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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Über die Entstehung des Patriarchats, den Wechsel vom Matriarchat zum Patriarchat sowie über die Ursachen für (die ersten) Flucht-, Migrationsbewegungen, über Regionalisierung, Fürsorge, Liebe, Bildung, Wirtschaften ...

 
30. Juli 2017
 
Ich kann mich nur wiederholen. Was sehen wir seit Jahrtausenden global verbreitet:

Kriege, Folter, Todesstrafe, Mord, Terror, Machtwünsche, Autoritarismus, Gier, Unterdrückung, Unterwerfung, Ausbeutung, Hass, Rache/Vergeltung:
weltweit seit Jahrtausenden von fast ausnahmslos Männern getätigt.
 
Und entsprechend die "theoretischen Grundlagen": Altes Testament, das die Basis aller drei monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) ist - die eben deshalb durch und durch patriarchal, androzentrisch, autoritär, gewaltvoll sind, wie es eben das AT ist.
Deshalb ist "Gott" männlich attributiert - und auch sein "Sohn" und der "Heilige Geist".
 
Und was sehen wir in den auch heute noch bestehenden (wenigen), sogenannten Matriarchaten, siehe unten verlinkte Informationen: keine Gewalt.
 
Nein, ich sage nicht, dass "alle Männer schlecht" sind, a b e r: mann muss die Fakten doch bitte wenigstens mal zur Kenntnis nehmen, statt sie permanent zu leugnen oder zu relativieren und in Folge die Ursachen erkennen und beheben.
 
Zu den Fakten siehe gerne auch Texte, die Männer verfasst haben, wie bspw. Jack Holland ("Die Geschichte des Frauenhasses"), Pierre Bourdieu (symbolische Gewalt, "Die männliche Herrschaft" ...), Erich Fromm (der autoritäre Charakter, "Die Kunst des Liebens", "Anatomie der menschlichen Destruktivität" ...), Klaus Theweleit ("Männerphantasien"), Arno Gruen ("Verrat am Selbst" ...), Joachim Bauer ("Schmerzgrenze - Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt").
 
Dass und wie das möglich, realisierbar, lebbar ist, zeigen die noch heute bestehenden sogen. Matriarchate.
 
Und noch ein Mal: Nein, dabei geht es n i c h t um ein Umkehren der Machtverhältnisse - es geht (Frauen bzw. im sogen. Matriarchat) gerade nicht um Macht und nicht um Unterdrückung, Unterwerfung. Genau d a s ist der zentrale Punkt. Den etliche Männer rund um den Globus augenfällig nicht verstehen, anerkennen können/wollen.
 
Es geht stattdessen um Geschlechterparität (Gleichwertigkeit, Gleichwürdigkeit der Geschlechter: im Alltag, auf allen Ebenen, global), Gemeinwohlökonomie, Kooperation, bedürfnisorientierte, nicht-paternalistische Fürsorge, Respekt, Wertschätzung - auf Basis von (jedem Menschen wie auch einigen anderen Primaten angeborenem) Mitgefühl: intrinsisch motivierter, statt religiös, ideologisch, dogmatisch oktroyierter Moral.
 
Das ist nur möglich auf Grundlage von Geschlechterparität. Und genau das, diese gab es vor der neolithischen Revolution.
 
-
Was wir uns grundsätzlich bewusst machen, es eingestehen und benennen müssen, ist, dass physische Gewalt weltweit von mehrheitlich Männern getätigt wird - und dieser Tatsache noch immer nicht ausreichend bzw. überhaupt angemessen Rechnung getragen wird.
 
Männer sind es, die vergewaltigen, Männer sind es, die "kriegerische Auseinandersetzungen" führen, Männer sind es, die mehrheitlich töten und foltern.
 
Physischer Gewalt geht psychische Gewalt dabei stets voraus und Letztere mit Ersterer stets einher. Es gibt keine physische Gewalt ohne voraus- und einhergehende psychische Gewalt.

Einige wenige sogenannte Matriarchate gibt es noch auf dieser Welt, an ihnen ist erkennbar, dass und wie es ganz und gar anders - friedlich, gewaltlos - laufen könnte/kann.

Wie sähe die Welt aus, wenn in all den Entscheidungs- und Führungspositionen mehrheitlich Frauen befindlich wären, statt Männer?

Nein, einzelne wenige Frauen können nichts ausrichten, ändern kann sich nur etwas, wenn weibliches Denken, Fühlen, Tun verbreitet ist, denn die Frauen, die innerhalb des bestehenden Systems (des Patriarchats, der strukturellen Gewalt) in Führungspositionen gelangen, "schaffen" dies nur, wenn/weil sie sich anpassen an die bestehenden Regeln - die katastrophale sind, denn es geht immer um Siegen, Macht, Unterdrücken, Unterwerfen, um Wettbewerb, Konkurrenz, Kampf - statt um:

Mitgefühl, Kooperation, Nachhaltigkeit, Besonnenheit/Weitsicht, Kommunikation, Gemeinwohl, Respekt, Wertschätzung, das Berücksichtigen individueller Unterschiede und Hintergründe und: bedürfnisorientierten Umgang mit Kindern sowie leben im Verbund der Gemeinschaft (matriarchal und generationenübergreifend) - statt in Kleinfamilie, Ehe, Single-Dasein, sozialer Isolation, gerade im Alter.

Wie gesagt: Möglich ist das, realisierbar wäre es auch. Aber es ist nicht vereinbar mit Kapitalismus, Neoliberalismus, Schwarzer Pädagogik - mit dem Patriarchat.

Erforderlich wäre, grundsätzlich Mädchen zu stärken, statt sie, wie nach wie vor noch immer, zu schwächen und Jungen zu sensibilisieren - hin zu Wertschätzung von Mädchen und Frauen, hin zu Feinfühligkeit, Mitgefühl.

Aggression ist übrigens nicht das Gleiche wie Gewaltanwendung, und ja: auch Mädchen und Frauen können, dürfen und sollen, wenn nötig, aggressiv sein. Das hat etwas mit dem je eigenen Naturell, Wesen zu tun, vor allem aber mit Schmerzerfahrung - Schmerzerfahrung kann und wird (je nach Intensität, Wiederholung, Dauer ...) zu r e a k t i v e r Aggression und auch zu Gewaltanwendung führen - dabei ist auch psychisch-emotionaler Schmerz (durch Ausgrenzung, mobbing, Benachteiligung, Ausbeutung ...) gemeint; diesen gilt es folglich möglichst zu vermeiden, siehe also wiederum die so wichtige Prävention.
Nachlesbar (zu Aggression und Gewalt, Schmerz, Mitgefühl ...) bspw. bei Joachim Bauer, in dessen herausragendem Buch "Schmerzgrenze - Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt".

Jeder Täter war und ist letztlich nach wie vor selbst "Opfer", d.h. wurde/wird selbst - von anderen, häufig den Eltern, den nahen Bezugspersonen, zumeist also in der sensiblen, prägenden Lebensphase der Kindheit, aber auch durch Gesellschaft, Politik - beschädigt.
 
Kein Mensch kommt als (Gewalt-) Täter zur Welt. Auch kein Junge.

Es hat dies grundsätzlich mit Prägung, mit Erziehung, Sozialisation, d.h. dem Umgang, der Art des Umgangs mit Kindern und mit Bildung, Information, Kenntnis, Wissen, (Selbst-) Reflexion, Mitgefühl zu tun.
 
Noch immer werden in unzähligen Filmen, Büchern etc. Geschlechterstereotype, -klischees verbreitet und zementiert.
In Schulbüchern findet sich noch immer kaum etwas zu Frauen in Literatur, Philosophie, Musik, Kunst, Geschichte, Naturwissenschaften.

Es fängt grundsätzlich und global bei den Kindern an.

