgekommene Geschlechterideal wurde naturalisiert, so dass noch heute einige meinen, das Bild der „friedfertigen Frau“ und des „kriegerischen Mannes“ in „den Genen“ finden oder bis in die Urzeit zurückverfolgen zu können.[...]
 
Der „kriegerische Mann“
Praktisch ist das Bild des „kriegerischen Mannes“ mit der bürgerlichen Geschlechterordnung verwoben. Es steht zudem im Zusammenhang mit der Entwicklung moderner Heere seit dem 18. und 19. Jahrhundert. Insbesondere die Entwicklung von Wehrpflichtarmeen und der damit verbundene Umbau von abgegrenzten Söldnertruppen und stehenden Heeren zu Wehrpflichtarmeen, die plötzlich die eine Hälfte der Bevölkerung direkt, die andere indirekt betrafen, prägen das Bild von Männlichkeit und Militär bis heute. Militär galt (und gilt) als Schule, den „Jüngling zum Manne zu machen“.

Damit erscheint die Öffnung der Armeen für Frauen paradox. Wir werden aber im Folgenden sehen, dass das keineswegs so ist. Vielmehr werden mit Männlichkeit verbundene Attribute im Militär weiterhin erhalten – sie sind nicht weiter zwingend an ein Geschlecht gebunden. Es ist für die Analyse sehr hilfreich, Männlichkeitskonstrukte aufzuzeigen und zu hinterfragen, sprich, die Genderbrille aufzusetzen. Auf diesem Weg lassen sich Kameradschaft, Machtstrukturen und das Prinzip von Befehl und Gehorsam dekonstruieren und damit effektiv hinterfragen. Frauen erschüttern das Bild von Männlichkeit nicht, vielmehr passen sie sich ein. In dominanten Männerstrukturen werden Frauen als Minderheiten wahrgenommen und entsprechend behandelt. [...]
 
Für die Debatte um Kriegsursachen und eventuelle Ansätze (friedlicher) Konfliktlösung ist der Blick auf die Geschlechterrollen, die sich in Krisensituationen darstellen, bedeutsam. Für Männer ist die Rolle klar – das bürgerliche „Heldenepos“ habe ich gerade kurz skizziert. „Frauen und Kinder“ werden demgegenüber zusammengedacht und als besonders verletzlich und gefährdet, als Opfer gesehen, die heldisch vom Manne verteidigt werden und/oder wegen ihnen Krieg geführt werden müsste. Damit wird militärisches Eingreifen legitimiert, der Gegner wird als Vergewaltiger und Brandschatzer dämonisiert. Letzteres gilt insbesondere für die kämpfenden Männer des Gegners, im Gegensatz zu den eigenen Männern, die als „ehrenvoll kämpfend“ stilisiert und bei denen die entsprechenden Menschenrechts- und Völkerrechtsverletzungen entweder verschwiegen oder als alternativlos und bedauerlich eingestuft werden. Es wird damit in der eigenen Bevölkerung eine Aggression gegen die „Anderen“ angestachelt. Frauen wird der Status als handelnde Subjekte genommen, sie sind damit nicht nur Teil der Begründung militärischer Gewalt, sondern es wird ihnen damit auch das Recht abgesprochen, aktiv an der Entwicklung einer Friedenslösung beteiligt zu sein. Erfahrungen aus Konflikten, u.a. aus Initiativen und Aktionsplänen, die sich im Anschluss an die UN Resolution 1325 (Frauen, Frieden und Sicherheit) entwickelten, belegen, dass die gleichberechtigte Teilnahme aller Beteiligten – gerade auch von Männern und Frauen – zu besseren Ergebnissen führt, als wenn nur elitäre gesellschaftliche Kreise eingebunden werden und entscheiden. [...]
 
Susann Brownmiller hat 1980 als eine der ersten das zugrunde liegende Konzept – hier für Männer als Täter – beschrieben:
 
„Vergewaltigung durch erobernde Soldaten zerstört bei den Männern der unterlegenen Seite alle verbliebenen Illusionen von Macht und Besitz. Der Körper der geschändeten Frau wird zum zeremoniellen Schlachtfeld, zum Platz für die Siegesparade des Überlegenen. Und die Tat, die an der Frau verübt wird, ist eine Botschaft unter Männern - deutlicher Siegesbeweis für den einen, Dokument der Niederlage für den anderen." (2)
 
