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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Über (sexuelle) Objektifizierung von Frauen, über Narzissmus, Selbstdarstellung, Bestätigungssucht, Kapitalismus und Scham

01. Mai 2018
 
Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Das ist die eine Sache, eine andere ist es, Frauen Weiblichkeit und Männern Männlichkeit abzusprechen, aufgrund rein/nur äußerlicher Körpermerkmale. Und Menschen auf diese Körpermerkmale zu reduzieren.

Da müssten wir wieder die unliebsame Frage nach der Definition - wessen - von/für Weiblichkeit und Männlichkeit stellen - wer das jeweils aus welchen Gründen wie definiert oder definiert sehen will - mit vor allem welchen Folgen, mit welchem Nutzen und welchen Nachteilen ... für wen.

Und was also für wen aus welchen Gründen als "sexy" gilt und was nicht, hat wiederum genau damit zu tun: mit Prägung, Indoktrination, Sexismus (siehe bspw. in Werbung, Medien, Musik, Filmen, ohnehin in Pornographie) - nicht mit bloßer Biologie, wie die Biologisten so gerne behaupten.

Es gibt nun einmal erfreulicherweise unterschiedliche Menschen, so auch Körper(formen).
Es gibt unterschiedliche Geschmäcker.
Es gibt überdies auch Bisexualität (meiner Überzeugung nach weit verbreiteter als bekannt, vielleicht sogar "natürlich angelegt" - siehe ähnlich wie bei den Bonobos, wenn wir schon auf biologische Herkunft rekurrieren wollen).

Frausein, Mannsein, Menschsein, Persönlichkeit sein: ist weit mehr und anderes als bloße Äußerlichkeiten. Und was wer aus welchen Gründen für "sexy", erotisch, sexuell begehrens"wert" befindet, hat nicht nur mit Biologie zu tun, sondern eine Menge mit Kultur (ja, gender) und überdies und folglich mit nicht nur Äußerlichkeit, nicht nur rein materieller Physis und nicht nur mit Trieb (-haftigkeit).

Vielleicht liegt der Umstand, dass nicht wenige Männer das jedoch offenbar genau hierauf (Biologie, Trieb, Polarität) reduzieren (wollen - nur können?) an ihrer jeweiligen Entwicklungsstufe, an mangelnder Reflexionsfähigkeit, Persönlichkeitsreife, vielleicht sind solche Männer wie aber auch Frauen auf einer unterkomplexen, unreifen Entwicklungsstufe des Menschseins stehengeblieben?
 
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Geschmäcker sind ja so verschieden und Schönheit liegt im Auge der/des Betrachtenden. - Na dann isset doch juut. Deshalb gibt es auch keinen Sexismus und "Körperoptimierung" via Operationen etc.. ;)
 
Dass wir uns nicht falsch verstehen:
Ja, auch in gesundem Ausmaß praktizierter Sport "optimiert" den Körper, nur ist der Haupteffekt gesunder, regelmäßiger sportlicher Betätigung eben Gesundheit, Vitalität, Wohlbefinden, der erfreuliche Nebeneffekt ist zumeist, dass der Körper attraktiv aussieht und sich auch "gut anfühlt" - auch gerade von innen: für den Träger dieses Körpers selbst.
 
Und ja: Wir sind - erfreulicherweise - alle keine normierten Barbiepuppen, auch keine männlichen und Vielfalt ist zweifelsohne was Feines, Wichtiges und schön ist bekanntlich, wen man liebt. - Geschenkt.
 
Das ändert aber nichts daran, was wer aus welchen Gründen zu welcher Epoche jeweils optisch attraktiv findet und was nicht. Und ja, das hat wohl durchaus mit Biologie zu tun: dass ein (optisch) junger, gesunder, vitaler Körper attraktiv, anziehend wirkt. Aber das muss an dieser Stelle nicht vertieft werden, führt zu weit ab.
 
Und nein: Wir sind gerade nicht unserer Biologie vollständig und alleinig unterworfen, eher unseren Prägungen, unserer Sozialisation, unserer genetischen Anlage und unseren bisher gemachten Erfahrungen und wie wir diese auf der Basis unserer Prägung, Sozialisation und genetischen Anlage einordnen ... .
 
