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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Die Vulva, ihr (Stellen-) Wert, ihre Bedeutung für Frauen, Männer, (hetero-) sexuelle Begegnungen, für weiblichen Selbstwert, weibliches Selbstverständnis ...

 
Keine faulen Kompromisse (mehr)
 
Was ich mir wünsche, sind Männer, denen es ein Anliegen, ein Bedürfnis, eine Lust und Freude ist, den Frauen, mit denen sie sexuellen Kontakt, Umgang haben, auch und gerade ganz körperliche "Befriedigung", Erfüllung zu "schenken", zu geben - so, wie dies ungezählte Frauen seit Jahrtausenden rings um den Globus Männern gegenüber tun: g e b e n.
 
Ja, es hat dies also auch mit bedürfnisorientierter Fürsorglichkeit zu tun, vor allem aber mit Empathie, mit wirklicher, authentischer, in die Tiefe gehender, die Persönlichkeit berührender Erotik, Intimität und Leidenschaft - im Gegensatz zu bloß oberflächlicher, sexueller Mechanik oder gar grundsätzlich gewaltvoller, missbräuchlicher Pornographie.
Mit emotionaler Verbundenheit überdies und nicht zuletzt: mit Respekt und Wertschätzung.
 
Ich wünsche mir Männer, die das können und wollen: so, auf diese Weise geben. Die das selbst, freiwillig, aus eigenem Antrieb heraus wollen und unaufgefordert tun, sich entsprechend verhalten - denen dies eine Selbstverständlichkeit ist: das gegenseitige Nehmen und Geben, gerade auch auf sexueller Ebene.
 
Ich wünsche mir Männer, die Frauen nicht nur als Triebbefriedigungs-, Masturbatsionserweiterungs-, Sexdienstleistungsobjekt betrachten und benutzen, konsumieren, missbrauchen, sondern die gerade die Vulva und Vagina der Frau respektvoll, liebevoll, wertschätzend behandeln.
 
Hierzu ist unabdingbar erforderlich, dass Männer sich eingehend(er), aufmerksam, interessiert und lernwillig mit ihr befassen, beschäftigen, sich informieren und Erfahrungen sammeln: mit der Vulva der Frau, mit weiblicher Lust, weiblicher, weiblicher Anatomie, weiblichen sexuellen Bedürfnissen und Wünschen ... sowie auch den je persönlichen, individuellen Eigenheiten, Besonderheiten, Vorlieben und Abneigungen von Frauen.
 
Das wiederum setzt voraus, dass sie daran überhaupt ein ehrliches Interesse haben, d.h. daran, der Frau zu geben, bspw. und unter anderem sexuelle Erfüllung, mit der Frau sexuelle Leidenschaft, sexuelle Erfüllung gemeinsam erleben zu wollen, statt nur auf die eigene (Trieb-) Befriedigung und Selbstbestätigung oder Machtdemonstration bedacht und überwiegend bis ausschließlich darum "bemüht" zu sein und die Frau - gerade auch: die Beziehungspartnerin - dabei als Gratis-Sexdienstleisterin zu betrachten, zu benutzen, zu missbrauchen - sei dies bewusst/absichtlich von Männern in dieser Weise getätigt oder mehr oder weniger unreflektiert, verdrängt, ingoriert oder auf Gleichgültigkeit, Desinteresse, Egomanie/Selbstsucht, pathologischem Narzissmus, anti-, dissozialen Persönlichkeitsstörung(en) basierend.
 