Wie man sieht, greifen hier viele verschiedene Bereiche und Themen ineinander. Ich habe sie einzeln im blog behandelt
.
 
Und selbstverständlich ist der (neoliberale) Kapitalismus - mit entsprechendem Erwerbsarbeitsfetisch - patriarchal. Und selbstverständlich gilt es, diesen global zu überwinden.
Arbeit ist mehr und noch ganz anderes als kapitalistisch ausbeutbare Erwerbstätigkeit.
 
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Aktualisierung am 20. Juni 2019
 
Hat sich schon mal jemand gefragt, wie die Städte der Welt, die Architektur aussähe, wenn in den vergangenen Jahrtausenden Frauen deutlich mehr Einfluss hätten haben können, wenn sie tatsächlich paritätisch in allen Gesellschaftsbereichen vertreten und entscheidungs-, gestaltungsbefugt gewesen wären, wenn mann sie hätte mitentscheiden lassen?
 
Es gäbe sicher nicht so viele Hochhäuser, Türme, Wettbewerbe um den höchsten Turm, den längsten/dicksten Schwanz, die vermeintlich höchste "Potenz", um also Macht, siehe bspw. Dubai, Shanghai, New York ... .
 
Es würde sehr wahrscheinlich nicht nur anders geplant und gebaut, sondern auch anders gewirtschaftet, gehandelt, gewohnt, g e l e b t werden. Stichwort Gemeinwohl(ökonomie), Parität, soziale Gerechtigkeit, Frieden.

Das jedenfalls zeigen sämtliche sogenannten Matriarchate, auch die wenigen noch heute bestehenden (bspw. Khasi, Mosuo, Minangkabau) - spezifisches Merkmal s ä m t l i c h e r Matriarchate, matrilinear und matrifokal lebender Gemeinschaften, Kulturen, ist Gewaltlosigkeit. Überall. Ausnahmslos. Quellenbelege auch hierzu finden sich unten verlinkt.
 
Und nochmal Argumentation gegen gängig verbreitete, sich hartnäckig haltende Einwände, Vorurteile (meist vonseiten bestimmter Männer):
 
Nein, es reicht nicht, dass nur einige wenige Frauen in Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft ... in Verantwortungs-, "Führungs"positionen befindlich sind, dann nämlich müssen sie sich den patriarchalen Regeln anpassen, anderenfalls erreichen sie diese Positionen gar nicht erst oder halten sich nicht lange darin.

Frauen müssen in allen Gesellschaftsbereichen und insbesondere in politischen Entscheidungspositionen p a r i t ä t i s c h vertreten sein, erst dann kann und wird sich nach und nach etwas ändern.
 
Patriarchat inklusive s t e t s kompensatorischen Machtstrebens (Macht - Kontrolle - Unterwerfung - Ausbeutung - Gewalt - Leid) überwinden, somit auch den Kapitalismus inkl. Konkurrenz und Kampf, Gier und Neid. Stattdessen je regionale sowie transnationale Solidarität, Kooperation, bedürfnisorientiertes Gemeinwohl etablieren, praktizieren, aktiv leben.

Die Konzepte hierfür gibt es längst:
Postwachstum, Suffizienz, Gemeinwohlökonomie, Konvivialismus, Soziokratie, Anarchismus.
 
Dafür bedarf es neben unabdingbarer Vernunft (nicht gleichbedeutend mit Verstand btw), vor allem des Mitgefühls, der Verantwortungsübernahme, des Enthusiasmus, der Offenheit und Ausdauer.

Zusätzlich erforderlich ist das Überwinden des weltweit nach wie vor verbreiteten Konservatismus´, der nicht nur in islamistischen, sondern auch in evangelikalen und katholizistischen, homophoben, sexfeindlichen "Lebensschützer"kreisen aufhält, zurückwirft und seit Jahrtausenden ungeheures Leid verursacht. Sei es in Afghanistan, im Iran, in Saudi-Arabien ... oder in usa, Europa, Russland, Mexiko, Indien ... .

Sieh´ dir das jeweilig dort wirkmächtige destruktive, gewaltvolle, patriarchale, androzentrische, autoritäre Welt- und Menschenbild an, insbesondere das entsprechende Frauenbild, den Umgang mit Frauen in diesen Gesellschaften. Weit entfernt von universellen Menschenrechten, von Gleichberechtigung, Gleichwertigkeit, Gleichwürdigkeit - von Demokratie, gar Soziokratie (Konsent-, statt Mehrheitsprinzip), von sozialer Gerechtigkeit und je regionalem wie  globalem Frieden.
 
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"[...] Doch die Diskriminierung von Frauen aus dem einfachen Grund, dass sie Frauen sind, die zieht sich durch die Weltgeschichte und ist bis heute weltweit üblich. Keinem Mann wird das Autofahren verboten, weil er ein Mann ist, nirgendwo. Keinem Mann wird der Zugang zu Bildung verweht, nur weil er ein Mann ist. Kein Mann wird eingesperrt, weil er ein Mann ist. Von keinem Mann, dessen Freiheit beschnitten wird, wird behauptet, zum Ausgleich habe er ja die Möglichkeit, diejenigen, die seine Freiheit beschneiden, durch Sex zu manipulieren. Keinem Mann wird gesagt: Du darfst zwar ohne Erlaubnis nicht vors Haus, du darfst zwar nicht wählen, keine Geschäfte abschließen, öffentlich den Mund nicht aufmachen, aber dafür verfügst du über geheime häusliche Kräfte, mit denen du Einfluss nimmst auf deine Söhne, und wenn du das nicht als Äquivalent erkennst zu allem, was dir vorenthalten wird, dann bist du ein schlechter Mensch.
 
Frauen werden ganz selbstverständlich eingesperrt, in staatliche Gefängnisse oder in häusliche. Sie werden aus den gleichen Gründen diskriminiert wie Männer – wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Ethnie, ihrer politischen Aktivitäten, aber dazu auch noch wegen ihres Geschlechts. Unterprivilegierte Männer sind unterprivilegiert, weil sie zu einer gering geschätzten Klasse oder Rasse gehören, unterprivilegierte Frauen sind es doppelt, weil zum Klassen- oder Rassenmalus auch noch der des Geschlechts kommt.
 
Das alles ist nicht neu. Es ist so alt und so normal, dass den meisten Leuten das große Gähnen kommt, wenn du es ansprichst. Und während niemand über diese geradezu banalen Selbstverständlichkeiten in der ganz normalen Welt reden mag, geht der ganz normale Irrsinn weiter, läuft nebenbei und unerbittlich das ganze Programm der Diskriminierung wieder und wieder ab, werden Frauen weltweit alltäglich in häuslicher Gefangenschaft gehalten, geschlagen, sexuell misshandelt oder wenigstens am Autofahren gehindert. Es ist normal und üblich, dass sie ungebildet bleiben, weniger zu essen kriegen, im Krankheitsfall nicht behandelt werden. Es gilt als abnormal, wenn sie sich dagegen wehren. Dann werden sie verfolgt, bestraft und getötet. [...]
 
Wie konnte sich dieser ganze Wahnsinn etablieren? Und warum scheint er unabschaffbar? Nein, es liegt nicht an den Frauen, die sich halt nicht so viel gefallen lassen sollen. Etablierte Machtstrukturen, weltliche wie religiöse, zu zerschlagen, ist etwas, was man nicht achselzuckend den Unterdrückten überlassen kann. Denen fehlen die Mittel. Und wenn sie trotzdem aufstehen, ist ihr Scheitern, siehe oben, oft vorprogrammiert.
 
An Stellen wie dieser kommen für gewöhnlich ermunternde Appelle. Den Mut nicht sinken lassen, weiterkämpfen, solidarisch sein – wir kennen die Litanei. Aber woher den Optimismus nehmen? Manchmal bin ich nur verdammt müde. Und sauer. Und wütend."
 
