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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Generation Krippe - Über frühe Fremdbetreuung und deren Folgen (für Kinder, Familien, Gesellschaft) sowie über das erforderliche Sorgegehalt

 
Aktualisierung am 02. August 2019 - zur Sendung "Kinder im Kita-Stress - Wie vereinbar sind Familiie und Beruf wirklich?", swr2 Forum
 
Ich bin immer wieder entsetzt, wie für Fremdbetreuung plädiert wird. Warum dies geschieht, ist mir bewusst, es ändert jedoch nichts daran, dass und warum das Bewerben der Fremdbetreuung falsch ist.
Zu den einzelnen in der Sendung genannten Punkten:
 
1. Ja, Kinder brauchen Bezugspersonen, aber keine "Bezugserzieherin", denn ErzieherInnen wechseln mehr oder weniger häufig in den Einrichtungen (Kitas, Krippen) und sie sind gerade keine echten, vertrauten und auch zukünftig idealerweise langjährig verlässlichen Bezugspersonen mit emotionaler Bindung an jedes einzelne (Kita-) Kind, sondern sie machen einen Job, für den sie entlohnt werden und nicht, um zu all ihren "Bezugskindern" echte, emotionale Bindungen, Beziehungen einzugehen, das könnten sie selbst emotional auch gar nicht über Jahre leisten und bewältigen, z.B. deshalb, da die Kinder nach einigen Jahren sämtlich wieder gehen.
 
2. Kinder brauchen Bezugspersonen unterschiedlichen Alters und Geschlechts, um sich gut, natürlich entwickeln zu können und ja, dazu gehören auch andere Kinder unterschiedlichen Alters, aber eben auch Erwachsene unterschiedlichen Alters und Geschlechts - exakt so lebten Menschen über viele Jahre zusammen, in solchen Gemeinschaften.
 
Nicht hingegen wurden Kinder je in Gruppen gehalten, in denen sie mit viel zu vielen anderen Kindern und viel zu wenigen, ihnen gerade nicht wirklich vertrauten, nicht verbundenen (!) Erwachsenen zusammenkamen und noch weniger wurden sie dafür an spezielle Orte gebracht, außerdem und vor allem: nicht ab einem Alter von nur 1 oder 2 Jahren.
 
3. Kinder lernen Empathie bzw. Mitgefühl nicht nur oder erst in der Kita, durch die Kita, sondern es ist ihnen - wie jedem Menschen sowie auch anderen Primaten - a n g e b o r e n. Dieses angeborene Mitgefühl wird dann durch Umgang gestärkt oder aber geschwächt.
 
Für das Stärken, Fördern des Mitgefühls ist der entsprechend bedürfnisorienterte Umgang mit dem Säugling und (Klein-) Kind besonders wichtig, entscheidend. Sodann können Kinder sich dies bei anderen Kindern und vor allem Erwachsenen "abschauen" - ganz ohne Kita.
 
4. Was überwunden werden muss, ist die Vollzeit-Erwerbstätigkeit und die Kleinfamilie.
 
Damit Kinder mit verschiedenen Menschen - unterschiedlichen Alters und Geschlechts - regelmäßig Umgang haben, Bezugspersonen, tragende, verlässliche, liebevolle Beziehungen haben, finden, erleben können - die übrigens alle Menschen lebenslang brauchen, nicht nur Kinder - ist ein anderes Wohnen, Zusammenleben erforderlich, nämlich das in familiären Gemeinschaften, Wahlverwandtschaften - gemeinschaftlich, generationenübergreifend, selbstverwaltet, soziokratisch, siehe cohousing.

Dafür wiederum ist eine entsprechende Architektur und Infrastruktur erforderlich, außerdem das Fördern des gemeinschaftlichen, generationenübergreifenden Wohnens durch Politik.
 
5. Erst ab dem Alter von etwa 3 Jahren spielen Kinder wirklich m i t einander, vorher ist es eher ein Nebeneinander.
Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahre würden sich selbst überlassen nicht miteinander zurechtkommen, schon gar nicht spielen oder voneinander lernen. Eben deshalb ist es wichtig, dass auch ältere Kinder und Erwachsene in ausreichender Anzahl als Bezugspersonen vorhanden sind. Dies wäre in co-housing-Wohn-/Lebensform gewährleistet, insbesondere, wenn die Menschen erheblich weniger Zeit mit Erwerbstätigkeit verbringen, stattdessen mit Sorge-Arbeit und Beziehungsarbeit ... .
 
6. Erst ab dem Alter von 3 bis 4 Jahren haben Kinder ein Zeitempfinden bzw. Zeitverständnis, das ihnen ermöglicht zu verstehen, wann sie wieder "abgeholt" werden, wie lange sie sich in etwa in der Kita, dem Kiga aufhalten, was mit "später" oder "in ein paar Stunden" etc. gemeint ist. Ein jüngeres Kind kann mit solchen Angaben und Aussagen nichts anfangen, es beruhigt sich durch solche Mitteilungen nicht, da es sie noch nicht verstehen kann.
 
Und auch erst ab diesem Alter - eher ab 4 Jahre - können Kinder sich einigermaßen gut verbal ausdrücken, d.h. von ihren Erlebnissen und Empfindungen erzählen.
Jüngere Kinder können das nicht! Sie können nicht erzählen, was wie mit wem in der Kita gelaufen ist, worüber sie wann und wie lange ggf. traurig waren, ob, wie oft, wie lange sie sich einsam fühlten, wie sie sich überhaupt fühlten, was sie erlebten, wie mit ihnen umgegangen wurde usw.. Sie können nur weinen, schreien, wimmern oder einzelne Worte und kurze Sätze sagen - oder schweigen, eben weil ihnen die Worte, die kognitiven Fähigkeiten noch fehlen.
 
7. Was er forderlich ist, ist:
 
- erheblich weniger Erwerbstätigkeit und ein zeitgemäßer Arbeitsbegriff - Arbeit ist mehr und noch anderes als kapitalistisch verwertbare Erwerbstätigkeit
 
- "häusliche" Sorge-Arbeit als eine für jede Gesellschaft und Gemeinschaft unentbehrliche Arbeit anerkennen und sie existenzsichernd monetär honorieren, so auch bspw. wenn Angehörige zu Hause gepflegt werden ... Sorge-Gehalt, statt Herdprämie.
 
- anders Wohnen: co-housing
 
N i c h t immer noch frühere, noch längere Fremdbetreuung in speziellen Einrichtungen. Und der sogenannten Frühförderung bedarf es nachweislich schon gar nicht, siehe Hirnforschung, Neurobiologie, bspw. Gerald Hüther.
 
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Aktualisierung am 26. September 2018
 
Möglicherweise ist frühkindliche Fremdbetreuung grundsätzlich ein Übel - Kinder und Eltern schädigend. Siehe bedürfnisorientierter Umgang, frühkindliche Bindung.
 
Wir brauchen im Sinne bedürfnisorientierten Gemeinwohls und demokratischer, gerechter Verhältnisse (auch Geschlechterparität) andere Wohn-, Arbeits-, Sorgestrukturen: familiäre Gemeinschaften auf Basis freiwilliger Wahlverwandtschaften - dann gäbe es keine soziale Isolation, keine vereinsamten Senioren, keine Überforderung, Überlastung von Eltern und somit weniger oder auch keine Gewalt mehr gegen insbesondere Kinder, die in solchen Gemeinschaften immer andere Kinder und erwachsene verlässliche, langjährige Bezugspersonen unterschiedlichen Alters und Geschlechts hätten (statt wechselnden Betreuungspersonals). So gäbe es Entlastung der Eltern und insgesamt tatsächliche Inklusion auf allen Ebenen.
 
