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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Der Mann und seine Masturbationsnot - ohne Frau(en) kann er nicht sowie: über den Orgasmus (der Frau/en)

 
Ein paar Anmerkungen meinerseits zum vice-Video (das inzwischen leider nicht mehr verfügbar ist) im Folgenden.
 
Ja, auf mich wirkt es tatsächlich als genau das:
 
Sex als Ware, die überall, jederzeit (mehr oder weniger gratis) verfügbar ist - allerdings zumeist auf diese Weise dann nicht mit einem echten anderen Menschen.
 
Alle möglichen Phantasien, Vorlieben, Ideen ... können und sollen (!) erlebt, ausgelebt werden dürfen, können - und wollen, wenn schon nicht mit einer leiblich anwesenden Person, Persönlichkeit, so wenigstens mit einer oder mehreren virtuellen.
Und diese kann mann sich dabei exakt so zurechtphantasieren und -modulieren wie es ihm jeweils gerade gefällt. Denn was wir im vice-Video sehen, ist genau das Altbekannte, Gängige:
 
Es sind überwiegend/mehrheitlich Männer, die Frauen "begucken" - Frauen, die sich, gegen Bezahlung oder auch ohne solche, sexuell anbieten, (online) präsentieren, sexuelle Dienstleistung am Mann erbringen (blow job, Sich-Penetrierenlassen, auf welche Art auch immer und wohinein auch immer möglich).
 
Die Frau: wie stets als sexuell jederzeit, überall, auf jede erdenkliche Art nach männlichen Wünschen und Vorstellungen verfügbare Masse, als Ware, als (Gebrauchs-) Gegenstand, als Objekt - das mann zu seiner sexuellen Befriedigung (?), jedenfalls überwiegend als Masturbationshilfe, Masturbationsmittel, als fleischliche Erfüllungsgehilfin zur erweiterten Masturbation benutzt - benutzen, missbrauchen kann, darf und soll.
 
Denn es fließen in all diese virtuellen Darstellungen keine Persönlichkeitsmerkmale, kein Persönlichkeitsausdruck mit ein - dies ist, wird offensichtlich (wie auch bei herkömmlichen, konventionellen Pornos) gar nicht gewünscht: vom mehrheitlich solches konsumierenden Mann.
Präsentiert und beguckt wird lediglich und nach wie vor nur die äußere Fassade - der Fokus, bei übrigens auch all den Utensilien, technischen Spielgeräten: aus toter Materie, die sich verflixt nochmal einfach doch nicht so wirklich ;) "lebensecht" anfühlen will sowie der "fuck machine" (siehe ab ca. Minute 19:43, Frixion aus den Niederlanden, aber auch Sybian ...), liegt auf der Darstellung und Nachbildung von weiblichen und männlichen Genitalien, diese sollen so "echt" und "wirklich" wie möglich erscheinen, aussehen, sich anfühlen, nachgebildet und angewandt werden können.
 
Mir stellen sich dazu spontan folgende Fragen:
 
Warum? Wozu?
Als Ersatz? Als Überbrückung? Als Notnagel(n)? - Wie oft und für wie lange? Mit also befriedigender Wirkung?
 
Cybersex: mit wem? - Mit fremden oder bekannten "realen" Menschen (über räumliche Distanz)? Oder also zukünftig mit - noch mehr, noch "verbesserten" - virtuellen "Personen" bzw. Phantasie-Objekten?
Als u.a. auch Ausweichmethode bspw. für gesetzlich verbotene Sexualpraktiken?
 
Cybersex, Gummi-Vaginas, Dildos, Vibratoren etc. also als Substitut/Surrogat for the real thing?
 
Na klar hat es Sex schon immer auch ohne emotionale Beziehung zum Anderen, zum (dann ausschließlichen) Sexpartner - mit diesem - gegeben.
 
Doch beim realen Sex mit einer oder mehreren anderen Personen gibt es eben genau das, das virtueller Sex kaum, nur unzureichend, unbefriedigend oder auch gar nicht enthält, ermöglicht, erlebbar macht: Körperkontakt. Sinnlich wahrnehmbare, erlebbare Eindrücke von Leiblichkeit, von Geruch, Geschmack, Haut, Leibesbeschaffenheit, Geräuschen und körperlichen Reaktionen: eben der Person, Persönlichkeit, mit der man gerade sexuell interagiert.
 
