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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Über den "neuen Mann" - über Männlichkeit, Mannsein, Menschlichkeit, Mensch sein

 
Über Männlichkeit, Mannsein, Menschlichkeit - Menschsein
 
Ohne Zweifel war und ist es leider nach wie vor erforderlich, dass Männer sich eigeninitiativ, engagiert, tatkräftig, nicht nur theoretisch, verbal bewegen, entwickeln, reifen - Kriege, Folter, Gewalt, Frauenkauf, Freiertum, Pornographie, Sexismus, gender pay gap, das weltweite Ausbeuten von Frauen als gratis Sorge-Arbeit-Leistende (mit der Folge, dass u.a. deshalb mehr Frauen als Männer weltweit von materieller Armut betroffen, beschädigt sind), aufschrei und metoo, FGM (weibliche Genitalverstümmelung), die Diskriminierung und Misshandlung - häusliche Gewalt, sexuelle Gewalt ... - von Frauen und Mädchen weltweit (auch in Europa, auch in Deutschland), das nach wie vor aktuelle Verbreitetsein von patriarchalen, somit gewaltgeprägten, autoritären Religionen, Ideologien (Judentum, Christentum, Islam, aber auch Hinduismus), Femizid und noch etliches andere mehr belegen das in aller Deutlichkeit.
 
Die Verunsicherung von Männern ist mir dennoch nicht nachvollziehbar, denn zumindest ich erwarte von Männern nichts anderes als von Frauen:
 
Herzens- und Charakterbildung, Rückgrat, Empathie und mehr noch Mitgefühl, intrinsische Moral (statt religiös oktroyierter) und entsprechendes prosoziales Verhalten, Selbstreflexion, Zivilcourage, Humor, Vernunft, Liebesfähigkeit, Integrität, Individualität (Streben nach Selbsterkenntnis, Reflexion und Reifung eingeschlossen sowie auch ein gewisses Maß an Nonkonformismus, Kreativität) - letztlich einfach: Menschlichkeit im Sinne von zwar und durchaus Unvollkommenheit, aber dem Wunsch und aktiven Streben nach Humanismus, Persönlichkeitsreifung, Liebesfähigkeit - Teilen, Geben, Mitfühlen.
 
Und dann gibt es einfach persönliche Vorlieben und Abneigungen, bspw. in Bezug auf Äußerlichkeiten. Diese haben durchaus sicher eine Menge mit Prägung, Sozialisation, also auch Kultur, Gesellschaft, gender zu tun, sind aber eben deshalb auch selbstkritisch reflektierbar, wandelbar, veränderbar bzw. einfach je individuell.
 
Und in einer Partnerschaft/Beziehung will und brauche ich keinen Beschützer oder Versorger, sondern einen Gefährten auf Augenhöhe - inklusive Differenz(en), Widerstand, Herausforderung, aber eben auch Loyalität, bedürfnisorientierter, feinfühliger, nicht-paternalistischer Fürsorglichkeit, Verantwortung, Verbundenheit ... .
 
Ein von mir überaus geschätzter Mann war, ist, bleibt Pierre Bourdieu. Außerdem Erich Fromm, Arno Gruen. Als ebenfalls sehr geschätzter männlicher Zeitgenosse wäre bspw. David Graeber zu nennen.
 
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Ich weiß nicht, wo Frau von Friesen solche "revolutionären, jungen Väter" entdeckt haben mag, noch weniger, wie viele und wie lange/oft sie sie - im Alltag ;) - beobachtet hat (nicht nur kurz beim Sektempfang Reden schwingen oder auf der Straße, im Vorbeigehen), ich zumindest kann ihre Beobachtung und Einschätzung nicht teilen. Und was ist das für eine kuriose Zusammenstellung/Personenbeschreibung: "Sie tragen Bart, freuen sich auf Kinder, sind emotional weicher ... ." - Was hat das Barttragen damit zu tun bzw. warum wird es erwähnt? Und was genau bedeutet "emotional weicher"?
Hätte das nun irgendwo im Boulevard gestanden, hätte ich dem keine weitere Aufmerksamkeit beigemessen, aber was soll solches oberflächliche, offensichtlich auf partout "positiv" getrimmte Gerede beim dradiokultur? - Zu welchem Zweck, mit welcher Absicht?
 
Es klingt bei Frau von Friesen einfach leider nach nur Geplappere. - Wenn es (u.a.) um das vorgeblich vermehrte Barttragen von Männern gehen sollte, so hätte man sich diesem Phänomen auf adäquate Weise wenigstens anzunähern versuchen müssen - also herausfinden: In welchem Alter tragen Männer vermehrt Bart? Welche Art Bart jeweils? Aus welchen Gründen trägt welcher Mann Bart und für wie lange Zeit? Und sind es tatsächlich "junge Väter", die vermehrt "Bart tragen" (Vollbart?) - aus welchen Gründen tun sie dies und wie steht - wenn - gerade das Barttragen in Zusammenhang mit ihrem Vatersein? ...
 
Nur zur Vorbeugung von Missverständnissen:
Ich stelle keineswegs in Abrede, dass es "solche" "neuen" Väter gibt - die man mit Kind im Tragetuch in deren Freizeit auf der Straße sieht, die ihr Kind in die Kita bringen - sofern es der Job erlaubt ;), die zu Hause auch gelegentlich Windeln wechseln oder selbige einkaufen gehen ... , nur: Es ist dies noch längst keine Mehrheit, es ist dies längst noch nicht Usus und von gar einer "Revolution" "neuer" Väter kann daher kaum die Rede sein.
 
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