Möglich, ermöglicht würde das nur durch andere Wohnformen, entsprechende Architektur, Infrastruktur und Arbeitsformen.
 
Hilfreich ist hier die Digitalisierung, die das durchaus ermöglicht - statt "Vollzeit Vollbeschäftigung" und bullshitjobs, Prekariat, Ausbeutung - auch von bspw. Frauen, Müttern als billige Arbeitskräfte und weltweit mehrheitlich noch immer gratis Sorge-Arbeit Leistende.
 
Ich bin der Überzeugung, Kinder sollten idealerweise nicht vor dem vollendeten vierten Lebensjahr fremdbetreut werden - schon gar nicht in Einrichtungen.
 
Man muss es individuell betrachten - je nach kindlichem Entwicklungsstand, die meisten Kinder werden aber erst mit ungefähr 4 Jahren ein angemessenes Zeitverständnis haben und sich verbal ausreichend artikulieren können, so dass sie aus ihrem Kita-Alltag berichten können (was gut, was schlecht gelaufen ist ..., warum sie sich worüber geärgert haben oder traurig waren ... - das können Zwei- und Dreijährige zumeist noch nicht).
 
Ein vierjähriges Kind kann die Aussage verstehen: "Ich gehe jetzt und komme in vier/fünf Stunden wieder." Ein Dreijähriges versteht dies zumeist noch nicht - Folge ist zumeist Trennungs-, Verlustangst, manchmal auch verzögert eintretend oder wenn längere Zeit Kita-Ferien waren oder das Kind krank war und längere Zeit nicht in die Kita ging.
 
Üblicherweise sind sicher gebundene Kinder unter drei Jahren an ihre Hauptbezugspersonen noch sehr anhänglich, erst ab ca. drei bis vier Jahre gehen sie nach außen, interessieren sich für andere, sind dann auch in der Lage, gemeinsam mit anderen zu spielen (nicht nur nebeneinanderher), auf andere einzugehen etc..
 
Die immer frühere, immer längere Fremdbetreuung halte ich daher bei auch guter Qualität der Einrichtung und gutem Betreuungsschlüssel für tatsächlich schädigend.
 
Auch ist vielen Müttern damit nicht geholfen, da die Kinder in den ersten Lebensjahren noch kein ausgereiftes Immunsystem haben, häufiger krank sind, nachts oft auch noch häufiger aufwachen ... - die Mütter trotz all dessen aber am nächsten Tag fit beim Job auflaufen und Leistung bringen müssen, gleich, wie wenig Schlaf und wieviel Stress sie hatten - und mehrheitlich sind es immer noch die Mütter, die sich um kranke Kinder kümmern, die sich nachts um Kinder kümmern, nach denen kranke Kinder häufig verlangen.
 
Ich sehe eine Tendenz, die bald schon wieder hin zur 24-Stunden-Krippe geht, siehe wie in der ehemaligen DDR - mit entsprechend gravierend negativen Folgen - für die Gesamtgesellschaft, aufgrund in solcher Weise beschädigten Kindern und späteren Erwachsenen.
 
Wir brauchen eine angemessene Aufteilung der Sorge-Arbeit und das im möglichst familiären Bereich (nur halt n i c h t in der Kleinfamilie), in dem Kinder sich sicher, vertraut, wohl fühlen und den sie mit zunehmendem Alter selbständig verlassen, den sie je individuell selbst erweitern.
 
Es gibt sicher individuelle Unterschiede, dennoch gibt es auch typische kindliche Entwicklungsphasen - wann ein Kind also frühestens was in etwa "kann" (Zeit einschätzen, wann hat es ein Ich-Bewusstsein, wann kann es Ausscheidungen kontrollieren, was ist wann motorisch möglich, welche Folgen hat es, wenn das Kind sich verbal mitteilen, austauschen kann usw.).
 
Und es gibt sicher auch Familien, in denen die Kinder vom Vater als erste Hauptbezugsperson betreut ... werden - zumeist ist es jedoch die Mutter (in vor allem dem ersten und zweiten Lebensjahr, im ersten schon wegen des Stillens z.B.).
 
Ich meine, es ist aus oben bereits genannten Gründen für ein Kind wichtig, dass es ein Zeitgefühl hat und nicht erlebt, dass die Bezugsperson geht und das Kind noch nicht versteht, dass sie tatsächlich zurückkommt und wann (siehe Trennungs-, Verlustängste) - das können Kinder unter drei Jahre definitiv alle noch nicht einordnen und viele auch mit 3 noch nicht - die meisten können es aber im Alter von 4 Jahren.
Ähnlich verhält es sich mit dem oben bereits genannten Berichten von Erlebtem - kleine Kinder, die negative Erfahrungen machen, können zumeist nur weinen, ihren Eltern aber nicht mitteilen, was sie beschäftigt, belastet ... und das eben zusätzlich im nicht vertrauten Rahmen/Raum, sondern in Fremdbetreuung.
 
Es bedeutet ja großes Vertrauen (-könnenmüssen), sein Kind in fremde Hände zu geben - umso mehr, wenn es sich um Menschen handelt, die eben keine emotionale Beziehung, Bindung zum Kind haben, sondern i.d.R. wechselndes Betreuungspersonal sind - zwar sicher engagiert, auch ausgebildet, hoffentlich einfühlsam ..., aber eben keine Bezugspersonen, sondern nur vorübergehend Betreuende. Gerade Kinder unter drei Jahren benötigen jedoch vertraute Bezugspersonen für ihre gesunde Entwicklung. Es müssen halt bloß nicht "nur" die biologischen und/oder sozialen Eltern sein.
 
Da es heute kaum mehr Großfamilien gibt, wir auch anders leben (wollen), Frauen nicht "nur" Sorge-Arbeit leisten wollen, Großeltern entweder nicht vorhanden oder räumlich weit entfernt oder selbst lange noch berufstätig oder anderweitig aktiv oder auch krank sind ..., ist es wichtig, dass Kinder mehrere Bezugspersonen von idealerweise Geburt an haben können - unterschiedlichen Alters und Geschlechts wäre perfekt - also andere Kinder und Erwachsene. Das entspricht der von mir oben erwähnten "familiären Gemeinschaft" auf Basis von Wahlverwandtschaften.

Je jünger das Kind ist, umso weniger Bezugspersonen braucht es zunächst, je älter es wird, umso mehr - jedenfalls grundsätzlich stabile, verlässliche - nicht alle zu jeder Zeit zugleich, aber generell eben Bezugspersonen, siehe also vorhandene/auf diese Weise mögliche emotionale Bindung, Beziehung.
 
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"[...] Gita erzählt uns von ihrem Probearbeitstag in der Kinderkrippe: „Die Gruppen der Allerkleinsten im Alter von sechs Monaten bis drei Jahre haben niedliche Namen. In der „Mäusegruppe“ lernte ich den 2jährigen Amadeo kennen. Seine Mutter will einen Schulabschluss nachholen und liefert ihn jeden Morgen ab. Hier ist von 7 Uhr morgens an sein „Zuhause“, in dem er seine Weltwahrnehmung entwickelt und leben lernt - ohne Mama, ohne vertraute Räume, ohne seine eigenen Spielsachen, ohne organischen und natürlichen Alltagsablauf. Er wird von Fremden betreut in einer fremden Umgebung, die aus hygienischen Gründen pflegeleicht und steril gestaltet ist, und dennoch bekommt er mehr fremde Keime ab als daheim. Sein Tag folgt einer an den Arbeitszeiten der Erzieherinnen und den Lieferzeiten der Großküche angepassten Routine."
 
