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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Über die Postwachstumsgesellschaft

Die Postwachstumsökonomie - Ein Vademecum
Von Niko Paech

postwachstumsoekonomie.de

Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie
Von Niko Paech

postwachstumsoekonomie.de

Aktualisierung am 29. Februar 2020
 
Im Radio, bspw. auf Sendern wie dem Deutschlandfunk und anderen öffentlich rechtlichen (swr2, hr2, wdr3, dlf kultur) sowie auch immer wieder mal im TV ist zu hören, man solle wegen des Klimawandels (zur besseren Ökobilanz ...), für die Agrarwende, für das Tierwohl, für fairen Handel, soziale (Verteilungs-) Gerechtigkeit, zur Nachhaltigkeit, gegen Ausbeutung und Zerstörung (von Menschen, Tieren, Ökosystem, Biodiversität durch bspw. auch Rohstoffraub, landgrabbing, outsourcing, Kriege ...) anders, bewusster konsumieren.
 
Es heißt da immer wieder, man solle bspw.
 
- weniger fliegen, weniger Flugreisen, Fernreisen und Kurzstreckenflüge tätigen
 
- weniger Fleisch essen (und Milchprodukte und Fisch)
 
- weniger Auto fahren, stattdessen mehr Rad fahren und den ÖPNV sowie die Bahn nutzen
 
- keine unnötigen, überflüssigen Käufe tätigen, insbesondere keine "Billigtextilien", nicht kompensatorisch konsumieren
 
- Kunststoff einsparen, meiden, auf alternative Materialien zurückgreifen (Glas, Stoff, Holz, Metall bspw.)
 
- Kapselkaffee(automaten) und Einweg-, Wegwerfmaterial nicht nutzen, siehe die gesamte unsägliche ToGo-Unkultur
 
- Ökostrom nutzen
 
- weniger Ski fahren und Kreuzfahrten machen
 
- qualitativ hochwertige, regionale, saisonale, fair gehandelte, somit idealerweise Bio-Lebensmittel (aus echtem ökologisch-dynamischen Anbau, siehe Bio der Anbauverbände, nicht EU-"Bio") kaufen, idealerweise auch andere nachhaltig hergestellte Produkte wie Kleidung, Möbel, Kinderspielzeug, Hausrat und/oder statt dies zu kaufen, es teilen, tauschen, leihen, secondhand erwerben oder auch schenken, spenden
 
und so weiter.
 
Ich frage mich dann jedes Mal:
 
Haben Menschen, die Zivilbevölkerung in Deutschland?, in Europa?, in den Industrienationen? mehrheitlich? tatsächlich Jahrzehnte lang überwiegend so ignorant, egoman, horizontverengt gelebt, konsumiert, sich verhalten?
 
Ist es weltweit? wirklich nur eine Minderheit von Menschen, Individuen, Persönlichkeiten, Gemeinschaften, die Solidarität, Kooperation, Mitgefühl und Verantwortung überzeugt leben, internalisiert haben, sich aus intrinsischer (nicht ideologisch, religiös oktroyierter) Moral heraus entsprechend prosozial, integer, gewissenhaft, verantwortungsvoll, solidarisch, mitfühlend, fair, bedürfnisorientiert fürsorglich verhalten w o l l e n und dies auch tatsächlich tun?
 
Heute spricht man im Zusammenhang mit all dem Genannten von freiwilligem Verzicht, der mehr Genuss, Zeit, Muße, Zufriedenheit bringt, von Suffizienz, Postwachstum, Konvivialismus, Gemeinwohlökonomie.
 
Ich frage mich dann jedes Mal, ob in solchen Sendungen all diese Menschen, die sich längst so prosozial und solidarisch, altruistisch, so verantwortungsvoll, integer, reflektiert, reif verhalten, offenbar nie gemeint sind - eben w e i l sie eine Minderheit darstellen?
 
Dann gälte es ein Mal mehr, die Ursachen, die zu Ignoranz, Bequemlichkeit, Gier, Geiz, Neid, Verantwortungslosigkeit, Selbstsucht/Egozentrismus, antisozialem, gewaltvollen Verhalten, Selbstbetrug, fehlendem Mitgefühl und all dem daraus resultierenden, typischen, bekannten (selbst-) destruktiven Kompensationsverhalten führen, endlich angemessen zu beheben.
Stichwort Prävention. Hat immer mit Kindheit, Prägung, Sozialisation zu tun, somit auch mit Schule, vermittelten Werten, Idealen, Menschenbild etc..
 