Quelle: profil.at - "Elfriede Hammerl: Der tägliche Irrsinn"
 
"[...] Matriarchale Gesellschaften haben andere Konflikte als wir. Es gibt keine über das Eigentum, weil das Eigentum gemeinschaftlich ist, es gibt keinen Privatbesitz. Es gibt keine Sexualdelikte. Verbrechen aus Armut fallen auch weg, denn sie sind nicht arm und die Leute leben nicht isoliert voneinander. Vielmehr leben und arbeiten sie in ihren Gemeinschaften miteinander. Natürlich ergeben sich Konflikte aus unterschiedlichen Meinungen oder Temperamenten, aber im Gegensatz zu uns werden Einzelne mit den Konflikten nicht alleine gelassen. Bei uns steigern sich ja Konflikte oft bis zur Gewalt, eben weil die Leute alleine gelassen werden oder isoliert sind. Aber in Matriarchaten stehen alle dafür ein, den Konflikt zu befrieden. Es ist also auch in diesem Punkt eine Sache der Gemeinschaft. Dafür gibt es viele Techniken zu Sicherung des Friedens. Sie sind sehr flexibel und erfahrungsreich was das betrifft.
 
Wie ist die Aufgabenverteilung in einem Matriarchat?
Jedes Geschlecht hat einen eigenen Aktionsbereich. Diese sind nicht in jeder Gesellschaft gleich, sondern variieren. In diesen Aktionsbereichen ist jedes Geschlecht unabhängig und dann kooperieren sie komplementär mit diesen Aktionsbereichen. Bei den Mosuo in China machen die Frauen den Garten- und Feldbau und die Männer den Fischfang und den Fernhandel. In Juchitán in Mexiko machen die Männer den Garten- und Feldbau und die Frauen den lokalen und den Fernhandel. Es ist also nicht durch irgendwelche Geschlechterzuschreibungen festgelegt, wer was macht. Sondern die Aktionsbereiche sind wirtschaftlich getrennt und werden dann komplementär verbunden. Es gibt keine bessere oder schlechtere Arbeit, sondern eine Balance.

Was unterscheidet ein Matriarchat in Bezug auf die Werte von unserer, eher männlich geprägten Gesellschaft?
Dazu muss man sich fragen, warum es Matriarchat heißt und nicht einfach egalitäre Gesellschaft. Das hat mit dem Wertesystem zu tun. Die Clans sind in der Mutterlinie organisiert. Die Menschen die in dieser Mutterlinie stehen, leben zusammen. Man sagt oft, die Mütter hätten eine unglaubliche Dominanz, das stimmt aber nicht. Die Mütter stehen zwar im Zentrum, aber sie herrschen nicht über den Clan. Das Wertesystem ist ein mütterliches. Dabei geht es nicht um eine bestimmte Person, sondern um den Prototyp Mutter, von dem diese Werte abgeleitet werden. Das sind Nähren, Pflege, Gegenseitigkeit, Ausgleich, Kooperation, Gemeinschaftssinn und Friedenssicherung. Diese mütterlichen Werte gelten für alle. Die Minangkabau sagen beispielsweise: Wenn ein Mann bei uns eine Würde bekleiden will, muss er sein wie eine gute Mutter. Die mütterlichen Werte gelten also auch für Männer und sie verhalten sich auch so.

Sind Matriarchate die besseren Gesellschaften, wenn es um das Wohlergehen des Individuums geht?
Ich würde sagen ja. Denn die matriarchalen Gesellschaftsmuster sind besser als die Muster, die wir haben. Wir leben unter Herrschaftsmustern, auch in unserer formalen, kapitalistischen Demokratie wird geherrscht und breite Schichten unterdrückt. Die patriarchalen Gesellschaftsformen haben viele Versionen und in einer Gesellschaft, in der geherrscht und unterdrückt wird, wie soll es dem Einzelnen dann gut gehen? In Matriarchaten spielt zwar das Individuum nicht so eine große Rolle wie bei uns, aber der Gemeinschaftssinn ist sehr wichtig. Und innerhalb der Gemeinschaften ist der Einzelne sehr gut aufgehoben. Jede Person hat eine Stimme. Hat jemand einen speziellen Wunsch, wird immer versucht diesen Wunsch durch die Gemeinschaft zu erfüllen. Daher denke ich, die Kombination von Gemeinschaft und eingebettetem Individuum ist recht positiv.

Wie viele Matriarchate gibt es noch auf der Welt und wo findet man sie?
Wenn man die gesamten matriarchalen Muster auf der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Ebene zusammennimmt, sind es ungefähr zwanzig, vielleicht ein paar mehr. Man findet sie in Nordamerika, Mexiko, Sumatra, Indien, China und Afrika. Das scheint zunächst wenig, wenn man aber bedenkt, dass diese Gemeinschaften Jahrhunderte lang patriarchale Umgebung und Unterdrückung ausgehalten haben, dann ist es eigentlich ein Wunder, dass es sie noch gibt. Wenn man von Gemeinschaften ausgeht, die noch matriarchale Elemente haben, also einzelne Muster, dann haben hunderte Gesellschaften noch solche Elemente. [...]
 
Geht es Männern in matriarchalen Gesellschaften besser als bei uns?
Das würde ich eindeutig mit Ja beantworten. Die Männer sind genauso wie die Frauen in die Gemeinschaften eingebunden, sie haben ihre Aufgaben. Eine Würde des Mannes ist beispielsweise, dass er Sprecher des Clans, des Dorfes oder der Stadt nach außen ist. Man kann sagen, dass sie das Leben im Matriarchat selbst besser finden, weil Männer oft die intensivsten Verteidiger ihrer Gesellschaft nach außen sind. Bei den Minangkabau war es so, dass sie ihr eigenes Stammesgesetz ganz strikt gegen den Islam verteidigten, bis die Islamlehrer einlenken mussten. Man kann beobachten, dass es sogar zu offenen Widerstandsbewegungen kommt, welche die Männer anführen. Würde es den Männern schlecht gehen, wären sie längst ins Patriarchat abgewandert. Das haben sie aber bis heute nicht getan."
 
https://www.trailer-ruhr.de/frauen-herrschen-nicht
 
Der Zusammenhang von Patriarchat, Kapitalismus, Ausbeutung und Gewalt - im Folgenden noch einmal dargelegt:
 
"[...] Ihr Ausgangspunkt: Viele junge Menschen sehen mit Angst in die Zukunft. Der Kapitalismus zerstört die Natur, provoziert Kriege, vergrößert die Kluft zwischen Arm und Reich und setzt durch seine stets wachsende Akkumulation von Geld und Profit für alle späteren Generationen die Zukunft aufs Spiel. (S. 16)

Ihre Suche nach Quellen und Beispielen begann nicht bei Büchern, betont  die Autorin, sondern bei Reisen in die Welt, vor allem bei einem Aufenthalt in Indien in den Jahren 1963 bis 1968. So erweiterte sie ihren Horizont durch eigene Erfahrungen bei nationalen und internationalen Tätigkeiten und Verbindungen. 

In den Kapiteln 1 bis 7 geht es um den Feminismus, die sozialen Ursprünge der geschlechtlichen Arbeitsteilung, die Kolonisierung und Hausfrauisierung, die internationale Arbeitsteilung, die Rolle der Gewalt, die des Sozialismus sowie um Gedanken zu einer künftigen Gesellschaft.