Ebenso wünsche ich mir Frauen, die die Erfüllung ihrer nicht nur, aber gerade auch sexuellen Bedürfnisse selbstbewusster, mit einem ausgeprägte(re)n Selbstverständnis einfordern, d.h. Männern gegenüber eine entsprechende Erwartungshaltung zum Ausdruck bringen und sich nicht von Männern dahingehend überreden, manipulieren lassen, letztlich doch selbst wieder auf eigene sexuelle Erfüllung - insbesondere physische, nicht nur emotionale - zu verzichten bzw. nichts oder deutlich weniger zu nehmen, zu erwarten, sondern doch vor allem wieder überwiegend zu geben und eigene Bedürfnisse hintanzustellen oder sogar eigene Grenzen durch Männer missachten, verletzen zu lassen - "ihm zuliebe", damit/weil es i h m doch so gut gefällt ... .
 
Natürlich ist keine Frau auf einen Mann und/oder auf Penetration angewiesen, um sexuelle Erfüllung, körperliche Befriedigung, intensive sexuelle Gefühle und Orgasmen zu erleben.
 
Aber wenn wir Sex mit einem oder mehreren anderen Menschen, Persönlichkeiten erleben möchten, dann deshalb, weil es um die Interaktion, um das Zusammentreffen zweier Personen, zweier (oder mehrerer) Persönlichkeiten geht, weil es uns um also den "gemeinsamen Tanz" geht - um das "Spiel" von Verführen, Verführtwerden, Hingabe, Aktivität und Passivität, um das Sich-Fallenlassen (-Wollen, -Können), um Intimität und Leidenschaft, um Nähe, Zuwendung, Verbundensein, Genuss, Erfüllung. Um Geben und Nehmen.
 
Und keinesfalls kommt hierbei einem der Beteiligten aufgrund seines biologischen oder sozialen Geschlechts nur oder überwiegend eine Seite, eine bestimmte Rolle zu, sondern es ist all dies im Wechselspiel - wenn der Tanz ein wirklich gemeinsamer, ein vollendeter, ein tief berührender, erfüllender, umfassender sein soll, nur auf diese Weise sein kann.
Wenn es also nicht um rein oberflächlichen, mechanischen Sex, um die reine, unpersönliche, meist egozentrische bloße, schnelle Triebbefriedigung gehen soll, sondern um Begehren, Begehrtwerden, um die sexuelle Begegnung, die zwangsläufig immer die Gesamtpersönlichkeit erfasst, berührt. 
 
Gefühle sind im Übrigen bei all unseren Handlungen beteiligt, involviert, wenn auch viele oft unbewusst; verwiesen sei an dieser Stelle auf bspw. Antonio Damasio (Neurowissenschaftler) - "Ich fühle, also bin ich".
 
Denn den bloßen Sexualtrieb kann jede/r sich selbst, alleine befriedigen, dafür braucht zumindest eine Frau niemand anderen, auch und schon gar nicht einen Mann, jedenfalls nicht Penetration (welcher Körperöffnung auch immer).
 
Durchaus sind, sogar zeitgleiche, Orgasmen mittels vaginaler Penetration möglich, auch ohne zusätzliche äußere, sehr wohl aber "innere", indirekte Stimulierung der Klitoris, das jedoch hat m.E. viel mit der Anatomie der aufeinandertreffenden, interagierenden Personen, aber durchaus auch mit ihrem Verhalten, mit vor allem der Penetrationsweise des Mannes sowie noch einigem anderen mehr (Alter, Stress, Sorgen, Erkrankungen, Ängste, Stimmung, hormoneller Zustand, Verliebtheit, Masturbationshäufigkeit etc.) zu tun.
 
Aber eine Frau braucht keine Penetration, um intensivste (auch sogenannte multiple) Orgasmen erleben zu können, um intensiv stimuliert, erregt und physisch "befriedigt" zu werden. Sie braucht auch keine mechanischen Hilfsmittel aus toter Materie, keine Dildos, Vibratoren, Haushaltsgegenstände oder was immer.
 
Denn die sensiblen Bereiche der Frau sind ihre Klitoris, ihre kleinen/inneren Schamlippen, der Übergang von Schamlippen zu Klitoris und der Scheideneingang, nicht jedoch das Innere, die Vagina selbst, sondern: die (äußere) Vulva.
 