Wir können jemanden optisch, äußerlich attraktiv finden, ohne ihn deswegen haben, besitzen, konsumieren zu wollen. Wir freuen uns über den Anblick - gleich, welches Geschlecht dieser Mensch hat. Wir freuen uns auch über den Anblick schöner Natur, ohne sie uns einverleiben, ohne sie konsumieren oder gar missbrauchen zu wollen.
Und wir können jemanden lieben und auch sexuell begehren, den wir auf den ersten Blick vielleicht gar nicht rein äußerlich so attraktiv finden.
 
Wie gut, dass eine Persönlichkeit mehr ist als nur ihre optische Erscheinung. Aber ihre optische Erscheinung ist deshalb keineswegs irrelevant.
 
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Zu oben verlinkter arte-Dokumentation "Embrace - Du bist schön":
 
Ich bin da zwiegespalten. Sicher sind wir alle von medialen Darstellungen erheblich beeinflusst, grundsätzlich präferiere und proklamiere ich keine genormten Körper, wo bliebe da die Individualität, die Vielfalt.
 
Grundsätzlich sehe ich ein gravierendes Problem vor allem in der sexuellen Objektifizierung von nach wie vor mehrheitlich Frauen - weltweit, siehe Pornographie, Frauenkauf/Freiertum (Prostitution), siehe all den Sexismus in Filmen, TV, Werbung, auf Plakaten, in Zeitschriften, in Musikvideos etc..
 
Würden wir das beheben und insbesondere Mädchen und Frauen nicht mehr auf ihr Äußeres reduzieren bzw. nach selbigem vorrangig beurteilen, einordnen, auch verurteilen - nicht nur also nach vermeintlicher "Schönheit" bzw. rein äußerlicher Attraktivität (gegen die nichts einzuwenden ist und die im Auge des Betrachters liegt), sondern vor allem, denn darum geht es ja bei all den Darstellungen von Frauen hauptsächlich: nach ihren durch insbesondere Pornographie genormten/normierten sexuellen Attributen, sexuellen Reizen, nach sexistischen Aspekten also, wäre viel erreicht.
 
Frauen und gerade Mädchen stattdessen vor allem nach ihrer Persönlichkeit, ihrem Charakter, ihren geistigen, handwerklichen, sozialen, kooperativen, kreativen, musischen, technischen, emotionalen ... Fähigkeiten, Kenntnissen und Taten beurteilen - und gleichermaßen hat dies selbstredend auch für Männer zu gelten, ohne dabei der kapitalistischen Leistungsideologie zu folgen, ihr zu unterliegen.
 
Schluss also mit Porno, Frauenkauf/Freiertum, mit sexueller Objektifizierung, Instrumentalisierung, Vermarktung, mit Ökonomisierung von Sex, Liebe, Menschen (Menschenmaterial).
 
Aber:
Der andere Aspekt ist der, dass wir aufgrund unserer heutigen, im Grunde doch ungesunden Lebensweise (siehe in Bezug auf Ernährung, Bewegung, Entspannung, Art zu arbeiten, zu wirtschaften, Handel zu treiben, zu wohnen ...) die sogenannten Wohlstandsleiber haben, die durch eben diesen Lebens"stil" sichtbar und spürbar gezeichnet sind und die man (nur) deshalb, weil es sie gibt und weil sie aus genannten Gründen entstehen, zunehmen, nicht persönlich als attraktiv oder schön empfinden oder bezeichnen muss oder müssen sollte.
 
Der Mensch, d.h. eine individuelle Persönlichkeit ist mehr als sein Äußeres, aber die Leiblichkeit eines Menschen, sein physisches Befinden, sein Körpergefühl ... prägt und beeinflusst ihn täglich (gerade im Alltag) durchaus erheblich (oft intensiver als uns das bewusst ist), spielt eine Rolle für auch seine Identität, sein Selbstbild - und das gerade nicht nur aufgrund Beurteilungen anderer, sondern aufgrund des eigenen Gefühls mit und in diesem Körper.

