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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Auf ein Wort zu ... Halloween

 
Auf ein Wort zu … Halloween: (re-) importierter, us-amerikanischer Karneval mit Merchandising-Exzess, Vandalismusparty
 
Jetzt ist es so weit … dieses Jahr kann ich nicht mehr an mich halten und muss meiner Genervtheit ob des bevorstehenden "Hallo-Wahnsinns" Ausdruck verleihen. ;)
Nicht, dass es mich bereits zahlreiche Jahre zuvor weniger genervt hätte, es schriftlich zu äußern, hatte ich mich bisher nur nicht veranlasst gesehen.
 
Halloween also.
 
Inzwischen hat sich vermutlich doch ein wenig herumgesprochen, dass dieser lästige Süßigkeiten-Bettelgang, welcher mit nicht einfach bloß "gruseliger", sondern schlicht einfallslos standardisiert hässlicher, anonymisierender Verkleidung sowie Maskierung, nicht selten auch diverser Sachbeschädigung einhergeht, sich keineswegs direkt von keltisch-heidnischen Bräuchen herleitet, folglich auch nicht auf das vermeintliche Samhain-Fest zurückgeht, obgleich selbiges noch immer fröhlich kolportiert wird.
 
Viel mehr handelt es sich dabei um hier Verbreitung gefunden habendes, us-amerikanisches, oberflächliches Kommerz-Spektakel – ohne tiefere Bedeutung, ohne Gehalt, ohne Originalität, Vielfalt, Geist, Humor, Ästhetik, Kunst, Kreativität, besondere geschichtliche und/oder regionale Bezüge, Unterschiede, Bräuche oder gar spirituellen Hintergrund.
 
Was ursprünglich vielleicht als harmlos witziger Schabernack angedacht war, ist zum in den Herbst verlegten Karneval und Heischebrauch mit unzumutbaren Auswüchsen geworden:
 
Wo vor etlichen Jahren noch Schulkinder in kleinen Gruppen - je nach Alter auch in Begleitung verantwortungsbewusster Erwachsener - mit einfachen, selbst zusammengesuchten Verkleidungen, mitunter auch detailverliebt geschminkt und mit einem kleinen Körbchen ausgestattet, an den Haustüren klingelten, den Hausbewohnern kurzweilige, auswendig gelernte Verse aufsagten und auf diese Weise höflich-zurückhaltend um süße Kleinigkeiten baten, allenfalls, bei Nichterhalten selbiger, lustige, leicht entfernbare Straßenmalkreidebilder auf der Straße, dem Weg vorm Haus hinterließen oder höchstens etwas, d.h. wenig Rasierschaum auf die Fußmatte sprühten, werden heute:
 
Lebensmittel bedenkenlos verschwendet, an Türen, in Briefkästen, an Autos und auf die Straße geworfen (Schmierereien mit Mehl, Tomaten, Ketchup und rohen Eiern – seltsam, dass sich hier keiner um Salmonellengefahr sorgt ;) ), stehen Kinder heute nur noch "Süßes, sonst gibt´s Saures!" laut grölend - mit schwarzen und orangefarbenen Plastikeimern, welche in jedem gut sortierten Drogeriemarkt käuflich erwerbbar sind, unterm Arm - vor der Tür und werden auch die ganz Kleinen schon, im Kindergartenalter und jünger, mit hässlichen, fertig gekauften Zombie-, Scream-, Horror-Billigkostümen und ebensolchen Masken behängt, durch die Dunkelheit geschleift.
 
Laternelaufen, Martinssingen, Herbstfeuer war gestern. Ist nur noch was für "linksgrünversiffte Ökoveganfaschisten" oder konservative, traditionsverblendete Provinztümler. (Sorry für nicht abgeklemmte Polemik an dieser Stelle.)
 
Mit ein paar Bonbons oder einer Tafel Schokolade für alle, ist die Meute heute längst nicht mehr zufriedenzustellen. Nein, die ungesunden Industrie-Süßigkeiten, die ohnehin alle gleich, nämlich tatsächlich gar nicht: schmecken, müssen, wie erwähnt, eimerweise an möglichst jedes Kind einzeln verteilt werden.
Und natürlich sind die Supermärkte, Discounter und Drogerien seit Jahren – nun auch noch kurz vor dem lukrativen Advents- und Weihnachtskonsumrauschreibach - vollgestellt mit billig hergestelltem, gleichwohl überteuert verkauften Einheitsgeschmack-Süßzeug in 08/15 "Halloween"-Aufmachung.
 
