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Sabeth schreibt

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Poesie Melancholie Philosophie

Integration - eine Frage des Angebots

 
Integration ist eine Frage des Angebots und der - global erforderlichen - Säkularisierung.

Ja, autoritäre Systeme machen genau dies - Demokratisierung, den Übergang, die Möglichkeit zu einer offenen Gesellschaft - unmöglich.
 
Und zugrunde liegt all dem vor allem patriarchaler religiöser Glaube - also Ideologie und Indoktrinierung, Prägung von frühester Kindheit an.
Eine solche Indoktrinierung oder auch "nur" Prägung werden die meisten auf solche Weise geprägten Menschen lebenslang nicht los - auch deutsche Gläubige (insbesondere Katholiken) nicht.
Genau das ist ja auch Ziel und Zweck solcher Indoktrinierung. Und das seit Jahrtausenden: in sämtlichen alttestamentarischen/abrahamitischen, also monotheistischen, patriarchalen Religionen: Judentum, Christentum, Islam, die alle das patriarchale, gewaltvolle Alte Testament zum Fundament haben.
 
Auch im "christlichen Abendland" war es ein langer, gewaltgeprägter Prozess der Emanzipation: die AUFKLÄRUNG, mit ihr einhergehend: die Säkularisierung und Demokratisierung.

Wir erinnern uns mal eben kurz an die Kreuzzüge, an all die Unterdrückung, Ausbeutung, Unterwerfung, Völkermorde durch Imperialismus, Kolonialisierung und einhergehende Missionierung (bspw. in Amerika, Afrika).
Wir erinnern uns an Ketzer- und Hexenverbrennung, an "Religionskriege" und wie lange es dauerte bzw. seit wann erst es im "christlichen Abendland" Demokratie(n) und offene Gesellschaft gibt - im Grunde: bis heute nicht vollständig, auch nicht in Deutschland, aber im Vergleich zu anderen Staaten, Regierungsformen, Diktaturen durchaus eher .
 
Man wird niemanden durch Zwang, Druck, Kontrolle, Strafe zu "Veränderung" bewegen können, zu (Selbst-) Reflexion und -Kritik und (idealerweise) entsprechend/einhergehend veränderten Verhaltensweisen.
Sondern nur, indem Menschen sich selbst - auf Basis von Lebenspraxis, von Erfahrung - davon überzeugen können, was für sie und andere aus welchen Gründen besser, angenehmer, wohltuender ist, "sich anfühlt" und indem es für sie Möglichkeiten gibt, das auch leben zu können - und in Folge die Verhältnisse in ihren Herkunftsländern entsprechend verändern, reformieren zu wollen - und es vor allem: zu können, zu d ü r f e n.
 
Das wiederum ist nur möglich, wenn "wir" Schurkenstaaten und Despoten nicht noch länger sogar hofieren, unterstützen, mit Waffen beliefern und mit ihnen Handel treiben, als sei alles in bester Ordnung (weil wir auf ihre Rohstoffe angewiesen sind oder auch, weil wir sie ausgebeutet haben und es noch heute tun - siehe Kolonialismus, Landraub, unfaire Handelsabkommen ...).
 
Daher ist das Proklamieren einer "Leitkultur" nichts anderes als Kolonialismus, Imperialismus, ignorante, selbstgerechte Arroganz und Missionieren.
 
Worum es geht, ist, die Grenzen der Toleranz dort zu verankern und zu schützen, wo die offene, demokratische Gesellschaft negativ beeinträchtigt und/oder gefährdet wird - und dies sowohl mit rechtsstaatlichen Mitteln zu verhindern wie auch durch je persönliches Verhalten dem vorzubeugen.
 
Wir können uns jedoch so lange nicht über andere stellen, als wir selbst uns nicht in angemessener, gebotener Weise verhalten, also warum hängen Kruzifixe in staatlichen Schulen und Kindergärten? Warum genießt die Kirche auch in D-Land noch immer so viele Privilegien (siehe im blog dargelegt)?
Warum wird in staatlichen Schulen Religion nicht nur auf der Meta-Ebene unterrichtet bzw. stattdessen Philosophie - und lernen Kinder in der Grundschule zuerst die Schöpfungsgeschichte kennen statt die Evolutionstheorie?