Warum aber Patriarchat? Maria Mies gibt sich mit der Lektüre der Klassiker des Marxismus/Leninismus (Marx, Engels, Zetkin, Luxemburg, Lenin) nicht zufrieden, denn, so meint sie, diese hätten der Frauenbewegung nicht genügend Raum gegeben, zumal das Verhältnis Männer zu Frauen seit Urzeiten eine dominierende Rolle spielt. Auf Seite 7 notiert sie, dass die Männer in vor-patriarchalen Gesellschaften wussten, „dass die Mütter der Anfang menschlichen Lebens sind...“ Sie waren die Große Göttin. Nicht so in patriarchalen Gesellschaften. Sie verweist auf den griechischen Philosophen Heraklit (500 v.u.Z.), der schrieb: Der Mann als Krieger sei der Vater aller Dinge, er gilt als Anfang des Lebens. Er sei der „Macher“ (Patriarchat: Herrschaft der Väter.) Und daraus zieht die Autorin den Schluss: „Die ganze moderne Technologie, insbesondere die neue Kriegstechnologie, beruht bis heute auf diesem Männerbild.“ Nicht die größere Körperkraft mache die Männer zu Herren über Frauen und die Erde, nicht die Anatomie, sondern die Gewalt.

Sehr interessant zu lesen sind in diesem Zusammenhang die Rückblicke in die Geschichte, in die Zeit der Jäger und Sammler, des Mittelalters mit Hexenverbrennungen, in die Zeit des Feudalismus und des Frühkapitalismus. Sie teilt die Erkenntnis von Frauen, dass Vergewaltigungen, das Schlagen von Frauen, das Quälen und die Belästigungen, „nicht nur Ausdruck abweichenden Verhaltens seitens eines Teils der Männer waren, sondern wesentlicher Bestandteil des ganzen Systems der männlichen oder eher patriarchalen Herrschaft über Frauen“ sind. (S. 65)

Wenn die Autorin auf Seite 25 betont, die Frauenfrage müsse im Kontext aller sozialen Verhältnisse begriffen werden, dann stellt sich die Frage, warum sie Gewalt und Waffen als die dominierenden Ursachen für diese Fehlentwicklungen hinsichtlich der Frauenunterdrückung bezeichnet? Ja, sie warnt, der Akkumulationsprozess zerstöre „überall das Innerste des menschlichen Wesens“. Sind also ihrer Erkenntnis nach die Waffen schuld am Verhängnis? Man entreiße also, um das mal ganz banal auszudrücken, den Herrschern ihre Mordinstrumente, den Jägern ihre Schusswaffen, den Truppen ihre Raketen, und schon könne man eine Veränderung des Systems erreichen? Auf den Punkt bringen wir das Problem, wenn wir uns auf der Seite 295 die folgende Frage der Autorin im Zusammenhang mit Befreiungskämpfen und der Teilnahme von Frauen daran, ansieht: „Oder genügt es zu sagen, dass es einen grundlegenden Unterschied zwischen einem Krieg, den eine Nation oder ein Volk für seine Befreiung von imperialistischer und kolonialistischer Abhängigkeit führt, und einem Krieg zwischen Imperialisten gibt?“

Wer an dieser Stelle nicht nach ökonomischen und politischen Interessen fragt, läuft mit jeglichen Analysen in die Sackgasse. Sicher, Gewalt hat seine Ursachen, und wer Waffen benutzt, hängt von den jeweiligen persönlichen und Klasseninteressen ab. Eine Waffe hat keinen Klassencharakter. Sie kann ein Angreifer benutzen und ein Verteidiger. Das ist wohl zu unterscheiden. Deshalb führt auch jeder schematische Vergleich Kapitalismus/Sozialismus in die Irre. Keiner bezweifelt, dass nach der Befreiung von Ausbeutung die Beziehungen zwischen Mann und Frau als patriachalisches Verhältnis nicht automatisch liquidiert ist. Dazu bedarf es einer langen moralischen und kulturellen Erziehung, bei der die Frauen in der gewonnenen Freizeit „den müßigen Männern ein Gefühl von Sinn, Realität und Leben vermitteln sollen“. [...]
 
Wenn Maria Mies von Alternativen schreibt, dann geht sie – ganz im Gegensatz der  marxistischen Klassiker und zahlreicher gegenwärtiger Autoren, nicht von einem weiteren industriellen Wachstum und der unendlichen Befriedigung menschlicher Bedürfnisse aus, denn die Ressourcen seien alle sehr begrenzt. Insofern plädiert sie für Selbstversorgung, für eine Subsistenzproduktion (für sich selbst), dafür, nicht nur als Konsummarionetten zu dienen, sie nimmt Stellung gegen die  zunehmende Brutalität in den sozialen Beziehungen, will dem dreisten Sextourismus ein Ende setzen. Sie wünsche sich die Absage an die Ausbeutung (S. 368) und ein Ende der zerstörerischen Überproduktion. (S. 387) [...]"
 

arte-Dokumentation - "In nomine patris - Die Interessen der Väterbewegung"

Die andere Herrschaft der Frauen: Das Matriarchat gibt es doch

Das Matriarchat, eine Gesellschaft, in der die Frauen das Sagen haben und nicht die Männer, gibt es nicht und hat es nie gegeben. Zu dieser Auffassung sind die meisten Wissenschaftler nach einem Jahrhundert des Forschens gelangt. Dem widerspricht nun die Anthropologin Peggy Reeves Sanday vom archäologischen Museum der Universität Pennsylvania: Das Volk der Minangkabau auf West-Sumatra lebt im Matriarchat ? jedoch sieht dies anders aus, als von vielen erwartet, schreibt die Wissenschaftlerin in ihrem in diesen Tagen erschienenen Buch "Women at the Center: Life in a Modern Matriarchy" ("Frauen im Mittelpunkt: Leben in einem modernen Matriarchat").
Bei den Minangkabau dreht sich alles um die Frau: In ihrer Naturreligion steht die Frau als mütterliche Königin an der Spitze. Frauen bilden den Mittelpunkt des Soziallebens und verteilen beispielsweise im Erbschaftsfall das Land unter den Hinterbliebenen auf. Bei der Hochzeitszeremonie holt die Frau ihren Gatten ab und lässt ihn bei sich wohnen. Wenn sich das Paar scheiden lässt, muss der Mann seine Sachen packen.

Trotzdem sei dies nicht einfach eine Herrschaft der Frauen, schreibt Peggy Sanday, die mehrere Jahre unter den Minangkabau gelebt hat. Bei den Minangkabau würden Entscheidungen gemeinsam getroffen: Statt Dominanz und Wettbewerb zähle Zusammenarbeit und Ausgleich. Dies sei der Grund, warum westliche Forscher die Minangkabau bisher nicht als Matriarchat erkannt hätten. Sie hätten nach einer Gesellschaft gesucht, in der die Frauen den Ton angeben und die Männer zurückstecken müssen.

ddp/bdw - Florian Sander
14.05.2002

Bild der Wissenschaft

Das nachfolgende Zitat ist oben stehendem Link/Artikel aus Bild der Wissenschaft - "Eva war zuerst da" - entnommen.
 
"[...] "Bei den ganz großen Dingen, wenn es wirklich um etwas geht, wenn gar das Überleben der Spezies Mensch auf dem Spiel steht", lautet das Urteil des Humangenetikers Prof. Lewis Thomas von der Stanford-Universität, "würde ich auf das X-Chromosom setzen. Beim Y-Chromosom hätte ich arge Bedenken."
 
Das Y-Chromosom zählt zu den kleinsten Chromosomen. Vergleicht man es unter dem Mikroskop mit dem wohlgeformten X, erscheint es wie dessen armselig verkrüppelter Partner. Im Gegensatz zum großen X-Chromosom, auf dem zahlreiche Gene für geschlechtsunabhängige Merkmale gefunden wurden, konnten die Wissenschaftler bislang nur sehr wenige Gene auf dem Y-Chromosom identifizieren.
 
Ein großer Teil des Y, nehmen die Forscher an, ist wahrscheinlich einfach leer von Informationen, genetischer Müll. Angesichts solcher Befunde meint der Molekularbiologe Prof. Jens Reich vom Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin: "Ein Mann zu sein, ist der häufigste genetische Defekt in der Natur." [...]"
 