Gerade durch das Altern (und hierdurch etwaig erlebte Einschränkungen, bspw. der Vitalität, Energie, physischen Kraft, Ausdauer ...) wird uns das zumeist dann doch bewusst oder auch, wenn wir verletzt oder krank sind, uns krank fühlen.
 
Häufig ist Bewegung, sportliche Betätigung für den menschlichen Körper wohltuend, wirkt sie sich positiv auf seine Gesundheit, sein Wohlbefinden, seine Psyche, sein Selbst(wert)gefühl aus und wer sich häufig/regelmäßig und langfristig in gesundem, wohltuendem Rahmen sportlich betätigt und gesund ernährt, dem wird man dies zumeist auch äußerlich ansehen, d.h. diese Menschen werden mehrheitlich (von krankheitsbedingten Ausnahmen abgesehen) keine stark übergewichtigen Wohlstandsleiber haben.
 
Vor diesem Hintergrund finde ich es wichtig, eben solche sportlichen Körper - geschlechtsunabhängig - durchaus attraktiv, vielleicht sogar den gesamten Menschen schön finden zu können, zu dürfen, sie (diese Körper) nicht verstecken, aber eben auch nicht "anpreisen", vermarkten zu müssen, zu sollen oder zu wollen und vor allem sie nicht sexistisch/objektifizierend zu missbrauchen.
 
Vielleicht sollte es also eigentlich darum gehen, (wieder) bedürfnisorientiert eben zu k ö n n e n, wofür es entsprechende Voraussetzungen geben muss, siehe oben erwähnt: arbeiten, wirtschaften, wohnen ....
 
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... Nicht "wieder" - leider: immer noch.

... Nicht "wieder" - leider: immer noch.

Im Folgenden meine Replik auf einen facebook-Kommentar:
 
Fehlerhafte Analyse.

Was heißt "der Lauf der Natur ist auf Reize gebaut"? Bei wem? Männer reagieren auf visuelle Reize sexuell offenbar intensiver als Frauen - also sprechen wir hier schon mal nicht von "der" "Natur", sondern von Männern und ihrem Sexualtrieb.
Selbst wenn es sich so verhielte, ist das längst noch keine Rechtfertigung dafür, Frauen auf diese "Reize", auf Körper (-attribute, -merkmale, -teile) zu reduzieren, indem mann nur diese Körperteile zeigt oder sie demonstrativ hervorhebt - und dabei die Persönlichkeit (siehe sogar Kopf, Gesicht) der jeweiligen Frau vollständig außenvorlässt, ja aktiv entfernt/abschneidet.
 
Ich wiederhole, was ich oben schrieb: Wie würde es Männern gefallen, wenn auf etlichen Werbeflächen (Plakaten, in unzähligen Zeitschriften, in TV-Werbespots, Filmen, Musikvideos ...), große, erigierte Penisse nicht nur gezeigt, sondern in den Bildmittelpunkt gerückt würden mit zusätzlich objektifizierenden Sprüchen dabei? - Ich weiß ja nicht in welcher Welt du lebst, aber das findet umgekehrt mit Frauenkörpern/-körperteilen statt - Frauenmünder, die als Pissoires dienen, gleichermaßen Frauenhintern mit Beinen dran: zum Reinpissen.

Etliche Werbeplakate, auf denen nur Po und nackte Beine von Frauen zu sehen sind, allenfalls mit high heels ... Frauen, die in unmissverständlich sexuell konnotierten Posen und mit entsprechendem Gesichtsausdruck für was auch immer (Alltags-, Gebrauchsgegenstände wie bspw. Waschmaschinen, Autos ...) "werben": s o l l e n.
 
Aber klar: Es gibt keinen Sexismus, keine Objektifizierung von Frauen und Porno ist auch keine gefilmte sexuelle Gewalt und bei Prostitution geht es auch nicht um Frauenkauf, um Macht und Unterwerfung, Erniedrigung, Entwertung, sondern um "Sex".
 
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