Amedeo hat einige Überlebensstrategien entwickelt. Eine davon besteht darin, sich vorzudrängen. Besonders die körperlich unterlegenen Kinder schubst er aus dem Weg, wo immer sie ihn kreuzen. Die Spielecke beherrscht er allein. Als Gita sich dort auf den Boden setzt, um mit den Kindern zu bauen, klettert er auf ihren Schoß, den er fortan vor anderen besetzt hält. Eine der Betreuerinnen meint, es sei ein gutes Zeichen, dass er gleich Vertrauen zu ihr fasst. Aber Gita sieht es anders: „Er hat seine natürlichen Schutzinstinkte vor Fremden bereits verloren. Es ist nicht natürlich, dass sich ein zweijähriges Kind so schnell auf die körperliche Nähe eines fremden Menschen einlässt.“
 
Wir betrachten Fotos von einer Faschingsfeier in der Krippe. Die Kinder stecken in lustigen Kostümen, aber ihre Augen blicken traurig und leer in die Kamera. Auch eine noch so engagierte Krippenpädagogik kann das Trauma einer zu frühen Trennung von der Mutter nicht wieder gut machen. Auch wenn Kinder beim Abschied von der Mutter nicht mehr weinen und dies als „Eingewöhnung“ interpretiert wird, zeigt es in Wirklichkeit, dass das Kind resigniert hat.

Unser Herz, unsere Intuition und unser Verstand sagt: Kinder, die den Großteil ihrer Kindheit nicht in ihrem eigenen Zuhause verbringen dürfen, sind nicht sicher und gut betreut und versorgt. Tägliche lange Trennungen von der Mutter bedeuten für ein Baby oder Kleinkind enormen Stress. Es verfügt noch nicht über die intellektuellen Fähigkeiten, um die Trennung verstehen zu können und erlebt sie als endgültigen Verlust.
 
Sein Cortisolspiegel erhöht sich dadurch dauerhaft, was laut neuesten epigenischen Forschungen sogar die Gene schädigen kann. Dazu kommen die seelischen Probleme, weil es sein Urvertrauen verliert und sich nicht einmal mehr auf die Zuwendung der Mutter wirklich einlassen kann. Die Folge können Entwicklungs-, Bindungs- oder Persönlichkeitsstörungen, mangelnde Empathie und Sozialkompetenz sein. Darüber hinaus ist inzwischen erwiesen, dass Kinder nur bei ihren Müttern am besten sprechen lernen, die Voraussetzung für die weitere kognitive Entwicklung und Lernfähigkeit.

Kinderkrippen und Ganztagsschulen gehen an den Grundbedürfnissen von Kindern und Müttern vorbei. Untersuchungen wollen uns glauben machen, Kinder kämen mit dieser Form von Kindheit bestens klar.
 
Sigrid (35), Mutter von zwei Kindern, widerlegt das: „Ich finde die Vorstellung schrecklich, meine Kinder den ganzen Tag nicht zu sehen. Auch für die Kinder wäre das absolut nicht das, was sie brauchen. Für meine ältere Tochter ist es schon lang genug, wenn sie sechs Stunden in der Schule verbringen muss. Ich finde, niemandem darf die Ganztagsbetreuung aufgezwungen werden.
 
Nach acht oder mehr Stunden Getrenntheit ist es kompliziert, die Verbundenheit zwischen Mutter und Kind wieder aufzunehmen. Beide sind müde, müssen aber noch einkaufen, Abend essen Hausaufgaben und Hausarbeit erledigen. Viel Zeit und Kraft für das gegenseitige Aufeinander-Einstimmen bleibt da nicht. Welche Fähigkeiten und welche Formen der Zuwendung unser Kind von uns braucht, wandelt sich ständig. Nur die anwesende Mutter kann spontan auf die Bedürfnisse des Kindes reagieren.

Seit die Therapeutin Jean Liedloff 1977 in ihrem Buch „Die Suche nach dem verlorenen Glück“ beschrieben hat, dass ein Umfeld der sicheren Bindung und Kontinuität (das sog. „Kontinuum Konzept“) für ein Kind notwendig ist, damit sein gutes Gedeihen gewährleistet ist, hat die Bindungsforschung die Unersetzbarkeit der Mutter-Kind-Beziehung ständig weiter untermauert. Eine Fülle von Informationen dazu liefern Forscher und Psychotherapeuten wie Wilhelm und Eva Reich, John Bowlby, Steve Biddulph, Christa Meves oder Dr. med. Karl Heinz Brisch und Prof. Dr. Gerald Hüther, um nur einige zu nennen.
 
Dagmar, Mutter dreier Söhne, erzählt: „Durch meinen 12jährigen Sohn habe ich guten Kontakt zu jüngeren Müttern. Ich erlebe darunter viele, die lieber Vollzeit-Familienarbeit bei ihren eigenen Kindern leisten möchten, als diese Arbeit zu delegieren, um der politisch und gesellschaftlich diktierten Vereinbarkeit Folge zu leisten. Und ich sehe ihre Sorge und Verzweiflung bei der Frage, wie das in dem momentanen politischen Klima gehen soll. Von echter Wahlfreiheit kann hier nicht die Rede sein. Ganz besonders nicht nach der Reform des Unterhaltsrechts vom 01.01.2008, welche die Mütter dreijähriger Kinder in die Erwerbstätigkeit zwingt.“ Auch das „Gesetz zur Förderung von Kindern unter drei Jahren in Tageseinrichtungen und in der Kindertagespflege“ (KiföG), das am 7. November 2008 vom Bundestag verabschiedet wurde, steht im Widerspruch zum Grundgesetz (Art. 6, Abs. 2) und zur Kinderrechtskonvention (Art. 7). Daraus leitet sich das Recht des Kindes auf die Betreuung in seiner Familie ab.
 
Auch das Kinderbetreuungsurteil des Bundesverfassungsgerichts vom 10.11.1998 wurde politisch bis heute nur für den weiteren Krippenausbau ausgelegt, obwohl es auch die Frauen betrifft, die voll für ihre Kinder da sein möchten:„Neben der Pflicht, die von den Eltern im Dienst des Kindeswohls getroffenen Entscheidungen anzuerkennen und daran keine benachteiligenden Rechtsfolgen zu knüpfen, ergibt sich aus der Schutzpflicht des Art. 6 Abs. 1 GG auch die Aufgabe des Staates, die Kinderbetreuung in der jeweils von den Eltern gewählten Form in ihren tatsächlichen Voraussetzungen zu ermöglichen und zu fördern. Die Kinderbetreuung ist eine Leistung, die auch im Interesse der Gemeinschaft liegt und deren Anerkennung verlangt. Der Staat hat dementsprechend dafür Sorge zu tragen, dass es Eltern gleichermaßen möglich ist, teilweise und zeitweise auf eine eigene Erwerbstätigkeit zugunsten der persönlichen Betreuung ihrer Kinder zu verzichten wie auch Familientätigkeit und Erwerbstätigkeit miteinander zu verbinden…“

Doch die 24-Stunden-Kita-Ideologie schürt den Trend, immer mehr und immer jüngere Kinder nicht mehr von der Mutter, sondern von fremden Personen aufziehen zu lassen.
Denn für die Betreuung durch die Mutter wird auch 2014 das Elterngeld nur für magere 12 bis 14 Lebensmonate eines Babys bezahlt (zwischen € 300 und maximal € 1800 monatlich; 67 Prozent des in den zwölf Kalendermonaten vor dem Monat der Geburt des Kindes durchschnittlich erzielten Monatseinkommens). Bei ALG II wird das Elterngeld verrechnet, das heißt, Mütter, die auf diese Sozialleistung angewiesen sind, erhalten es nicht zusätzlich.
 
Immer noch fehlt eine Lobby für Mütter und ihre Leistungen, die sie als Mutter erbringen, einschließlich der Realisierung eines Müttergehalts.
 