"[...] Um ihre eigene Vergöttlichung glaubwürdiger zu machen, entwickelten die arischen Priesterkasten, welche die indoeuropäischen Eroberer begleiteten, die überspanntesten, verrücktesten ›religiösen‹ Mythen, Phantasien und Verleumdungen, um die Göttin und ihre Verehrung zu verdrängen. Es würde ›dunkle Hinweise‹ dafür geben, dass »viele der Götter des prähistorischen Ägypten lasterhaft und unzivilisiert waren, deren Wildheit durch Menschenopfer und andere blutige Opfer befriedet wurden«, behauptet der Ägyptologe William C. Hayes (›The Scepter of Egypt‹ 1953, S. 78) Seine diffamierenden ›dunklen Hinweise‹ erläutert Hayes nicht, sie sind nicht überprüfbar. Er leugnet damit die Tatsache, dass im ›prähistorischen‹ Ägypten nicht ›viele Götter‹, sondern ausschließlich die Große Göttin in ihrer Trinität als Weise Alte, Neith, als junge Frau im gebärfähigen Alter, I-Set/Isis, und als Todes- und Wiedergeburtsgöttin Nekhbet verehrt wurde. Und alles was er dieser Zeit unterstellt – vom Chaos bis zum Menschenopfer – hielt erst mit der Eroberung in Ägypten Einzug. Dies blendet Hayes aus und verrennt sich in seinem Hass gegen die weibliche Religion und das Matriarchat komplett. Die diffamierenden Mythen Hayes‘ sind nur ein Beispiel von Vielen. Böswillige Unterstellungen der Art von Hayes sind unter religiösen Autoren nicht selten. Wir erhalten einen Hinweis auf seinen gottgläubigen Hintergrund: 1956 war Hayes als Berater an der Produktion des Films ›Die zehn Gebote‹ beteiligt.

Patriarchale Erforschung der Religionsgeschichte beginnt erst mit der Erfindung, bzw. dem Erscheinen der ersten männlichen Götter, die nach dem Vorbild damaliger Despoten erfunden wurden. Sie waren die Ebenbilder machtgieriger, absolutistischer, kriegerischer Alleinherrscher wie die Pharaonen selbst, die absolute Unterwerfung verlangten. [...]
 
So sollen in ›archaischen‹ Zeiten ausgerechnet Frauen und Mütter besonders grausam, blutrünstig und mordgierig gewesen sein. Und es gibt in unseren Gesellschaften eine Tabuisierung weiblichen Widerstands, ja sogar seine Diffamierung als ›eigentliche‹ und schlimmste Gewalt, die auf eine gerade auch bei Männern tiefsitzende Angst davor zurückgeführt werden könnte, Frauen könnten nun doch noch Rache nehmen oder überhaupt zurückfinden zu Empfindungen, die sie in ihrer Kultur pflegten, bzw. zu denen, die sie hatten, als diese Kultur zerstört wurde: Entsetzen, Trauer, Wut, Klarheit und Mut. Wahrscheinlich wird in einer patriarchalen Gesellschaft nichts so sehr gefürchtet wie derartige Empfindungen, wenn sie bei Frauen auftauchen, wie überhaupt die Tiefe der weiblichen Empfindungsfähigkeit, bestehe sie in Wut oder in Liebe. Wäre nicht gerade sie der Wegweiser zur (historischen) Wahrheit unserer Gesellschaftsordnung? In allen Patriarchaten ist daher die ›Kastration‹ der weiblichen Empfindungs-, Denk- und Bewegungsfähigkeit sowie -Freiheit an der Tagesordnung, vom Einkerkern im Haus (im Sinn des Begriffs Harem = Kerker), über das Verhüllen und Verkleiden bis zur Unkenntlichkeit, und umgekehrt über das Enthüllen und Preisgeben des weiblichen Körpers bis zur systematischen Verstümmelung von Leib, Seele und Geist der Frauen.« (Claudia von Werlhof ›Gewalt und Geschlecht‹ in: ›Die Diskriminierung der Matriarchatsforschung. Eine moderne Hexenjagd‹ Autorinnengemeinschaft 2003, S. 25)
 
Es sind vor allem die alten Mythen, die unsere Vorstellungen geprägt haben, »die uns darauf konditionierten, auf eine ganz bestimmte Weise zu denken und sogar wahr-zu nehmen, vor allem wenn wir noch jung und beeindruckbar sind. Oft schildern sie Handlungen von Menschen, die für ihr Verhalten belohnt oder bestraft werden, und wir sind angehalten, sie als nachahmenswerte oder abschreckende Beispiele zu sehen. Diese Geschichten werden uns erzählt, sobald wir alt genug sind, sie zu verstehen, und sie wirken tief auf unsere Einstellungen, unser Verständnis der Umwelt und uns selbst ein. Oft entwickelt sich unsere Ethik, unsere moralischen Vorstellungen, unser Verhalten, unsere Werte, unser Pflichtgefühl und selbst unser Humor aus einfachen Gleichnissen und Fabeln, die wir als Kinder gehört haben. Aus ihnen lernen wir, was in der Gesellschaft, aus der sie kommen, akzeptiert wird. Sie definieren Gut und Böse, Richtig und Falsch, was für die Menschen, die diese Mythen für bedeutungsvoll halten, natürlich oder unnatürlich ist.
 
Ganz offensichtlich vermittelte eine Religion, deren Gottheit weiblich war und als weise, stark, mutig und gerecht verehrt wurde und die dies in ihren Mythen darstellte und verbreitete, ganz andere Frauenbilder, als die heutigen männlich orientierten Religionen es tun.« (Merlin Stone ›Als Gott eine Frau war‹ 1988, S. 30) »Es ist erschreckend«, schreibt die Autorin, »wie wenig über die weiblichen Gottheiten geschrieben wurde, die in den ältesten Zeiten der menschlichen Existenz verehrt wurden, und noch ärgerlicher, dass selbst das vorhandene Material in der gängigen Literatur und der Allgemeinbildung fast vollständig übergangen wird. Es gibt Informationen, es gibt konkrete Funde, die jene weit verbreitete weibliche Religion betreffen, die Jahrtausende vor Beginn des jüdischen und christlichen Glaubens und der klassischen Zeiten Griechenlands blühte. [...]
 
»Nach der fiktiven biblischen Schöpfungsgeschichte hat Gott den Menschen erschaffen. In der Realität und Geschichte der Menschheit lief diese Schöpfung aber umgekehrt. Spätestens seit Xenophanes (um 576 – 480) wissen wir, dass sich immer die Menschen [die Männer] ihren Gott [Frauen ihre Göttin] nach eigenem Bild schufen, denn die Sterblichen wähnen, die Götter würden geboren und hätten Gewand, Stimme und Gestalt ähnlich wie sie selber. Der Monist und Naturphilosoph Ernst Haeckel (1834 – 1919) brachte es auf den Punkt, als er schrieb: ›Die Vermenschlichung Gottes ist dabei in den mannigfachsten Formen ausgebildet. Den meisten monotheistischen Religionen liegt dabei die Vorstellung eines orientalischen Monarchen zugrunde (Jehova im Mosaismus, Gott-Vater im Christentum, Allah im Islam.‹ Das Ergebnis war dabei so unterschiedlich, wie die verschiedenen religiösen Gebrauchsanleitungen es hergaben. Auch in der jüdisch-christlichen Tradition entstanden auf diese Weise sehr abweichende Gottesbilder. Mal war es das eines gnadenlosen Gebieters und zornigen Vergelters, später das eines liebenden und gütigen Vaters, immer aber das einer männlichen Autorität. Der unbestreitbar hohen philosophischen Leistung hinauf zum Monotheismus stand also auch ein tiefer Verlust entgegen: Die Verdrängung des göttlich Weiblichen. Dies war noch bis zur Ausprägung der Alleinherrschaft Jahwes ganz anders. Wie in allen Ländern rund um Palästina war das Göttliche nicht allein auf das Maskuline festgelegt, hatte auch Jahwe einst eine Partnerin gehabt. Ihr Name war Aschera. Hinweise dazu gibt es in der Bibel zuhauf. Um die 40 Mal werden Aschera oder ihr Kultpfahl hier erwähnt. Wir erfahren nicht nur, wie Herrscher der Göttin Standbilder errichten, sondern auch von 400 Propheten Ascheras ist die Rede. (2. Kön 21,7 und Kön 18,19) [...]
 