Warum werden Frauen bei uns als Prostituierte benutzt, misshandelt und auch in/durch Pornographie entwertet? Warum gibt es kein Sexkaufverbot?

Warum sind Frauen und Mütter auch in Deutschland noch immer benachteiligt - nicht nur, weil sie weniger verdienen (gender paygap), sondern auch, weil die unentbehrliche Sorge-ARBEIT nicht als Arbeit, als Leistung anerkannt und entsprechend angemessen (existenzsichernd!) monetär honoriert wird - möglich, finanzierbar wäre das, aber es würde bedeuten, dass Frauen von Männern tatsächlich finanziell unabhängig sein könnten und eine echte Wahlfreiheit hätten, ob und wann sie in die Berufstätigkeit zurückkehren wollen/können ... .
 
Es lässt sich eine frühkindliche, ideologische Prägung nicht innerhalb weniger Monate oder Jahre "verändern" - häufig sind viele Jahre oder auch ein ganzes Leben hierfür erforderlich.

Es bedarf der entsprechenden Angebote für Menschen, die sich dem öffnen möchten - mit ein bisschen Deutschkurs und dem Getthoisieren von Geflüchteten und Asylsuchenden oder dem türkischen Gemüseladen um die Ecke (also der Erwerbstätigkeit, der finanziellen Unabhängigkeit von Migranten) ist es gerade n i c h t getan - Integration ist mehr und noch ganz anderes als das. Eigentlich. ;)
 
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Herzlichen Dank für diesen wundervollen Artikel, für insbesondere Ihr Engagement und den Einblick, den Sie Lesenden in Ihre gemachten Erfahrungen, gewonnenen Einsichten und Ihre Reflexion darüber geben, Gregor Hens. - Ja, ich möchte es spontan tatsächlich mit emotionaler "Färbung" ausdrücken. Solcher Beiträge, die bewegen, ohne auf Affekte zu zielen (!), die aus dem Alltag erzählen, die über die reale Situation von Menschen ("Migranten" wie Helfenden ...) berichten, bedarf es (mehr).
 
"[...] So bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Integration weniger eine Frage der Verpflichtung ist als des Angebots: Wer eine Gesellschaft zu schätzen lernt, wer Berufsaussichten oder andere Gründe hat, Deutsch zu lernen und die Landessitten zu verstehen, der tut es im Normalfall auch – und zwar mit einer Freude, die man in normalen Klassenzimmern und Seminarräumen nicht jeden Tag erlebt. [...]" Gregor Hens.
 
Integration: eine Frage des ANGEBOTS. - Exakt das ist es, genau darum geht es, eben dies: ist der richtige, angemessene Weg. Und das geht über bloß vorübergehende "Gastfreundschaft" weit hinaus:
 
Türen öffnen, statt sie zu schließen, Unterstützung anbieten, statt sie aufzuzwingen, fördern, statt fordern, Menschen mit WERTSCHÄTZUNG und RESPEKT begegnen, statt sie als Unterlegene, Berdohung, Last und Lästige zu betrachten, zu diffamieren und zu behandeln. - Wer "westliche" (lol), demokratische Werte verficht und "verteidigen" (lol) will (verteidigen müssen zu meinen glaubt), der muss MIT POSITIVEM SELBST-BEISPIEL VORANGEHEN, der muss diese Werte (vor-) LEBEN: auch und gerade im Alltag und das a l l e n: MENSCHEN gegenüber. AUCH UND GERADE IN PREKÄREN SITUATIONEN. - Wer auf diese Werte pocht, sich selbst jedoch wie ein trieb-, instinktegesteuertes, intellekt-, verstand"freies", charakter- und herz-/empathieloses Tier verhält, führt sich demonstrativ selbst vor und lässt die ihm scheinbar so "heiligen" Werte zur Karikatur werden - er VERRÄT sie: selbst.
 

Volker Pispers und Serdar Somuncu über Identität, Integration ...

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