Dass man mich nicht missverstehe:
Nichts gegen ausgehöhlte, erleuchtete Kürbisse in Gärten, Häusern und auf Wegen, nichts gegen bunte, selbstgestaltete Laternen, sichere Fackelgänge - untermalt von rezitierten Versen und Gesängen durch die Dunkelheit -, nichts gegen einmaliges, nicht penetrantes Klingeln bei Fremden oder Bekannten und nichts gegen maximal eine Handvoll Süßes (oder Obst oder Nüsse – deren Erntezeit nun mal in den Herbst fällt) sowie schlichte, nicht kostenintensive, dabei aber durchaus kreative Verkleidungen.
 
Aber:
Bitte, ihr süßen Kleinen und Großen, vergesst nicht, dass mancher, bei dem ihr sturmklingelt und dem ihr "zur Strafe", aus Rache oder Schadenfreude (?) Sekundenkleber an die Klingel, den Briefkasten, die Autotür (oder was wohin auch immer) schmiert, weil er nicht öffnet, möglicherweise gar nicht zu Hause ist; außerdem hinter mancher Tür kranke Menschen (auch kleine Kinder), die dringend Ruhe brauchen, überdies Gehbehinderte (die nicht mal eben schnell in den nächsten Supermarkt spurten können, um sich dort mit extra "Halloween"-Süßkram für kommende Störenfriede auszustatten, zu wappnen) oder ältere Menschen mit beschämend mickriger Rente - also so geringen finanziellen Mitteln, dass diese das eigene Überleben kaum ermöglichen - leben.
 
Und bitte:
Respektiert, dass schlicht nicht alle Menschen diesen durchkommerzialisierten HalloWahnsinn mitvollziehen möchten, diese dafür jedoch – mittels Ruhestörungen, Randale, Vandalismus … - bestraft werden weder wollen noch dürfen.
 
Vielleicht wird aus dem mittlerweile zur Konvention gewordenen Konsum-Zirkus eines Tages dann ja doch noch ein geselliges, rücksichtsvolles, fröhliches Herbsttreiben – ohne Zwang zum Mitmachen, ohne dreistes Aufgenötigtbekommen und stillschweigendes Ertragenmüssen (weil man anderenfalls als spaßbremsiger, geiziger, verstockter Kinderfeind gilt), ohne Sach- und Personenbeschädigung, Krawall und Stumpfsinn, stattdessen tatsächlich mit Anstand und Freude. 
 
Ich fürchte allerdings, eine solch reformatorische Transformation  ist in Zeiten von Ballermann, all you can eat, XXL-Portionen, everything to go, Komasaufen, Oktoberfest/en (in auch Norddeutschland …), Pegida, exzessiv-hedonistischem Orgientum, Gier, Geiz, Völlerei, Maßlosigkeit, selbstgerechter Ignoranz, beinahe ausgestorbenem Feinsinn, Feingeist, Subtilität … schlicht zu viel erwartet.
Mit anderen Worten: Die niederen Triebe des Menschen sind augenscheinlich unausrottbar, ja nicht einmal domestizierbar.
 
In diesem Sinne – fröhlichen All Hallows´ Eve!
 
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Halloween - Wenn der Hässlichkeit frönende Kinder mit als Kürbis getarntem Putzeimer sturmklingeln und unter Strafandrohung geschmacksidentische Industriepampe einsacken, um dem Konsumexzess zu huldigen - bleibt diese Tür geschlossen. Garantiert. :-***

Halloween - Wenn der Hässlichkeit frönende Kinder mit als Kürbis getarntem Putzeimer sturmklingeln und unter Strafandrohung geschmacksidentische Industriepampe einsacken, um dem Konsumexzess zu huldigen - bleibt diese Tür geschlossen. Garantiert. :-***

 
Es lässt sich nur ein Mal mehr die Verrohung von Menschen feststellen, Menschen, die alles andere als empathisch, feinfühlig, feingeistig sind. Und wie stets wäre - eigentlich - auch hier die Frage zu stellen: Warum verhält es sich so? Wie kommt es wodurch zu solchem Verhalten, wodurch wird es ausgelöst und befördert?

Und interessieren würde mich in diesem Zusammenhang auch die Geschlechterverteilung: wieviele der "Horror-Maskenträger", die gewalttätig, übergriffig werden und Sachschaden anrichten, sind Männer und wieviele Frauen?
 
Was die Verrohung, den Werteverfall anbelangt: Ja, es hat zu allen Zeiten Barbaren ;) gegeben, aber muss ihr Tun, das andere schädigt, deshalb ignoriert oder toleriert werden? - Ich meine: nein.
 
Überdies ist es ein besonderer Umstand, dass hier Menschen, die sich maskieren, also anonymisieren, meinen, auf diese Weise nun mal ordentlich die Sau `rauslassen zu können - was sagt das über diese Menschen, Personen, Persönlichkeiten aus? Eben.
 
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