Wahrscheinlich basierte die Legende vom Paradies, die Ovid als das goldene Zeitalter beschrieb –, in dem ohne Richter und Gesetz im heutigen Sinn, aus eigenem Antrieb die Treue und das Recht hochgehalten wurden –, ursprünglich auf einer kollektiven Erinnerung an die lange friedliche Zeit, als mütterliche Werte im Zentrum standen und die Welt von Matriarchinnen geleitet wurde. Die Vertreibung aus dem Paradies »ist der Mythos von der siegreichen patriarchalischen Gesellschaftsverfassung und Religion… Alles ist hier aus der Perspektive des siegreichen Mannes und Familienvaters gesehen. Die Frau ist die Gefahr, sie ist das böse Prinzip, vor ihr hat sich der Mann zu fürchten… Die Frau ist die Unbeherrschte, Sinnliche, Hemmungslose; sie verführt den Mann mit ihrer Begierde, er kann nicht widerstehen und stürzt in sein Unglück. Wohl in keinem Dokument ist die Angst des Mannes vor ihr und der Vorwurf, sie sei die Verderben bringende Verführerin, deutlicher und drastischer zum Ausdruck gebracht als in diesem Mythos, der das männliche, patriarchalische Weltbild ausdrückt. Vom Sündenfall über die Hexenprozesse bis zu Otto Weininger (1903) und seiner These von der seelischen und sittlichen Minderwertigkeit der Frau – überall ist es dieselbe Verachtung, derselbe Hass und dieselbe Angst vor der Frau, die den Männern der patriarchalischen Gesellschaft eignet.« (Erich Fromm ›Liebe, Sexualität und Matriarchat – Beiträge zur Geschlechterfrage‹ 1994, S. 76)
 
Die Bibelschreiber erschufen die Frau aus dem Körper eines Mannes wohl auch aus Rücksicht auf die Eifersucht des Mannes, denn:
»In Israel soll die Tatsache, dass neues Leben im und aus dem Körper der Frau erwächst, während der effektive männliche Beitrag zu diesem Wunder auf den kurzen Vorgang der Begattung beschränkt ist, zur bleibenden Irritation und sogar Beleidigung der Männerwelt geführt haben.« (O. Keel/S. Schroer ›Eva – Mutter alles Lebendigen‹ 2004, S. 11)
Patriarchale Männer woll(t)en als machtvolle, potenzstrotzende Kerle und stolze Väter vieler Söhne in die Geschichte eingehen, was uns durch die bedeutendste patriarchale Schrift, die Bibel, beispielhaft übermittelt wird. Schon Adam und Eva zeugten ausschließlich Söhne; wie sich diese fortgepflanzt haben sollen, darüber schweigen die Chronisten. Schon in der ersten Generation der drei Söhne Kain, Abel und Seth (!) wurden Frauen nicht mehr erwähnt. Noah hatte ebenfalls ausschließlich Söhne: Sem, Ham und Jafet, die Verwandtschaft folgte nur noch der männlichen Linie und die patriarchale biblische Welt bestand fast ausschließlich aus Männern. [...]

›Wir verstehen, dass der Primitive einen Gott braucht als Weltschöpfer, Stammesoberhaupt, persönlichen Fürsorger. Dieser Gott hat seine Stelle hinter den verstorbenen Vätern, von denen die Tradition noch etwas zu sagen weiß. Der Mensch späterer Zeiten, unserer Zeit, benimmt sich in der gleichen Weise. Auch er bleibt infantil und schutzbedürftig – selbst als Erwachsener.‹ (Sigmund Freud)
 
Es waren patriarchale Männer, die Meister im Erfinden von Hirngespinsten wurden und diese religiös verbrämten. Religion ist als Vehikel für verrückte und absurde Ideen das geeignete Mittel. Infantiles, naives Staunen wird angestrebt, denn dabei geht es ausschließlich um Glaubennicht um Denken, nicht um Wissen, nicht um Zweifel, nicht um Reflexion. Aber die patriarchalen Einfälle waren nicht nur infantile Hirngespinste, sie waren Kalkül, Ideologien; ihren Erfindern ging es dabei um Macht, um Besitz, um Güter und Reichtum. [...]"
 
Wie hier (siehe unten eingefügten Text) beschreiben, verhält es sich noch heute - siehe all die Verhältnisse von Herrschen, Unterwerfen, Ausbeuten: seit Jahrtausenden, seit Bestehen des Patriarchats und das global. Noch immer. Druck, Zwang, Kontrolle, Konkurrenz, Kampf, Strafe, Unterwerfung, Ausbeutung - Gewalt.
 
"[...] Magie und Zauberei sind in der Religion der indoeuropäischen Priesterkaste extrem häufig. Nach dem Hokuspokus der magischen und zauberreichen ›Religion‹ der indoeuropäischen Herrscherklasse in Ägypten finden wir Anteile davon später wieder im patriarchalen Alten Testament; Magie, Zauber und Wunder wurden übernommen. Nach dem ›gebärenden‹ Atum wird jetzt ein Gott erfunden, der den ersten Menschen nicht mehr aus einem Mann, aber auch nicht aus einer Frau geboren sein lässt, sondern ihn selbst aus Ton bastelt und ihm Leben einhaucht. Zu den bis heute geglaubten Wundern gehören u.a. eine zum Verbotenen auffordernde Schlange im Garten Eden oder ein sprechender Dornbusch; im Neuen Testament gebiert eine ›unbefleckte Jungfrau‹ ein Kind, läuft ein Mann über das Wasser und verwandelt Wasser in Wein, erweckt Tote zum Leben und fährt leiblich in den Himmel auf usw. usw. Bigotte Männer erfanden einen Teufel und hatten die sadistische Idee, der ›liebe‹ Gott lasse die Sünder auf ewig in der Hölle schmoren; sie malten sich perverse Szenen von sexuellem Verkehr von ›Hexen‹ mit dem Teufel aus, phantasierten ›Teufelsbuhlschaft‹; zu diesen Phantasten gehörte Luther. Aber es scheint, je verrückter die Idee, desto eher wird sie geglaubt und desto größer der Glaube. Es war reines Kalkül. Ohne diese platten Phantasien von Wundern, Magie und Zauberei würden die monotheistischen Religionen zusammenbrechen wie ein Kartenhaus. Deshalb hält das Patriarchat an den absurden Ideen fest. Was wäre Jesus ohne die Legenden von seinen Wundern? Er wäre ein ganz gewöhnlicher Wanderprediger, von denen es vor und nach ihm Tausende gegeben hat. Er hatte aber zusätzlich noch die sich selbst überschätzende Idee, der ›König der Juden‹ und Sohn eines Gottes zu sein.

Die von patriarchalen Männern erfundenen ›Religionen‹ basieren auf männlicher Hybris und sind in erster Linie berechnende, dreiste, dumme, einschüchternde, drohende, moralische und moralisierende Ideologien, zur besseren Beherrschung und Kontrolle des unterdrückten und ausgebeuteten Volkes. Sie haben nichts ›Heiliges‹ nichts ›Vergeistigtes‹, nichts ›Transzendentes‹, nichts ›Metaphysisches‹, sind keine ›sublimen Abstraktionen‹ und haben nichts mit der lateinischen Definition von ›religio‹: ›gewissenhafter Berücksichtigung‹, ›Sorgfalt‹, ›bedenken‹, ›achtgeben‹, zu tun! Sie sind nichts anderes als politische Konstrukte der Herrschenden und ihrer Priesterkaste. [...]
 