Es kann auch für die Frau vaginale Penetration physisch angenehm, erregend und auch befriedigend (Orgasmus) sein - siehe, wie oben erläutert - überdies kann vaginale Penetration von der Frau auch als vor allem emotional erfüllend, verbindend, verschmelzend empfunden, erlebt werden, keineswegs aber ist dem grundsätzlich oder gar zwangsläufig so, sondern hängt dies von oben genannten Faktoren, Einflüssen und individuellen Besonderheiten, Gegebenheiten ab.
 
Und zum gemeinsamen "Tanz", zur tiefgehenden, berührenden Erfüllung - für sogenannte (sexuelle) Ekstase, Leidenschaft - reicht die reine, oberflächliche Triebbefriedigung, das bloß mechanische Tun an den Genitalien, am Körper des Anderen, nicht aus, hierbei kann stets nur der ganze Mensch, die gesamte Person, Persönlichkeit miteinbezogen sein, wie nur sie sich individuell verhält, empfindet, den Kontakt erlebt, durch die Individualität der Beteiligten, durch das, das sie mitbringen, einbringen an je persönlichen, individuellen Erfahrungen, Wünschen, Vorstellungen, Erwartungen, Verhaltensweisen, Kenntnissen und "Fertigkeiten" sowie an Empathie und Leidenschaftlichkeit, Wesensart, Temperament, Ausdruck, aber auch Ängsten, Zweifeln, Offenheit oder Skepsis u.v.a.m..
 
Ich wünsche mir, dass Frauen hier keine faulen Kompromisse mehr eingehen, etwa, weil sie meinen, das sei ein "Liebesbeweis" oder sie könnten den Mann durch ihre Angepasstheit, ihren Verzicht, ihre sogenannte "Hingabe" bzw. Unterwerfung leichter, besser, länger an sich binden oder weil (bei bekanntermaßen überwiegend/mehrheitlich der Frau) ein Kinderwunsch besteht und sie auch deshalb weniger oder keine eigene sexuelle Erfüllung (mehr) erwarten, einfordern oder auch deshalb, weil sie sich tatsächlich sogar schämen - für ihr Aussehen oder ihre eventuelle Unkenntnis, wenige sexuelle Erfahrung etc. oder gar, weil sie denken, ihn sexuell zu befriedigen und dabei selbst physisch und/oder emotional auf der Strecke zu bleiben, sei auf irgendeine Weise "ihre Pflicht", weil sie bspw. wirtschaftlich/finanziell, emotional, sozial vom Mann abhängig sind oder sich abhängig von ihm fühlen oder dies kulturell, gesellschaftlich gemacht/gehalten werden: Patriarchat.
 
Bitte: Lasst uns endlich auf genussvollen, erfüllenden gemeinsamen Sex bestehen und uns nicht durch Pornographie, Freiertum/Frauenkauf, Sexismus, Sexualgewalt, Missbrauch, Manipulation und Indoktrination noch länger schwächen, ausbeuten, benutzen, erpressen, misshandeln.
 
Es darf nicht ein "Glücksfall", Zufall sein, dass Frauen mit Männern erfüllenden Sex erleben.
 
Dafür müssen auch Frauen selbst Sorge tragen: für ihre eigenen, echten, tatsächlichen, nicht gestellten, vorgegaukelten, vorgespielten, männlichen Vorstellungen und Erwartungen entsprechenden (entsprechen wollenden) sexuellen Wünsche und Bedürfnisse - sondern für die tatsächliche Erfüllung dieser beim Sex mit Männern.
 
Eine Frau unterwirft mann nicht. Eine Frau konsumiert mann nicht. Eine Frau verschlingt mann nicht gierig - wie einen Burger oder ein gerissenes Vieh, ein Stück Fleisch.
 