Viele Mütter dürfen ihren Kindern aus finanzieller Not heraus ihre ungeteilte Zuwendung und Zeit nicht in den paar Jahren geben, die eine Kindheit dauert. Diese Jahre lassen sich nicht nachholen. Kindheit lässt sich nicht auf später verschieben – ebenso wenig das Muttersein.
 
Kinder brauchen die ständige Gegenwart der Mutter. Sie gedeihen am besten, wenn sie sicher sind, dass die Mutter jederzeit für sie da sein kann. Dieses Rückversicherungsbündnis mit der Mutter brauchen Kinder bis ins Erwachsenenalter hinein. Dann werden sie stabile, zufriedene, lebensbejahende und kreative Menschen, die unsere Zukunft weiter gestalten. Nicht die Kinder sind schuld, dass Mütter den Spagat zwischen Kindern und Arbeit machen müssen, sondern die gesellschaftliche Strukturen. Oft entscheiden Mütter aus äußeren und inneren Zwängen heraus, sich von ihren Kindern zu früh und zu lange zu trennen, nur um wieder berufstätig sein zu können. Statt sich bewusst zu machen, dass ein Kind ungefähr nach vier Jahren selbst gerne einen Vormittag lang in den Kindergarten geht und an vielen Nachmittagen mit seinen FreundInnen spielt, was der Mutter mehr Freiraum für andere Betätigungen schafft.

Für Mütter sind es nur ein paar Jahre, die sie sich ganz ihren Kindern widmen können. Für die Kinder bedeutet es, wie sie für den Rest ihres Lebens geprägt sind."
 
Lesetipps 
Ralf Felix Siebler: Heim will! Argumente für die unverkürzte Elternschaft
80 Seiten, Broschur, Oktober 2013, Verlag BOOKSun, € 9,95, ISBN 9783941527195
 
Ralf Felix Siebler hat ein lesenswertes Plädoyer gegen die zu frühe und zu lange Fremdbetreuung von Kindern verfasst. Er beschreibt die Absurdität der Lebenswirklichkeit im patriarchalen Turbokapitalismus aus der Betroffenheit eines Vaters heraus, der die Zeit mit seiner Tochter bewußt erlebt und von Anfang an genießen konnte: „Die Familie verkommt zur Freizeitbeschäftigung – später vielleicht, wenn uns die Märkte Zeit dazu lassen. Von Politik und Wirtschaft wird uns die Fremdbetreuung unserer Kinder immer wieder als ebenso wünschenswert wie unausweichlich dargestellt.“ Aber, so hinterfragt er, „wollen wir unser wichtigstes Lebenswerk denn wirklich aus der Hand geben? So oft und so lange, wie nur irgend möglich?“ Glasklar wird auch, dass kaum eine Kita den geforderten Standards entspricht und auch niemals die sichere Bindung zur Mutter und zur Familie ersetzen kann. Der Autor läßt die LeserInnen spüren, was ein fiktiver kleiner „Kevin“ in der Kita empfindet, der sehnlichst „heim will“, und setzt sich für seine natürlichen Bedürfnisse nach einem geborgenen und vertrauten Nest ein: „Gibt es denn nicht auch ein Grundrecht auf die eigenen Eltern – auf ihre ungeteilte Zuwendung, zumindest am Beginn des Lebens?“ Ralf Felix Siebler macht Mut, auf die innere Stimme zu hören und sich beherzt gegen den politischen „Trend“ zu entscheiden, denn: „U3-Betreuung ist (…) mitnichten ein Indikator für eine moderne und lebenswerte Gesellschaft – ganz im Gegenteil.“
 
Bernhard Heinzlmaier, Philipp Ikrath: Generation Ego. Die Werte der Jugend im 21. Jahrhundert
208 Seiten, Promedia Verlag, broschiert, erschienen 2013, ISBN 978-3-95371-361-7, € 17,90
 
Die Trend- und Jugendkulturforscher Heinzelmaier und Ikrath untersuchen die Werte und Ideale der „Generation Ego“. Sie bringen viel Verständnis für die Jugendlichen auf, die in einer globalisierten, ökonomisierten Welt aufwachsen, in der sich alle Lebensbereiche der „Erwerbskultur unterordnen müssen“. Die Entfaltung und Selbstfindung in der Freizeit kommt viel zu kurz, da „die Schule, (…) nun ganztägig werden muss, nicht aufgrund von pädagogisch sinnvollen Erwägungen, sondern weil sie berufstätige Eltern in ihrer Betreuungspflicht entlasten soll.“ Die Autoren geben interessante Ausblicke, die noch aufschlussreicher werden, wenn sie in einen Kontext mit der Patriarchatskritik gestellt werden. Was die Analyse nicht aufgreift, ist das zunehmende Interesse der jungen Menschen an ökologischen Verbesserungen wie Tier- und Umweltschutz, veganer Ernährung, sowie ihre Ablehnung von Billigtextilherstellung.
Ein Buch für alle, die sich mit der Zukunft der Menschheit und dem notwendigen Paradigmenwechsel befassen. 
UF"
 
Quelle: Mütterblitz - siehe oben stehenden Link; farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
Ich kann nur anmerken, dass alles oben Beschriebene exakt meinen eigenen Erfahrungen mit meinen beiden Kindern (heute 22 Jahre und 9 Jahre alt) entspricht sowie auch den zahlreichen Beobachtungen, die ich in mehreren Kindergärten und Kindertagesstätten als Mutter und als dort Arbeitende über einen Zeitraum von mittlerweile 25 Jahren machen konnte (und musste ...).
 
Siehe dazu u.a. auch meine Bemerkungen am Ende in nachfolgendem Link ("Über Mutterschaft ...") sowie grundsätzlich auch die dort gesammelten Beiträge und Artikel.
 
"[...] Das Thema wird von der Politik überwiegend ignoriert, obwohl bereits um 1900 Frauen ihre Stimmen für ein Müttergehalt erhoben. In Berlin engagiert sich die Studienrätin Sabine Goldmann für dieses Ziel. Ursula Fournier sprach mit ihr über die geplante FamilienKammer.
 
Frau Goldmann, warum engagieren Sie sich für ein Müttergehalt?
Ich möchte, dass Mütter stolz und selbstbewusst ihre Familienarbeit erfüllen können, und dass die Gesellschaft diese Leistung anerkennt und als wichtig und notwendig akzeptiert.
 
Laut UNO leisten die Frauen weltweit 80 Prozent der Arbeit, erhalten aber nur ca. 30 Prozent des Geldes und besitzen nur 10 Prozent des Weltvermögens. Die Deklaration der Millenniumsziele hat daran bisher nur wenig geändert. Da ist es doch das Mindeste, die Bezahlung der Frauen-Familienarbeit zu fordern, wie bereits 1985 auf der UNO-Frauenkonferenz von Nairobi. Meine Existenz ist gesichert als Beamtin – im Gegenzug dafür soll ich das demokratische Gemeinwohl sichern. Mein Amtseid auf „Demokratie und Gemeinwohl“ gebietet es mir. Solange Frauen- und Kinderarmut bestehen, haben 4 Millionen Beamte im öffentlichen Dienst versagt! So sehe ich das!
 
Mütter wissen um das Wunder der Geburt und des Lebens. Es geht um die Familie, die Urzelle des Lebens. Und wer schenkt sie allen Menschen? Die Mütter! Also ist  die gesellschaftliche Anerkennung der Mütterarbeit der entscheidende Entwicklungsschritt der Menschheit, der nun ansteht.
 