Weil allen Göttern weibliche Organe fehlen, sahen sich die Priester der frühesten patriarchalen Götter gezwungen, ihre eigene Art der Schöpfung und des Gebärens zu erfinden. In Ägypten behauptet Amun: »Mannigfaltig sind die Ge­stal­ten, wie sie aus meinem Munde ›hervor­gegangen‹ sind.« Ra vermählte sich mit seiner Hand und ›gebar‹ durch seinen Penis; Amen nahm den Phallus in seine Faust, aß seine Spermien und ›erzeugte‹ so das Geschwisterpaar Schu und Tefnut. (s. auch ›Von schwangeren Männern und göttlichen Gebärern‹)

So ›gebären‹ Götter die Ge­schöpfe durch Mund und Nase, durch den Penis, die Augen, durch Ausscheidung, Erbrechen, Spucken, Aushusten, durch Onanie, Selbstbegattung, Spermien, Speichel, Tränen und Blut. Die makaberen und unappetitlichen Mythen, die davon berichten, müssen den ÄgypterInnen, sofern sie überhaupt davon hörten, wie gigantische Possen vorgekommen sein, die bei ihnen wohl eher Spott und Ekel als Ehrfurcht auslösten. Und all das wurde erfunden, um davon abzulenken und nicht daran zu erinnern, dass Kinder seit jeher aus den Frauen und nicht aus Göttern geboren werden. [...]
 
Denn wie wir wissen, brachten die indoeuropäischen Sumerer den UreinwohnerInnen Mesopotamiens keine Kultur, sondern Gewalt und Krieg und zerstörten deren über lange Zeit gewachsene Kultur weitgehend. Die indoeuropäischen Priesterkasten waren die ersten Missionare, die die Welt für ihre erst erfundenen patriarchalen Götter überfielen, plünderten und eroberten. Missionierung ist nichts anderes als der Zwillingsbruder von Invasion und Kolonialismus; Missionierung heißt, sich andern überlegen fühlen, die einzige ›Wahrheit zu besitzen, heißt Eroberung fremder Kulturen, die Zerstörung fremder Anschauungen, Religionen und Länder; Missionierung ist religiös vertuschte Kolonisierung, angemaßte Herrschaft, Ausbeutung, Arroganz, Heuchelei, Verlogenheit, Intoleranz und Versklavung. [...]
 
»Die Bedeutung dieser Prüfung liegt darin, zu zeigen, dass der Mann seine Unfähig­keit zu natürli­chem Schöp­fer­tum – einer Fähigkeit, die nur die Erde und die Frau­en haben – durch ei­ne neue Art des Schöpfertums, nämlich das des Wortes (oder Den­kens), überwunden hat. Marduk, der auf seine Weise et­was erschaffen kann, hat die natürliche Überlegenheit der Mutter über­wunden und kann daher an ihre Stelle treten.« (Erich Fromm ›Anatomie der menschlichen Destruktivität‹ 1974, S. 146) [...]
 
Der Mythos von der männlichen Schöpfung durch das Wort wurde in die Zeit Hammurabis, der mit Abraham gleichgesetzt wurde, datiert. Das macht den Ursprung der biblischen Schöpfungslegende durch das Wort Gottes verständlich. »Der biblische Mythos beginnt dort, wo der babylonische endet. Die Oberherrschaft eines männlichen Gottes ist errichtet, und von der früheren matriarchalischen Stufe ist kaum noch eine Spur geblieben. Marduks ›Prüfung‹ ist zum Hauptthema der biblischen Schöpfungsgeschichte geworden. Gott erschafft die Welt durch sein Wort; die Frau und ihre schöpferischen Kräfte sind nicht mehr notwendig. Selbst der natürliche Verlauf, dass die Frau Männer gebiert, ist umgekehrt. Eva wird aus Adams Rippe geschaffen.« (Fromm ›Märchen, Mythen, Träume – Eine Einführung in das Verständnis einer vergessenen Sprache‹ 1991, S. 156) »Der biblische Mythos ist ein Triumphgesang über die besiegte Frau; er leugnet, dass die Frau den Mann gebiert und verkehrt die natürlichen Beziehungen ins Gegenteil.« (Fromm ›Liebe, Sexualität und Matriarchat‹ 1994, S. 127)
 
›Wer die Macht über das Wort hat, hat auch die Macht über das Denken der Menschen‹
Verständlich, dass die »Priester der männlichen Götter sich geradezu auf die Vorstellung, durch das Wort erschaffen zu können, stürzten, weil dadurch das schwierige Problem vermieden wurde, wie ein Wesen, das nicht gebärfähig ist, dennoch erschaffen konnte. Deshalb wurde der Logos zu einem wichtigen Versatzstück jeder patriarchalischen Religion. Ein Grund der männlichen Begeisterung für die Lehre vom Logos lag darin, dass diese Lehre den männlichen Gottheiten eine Schöpfungsmethode zur Verfügung stellte, was früher ausschließlich Vorrecht der Leben spendenden Göttinnen war« (Angus, zit. von Walker 1993, S. 620, und 1997, S. 149).Der Mythos von der Schöpfung durch das Wort ist eine der raffiniertesten Erfindungen, um die Schöpfungskraft der Frau zu leugnen, und ist gleichzeitig »die widernatürlichste Fantasie, die nur denkbar ist, sie verneint alle Erfahrung, alle Wirklichkeit, alle natürliche Bedingtheit. Sie setzt sich über alle Schranken der Natur hinweg, um ein Ziel zu erreichen: den Mann darzustellen als den schlechthin Vollkommenen, als den, der auch die Fähigkeit besitzt, die ihm das Leben versagt zu haben scheint, die Fähigkeit zu gebären. Diese Phantasie, die nur auf dem Boden einer extrem patriarchalischen Gesellschaft erwachsen kann, ist das Urbild allen idealistischen, sich über die natürlichen Bedingungen und Gegebenheiten hinwegsetzenden Denkens. Sie ist gleichzeitig der Ausdruck einer tiefen Eifersucht des Mannes auf die Frau, des Gefühls seiner Minderwertigkeit durch den Mangel dieser Fähigkeit, des Neides auf ihr Gebärenkönnen und des Wunsches, die Fähigkeit, wenn auch mit andern Mitteln, zu erlangen.« (Fromm ›Liebe, Sexualität und Matriarchat‹ 1994, S. 91). [...]
 
Erst die abstrakten Vorstellungen von Göttern machten es den Mythographen möglich, einen Götterhimmel ohne das Konkret-Schöpferisch-Weibliche zu schaffen und ihre Götter von der irdischen Wirklichkeit durch eine fiktive schöpferische Kraft zu befreien. Dieses Abstraktum nennen sie geistig, immateriell, spirituell, substanziell, transzendent, verborgen, mystisch, mysteriös, unfassbar, unbeschreibbar, ein abstraktes moralisches Prinzip, weshalb die monotheistischen Buch-Religionen von ihren Vertretern als ›Hoch‹-Religionen bezeichnet werden. Suggeriert wird damit, sie seien, weil geschrieben, ›höher‹, weiser, göttlicher, geistiger , moralischer, vorbildlichen usw. als die von ihnen abgewertete ›profane‹ Natur- oder Volksreligion. Ein Etikettenschwindel, genau wie die Bezeichnung ›Hochkultur‹. Die ›Hochreligionen‹ sind allesamt abstrakt, losgetrennt von irdischer Wirklichkeit, sie behaupten, sie hätten die Grenzen des Bewusstseins überschritten, doch sie gründen auf Irrealem, Wahnhaftem. Freud spricht von einer ›Zwangsneurose‹ und ›halluzinatorischer Psychose‹. Die Hochgott-Religionen seien nicht erklärbar, unfassbar, »was das Auge nicht gesehen, noch das Ohr gehört hat«. Doch das sind hilflose, infantile Verschleierungstaktiken. So entkommt man dem Erklärungsnotstand für ›transzendente‹ Götter und ihre absurden bis bösartigen Botschaften.