Eine Frau und also ihren Leib behandelt mann mit Respekt, Interesse, Verehrung, Wertschätzung. Neugierig, einfühlsam, spielerisch, verführend - leidenschaftlich, gebend.
 
Sex und Erotik: jenseits von Porno. Mit, durch Intimität.
 
Denn der Reiz findet sich gerade nicht im expliziten, plakativen, ordinären, vulgären Darstellen, Zeigen von Genitalien und sexueller, leidenschaftsloser, oberflächlicher, unpersönlicher, nicht erfüllender Mechanik.
 
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Verehrte Frauen,
 
lasst euch nicht einreden, es sei "langweiliger, verklemmter Blümchen- oder Vanilla-Sex", wenn EUCH etwas auf bestimmte Weise gefällt, es euch sexuelle Lust, Erregung, angenehme Empfindungen, angenehme Körperzustände verursacht und körperliche (!) "Befriedigung", Erfüllung verschafft.
Lasst euch nicht manipulieren und eure eigenen, persönlichen, individuellen Bedürfnisse, Wünsche und Abneigungen nicht abwerten oder in Frage stellen, diese schon gar nicht unterdrücken, ignorieren, übergehen - von niemandem, auch nicht eurem Beziehungspartner.

Hört damit auf, Männern beim Sex ganz selbstverständlich mehr zu geben als für euch selbst zu erwarten, zu nehmen - befreit euch von all den falschen, selbstschädigenden Glaubenssätzen und erkennt, dass mit "sexueller Freiheit" noch immer und heute wohl mehr als je zuvor die "Freiheit" des Mannes zur sexuellen Ausbeutung, Verfügbarmachung, Gefügigmachen der Frau gemeint ist - siehe Pornographie und Prostitution bzw. Freiertum/Frauenkauf, die Objektifizierung, Entmenschlichung von Frauen; siehe all die Artikel in sogar und gerade sogenannten Frauenzeitschriften etc., die Frauen so gnädig Anleitungen für "den perfekten blow job / hand job / deep throat" etc. liefern, die Frauen irgendwelche G-Punkte einzureden versuchen, um ihnen vaginale Penetration doch noch irgendwie schmackhaft zu machen und-so-weiter.
 
Entlarvt dies als das, das es ist: Manipulation - zum Zwecke der möglichst bequemen, kostenfreien, regelmäßigen, ausgiebigen Triebbefriedigung des Mannes, zum Zwecke des ihm auf diese Weise ermöglichten Missbrauchs an und Ausbeutens von Frauen, insbesondere auch seiner (Ehe-) Partnerin.
 
Echter, guter, erfüllender Sex ist niemals eine Einbahnstraße.
 
Schon gar nicht aus "Liebe", denn mit Liebe(n) hat solches Konsumieren, Ausbeuten, solcher Missbrauch nichts zu tun.
 
Vorsorglich:
Nein, das hat nichts mit "Männerhass" zu tun, durchaus aber mit Wut, Empörung.
Ich habe keine Probleme mit Männern, die sich Frauen gegenüber - nicht nur, aber gerade auch sexuell - rücksichtsvoll, aufmerksam, einfühlsam, zugewandt, interessiert, lernwillig, respektvoll, offen, wahrhaftig, authentisch, also: g e b e n d verhalten; und dabei müssen Leidenschaft und Intensität keineswegs auf der Strecke bleiben, ganz im Gegenteil ... .
 
Aber ja: Grundlage solcher gemeinsam erlebter sexueller, persönlicher, intimer, auch emotionaler, tiefgehender (statt nur oberflächlich-mechanischer) Kontakte ist, dass der Mann seine eigenen sexuellen Wünsche, Bedürfnisse, seinen Trieb auch zügeln, disziplinieren, kontrollieren kann, statt all dem ungehemmt und egoman seinen Lauf zu lassen, dass der Mann fähig ist, eigene Schwächen, Unsicherheiten, fehlende/mangelnde Kenntnisse, Fertigkeiten, Erfahrungen, auch seine Bedürftigkeit offen zuzugeben und dass er aufrichtiges, echtes Interesse daran hat, der Frau - auch sexuell, physisch - gut, wohl zu tun, zu geben.
 