Warum reicht ein Grundeinkommen, wie es derzeit diskutiert wird, für Mütter nicht aus?
Die Mütterarbeit zählt zu den qualifizierten Berufen, die unsere Gesellschaft braucht.
Diesen Berufspool möchte ich um rechnerisch 5 Millionen Vollerwerbs-Arbeitsplätze „Familienmanagement“ (FM) erweitern, die auch Steuern zahlen. Zu unserer Rechnung: 10 Millionen Familien ziehen etwa 15 Millionen Kids groß. Wir rechnen bei drei Kindern mit einem vollen Arbeitsplatz – also mindestens 5 Millionen volle Stellen in Deutschland, die sich etwa auf 10 Millionen Familien verteilen.
 
Was haben Sie bisher unternommen und welche Reaktionen haben Sie erhalten?
Bei der Veranstaltung zu Hartz I am 16. August 2002 im Französischen Dom in Berlin sagte ich ins Mikrophon: „Wenn Geld durch Arbeit gedeckt ist, gehört Familienarbeit ins Geldmodell. Wir schlagen vor, bei drei Kindern ein Managementgehalt von 2.000 Euro.“ Ich sprach auch Prof. Rürup auf das Müttergehalt an. Er antwortete: „Wir wollen das nicht!“ Dies wurde später mehrfach gesendet bei PHOENIX.
 
2003 habe ich bei der Deutschen Bundesbank gefragt, wann die Familienarbeit ins BIP (Bruttoinlandsprodukt) kommt. Herr Dr. Oper, Öffentlichkeitsbereich, antwortete mir, „sie wüßten nicht, wie sie sie bewerten sollen.“ Im Oktober 2003 bekam ich dann ein Fax mit dem Schlusssatz, „eine Änderung der Geld- und Währungsordnung würde in den Aufgabenbereich des Gesetzgebers fallen.“
 
In Berlin in der Reihe „Europa eine Seele geben“ am Pariser Platz antwortete mir der Alt-Chef Schulte-Noelle auf meine Frage nach der Bezahlung der Mütter: „Die tun das doch aus Liebe!“
 
Bereits 2006 hatte ich einen Stand auf der „didacta“ zum Thema „BundesFamilienKammer“ - Wirtschaft für die Eine Menschheitsfamilie nach dem Prinzip, Geld ist durch Arbeit gedeckt.
 
Es gibt Modelle, die die Finanzierbarkeit des Müttergehaltes nachweisen. Zum Beispiel das „Projekt Erziehungs- und Pflegeeinkommen." PEPe belegt dies mit einer einfachen Rechnung, die von einem sozialversicherungspflichtigen Erziehungsgehalt von 2.000 Euro ausgeht.
 
Sehen Sie hier Kooperationsmöglichkeiten?
Mit Herrn Ludwig, dem Wissenschaftler von PEPe, habe ich mich erst kürzlich wieder ausgetauscht. Auch er arbeitet hartnäckig und mit einem interessanten Ansatz. Ähnlich hat Christa Müller gefordert, die ifo-Zahlen (Institut für Wirtschaftsforschung) zur Gestaltung des Mütter- oder Erziehungsgehalts zu nutzen. Auch das Familiennetzwerk von Maria Steuer kenne ich. Mit der BGE-Gruppe in Berlin (Bürgerinitiative Bedingungsloses Grundeinkommen) habe ich eine Kooperation verabredet. Die Gewerkschaftler und IG-Metaller in Berlin - Spandau habe ich angesprochen, ob sie nicht anfangen könnten, das  Familiengehalt der Männer in zwei Erwachsenengehälter zu splitten. Damit könnten Mütter ein eigenes Gehalt deklarieren. Wir könnten den Beruf „Familienmanagerin“ etablieren und den Berufsverband FamilienKammer gemeinsam starten. Gerade Gewerkschafter wissen doch am besten, wie wichtig eine eigene Berufsorganisation ist.  
 
Welche Auswirkungen hat die Einbeziehung der Mütterarbeit in das BIP?
Vorab: Wissen Sie, dass das Statistische Bundesamt genau dafür die amtlichen Zahlen liefert – und schon eine Gehaltsdiskussion führt? Die Erhebung über das 3-Tages-Zeitbudget 2001/02 ergaben: Mindestens 40 Prozent des BIP müssten noch dazugerechnet werden, wenn man die Familienarbeit nur als Hauswirtschafterin bezahlen würde. 2013 wären das mindestens 1 Billion Euro. Laut Albert Braakmann vom Statischen Bundesamt, der bei der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ mitwirkte, könnte man das Müttergehalt auch nach dem Spezialistenansatz berechnen, denn Mütter haben pädagogische, psychologische, soziale, gesundheitsrelevante, künstlerische, sportliche, ernährungswissenschaftliche, hauswirtschaftliche u. v. a. Kompetenzen.
 
Albert Braakmann war in der Projektgruppe 2, in deren Abschlussbericht vom 28. Januar 2013 steht, wie man das Gehalt für Mütter einschätzen könnte. Am Schluß heißt es dann jedoch, die Bundestags-EK-Fraktionen und Experten seien „von keinem Ansatz überzeugt.“ Das ist doch ein Skandal! Die Bundestagsabgeordneten wischen die Bezahlung der Mütter damit wieder vom Tisch!
 
Nach meinen Recherchen ist die bezahlte Mütterarbeit an mehreren Stellen im BIP enthalten, teils verdeckt. Ein Beispiel dafür ist das Ehegattensplitting. Es kommt zu 90 Prozent den Müttern zugute, wie ich beispielsweise den Ausführungen des Sozialrichters und Autoren Jürgen Borchert (Tagesspiegel, 06.02.2013) entnehme. Daher ist die dem Gatten erlassene Steuer eine indirekte staatliche Bezahlung der Mütter.
 
Seit Adenauers Spruch „Kinder kriegen die Leute von alleine“ existiert das „Familiengehalt“ durch den Anspruch, der Mann müsse die Familie ernähren. In der Zeit des Wirtschaftswunders wurden wohl alle Männergehälter als Familiengehalt betrachtet, und konsequenterweise die niedrigeren Frauengehälter als Singlegehälter. Besonders alle Gehälter über 4.000 Euro kann man auch heute als Familiengehalt interpretieren, denn da können Frau und Kinder mit unter den „Gehaltsschutzschirm des Mannes“. Aber bis 1.000 oder 2.000 Euro ist es eine existenzielle Frage, ob ein Gehalt ein Familiengehalt oder ein Single-Leistungslohn ist.
 
Im Dezember 2012 forderten die GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) und Verdi 6,4 Prozent mehr Lohn im Öffentlichen Dienst. Auf meine Nachfrage sagte man mir bei Verdi: Eigentlich ginge es um einen Familienlohn, die GEW lehnte das ab, nein, es ginge um einen Singlelohn, und die TdL (Tarifgemeinschaft deutscher Länder) hatte darüber noch nie nachgedacht. Diese Diskussion möchte ich gerne ausweiten.
Und jetzt kommt das spannendste Beispiel für ein verdecktes Müttergehalt, nämlich die reale Bezahlung für Familienarbeit an über 10.000 Alleinerziehende, wenn der geschiedene Ehemann stirbt – die „Erziehungsrente“. 700 bis 750 Euro bis das Kind 18 Jahre alt ist - das kann sich die Deutsche Rentenversicherung leisten.

Eine korrekte Einbeziehung der Mütterarbeit in das BIP würde viele Veränderungen bewirken: Familien-, Kinder- und Frauenarmut wären überwunden; Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann wäre möglich; gleiche Demokratie-Machtteilhabe über eine Familienkasse könnte etabliert werden. Dies alles ist dringend nötig, wenn wir für unsere Kinder ein wenig Zukunft retten wollen.