»Der Religionshistoriker Olivier Roy hat in seinem Buch ›Heilige Einfalt‹ (2010) eine schlüssige Erklärung dafür gegeben, warum in einer säkularisierten Welt Fanatismus entsteht: Glaubensgrundsätze würden umso heftiger durchgesetzt, je weniger sie sichtbarer, selbstverständlicher Teil einer Gesellschaft sind« (Süddeutsche.de 21.3. 2013).

Der raffinierte Mythos vom ›ewigen Leben im Jenseits‹
Nach aller Mühe, die sich die indoeuropäischen Priesterkasten in Sumer und Ägypten bei der Bewältigung des Problems des männlichen Schöpfertums – der männlichen Schwangerschaft und des männlichen Gebärens – gemacht hatten, stand ihnen noch eine weitere Knacknuss bevor. Was konnte man dem Glauben an eine Wiedergeburt im Diesseits, der ja nur mit gebärfähigen Frauen möglich ist, entgegenstellen, um einen Glauben an ein Weiterleben im Jenseits zu verankern? Wie sollte eine von Frauen unabhängige Form des Nachtodes aussehen? Da brüteten sie den Gedanken an eine physische Auferstehung und ein Weiterleben nach dem Tod in einem obskuren Jenseits aus. [...]
 
Der amerikanische Schriftsteller Gore Vidal, ein Kritiker sozialer Missstände und politischer Willkür, drückte es so aus:
›Das große unsagbare Übel im Mittelpunkt unserer Kultur ist der Monotheismus. Aus einem barbarischen bronzezeitlichen Text, der unter dem Namen Altes Testament bekannt ist, haben sich drei menschenfeindliche Religionen entwickelt: das Judentum, das Christentum und der Islam. Es sind Himmelsgott-Religionen.‹
Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes patriarchalisch – Gott ist der allmächtige Vater –, und deshalb werden Frauen in den Ländern, die von dem Himmelsgott und seinen irdischen männlichen Vertretern heimgesucht waren, mehr als 2000 Jahre lang verachtet, unterdrückt, ausgebeutet und missbraucht. Grund ist eine Mischung aus Schuld, Neid und Angst vor der Frau.
 
»Der Monotheismus ist nicht nur eine Religion neben anderen – sondern ein Machtverhältnis. Jeder Vorstellung von Einem Gott liegen hierarchisches Denken, Kategorien wie Vorrang und Überlegenheit zugrunde. Der Eine Gott ist ›mehr‹ und ›höher‹ als alle anderen Götter. Und seine Anhänger sind allen Ungläubigen überlegen… Mit dem Alleinvertretungsanspruch auf Wahrheit kamen zum ersten Mal Orthodoxie, Blindgläubigkeit und Verfolgungspraktiken auf. Alle Widersacher der wiedergeborenen Eiferer mussten gnadenlos vernichtet werden. Wie es im Bund der Juden mit Jahwe heißt: ›Wer nicht den Herrn und Gott Israels sucht, der soll durch das Schwert umkommen, ob klein, ob groß, ob Mann oder Frau‹.« (Rosalind Miles ›Weltgeschichte der Frau‹ (1990) 1995, S. 96) Im Koran heißt es, dass nur Allah der einzige und wahre Gott sei, und all jene, die an falsche Götter glauben, vernichtet werden müssen. Für die Mörderbanden des IS gilt dies auch für ihre muslimischen Brüder, die nicht ihrer Version des Glaubens anhängen. Bei den Christen ist es der ›Liebe Gott‹, der mit den Kreuzzügen gegen alle ›Ungläubigen‹ blutig verteidigt werden musste. Also bekämpfen sie sich gegenseitig bis auf Blut; auch wenn ein paar besonders kluge Monotheisten behaupten, es handle sich bei allen Dreien um den gleichen Gott. [...]
 
Der indoeuropäischen Tradition, sich Überlegenheit, Macht, Land, Reichtum und ›Göttlichkeit‹ durch einen männlichen Ur- oder Vatergott attestieren zu lassen, folgten alle späteren patriarchalen Religionen, auch das Christentum. [...]

Das Problem, dass mit wissenschaftlichen Begriffen persönliche Glaubensinhalte als Fakten dargestellt werden, ist eine Verfälschung der Religionsgeschichte und kommt einer Indoktrination gleich. Mangels besseren Wissens können die wenigsten Menschen diesen Betrug durchschauen. Sie glauben den Autoritäten, auch wenn diese die Tatsachen lügenhaft und verzerrt darstellen oder ganz unterschlagen. [...]"
 
Bis heute werden alleinerziehende Mütter ausgegrenzt, geächtet, diskreditiert, abgewertet, beschädigt - mal mehr, mal weniger offensichtlich. Diese Frauen (mehrheitlich sind Frauen alleinerziehend, sowohl national wie transnational/global betrachtet) werden dafür bspw. mit materieller Armut bestraft. Und entsprechend aggressiv patriarchalisch ist die neue "Männer- und Väterbewegung".
 
"[...] Die Kirche die gegen jede sexuelle Handlung außerhalb der Ehe ist und die Familie heilig sprach, konnte nicht dulden, dass Jesus, der Sohn des Vatergottes unehelich und dazu noch mit dem von Augustinus verbreiteten Makel, einer Erbsünde belastet geboren wurde, die ja durch Geschlechtsverkehr erfolge. Im katholischen Kirchenrecht wurde die Gleichstellung nichtehelicher mit ehelichen Kindern erst 1983 anerkannt; also 2000 Jahre nach Jesus und seiner mystifizierten Empfängnis und der Reinheit seiner Geburt – und alle glauben daran (außer Uta Ranke-Heinemann, die deshalb als Ketzerin aus dem Lehramt gefeuert wurde).
 
Die alleinstehende Frau und die alleinerziehende Mutter passen nicht ins Schema des Patriarchats. Sie büssen für ihr Abweichen von der gewünschten patriarchalen Norm mit sozialem Abstieg. Müttern und ihren Kindern droht in den reichsten Ländern der Welt ständig die Verarmung. Sie verstossen gegen die Dogmen der Kirche, haben sich entweder scheiden lassen – was für die Kleriker, die sich entweder vor der Verantwortung einer Beziehung gedrückt, oder (offiziell!) keine Kinder haben und nicht in ehelichen Verhältnissen leben – eine Straftat ist; oder die Frauen haben nach kirchlichem Werturteil gesündigt und ausserhalb der Ehe ein Kind gezeugt und müssen dafür bestraft werden. Selbst verheiratete Frauen versuchten noch vor wenigen Jahrzehnten ihre schönen schwangeren Bäuche zu verstecken, da sie ja von ihrer ›unkeuschen‹ Sexualität zeugen. [...]
 
»Es sollte aber nicht vergessen werden«, gibt er zu bedenken, »dass in apokryphen Texten (Thomasakten) der Heilige Geist als ›Mutter‹ angesprochen wird.« (W. Westendorf, ZÄS 1974, S. 140) Apokryphen stehen für religiöse Schriften, die von der christlichen Kirche abgelehnt, nicht anerkannt, jedoch sehr bedeutsam sind. Apokryph bedeutet verborgen, geheim, dunkel, abseitig, unecht und unzuverlässig." [...]"
 
Quelle: doriswolf.com, siehe oben verlinkten Text.
 

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