Selbst wenn ich bei solchem realen Sex alle Gefühle vollständig beiseite lasse (was btw ohnehin de facto gar nicht möglich ist, weil Gefühle all unser Denken und Tun stets begleiten, dies häufig unbewusst), habe ich es dennoch mit einer anderen Person zu tun - mit einer Persönlichkeit. Und was diese wie tut und wie sie je individuell, persönlich also agiert und reagiert, entspringt (hoffentlich) ihrer je individuellen Persönlichkeit - die sie bis zu diesem Zeitpunkt des Zusammentreffens geworden ist.
Abgesehen vielleicht von rein oberflächlichem, mechanischem 08/15-Standard-Sex, ganz gleich übrigens, welche und wieviele Stellungen, Praktiken, Spielzeuge dabei genutzt, benutzt werden.
 
Was Sex mit einer anderen Person (im Gegensatz also zur Masturbation, die jedoch zweifellos durchaus auch sehr befriedigend sein kann - befriedigender bisweilen auch als mit einer anderen Person) interessant und begehrenswert macht, ist ja eben genau dieser Umstand: dass man es dabei mit einer anderen Person/Persönlichkeit zu tun hat.
 
Dass diese andere Person eben gerade nicht all das genau so tut, wie man selbst es gerade wünscht oder phantasiert und ihr (virtuell oder gedanklich) auferlegt, sondern dass nicht (nur) Erwartbares, stattdessen Unvorhersehbares, Überraschendes, auch Irritierendes passiert - da eine andere Person eben ein eigenständiger Mensch ist und gerade keine lenkbare, steuerbare, programmierbare, optimierbare - Puppe, Marionette, Maschine, Cyborg.
 
Dass diese/r Andere auch eben nicht bloß ein nachgebildetes, reduziertes Genital aus toter Materie ist, das sich schlicht penetrieren lässt oder von dem man/frau sich penetrieren lässt.
 
Dass der/die Andere auch einen "Restkörper mit Kopf, Bewusstsein, Persönlichkeit" hat und i s t - und also eine eigentständige Person, Persönlichkeit, welche bei der sexuellen Interaktion unweigerlich einfließt, Bestandteil ist.
 
Und diese andere Persönlichkeit hat durchaus je eigene, andere (!) Vorstellungen, Wünsche, Erwartungen, Vorlieben, Abneigungen, Befindlichkeiten ... als man selbst (gerade hat).
 
Eben das ist das Interessante, Spannende daran, eben das macht Sex abwechslungsreich, individuell, persönlich, nicht austauschbar, nicht oberflächlich und rein mechanisch.
 
Und eben das beruht darauf, dass die Gesamtpersönlichkeit einbezogen ist, anderenfalls geht es einem lediglich um Ego-Sex, um nur die absolut eigene (schnelle, unkomplizierte, sichere, gewisse) Lust und (Trieb-) Befriedigung, d.h. um erweiterte Masturbation.
 
Dann, ja, kann mann gerne auch einfach mit virtuellen Hilfsmitteln - welche überwiegend bekanntermaßen also jederzeit verfügbare, ab-, auf- und anrufbare, benutzbare Frauen sind oder darstellen oder auch nur deren Genitalien - alleine masturbieren. Siehe bspw. auch die "Wichstücher" unten.
 
"Virtuelle Intimität": ist ein Widerspruch in sich (und gerade kein Oxymoron).
 
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Traurig, dass Menschen - ich nehme an mehrheitlich Männer - lieber "virtuellen Sex" haben (siehe auch den hohen Porno-Konsum): Instant"sex", Illusion, fake, Selbstbetrug (auf Basis von sozialer, menschlicher, sexueller Inkompetenz, Bequemlichkeit, Egomanie) - als the real thing: echten Sex mit echten Menschen, P e r s ö n l i c h k e i t e n, Individuen also - mit: Leidenschaft, Intimität, Pannen, Emotionen ... .
 
Man kann das wohl als Art sexuellen Autismus bezeichnen.
 
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Es ist zum Speien. - Das ist nur die männlich-"logische" Konsequenz, der bzw. die "Vollendung" der Objektifizierung, Entmenschlichung, Entwürdigung der Frau und von Sex als Ware, als käuflicher Gegenstand, als seelen- und emotionslose Tätigkeit, die mann gerne jederzeit (überdies am liebsten gratis) bequem verfügbar haben bzw. gemacht bekommen möchte.

Bloß keine Intimität, bloß keine echte, authentische zwischenmenschliche Begegnung, Berührung (gerade auch emotional, psychisch und "sogar" geistig: beim Sex), bloß keine Widerstände, Herausforderungen, kein Sich-Zurücknehmen-Müssen, keine Empathie, kein Mitgefühl.