Warum wird dieses Thema bisher weitgehend ignoriert?
Wer sich für Bezahlung von Mütterarbeit einsetzt, der wird von Politikern, Experten und Presse ignoriert. Die „Änderung der Geld- und Währungsordnung“ und als wichtigster Punkt die Bezahlung der Familienarbeit wurde offensichtlich von den Finanzmächtigen mit einem Tabu belegt. Doch seit der Finanzkrise finde ich immer mehr mutige, kritische Artikel.

Was ist Ihre Motivation, den Förderverein zur Gründung der FamilienKammer e.V. ins Leben zu rufen?
Der Verein ist der erste realistische Schritt zur FamilienKammer und in die Öffentlichkeit. Er soll Mütter bestärken, dass sie einen ordentlichen Beruf ausüben, der bezahlt wird und zu dem auch ein ordentlicher Berufsverband gehört. [...]"
 
Quelle: Mütterblitz - siehe oben stehenden Link (Gespräch mit Sabine Goldmann). Farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
"Aktionsprogramm gegen Diskriminierung elterlicher Erziehungsarbeit 
 
Freiheit und Autonomie für Familien sowie Gleichberechtigung aller Eltern  
 
Die Generationensolidarität zwischen Eltern und Kindern, bestehend aus Kindererziehung und Altersversorgung, ist zerstört. Kinder sind nicht mehr eine Alterssicherung für die Eltern, wie das früher der Fall war sondern zum höchsten Risiko für Familien- und Altersarmut geworden. Die Erziehung von Kindern wandelte sich aufgrund unserer Sozialgesetzgebung von einer Investition in die eigene Alterssicherung zu einer sozialisierten Altersversorgung für die ganze Gesellschaft. Der gesamte Familienlastenausgleich entspricht nur einem Bruchteil des Betrages, der den Familien durch die Vergesellschaftung der Alterssicherung entzogen wurde. Das Ergebnis ist eine mit steigender Kinderzahl wachsende Verarmung der Familien. Die einseitige Belastung von Eltern verstößt gegen die im Grundgesetz festgelegten Grundsätze der Gleichberechtigung, des Schutzes der Familie und gegen das Sozialstaatsgebot.
 
Die Politik reagierte auf diese Entwicklung mit der Tendenz, den Eltern ein Angebot zur Übernahme der Betreuungsarbeit zu machen (Kinderkrippen, Ganztagskindergärten und -schulen), um so eine Vollzeit-Erwerbsarbeit für beide Eltern zu ermöglichen. So soll der Verarmungsprozess der Eltern aufgehalten werden.
 
Diese Strategie reduziert aber gleichzeitig den Spielraum, die Beziehung zu den eigenen Kindern zu festigen und sie nach eigenen Vorstellungen zu erziehen. Die Verringerung der wirtschaftlichen Benachteiligung wird so durch eine Einschränkung der elterlichen Freiheit erkauft. Eltern stehen vor der Wahl zwischen kräftemäßiger Überforderung und Verarmung. Die Kombination ganztägiger Erwerbstätigkeit mit Kindererziehung führt trotz Krippenversorgung immer häufiger zum Burnout. Verzicht auf Erwerbsarbeit zugunsten der Kinder hat dagegen Verarmung im Vergleich zu Kinderlosen zur Folge. Beides fördert Unzufriedenheit und Belastung von Eltern und Kindern. Die staatlichen Eingriffe in die Familien  ignorieren insbesondere die Bedürfnisse von Säuglingen und Kleinkindern zu Gunsten von arbeitsmarktpolitischen Überlegungen.
 
Die bestehende Einschränkung der Elternrechte und die damit verbundene finanzielle Schieflage schränkt  gleichzeitig die Rechte der Kinder ein. Eltern- und Kindeswohl sind in der Regel nicht trennbar. Die von Wirtschaftskreisen und Trägern von Betreuungseinrichtungen wiederholt aus Eigeninteresse vorgebrachte Behauptung, allein Krippenbetreuung bedeute frühkindliche Bildung und sei deshalb gezielt zu fördern, ist wissenschaftlich nicht haltbar und stellt zudem eine Beleidigung für ganze Elterngenerationen dar. Im Gegensatz dazu führt bei unter drei-jährigen Kindern erst die Bindung zu festen Bezugspersonen – in der Regel den Eltern – zu einem Urvertrauen als Voraussetzung für die Entwicklung  einer stabilen Persönlickeit und späterem Bildungswillen.
 
Die einseitige finanzielle Begünstigung der Krippenbetreuung von Kleinkindern gegenüber der elterlichen Betreuung drängt immer mehr Eltern, möglichst durchgängig vollerwerbstätig zu sein. Auf Druck von Kreisen der Wirtschaft ist das politisch erwünscht und begünstigte es, - wegen des größeren Arbeitskräfteangebots - die Löhne zu drücken und die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. Die Folge sind immer mehr prekäre und befristete  Arbeitsverhältnisse, die die Verarmung besonders der Familien fördern, die ihre Kinder selbst betreuen wollen und nicht von der Krippenförderung profitieren. Bei voll erwerbstätigen Eltern führte das dagegen zu zunehmender Überbelastung mit immer häufigerem Burn-out, wie die Statistik der Krankenkassen zeigt. Beides widerspricht dem Gleichberechtigungsgebot nach Art. 3 GG und dem Schutz der Familie nach Art. 6 GG.
 
Vor dem Hintergrund dieser gesellschaftlichen Situation stellen wir folgende Forderungen:
 
  • Wir fordern eine angemessene Gegenleistung für die Erziehung der nachwachsenden Generation, weil allein Eltern durch Kindererziehung die Voraussetzungen dafür schaffen, dass alle Angehörigen ihrer eigenen Generation im Alter versorgt werden. 
  • Wir fordern die  Gleichbehandlung aller Eltern bei der Finanzierung der Kinderbetreuung. Es ist Aufgabe und Recht der Eltern, Erziehungs- und Erwerbsarbeit innerhalb der Familie nach ihren eigenen Vorstellungen, Bedürfnissen und Wünschen zu regeln. Daher muss die elterliche Erziehungsarbeit finanziell ebenso behandelt werden wie die staatlich organisierte Kinderbetreuung. Bisherige bindende Beschlüsse des Bundesverfassungsgerichts (1, 2) bestätigen die elterliche Autonomie und Freiheit bei der Wahl der Art der Kinderbetreuung. Nur bei Gefährdung des Kindeswohls ist ein Eingriff des Staates gerechtfertigt. Die gleichberechtigte Finanzierung der Kinderbetreuung ist keine Kostenfrage, sondern eine Verteilungsfrage. 
  • Wir fordern, den aus Steuermitteln für Kindererziehung eingesetzten Geldbetrag den Eltern (oder anderen Sorgeberechtigten) auszuhändigen, damit sie frei über Art, Eintritt und Umfang etwaiger Fremdbetreuung ihrer Kinder entscheiden und diese gegebenenfalls finanzieren können.
  • Wir fordern, dass sich der Umfang der Leistung für Kinderbetreuung am Arbeitsaufwand und damit am Alter und an der Anzahl der Kinder orientiert und nicht am früheren Erwerbseinkommen einer Mutter oder eines Vaters. Leistungen für die Kindererziehung sind nicht als „Verdienstausfallentschädigung“ wie Krankengeld oder Arbeitslosengeld zu betrachten und zu behandeln, wie das beim heutigen Elterngeld der Fall ist, sondern als Gegenleistung, vergleichbar einem Lohn. Ein Kind ist kein Schaden, den es zu kompensieren gälte. Wenn Kindererziehung wie Krankheit oder Arbeitslosigkeit behandelt werden, wird sie zusätzlich ideell abgewertet. Die zur Zeit bestehende Einkommensbezogenheit des Elterngeldes benachteiligt Eltern mit zweiten und weiteren Kindern, sowie in Ausbildung befindliche Eltern. Das widerspricht dem Sozialstaatsgebot des Grundgesetzes als auch den Artikeln 3 und 6 GG. Dadurch werden Eltern erster und zweiter Klasse geschaffen.                
 