Das von Männern so gern wie oft gebrauchte Adjektiv "animalisch" in Bezug auf Sex bedeutet letztendlich und tatsächlich zumeist nichts anderes als egoman, selbstsüchtig, gewaltvoll. "Animalisch" klingt halt nur nach "verrucht", die Selbstsucht und Pornographie lässt sich damit so leicht kaschieren, da nicht wenige Frauen drauf reinfallen. Immer wieder. Immer noch.
 
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Der Penis des Mannes - überall thematisiert, seit Jahrtausenden (Patriarchat) glorifiziert, permanent im Mittelpunkt sexueller Praxis stehend: der Mann, sein Geschlechtsteil und s e i n e sexuelle Triebbefriedigung, siehe Pornographie und Prostitution, also Freiertum/Frauenkauf in welchen es jedoch um Macht und Erniedrigung geht, nicht um tatsächlich Sex.
 
Es ist längst überfällig, dass über die VULVA der Frau, somit auch über die Klitoris und weibliche, sexuelle Lust, Lusterfüllung adäquate Information, Wissen, Kenntnis verbreitet wird. Im Sinne von Gleichberechtigung, weiblicher Selbstbestimmung und Selbstverfügung sowie im Sinne echter, erfüllender, gemeinsamer (heterosexueller) Sexualität - Lust, Leidenschaft, Erotik, Intimität, Ekstase, Erfüllung, Genuss.
 
Was man dazu unbedingt anmerken muss:
 
Der sogenannte vaginale Orgasmus ist kein vaginaler, sondern ebenfalls ein klitoraler, eben w e i l die Klitoris so groß, so weitläufig ist - die Empfindung, der Orgasmus wird also auch bei sogen. vaginalem Orgasmus durch indirekte (!) Klitorisstimulation - über die Stimulierung der inneren Schamlippen, die mit der Klitoris verbunden sind, und am Eingang der Vulva - erlebt, empfunden.
 
Denn in der Vagina selbst wird kaum etwas gespürt, deshalb können Frauen bspw. Tampons benutzen und werden durch das Tragen derselben nicht sexuell stimuliert.
 
Und dann hat es bei vaginaler Penetration eine Menge mit der Anatomie der jeweils Beteiligten zu tun sowie mit der Art der Penetration (Stellung, Stoßintensität und -geschwindigkeit) bzw. der Stimulierung der Frau: ob sie durch vaginale Penetration zum Orgasmus kommen kann/kommt oder ob und warum nicht.
 
Es könnte alles so einfach sein, das erfordert allerdings, dass Männer sich zurückzunehmen und geben wollen/können, dies zumindest lernen wollen.
 
Das Folgende ist oben stehendem Link/Text "Ode an die Klitoris" von Maggie Tapert entnommen, Hervorhebungen habe ich getätigt.
 
"[...] Habt ihr schon von der populären Bewegung gehört, die durch Westeuropa fegt und KLITORISRAUB genannt wird? Klitorisräuber hat es eigentlich schon immer gegeben, auch wenn ihr sie oder ihre verdeckte Arbeit vielleicht noch nicht bemerkt habt. Die erklärte Mission im Leben dieser Räuber besteht darin, die alte Tradition fortzusetzen, Frauen passiv, ruhig und gehorsam zu halten – so, daß sie möglichst keine Probleme bereiten. Ich spreche nicht von einem bizarren Kult der genitaler Verstümmelung, bei dem Messer oder scharfe Steine die Sache erledigen. Nein, die Klitorisräuber arbeiten auf der mentalen/emotionalen Ebene, indem sie hauptsächlich Schuld und Scham als Werkzeuge benutzen, denn für Westeuropäer und besonders für Frauen ist dies die bei weitem wirksamste Technik sexueller und emotionaler Kontrolle. [...]
 