Alles kapitalistisch produzier-, erwerb-, handel- und konsumierbar - rund um die Uhr all over the world.

Bloß kein intimer, mitunter auch schwieriger, herausfordernder, Entwicklung, Reifung ermöglichender (!) Kontakt zwischen Individuen, Persönlichkeiten, Menschen.
 
"[...] Sexroboter sind (genau wie „Gummipuppen“) Objekte in Form von (fast ausschließlich) Kindern oder Frauen, die als Ersatz für echte, menschliche Partnerinnen oder prostituierte Personen dienen sollen. [...]
 
Richardson sagt, dass die assymetrische „Beziehung“ zwischen prostituierter Person und Sexkäufer in die „Beziehungen“ zwischen Mann und Roboter importiert wird.
Diese Parallele wird von den Machern auch gar nicht bestritten, sondern zum Beispiel im Buch Sex, Love and Robots von David Levy bewusst hergestellt.
 
Dem Argument der Reduktion der Prostitution durch Sexroboter begegnet Richardson mit der Gegenthese, dass bisher alle technischen Entwicklungen nicht zu einer Eindämmung der Sexindustrie, sondern zu einer Ausweitung geführt haben. Auch die bisher erhältlichen künstlichen Sexsubstitute haben nicht zu einer Verringerung der Nutzung von Prostitution geführt.
 
Ein Kernelement des Sexkaufes ist die fehlende Empathie des Sexkäufers für die prostituierte Person. Sie ist ein Ding, deren Gefühle und Gedanken für den Konsumenten keine Rolle spielen. Das ist der Hauptgrund für die hohen Missbrauchs-, Gewalt- und Mordraten in der Prostitution. Dies wird nach Richardson auch durch Sexroboter weiter gefördert. [...]
 
Das was eine Partnerschaft auf Augenhöhe (oder auch einen One-Night-Stand) ausmacht: Respektvoll miteinander umgehen, aufeinander eingehen, sich einfühlen was der andere fühlt – all das braucht es nicht.
 
Sexroboter Roxxxy entspricht den gängigen Vorstellungen einer attraktiven Frau und „besticht“ durch vier Attribute: Körper, Mund, Anus und Vagina.
 
In einer Online-Umfrage des Telegraph antworteten 62% der 8.300 TeilnehmerInnen auf die Frage „Würdest du einen Sexroboter benutzen“ mit „Ja“. [...]
 
Wenn ein Sexroboter zum Ersatz für eine Beziehungspartnerin oder prostituierte Frau wird, dann führt dies zu einer weiteren Objektifizierung von Frauen (und Kindern) im Allgemeinen. Intiminität und Empathie, die nur durch menschliche Interaktion und auf Gegenseitigkeit beruhende Beziehungen erlernt und aufgebaut werden können, werden durch die Nutzung von Sexobjekten weiter abgebaut.
 
Auch Kinder-Sexroboter im Speziellen tragen nichts zum Schutz von Kindern bei. Statt Pädokriminalität als Verbrechen an Kindern anzusehen, wird die (nicht zuletzt durch Teen Porn selbst herbeigeführte ) Fantasie nach Sex mit Kindern weiter legitimiert und akzeptiert. Es gibt kein einziges therapeutisches Argument für deren Benutzung.
 
Begehren, die anderen Schaden, sollten nicht ausgelebt werden wie von Takagi gefordert, sondern in der Tat therapiert, notfalls unterdrückt werden. Bei Pädokrimininalität geht es meistens um Macht: Macht eines Erwachsenen über ein Kind. Dies ist das Kernproblem, an dem es anzusetzen gilt."

Quelle des zitierten Textes: diestoerenfriedas.de - "Sexroboter: Nicht Segen, sondern Fluch", farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
 
"[...] Der Orgasmus der Frau
Der Orgasmus der Frau geht mit einer Anzahl rhythmischer Muskelkontraktionen einher. Außerdem werden die Hormone Oxytocin und Prolaktin innersekretorisch ausgeschüttet.
Da die Scheidenwand fast keine Nerven aufweist, kommen viele Frauen nur dann zum Orgasmus, wenn bestimmte erogene Regionen stimuliert werden, etwa die Klitoris, bestimmte Regionen im Scheideninneren (vergl. G-Punkt), der A-Punkt oder andere. Die Existenz von G- und A-Punkt als klar definierte Zentren ist wissenschaftlich nicht gesichert.
 