Argumentationsfiguren zur Legitimierung des Militärischen und von Krieg
Zur Legitimierung von Krieg werden (im Übrigen nicht erst seit kurzem) Frauen- und, ganz allgemein, Menschenrechte sowie neuerdings auch die Rechte von Homosexuellen angeführt. Das ist in mehrfacher Hinsicht problematisch, insbesondere dann, wenn die Forderung von den gleichen PolitikerInnen kommen, denen Fragen der Gleichberechtigung und der Diversität eher ein Dorn im Auge sind. Das Konzept dahinter nennt sich im Hinblick auf die Aneignung von Argumenten der Frauenemanzipation zur Rechtfertigung von staatlicher militärischer Intervention „embedded feminism“ bzw. „Femonationalismus“. Mit beiden Begriffen wird die Indienststellung westlicher Frauenrechtsdiskurse für imperiale Praktiken bezeichnet. Die Herrschenden nutzen also Argumente des Feminismus, um militärisches Handeln zu legitimieren – es gehe darum, Schwarze Frauen vor den Schwarzen Männern zu „retten“. Diese Argumentationsfigur wurde bereits zur Rechtfertigung des deutschen Kolonialismus verwendet – schon damals argumentierten Regierende, aber auch Aktivistinnen der bürgerlichen Frauenbewegung, dass „die schwarzen Frauen“ gerettet werden müssten, vor „dem schwarzen Mann“; die „Rettung“ müsse durch die „zivilisierten“ weißen Frauen und Männer erfolgen.
 
Analog zur Indienstnahme von auf Frauenemanzipation zielenden Argumentationen werden mittlerweile auch „Homorechte“ für die Durchsetzung militärischer Interventionen instrumentalisiert. Dies wird als „Homonationalismus“ bezeichnet. Hierbei werden die Errungenschaften der lesbischen, schwulen und trans Bewegung als Aushängeschild genutzt, um „das Andere/Fremde“ herabzusetzen und einen Krieg zu legitimieren. Homo- und Femonationalismus sind Elemente einer Dominanzkultur, die sich gegen „die Anderen“ richtet – gegenwärtige insbesondere gegen MuslimInnen. Die Indienstnahme von Geschlechter- und sexuellen Verhältnissen zur Rechtfertigung von militärischen Interventionen werden als hegemoniale Praktiken des Globalen Nordens (also „des Westens“) gegenüber dem Süden immer offenkundiger.

Ein Beispiel: Im Rahmen der Rechtfertigung des Krieges gegen Afghanistan wurde es z.B.durch deutsche PolitikerInnen wie Horst Seehofer als notwendig beschrieben, die afghanischen Frauen vor den afghanischen Männern zu retten. Afghanistan und insbesondere die Taliban wurden als patriarchalische Gesellschaft gezeichnet – in Abgrenzung zur „emanzipatorischen“ deutschen Gesellschaft. Verschärfend wurden diese so definierten Zustände pauschal „dem Islam“ zugeschrieben. (Diese Zuschreibung entspricht in den heute geführten Debatten dem kaum mehr hinterfragten Mainstream.) Die daraus entstehende Konstruktion ist offenkundig: auf der einen Seite das erhöhte, aufgeklärte deutsche christlich-säkulare Subjekt, auf der anderen Seite das zu zivilisierende islamische Objekt. Dass in diesem Umfeld Konflikte nicht gelöst werden können, versteht sich von selbst.
 
Bundeswehrwerbung mit Diversität
Eine relativ neue Thematik ist die Indienstnahme von Diversität zur Werbung für das Militär. Ist diese Annahme eigentlich ein Widerspruch in sich, lebt doch Militär insbesondere von dem Prinzip Befehl und Gehorsam und einer ihm innewohnenden Uniformität, so drückt die Werbung das Gegenteil aus. Der Anteil an Frauen in der Werbung konkret der Bundeswehr und die Hervorhebung, dass die Bundeswehr offen für LSBTI* (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Inter*) sei, steht im klaren Widerspruch zum konkreten Handeln, wie beispielsweise die Studien „Truppenbild mit Dame“ (2011) und „Truppenbild ohne Dame“ (2014) des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr zeigen. Das Ziel hinter den Kampagnen ist klar. Indem sich die Bundeswehr als „familienfreundliche Arbeitgeberin“ und als „moderner, diversitätsoffener Betrieb“ wie jeder andere auch darstellt, wird der Eindruck erweckt, SoldatIn zu sein, sei ein Beruf wie jeder andere auch. Es werden neue Zielgruppen angesprochen, die dringend nötig für eine technologieorientierte Einsatzführung sind. Dass parallel dazu auf klassische männliche Bilder gesetzt wird, wie Technikbegeisterung und die eingangs diskutierten Kameradschaftsbilder, ist dabei offenbar kein Widerspruch. Die Friedensbewegung hat hierauf noch nicht ausreichend reagiert. [...]
 
Mit der Genderbrille betrachtet, diskutieren wir plötzlich über ein militarisiertes männliches Identitätskonstrukt, das sich zu dekonstruieren lohnt. Wir reden über die Indienstnahme von Geschlechterkonstrukten zur Legitimierung militärischer Intervention und über sexuelle Gewalt als Machtmittel. Gender ist mitnichten ein „Frauenthema“, sondern essentieller Anteil einer zukunftsgewandten Friedensanalyse und ziviler Konfliktlösung. Hier ist die Friedensbewegung gefordert, sowohl analytisch, als auch in praktischen Aktionsformen."
 
Quelle: dfg-vk.de - "Ein Blick auf Männlichkeiten (...)"
 

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