Nein, "der Mensch" ist nicht des Menschen Wolf.
Nein, der Mench ist kein homo oeconomicus.
Nein, "die Moral" ist nicht tot, wenn "Gott" tot ist.
Nein, Macht, Gewalt, Rache, Strafe, Sozialdarwinismus, Biologismus, Hass, Religion(en), Selbstbetrug und "innere Emigration" sind weder zuträglich, wohltuend noch konstruktiv oder geboten.
 
Haben so viele Menschen tatsächlich nie reflektiert, erkannt, dass Sinnfindung, ein erfülltes Leben, Lebenszufriedenheit sich nicht aus Konsumismus, aus Haben, Besitzen, Besitzmehren speisen, sondern aus Teilen, G e b e n, nicht-paternalistisch Fürsorglichsein, Verantwortung tragen - Lieben?
Haben sie diese wohltuende, heilsame Erfahrung des aktiven Liebens - nicht nur des Geliebtwerden(wollens), also wiederum des vorwiegenden Nehmens, statt des Gebens - nie gemacht?
Sind sie emotional so taub, verpanzert, versehrt, dass sie diese Erfahrung nicht machen, nicht kennen k ö n n e n?
 
Die Urbasis jeder Ethik ist das jedem Menschen wie auch anderen Primaten angeborene M i t g e f ü h l.
Dieses gilt es daher zu stärken, zu kultivieren, zu reaktivieren. Global.
 
Statt "Pinzip Hoffung" (Ernst Bloch), "Prinzip Verantwortung" (Hans Jonas), müsste es um das "Prinzip Liebe" gehen:
 
- Erich Fromm ("Die Kunst des Liebens")
- Arno Gruen (Mitgefühl)
- Emmanuel Lévinas (Liebe für den Anderen, Verantwortung gegenüber dem Anderen)
- Martha Nussbaum ("Gerechtigkeit braucht Liebe").
 
Die Kernelemente von Liebe bzw. des aktiven Liebens sind, nach Erich Fromm, eben diese:
 
Erkenntnis, Achtung, Verantwortung, Fürsorge, Freiheit, Verbundensein.
 
Fragt (psychoanalytisch, nicht mit S. Freud oder C.G. Jung, sondern mit E. Fromm, A. Gruen, A. Adler, S. Ferenczi), warum augenfällig nur so vergleichsweise wenige Menschen liebesfähig sind und wie dem wodurch angemessen abzuhelfen und vorzubeugen ist.
 
Fakt ist: Es gibt diese liebesfähigen (prosozialen, verantwortungsvollen, mitfühlenden, solidarischen, hilfsbereiten, reflektierten) Menschen. Nachweislich und glücklicherweise.
Nein, sie sind weder "Engel" noch "Götter", sondern einfach nur reflektierte, vernünftige, reife, liebesfähige, sozial und emotional intakte Persönlichkeiten. Aus Gründen.
 
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Die Frage - nicht erst am Ende - deines Lebens sollte sein

nicht: Hatte ich genug "Spaß".

"Erkenne dich selbst" und "Tu, was du willst" bedeutet gerade nicht maximaler, egomaner Hedonismus und Eskapismus, sondern das Gegenteil dessen.

Die Frage, die du dir zeitlebens stellen solltest, u m dein Leben als sinnvoll, erfüllt erleben, erfahren, bewerten zu können, ist:

Habe ich mit meinem Wollen, Streben, Verhalten dazu beigetragen, "die Welt ein bisschen besser zu machen", d.h. habe ich nach meinen persönlichen Möglichkeiten, Umständen, Fähigkeiten und Kräften zum je "privaten", regionalen wie globalen Gemeinwohl beigetragen?

War mein Leben, meine Existenz, mein Wirken, mein Tun und Unterlassen nach bestem Wissen und Gewissen für auch andere Menschen, Lebewesen gut, zuträglich, wohltuend, konstruktiv, förderlich, hilfreich, stärkend?

Ich denke, nur dann, wenn man seine kleine Existenz "in den Dienst einer dem Ego übergeordneten Sache stellt", also nicht in den engen Grenzen des je eigenen Egos (nicht zu verwechseln mit dem Selbst) verhaftet, gefangen bleibt, erfährt man Sinn und Erfüllung. Eben dies erfährt, (er-) lebt man durch das aktive Lieben und schöpferisches Tun.

Nein, dafür bedarf es keines "Gottes", keiner Metaphysik, keiner Mystik, keiner Religion, Esoterik ..., sondern der je persönlichen Erkenntnis-, Reflexionsfähigkeit, des Mitgefühls, der Vernunft, der Persönlichkeitsreife, der Liebesfähigkeit.

 
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