Die Klitorisräuber von heute, die ich angesprochen habe, wollen uns zurückführen in das dunkle Mittelalter weiblicher Sexualität. Sie wollen uns überzeugen, daß «ECHTE» Frauen geduldig darauf warten, hoffen und sich danach sehnen, daß ihnen ihre Lust durch die einzige sozial akzeptierte Form bereitet wird, die unsere westliche Gesellschaft kennt – die vaginale Penetration. Nach Ansicht der Räuber werden Paare, die sich jahrelang mit ihrer sexuellen Unvereinbarkeit herumgeschlagen haben (er will öfter, sie will weniger) oder die nach einer bedeutsameren sexuellen Erfahrung (kosmischer Orgasmen) streben, die Lösung des uralten Mann-Frau-Dilemmas in dieser Form sich zu lieben finden. Da ich sehr neugierig bin, nahm ich mit meinem Partner an einem dieser Programme teil und sammelte einige Erfahrungen aus erster Hand mit dem System.
Das Programm bietet einige nette Techniken, die Intimität fördern, aber die wesentliche Botschaft, auf der es basiert, lautet: seid nicht so sehr auf den Orgasmus aus, besonders auf den der Frauen. Laßt den Penis in der Vagina ruhen, und irgendwann (in einigen Jahren, wenn ihr gewissenhaft übt) wird das Liebesgefühl so tief werden, daß ihr keinen Orgasmus mehr begehrt.
 
Die Person hinter dieser aktuellen Klitorisräuber-Bewegung ist ein Mann namens Barry Long. Er lehrte seine Anhänger, daß es der Penis war, der die Wunde in der Vagina der Frauen herbeigeführt hat, und es daher der Penis sein muß, der sie heilt. Ihr würdet es kaum glauben, wenn ihr mitbekommt, wie Frauen es lieben, so etwas zu hören. Ich meine den Teil, wo der Penis zur Abwechslung mal etwas heilt. Ich bemerkte, wie ein zustimmendes Murmeln durch die Reihen der Frauen ging, als diese Märchenplattitude aufgetischt wird.
Nun ja, dachte ich bei mir, der Penis (der mit einer ziemlich beängstigenden und destruktiven Kraft ausgestattet ist) hat uns in die Unterdrückung geprügelt – hat Frauen vergewaltigt, gefoltert und auf dem Scheiterhaufen verbrannt, die es gewagt haben, sich gegen seine Macht aufzulehnen. Nun werden wir dazu angehalten, den Testosteron-getriebenen «Fuck and Kill» - Aspekt der unkontrollierten männlichen Energie zu vergessen und uns statt dessen auf die mitfühlende Natur des Mannes zu konzentrieren. Wenn wir nur still liegen und keine Ansprüche stellen, werden die Männer uns jetzt Heilung anstelle von Schmerzen bringen.
 
Doch halt, halt, MOMENT MAL! Etwas an diesem Bild ist verdammt schräg. Laßt uns die Fakten in dieser Angelegenheit doch noch einmal untersuchen. Ich verstehe, daß Männer sich heutzutage in vielerlei Hinsicht bedroht und unsicher fühlen. Die Stärke der Frauen hat sowohl in beruflicher als in spiritueller Hinsicht zugenommen. Und nun wagen wir es auch noch, durchblicken zu lassen, daß wir in unserer Sexualität ebenso kraftvoll und unabhängig sein können. Hilfe, das muß wirklich beängstigend sein für die heutigen sensiblen Männer. Aber finden wir die Lösung für die Unsicherheit der Männer nur, indem wir uns von der Kraft der weiblichen Sexualität abwenden und/oder sie zerstören? Ist das nicht das Territorium, in dem wir schon während der den letzten zwei oder dreitausend Jahren bewegt haben?
 