In vielen allgemeinen und in einigen älteren wissenschaftlichen Publikationen wird unterschieden zwischen einem „klitoralen“ und einem „vaginalen Orgasmus“, wobei letzterer oftmals als erfüllender oder gar als höhere Stufe propagiert wird. Einige Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass in Wahrheit jeder weibliche Orgasmus von der Klitoris, dem bei der Frau nervenreichsten Zentrum sexueller Erregung, ausgeht: Nach neueren Erkenntnissen ist die Klitoris ein weitaus größeres Organ als allgemein angenommen und publiziert, tatsächlich beträgt ihre Länge zirka elf Zentimeter und ihre Nervenenden reichen bis in die Vagina und in die Schenkel hinein. Die allgemein als Klitoris erachtete außen sichtbare Klitorisspitze ist also lediglich ein Teil des Organs. Somit könne der Orgasmus durch vielfältigere Weise als bisher angenommen klitoral ausgelöst werden, etwa auch durch eine vaginale Stimulation. Die oft anzutreffende Unterscheidung in klitorale und vaginale Orgasmen beruht ihrer Ansicht nach auf der gängigen Fehleinschätzung über die Größe der Klitoris. [...]
 
Kunst und Literatur
Der Gipfel der sexuellen Lust forderte quer durch alle Kulturen und Epochen die Fantasie der Menschen heraus.
Darstellungen des sexuellen Höhepunktes finden in den unterschiedlichsten Ausdrucksformen statt. Manchmal wird er symbolisch verschleiert, dann wieder möglichst explizit dargestellt. Das Interesse der Künstler reicht vom Erfassen des biologischen Vorgangs über das innere Erleben, dessen Lüste oder Schmerzen, bis hin zu voyeuristischen Darstellungen und technischen Anleitungen.
 
In der heutigen Zeit ist der Markt und sind diverse Medien überschwemmt mit pornografischen Darstellungen in Worten und weit mehr noch in Bildern, die den Leser oder Betrachter allerdings oft nur oberflächlich berühren. Seltener finden sich literarische oder bildnerische Darstellungen, deren Erlebnisqualität über ein nahezu immer gleiches Schema hinaus geht. Meist wird stattdessen versucht, durch die Darstellung immer neuer sexueller Superlativen und Sensationen das Interesse zu gewinnen. Der Moment der Ekstase in seinem Zauber und seiner Einzigartigkeit wird nur selten thematisiert. Dabei können erotische Darstellungen und Beschreibungen und selbst Pornografie weitaus mehr Würze und Lebendigkeit enthalten wie auch Subtiles zum Wirken bringen. [...]
 
Gesellschaftliche und kulturelle Erwartungen
 
Der vorgetäuschte Orgasmus
Eine jahrhundertewährende Reglementierung und Unterdrückung der Sexualität hat sich in unserer Zeit der sexuellen Aufklärung geradezu ins Gegenteil entwickelt. Der Orgasmus wird häufig als höchstes Ziel des sexuellen Aktes betrachtet, das es unter allen Umständen zu erreichen gilt. Männer und Frauen fühlen sich daher häufig zum Orgasmus verpflichtet. Diese oft unbewusste und leistungsorientierte Haltung ist dem Erleben eines Orgasmus abträglich – es stört die natürliche Neugier, Kreativität und Freude, die das Wesen des Spiels ausmachen, das das Liebesspiel eigentlich ist. Die Angst vor dem „Versagen“ wird geschürt und genutzt durch die Vermarktung der Sexualität, etwa durch Ratgeber und Hilfsmittel, die sexuelle „Leistungsfähigkeit“ und Orgasmen der Superlative versprechen. Deshalb fühlen sich Frauen und Männer, die seltener oder noch nie einen Orgasmus erlebten, oft sexuell minderwertig und haben Angst davor, dahingehend „entlarvt“ zu werden.
 
Als Reaktion auf diesen Leistungsdruck haben viele Menschen beim Geschlechtsakt schon einmal oder mehrfach einen Orgasmus simuliert, manche tun es regelmäßig. Die einen spielen ihrem Partner aus Angst, möglicherweise als unvollkommen gelten zu können, einen Orgasmus vor, andere wollen das Selbstbewusstsein des Partners stärken und wiederum ihn nicht als „Versager“ dastehen lassen. Manche fühlen sich durch die leistungsbetonten Bemühungen des Partners unter Druck gesetzt und wollen mit der Täuschung eine Entspannung der anstrengenden Interaktion herbeiführen. Die Gründe sind vielseitig und können bis zur Furcht vor dem Verlassenwerden durch den möglicherweise enttäuschten Partner reichen. Der vorgetäuschte Orgasmus, auch „vorgespielter Orgasmus“ oder „Orgasmuslüge“ genannt, gehört deshalb in den Bereich der Notlüge.
 