Wir fordern in Übereinstimmung mit der bisherigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes die Autonomie und Freiheit der Eltern.
 
Der Staat hat kein Recht, auf die Aufgabenverteilung innerhalb der Familie Einfluss zu nehmen. Vielmehr ist es Aufgabe und Recht der Eltern, Erziehungs- und Erwerbsarbeit innerhalb der Familie nach ihren eigenen Vorstellungen und Wünschen aufzuteilen. Die Forderung nach „Gleichstellung“ der Geschlechter darf nicht dazu missbraucht werden, Mütter und Väter zu bevormunden, indem eine bestimmte Arbeitsteilung in der Familie vorgeschrieben wird."
 
Quelle: Bündnis Rettet die Familie  - siehe oben stehenden Link. Farbliche Hervorhebungen habe ich getätigt.
 
"[...] Karriere-Mutter kontra Glucke
Der steigende Bedarf nach Betreuungsplätzen für Kleinkinder deckt sich auch mit meinen Erfahrungen. Der sozialen Trend unserer Gesellschaft geht dahin, dass das Bild einer fürsorglichen Mutter, die sich entscheidet, für einen längeren Zeitraum, also über das erste Lebensjahr hinaus ganztägig mit ihrem Kind Zeit zu verbringen, negativ besetzt ist. Mütter, die sich gegen den zeitnahen Ausbau ihrer Karriere und für die eigene Betreuung ihrer kleinen Kinder entscheiden, werden in unserer kapitalistischen Gesellschaft vielfach an den Rand gedrängt, nicht nur finanziell.
 
Was im ersten Lebensjahr in den Kindertreffs noch als vorbildlich gilt – eine fürsorgliche 24-Stunden-Mutter – zieht spätestens mit Beendigung des staatlichen Elterngeldes nach 12 Monaten ein mitleidiges Lächeln und inneres Kopfschütteln nach sich: Mütter, die nicht Loslassen können – sogenannte „Glucken“. Tatsächlich ist die Mehrzahl aller Mütter selbst der Meinung, ihr Nachwuchs bräuchte mit einem Jahr soziale Kontakte, Abwechslung und Förderung, die allein die Mutter nicht bieten könnte. Das ist der Zeitgeist, der bei Müttern, die tief in sich die Sehnsucht spüren, die sensible Bindung zu ihrem Kind nicht durch eine Unterbringung in einer Krippe abrupt abzubrechen, Unsicherheit und Selbstzweifel auslösen kann. Ich habe selbst erlebt, wie eine Mutter, die sich bewusst entscheidet, länger Zeit mit ihrem Kind zu verbringen, sich immer wieder in einer Rechtfertigungsposition wiederfindet. [...]
 
Dabei ist es sowohl für die junge Mutter als auch für das so kleine Kind ein erheblicher emotionaler Stress, den diese viel zu frühe Trennung mit sich bringt. In unserer Gesellschaft ist es schon schwer genug, unsere Urinstinkte in Bezug auf das Muttersein überhaupt zu beleben, mit der Mutter in uns in Kontakt zu kommen und in sich – fernab von der tsunamiartigen Überhäufung mit Ratgebern und Babyzeitschriften – eine ganz eigene Wahrheit und Liebe zu seinem Kind entstehen zu lassen. Wenige, das ist mein Erleben im Kontakt mit den vielen verunsicherten Müttern, haben je die wirklich gespürt, was sie für ihr Kind bedeuten, haben je zu einem tiefen Vertrauen in ihre weiblichen Fähigkeiten als Mutter gefunden.
 
All das stellt sich nicht von heute auf morgen ein. Es kostet Zeit ohne Druck. Oft bleibt den Müttern aber im Idealfall ein Jahr, bevor sie in den absoluten Wahnsinn aus Beruf, Familie und Haushalt einsteigen, indem oft nur noch Raum fürs Funktionieren bleibt. Die emotionale Trennung beginnt viel früher, da der Termin der tatsächlichen Trennung schon lange absehbar ist. Für viele Mütter führt diese so frühe Trennung von ihrem kleinen Kind zu einer großen seelischen Belastung, da Schuldgefühle gegenüber dem Kind aufgrund des Verlassens dem Funktionsanspruch unserer Gesellschaft, Familie und Arbeit zu verbinden, gegenüberstehen. Da prallt der Verstand auf das Herz. Nicht selten habe ich erlebt, wie diese Mütter ihr Herz gegenüber ihrem Kind teilweise verschließen, um diese unglaubliche Diskrepanz nicht länger spüren zu müssen.
 
… existenziell für das Kind
Für die Kinder in den ersten drei Lebensjahren, insbesondere umso kleiner die Kinder sind, bedeutet diese früh kindliche Trennung von der Mutter eine existenzielle Konfrontation mit dem Schrecken des Alleinseins. Die natürliche Beziehung zur Mutter, die grundlegende erste Seins-Erfahrung in Bezug auf Sicherheit, Geborgenheit, Verlässlichkeit bis hin zur Ausbildung des Urvertrauens wird empfindlich gestört. Im Idealfall werden in den ersten Jahren der körperlichen Geborgenheit und des engen Kontakts zwischen Mutter und Kind die Grundbausteine für die zukünftige Bindungsfähigkeit gelegt.
 
Umso präsenter und verlässlicher die Mutter für das Kind ist, umso sicherer wird das Kind sich in seinem eigenen, der natürlichen Entwicklung angepassten Tempo von ihr entfernen, immer mit dem sich versichernden Blick, dass der vertraute Hafen der Mutter noch in greifbarer Nähe ist und jederzeit erreicht werden kann.
Dieser Prozess geht natürlicherweise vom Kind aus und unterliegt einem individuellen Zeitplan. Wird dieser Zeitplan gestört oder wird diese Loslösung zu früh und unter Druck forciert, entstehen irreparable Störungen in der Bindungsfähigkeit, dem Urvertrauen und in dem Sicherheitsgefüge des Kindes.
 
„Vergessen wir nicht, dass stundenlange/stundenweise Trennung von der Mutter im Krippenalter eigentlich immer forcierte Trennung ist, die den kindlichen Entwicklungsschritten noch nicht entspricht. Natürlich hat das Kind selbst auch ein Separationsbedürfnis – es wendet den Blick, den Kopf ab, möchte erforschen, sich wegbewegen, aber zur Freude daran gehört der eigene Antrieb. Wir verleugnen gerne diese Forcierung und dass sie bedeutet, dass das Kind dann im Nachhinein, also nach dem Krippenleben, viel Hilfe bei der Regulierung seiner Trennungsstresssymptome braucht“.
 
Bei vielen indigenen Völkern werden Kinder über ein Jahr direkt am Körper getragen, was den natürlichen Bedürfnissen des Kindes sehr zu entsprechen scheint – von einem Weggeben in organisierte Fremdverwahrung ganz zu schweigen. Forscher wie Jean Liedloff haben festgestellt, dass viele psychische Störungen in diesen Gesellschaften nicht nicht existieren und die Kinder zu ungewöhnlich freundlichen, friedlichen und selbstbewussten Menschen heranwachsen.
 