Weibliche Lust (und der Druck, sie zu verstehen) scheint für einige Männer eine fürchterliche Last zu sein. Es sieht so aus, als wäre das Leben für alle Beteiligten so viel einfacher, wenn die Frauen damit zufrieden wären, daß sich der Penis einfach nur in ihrer Vagina bewegt. Langweilig, vorhersehbar und einfach. Sigmund Freud erhielt seinerzeit viel Lob dafür, daß die Männer darin bestätigte, sie brauchten nur fortzufahren, den Frauen die Lust, ihre volle sexuelle Kraft zu erfahren, zu verweigern. Soweit wir wissen, hatte Freud weder eine Vagina noch eine Klitoris, doch wie viele Männer betrachtete er sich als ein Experte auf diesem Gebiet. Er benutzte seine psychoanalytische Erfahrung mit Frauen, um Spekulationen anzustellen, daß ein vaginaler Orgasmus ein reifer Orgasmus sei und ein klitoraler ein kindischer. Und Generationen von Männern und Frauen kauften ihm seine Theorie enthusiastisch ab.
 
Barry Long und jene, die seine Theorie lehren, haben auf diese frauenfeindliche Auffassung von weiblicher Sexualität aufgebaut und bestehen weiterhin darauf, daß der Wunsch der Frauen nach klitoraler Stimulation armselig und kindisch sei. Frauen, die diese Botschaft hören, werden verunsichert, was ihren Körper und das, was ihm Lust verschafft, angeht. Sie erfahren die Reaktivierung des Schuld-und-Scham-Programms, das ihnen beim Aufwachsen in einer christlichen Kultur, die das Körperliche verachtet und ablehnt, eingeimpft wurde. Das Werkzeug der Scham Frauen gegenüber zu nutzen ist mühelos und effektiv. Es schneidet wie ein Messer.
 
Nach Barry Longs Klitorisräuber-Programm steckt der Mann sein Ding einfach rein – und das war’s. Streicheln oder Lecken ist nicht nötig. Wenn sie nicht feucht wird, kein Problem – unsere Lehrer empfahlen, reichlich synthetische Gleitgele zu benutzen, die die natürlichen Säfte der Frau ersetzen. Reibt oder berührt die Klitoris nicht, liegt euch einfach in den Armen und verbindet euch wieder emotional miteinander. Unglückliche Paare, die nach einer Lösung für ihr trostloses, langweiliges, unkreatives Sexualleben suchen, hoffen, daß dies das Ende ihres Ringens bedeutet. Er macht langsamer, und sie verleugnet ihre Lust. Ach, wenn es doch so einfach wäre! Es scheint unausweichlich, daß jegliche Lösung, die einem Mann als Antwort auf die heutige sexuelle Malaise einfällt, im wesentlichen auf dem wundervollen Penis und seiner alles transformierenden Kraft beruht. Wie könnte es anders sein? Doch müssen wir tatsächlich die Frauen kastrieren, um einander in einem liebenden sexuellen Tanz begegnen zu können?
 
Ich glaube, daß Frauen sich von den alten Märchen, die ihr Leben so lange beeinflußt haben, verabschieden müssen, wenn es zu einem wirklichen Wandel in der Qualität und im Ausdruck unserer Sexualität kommen soll. [...]
 
Wenn wir bedeutsamen sexuellen Austausch mit Männern wollen, müssen wir zuerst zu unserer weiblichen Kraft finden. Dies ist die einzige Möglichkeit, wenn wir authentische, herzliche, energetisch kraftvolle Sexualität mit einem Partner teilen wollen. [...]"
 