Auch so genannte Stricher und Callboys, die sich auf homosexuellen Kontakt spezialisiert haben, können ihren Kunden einen Orgasmus vortäuschen. Bei weiblichen Prostituierten gehört das mehr oder weniger theatralische Vortäuschen eines Orgasmus zum Standardrepertoire.
 
Nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag der Frauenzeitschrift Marie Claire haben 20 Prozent der deutschen Frauen und 41 Prozent der deutschen Männer ihrem Partner noch nie einen Orgasmus vorgetäuscht. 54 Prozent der Interviewten fanden, dass Sex auch ohne Orgasmus befriedigend sein könne, jede zweite befragte Person meinte, dass der Orgasmus generell viel zu wichtig genommen werde. Für 28 Prozent der Frauen und 42 Prozent der Männer sei er das Schönste am Sex. In manchen Studien wird davon ausgegangen, dass unter Einberechnung der Dunkelziffer über 90 % aller Frauen einmal oder mehrmals einen Orgasmus vorgetäuscht haben.
 
Die Gründe der männlichen Orgasmuslüge sind oft ähnlich den weiblichen, weichen aber manchmal etwas ab. So wollen manche Männer nicht zeigen, wenn plötzlich der Wunsch nach Entspannung größer wird als der sexuelle Trieb. Durch das Orgasmus-Vortäuschen wird hier der Druck einer vermeintlichen Rechtfertigung gegenüber der Partnerin verhindert. Häufiger als bei Frauen ist für Männer die Befürchtung der Motor, der Partnerin nicht ausreichend das Gefühl geben zu können, dass sie begehrenswert ist, wenn der eigene Orgasmus ausbleibt.
 
Frauen hingegen täuschen manchmal einen Orgasmus vor, wenn sie den Partner zur Ejakulation animieren wollen – entweder um einen als anstrengend empfundenen Geschlechtsakt auf subtile Weise zum Abschluss zu bringen oder aber um durch die kurzfristige Zunahme der Reizung auch selbst in den Genuss eines echten Orgasmus zu kommen. Ein gelegentliches Vorspielen des Höhepunkts kann für ein Paar also in manchen Fällen bereichernd sein. Simuliert die Frau den Höhepunkt hingegen regelmäßig und erlebt nie einen echten Orgasmus, kann das zu einem großen Problem werden: Die Frau bringt ihre Bedürfnisse nicht zum Ausdruck und befindet sich in einem Teufelskreis.
 
Für den Partner ist es sehr schwierig, einen unechten Orgasmus zu erkennen, trotz einiger Hinweise auf einen echten Orgasmus, welche für die Frau schwierig zu kopieren sind: Muskelzuckungen im Vaginalbereich, harte Brustwarzen und manche Frauen bekommen während des Höhepunktes eine rötliche Farbe im Gesicht. Je besser sich ein Liebespaar kennt, desto schwieriger wird es für die Frau, einen vorgetäuschten Orgasmus unentdeckt zu lassen, sofern sie zwischendurch echte Orgasmen mit ihrem Partner erlebt hat und den Orgasmus nicht jedes Mal vortäuschte.
 
Die Tatsache, dass manche Männer kategorisch davon ausgehen, ihnen könne niemals eine Frau einen Orgasmus vortäuschen, wurde mitunter in Filmen thematisiert. In Rob Reiners Film Harry und Sally demonstriert Sally (Meg Ryan) in einem Restaurant ihrem Freund Harry (Billy Crystal) das glaubhafte Vorspielen eines Orgasmus.
 
Rollenklischees
Die Enttäuschung, beim Sex mit dem Partner keinen Orgasmus zu erreichen, scheint laut Umfragen bei Frauen geringer zu sein als bei Männern – das legt die Vermutung nahe, dass Frauen stärker als Männer zwischen Orgasmus und sexueller Befriedigung unterscheiden. Zahlreiche Umfragen und Untersuchungen bestätigen, dass viele Frauen die häufigsten und intensivsten Orgasmen bei der Masturbation erleben, aber trotzdem angeben, mit dem Sexualleben in ihrer Partnerschaft zufrieden zu sein. Hierbei stützen sich die zugrunde liegenden Untersuchungen vorrangig auf die Aussagen von Heterosexuellen.
 