Auch die beste Krippenerzieherin ist ein schlechter Mutterersatz
Selbst wenn eine Krippe fachlich und personaltechnisch gut ausgestattet ist, kann die Krippenbetreuerin niemals die eins-zu-eins Betreuung einer Mutter ersetzen. Auch wenn sich eine Betreuerin „nur“ um fünf Babys gleichzeitig kümmern muss (die Realität liegt oft bei 10 Kleinkindern für eine Betreuerin), bedeutet dass immer noch Zeiten, in denen das Kind psychisch alleine ist, weil die Bedürfnisse der gesamten Gruppe befriedigt werden müssen. Davon unabhängig wird eine Erzieherin sich im Idealfall gut um die natürlichen Bedürfnisse des Kindes nach Förderung und Pflege kümmern, aber sie wird sie nicht lieben. Das ist auch gar nicht der Anspruch, den sie erfüllen muss. Der emotionale Spielraum ist im Gegensatz zur Mutterliebe daher erheblich eingeschränkt. Die Folge sind Kinder, die in ihrem sehr eigenen Gefühlsleben traumatisiert sind, die das Gefühl vom Verlust der Mutter, dass wiederkehrende Loslassen der wichtigsten Bezugsperson in einem Alter erleben, das Loslassen in dieser Form und Dauer natürlicherweise nicht vorsieht.
 
Affektkontrolle
Oft wird argumentiert, dass Krippenkinder hinsichtlich ihrer „Affektkontrolle“ Familienkindern voraus sind. Die Häufigkeit des Weinens wird häufig als Indikator angesehen, ob die Kinder sich in der Umgebung wohl fühlen. Gerade in Säuglingsgruppen wird aufgrund der Affektansteckung (ein Kind weint, alle anderen stimmen ein) der Affektausdruck des Einzelnen unterdrückt, auch um die Gruppe für die Betreuer umgänglicher zu halten. Die Unterdrückung des Affektausdrucks geht aber zulasten des natürlichen und spontanen Gefühlsausdrucks des Kindes. Sie fördert die Anpassung und unterdrückt mehr und mehr das Ausleben des momentanen individuellen Lebensgefühls – in einer Phase, in der das Kind null Toleranzschwelle für die Bewertung von Außen hat. Diese unnatürliche Anpassung ist für alle Kinder, besonders jedoch für sehr kleine Kinder ein unglaublicher Stressfaktor, der ihnen nach kurzer Zeit nur eine Möglichkeit lässt – ihr Urvertrauen aufzugeben zugunsten einer Welt voller Rituale und Regeln. Dies ist der Beginn eines traumatischen Prozesses der Entfernung von der eigenen Natur, dem eigenen Körper mit seinen Impulsen. Anstelle dessen suchen diese Kinder in ihrem natürlichen Sicherheitsbedürfnis diese nun in der Struktur, die sie umgibt, sobald diese für sie irgendwie erkennbar wird – mit langfristigen Folgen.
 
Ich wage in diesem Zusammenhang die Behauptung, dass die entstandenen frühkindlichen Bindungsstörungen in Verbindung mit der vorgenannten Anpassung in unserer Gesellschaft und ihrem System in bestimmten Aspekten gewollt sind. Kinder, die frühe Anpassung und Affektkontrolle unter existenziell bedrohlichen Umständen gelernt haben, werden sich auch später besser gesellschaftlich einfügen und kontrollierbarer leben.
 
Der Preis für die betroffenen Kinder und späteren Erwachsene ist hoch. Teile der Verlorenheit, die die Trennung für das Kind mit sich bringt, halten unter Umstände lebenslang an. Man muss nicht weit schauen, um die Verlorenheit unserer Gesellschaft zu spüren, eine Verlorenheit, die ihre Wurzeln oft in der frühesten Kindheit hat. Den wenigsten Menschen, die ich kenne, ist es heute spontan möglich, aus sich heraus ihrer Seele Ausdruck zu verschaffen, auch weil wir oft sehr früh schon mit Konditionierungen gelernt haben, uns möglichst konform zu verhalten. Wir haben Menschen hervorgebracht, die ihre inneren Impulse und Affekte zugunsten einer gesellschaftlichen Anpassung kontrollieren können, um möglichst lange reibungslos zu funktionieren. Menschen, die sich scheuen, die Regeln und Normen der Gesellschaft infrage zu stellen, die ihre einzige Sicherheit geworden ist.
 
Die gefühlte Mutter
Ich denke, in diesem Zusammenhang geht es auch darum, dass wir uns neben dem Menschenbild mit unserem Bild des Mütterlichen auseinandersetzen. Sind Kinder tatsächlich nur der erfolgsverzögernde Faktor unseres Berufslebens? Oder sind sie der natürlichste Ausdruck unserer Weiblichkeit? Die ersten Jahre mit dem Kind kommen nie wieder. Welchen Preis zahlen wir hier als Frauen und als Gesellschaft?
 
„Das Schüren der Gegnerschaft geht mit ihrer Verleugnung einher, wenn wir heute hören, dass es kein Problem mehr sein soll oder darf, Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen. Wenn man nicht aufpasst, geht diese Verleugnung immer gegen das Kind und seine Abhängigkeitsbedürfnisse aus. Die Notwendigkeit, eine Weile auf etwas verzichten zu müssen, wird öffentlich stets verleugnet, obwohl es die sicht- und fühlbare Wirklichkeit ist. (…) Unser Kind schreit danach, buchstäblich, dass wir uns für eine Weile wieder auf „Mütterlichkeit“ festlegen sollen und wir reagieren, neuer Freiheitsrechte beraubt, sehr ambivalent darauf bis hin zum unterschwelligen Hass auf das Kind. Oder wir versuchen, Mutterschaft zu idealisieren, was nur eine andere Art ist, auf den abverlangten Verzicht, der mit ihr einhergeht, zu reagieren“
 
Dieses Auseinandersetzen mit dem natürlichen Fluss der Mutterliebe erfordert ein kritisches Hinterfragen all der gesellschaftlichen Normen, mit denen Mütter viel mehr als andere konfrontiert werden.
 
Es bedeutet absolut keine Umkehr zu einem archaischen Frauenbild, vielmehr die Öffnung in uns selbst durch unsere Kinder, um diese wieder mehr fühlen zu können. Daraus ergibt sich eine natürliche Prioritätensetzung, daraus ergibt sich auch die Möglichkeit, die kindlichen Bedürfnisse, all die unausgesprochenen Gefühlsregungen, die sie mit uns auf der einzigartigen nonverbalen Verbindung zwischen Mutter und Kind kommunizieren., besser wahrzunehmen. Und es gibt uns die Möglichkeit, darauf zu reagieren, anstatt unseren natürlichen Schmerz und unsere Schuldgefühle einem System zuliebe einzuschließen, dass uns unserer Natur immer mehr entfremdet, indem Leistung und das Recht des Stärkeren dominieren. Wenn es einen Wandel der Gesellschaft geben soll, beginnt er bei unseren Kindern."
 
Quelle: sein.de, siehe oben stehenden Link. Farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 

Bleibt zu Anfang kurz hängen, die Stelle einfach weiterschieben/überspringen, geht dann weiter. Die Alternative?: Kinder im Alter von bis zu vier Jahren NICHT fremdbetreuen lassen (siehe Entwicklungspsychologie, Bindungstheorie). Erst AB 4 Jahre (je individuell ggf. auch erst später) und dann nicht 8 Stunden täglich, sondern allenfalls vier bis sechs und das in tatsächlich qualitativ hochwertiger Fremdbetreuung! - SORGE-ARBEIT als Arbeit, als Leistung anerkennen und angemessen monetär entlohnen. - Gerade die Eltern, die dieses Geld dringend brauchen. STATT: zu unterstellen, all diese nicht-privilegierten Eltern seien dumm, ungebildet, faul, arbeitsscheu, unfähig, ihre Kinder gut zu umsorgen, zu behandeln, zu "fördern", zu erziehen ... . - Es geht NICHT um das Kindeswohl und es geht NICHT um die Rechte/Freiheiten von Frauen/Müttern. - Es geht: UM DIE WIRTSCHAFT, UMS GELD. - Nicht: um die Menschen.

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