Das Folgende ist oben stehendem Link/Artikel des dradiokultur entnommen:
 
"[...] Eine "kleine Kulturgeschichte des Abendlandes anhand der Darstellung des weiblichen Genitales in Alltag, Folklore, Medizin, Mythologie, Literatur und Kunst" will die Publikumsfassung von Mithu M. Sanyals kulturwissenschaftlichen Dissertation über die Vulva sein. Und in der Tat spannt sie einen kühnen Bogen von prähistorischen Göttinnen (Baubo) über Adams Verführerin Eva, die christliche Muttergottes, die biblische Maria Magdalena, die indische Göttin Kali und die irische Fee Morgan bis hin zu Salome und von dieser geradewegs zu Striptease-Tänzerinnen der 1920er und 1930er Jahre, zu den Riot Girls, Annie Sprinkle, feministischen Künstlerinnen der 1970er und 1980er Jahre und schließlich zu Vulva-Kissen in Überlebensgröße, die man an die Wand hängen und streicheln kann, wie die Autorin begeistert konstatiert.
 
Die Vulva ist der äußerlich sichtbare Teil des weiblichen Geschlechtsorganes, der sich in Vagina, Eierstöcken und Gebärmutter fortsetzt und immer wieder ignoriert oder fälschlicherweise als Vagina bezeichnet wurde. Was verschwiegen wird, existiert nicht: Mit dem Stigma der vorgeblichen Unsichtbarkeit und Unaussprechlichkeit behaftet, haben Frauen Jahrhunderte lang angeblich kein Geschlecht gehabt – nur ein Loch, ein Nichts.
 
Erstaunlich, dass in einer Zeit, in der Genitalverschönerungen via OP kein Tabu mehr sind, ein Buch über die Vulva den Anspruch erhebt, Neuland zu betreten. Offensichtlich ist es nach Jahren feministischer Aufklärungsarbeit immer noch nicht (oder nicht mehr) selbstverständlich, über die weiblichen Geschlechtsorgane zu sprechen oder sie gar positiv ins weibliche Selbstbild zu integrieren.
 
Am Ende ihrer Ausführungen stellt Sanyal überrascht fest, dass vor fast 40 Jahren bei Germaine Greer "schon alles da war". In der Tat. Wichtige ihrer Vorläuferinnen hat Sanyal schlicht nicht zur Kenntnis genommen. Dazu zählen auch jene Feministinnen, die in den 1970er und 1980er Jahren Selbstuntersuchungen durchführten, d.h. ihre Geschlechtsorgane entdeckten und erforschten und darüber schrieben. Es fehlt erstaunlicherweise jede Erwähnung des US-amerikanischen Kulturhistorikers Thomas Laqueur, der in "Making Sex" (1990; dt.: Auf den Leib geschrieben, 1996) die Geschichte der Geschlechtsorgane und der Sexualität von der Antike bis Freud aufgearbeitet hat. Immerhin zitiert Sanyal ausgiebig Heide Göttner-Abendroth, deren Thesen vom Matriarchat freilich nicht unumstritten sind.
 
Phantasievoll verbindet die Autorin vieles mit vielem, und sie breitet eine beeindruckende Fülle von Material aus. Jedoch: Bezeugt das oft belegte Lachen oder Erschrecken derjenigen, die die Vulva erblicken, tatsächlich eine positive Auffassung des weiblichen Geschlechts? Oder: Ist es tatsächlich revolutionär oder subversiv, wenn eine Frau, die in einer patriarchalen Kultur per definitionem als Objekt angeblickt wird, sich und ihre Geschlechtsorgane freiwillig den Blicken von Männern darbietet? Solche Urteile spiegeln die naive postfeministische Überzeugung wider, Frauen bestimmten längst völlig autonom über sich selbst und implizit über die Sexualität der Männer. Daran mag man zweifeln. Und ganz sicher ist die Feier der Vulva kein Mittel gegen den nach wie vor grassierenden Sexismus unserer Kultur.
 
Lesenwert ist dieses Buch trotzdem, weil es in scheinbar aufgeklärten Zeiten unverkrampft eine mittlerweile wieder vergessene Tradition in Erinnerung ruft."
 

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