Möglicherweise sind die Gründe für die als selbstverständlich hingenommene Orgasmuslosigkeit der Frau in der veralteten Rollenverteilung der Geschlechter und in tradierten sexuellen Vorstellungen zu finden, die sich u. a. im Ausdruck Eheliche Pflicht widerspiegeln, der lange gebräuchlich war und sogar als Begründung für die ungleiche juristische Bewertung ehelicher und außerehelicher Vergewaltigungen diente. Lange sollten Frauen keinen Spaß an der körperlichen Liebe haben, stattdessen wurde von ihnen Fügsamkeit erwartet, was unbewusst bis heute nachwirkt (vergl. Abschnitt weiter unten). Umfragen bei homosexuellen Frauen haben ergeben, dass sie häufiger Orgasmen erleben, und dass der Orgasmus selbstverständlicher zum Liebesspiel gehört, als bei Frauen mit heterosexuellen Partnern. Diese Ergebnisse unterstützen die These der fortbestehenden unbewussten Rollenkonformität.
 
Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Recht der Frau auf ihre eigene Sexualität von feministischen Bewegungen immer stärker vertreten und eingefordert. In den 1950er Jahren erfasste und erforschte der weltberühmte Zoologe und Sexualforscher Kinsey in seinem Buch Das geheime Leben der Frauen das Thema und machte es zum Gegenstand der öffentlichen Auseinandersetzung. Bis dahin war der weibliche Orgasmus ein Mythos, wenn nicht sogar ein Tabu. In den 1970er und 1980er Jahren machte die Sexualforscherin und Feministin Shere Hite mit den Hite-Reports Furore, in denen sie weibliche und männliche Stereotype im sexuellen Rollenverhalten entlarvte. Mit ihren Veröffentlichungen gelang es ihr insbesondere, ein größeres allgemeines Interesse für die Sexualität der Frau und den weiblichen Orgasmus zu wecken und somit einen Beitrag zu größerem gesellschaftlichen Respekt vor der Frau zu leisten.
 
In vielen Kulturen wurde – und wird zum Teil noch heute – der weibliche Körper aufgrund seiner besonderen Funktionen als unheimlich betrachtet bis hin zu der Ansicht, er sei von Grunde auf pathogen, schwach oder minderwertig (vergl. Artikel Wahnsinn – körperliche Ursachen und Artikel Hysterie). Diese Betrachtungsweisen wurden etwa in vergangenen Zeiten der heutigen westlichen Industrienationen vertreten (vergl. Kapitel Geschichtliche Entwicklung – Mittelalter bis Neuzeit). Sie hatten mitunter grausame Konsequenzen: Teilweise wurde „hysterischen“ Frauen die Gebärmutter entfernt; bei manchen angeblich von Hysterie oder Masturbation betroffenen Frauen wurde eine operative Verstümmelung der Genitalien vorgenommen (vergl. Beschneidung weiblicher Genitalien – Unterdrückung der weiblichen Sexualität). Diese Tatsache und besonders, dass die Genitalverstümmelung als „medizinische Praxis“ in einigen Fällen auch im deutschsprachigen Raum Anwendung fand, ist allgemein wenig bekannt und wenig publiziert. M. Hulverscheidt (siehe Literaturliste) wies für den Zeitraum von ca. 1815 bis 1915 etwa 100 Fälle in medizinischen Publikationen nach, die tatsächliche Anzahl Betroffener könnte höher liegen.
 
Fernab unserer Breiten sind uns die Konsequenzen geläufiger, zu denen manche Betrachtungsweisen der weiblichen Körperfunktionen – insbesondere des weiblichen Orgasmus – und die damit verbundene Bewertung der Frau führen können:
 
Besonders in einigen Ländern Afrikas wird die sexuelle Lust der Frau, da sie einen Teil zur weiblichen Autonomie beiträgt, als eine Bedrohung für die in den betreffenden Kulturen patriarchisch strukturierte Gemeinschaft angesehen. Um die Frau dieses zentralen Bereichs der Selbstbestimmung zu berauben, wurde und werden dort vielerorts bereits junge Mädchen etwaiger sexueller Intentionen beraubt, indem systematisch ihre Genitalien verstümmelt werden. Weltweit kämpfen Menschenrechtsorganisationen gegen dieses Verbrechen (vergl. Artikel Beschneidung weiblicher Genitalien). [...]"
 
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Orgasmus
Farbliche Hervorhebungen habe (wie immer) ich vorgenommen.
 

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