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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Emmanuel Lévinas ... und der Andere

 
"[...] E. Levinas: "Einem Menschen begegnen heißt, von einem Rätsel wachgehalten zu werden."

Einem Menschen begegnen heißt, ihn als Anderen erleben, ent-decken, respektieren. Denn der Andere ist einzig und unverwechselbar; auf der Suche nach dem, was und wer er ist, versagen die üblichen Kategorien, die Schablonen des Denkens und die gewohnten Strukturen unseres Verstehens. Erst wenn man den Anderen, wie Levinas erklärt, gleichsam nackt und fremd sein lässt, bestimmt sich der Andere als Anderer von sich her.

"Und dieser Andere begegnet, wie Levinas' Ausdruck dafür lautet, als "Antlitz" (visage), als Verbot: "Du sollst mich nicht töten", und als Gebot: "Du sollst mich in meinem Sterben nicht alleine lassen"."

So gesehen ist der Andere - insbesondere für Philosophen - "die eigentlich metaphysische Störung". Im gleichnamigen Artikel sowie in neun weiteren unternimmt Christoph von Wolzogen den Versuch, die bzw. den Grundgedanken der Philosophie von Levinas herauszustellen. Dabei geht es dem Frankfurter Professor in erster Linie um den Aufweis einer grundsätzlichen Vorgängigkeit des Ethischen, die die eigentliche Quelle der Erfahrung des Menschlichen darstellt. [...]
 
Zur Erinnerung: Autonomie, Gleichheit und Selbstverwirklichung stehen im humanistisch aufgeklärten Europa hoch im Kurs. Diesem Denken gemäß ist der Andere ein Gegenüber, ein Phänomen, eine Art Spiegel, mit Hilfe dessen der Einzelne, das Selbst, sich erkennt und zu sich findet. Diese Vorstellung, dieses Konzept traditioneller Philosophie, so von Wolzogen, stellt Levinas radikal in Frage.
 
"Dagegen setzt er seine andere Sicht des Anderen: "Eine Infragestellung des Selben - die im Rahmen der egoistischen Spontaneität unmöglich ist - geschieht durch den Anderen. Diese Infragestellung meiner Spontaneität durch die Gegenwart des Anderen heißt Ethik." Damit beabsichtigt Levinas keineswegs, eine neue, "Ethik" genannte Disziplin zu begründen, sondern Philosophie als solche wird als abgeleitete aus dem Bezug zum Anderen verstanden. Und deshalb erhält nun die Ethik den Rang einer "Ersten Philosophie"."
 
Wie kommt Levinas zu dieser neuen Perspektive? Was bewegt den Wegbereiter der Phänomenologie in Frankreich zur Entwicklung dieser Philosophie des extremen Humanismus, deren Exposé in der Bibel resp. im Talmud zu finden ist? Auch hier gewinnt man dank von Wolzogen ausreichend Antworten.
 
"Wenn es eine Lehre des Levinasschen Denkens gibt - und nach dem Talmud hat die Thora nur eine Lehre: Liebe deinen Nächsten; alles andere ist Interpretation -, dann ist es vielleicht die Lehre vom "kleinen Guten", der Güte, mit welcher man auch "unter einem leeren Himmel noch eine vernünftige und gute Welt" suchen kann ..., ohne der Tyrannei des "großen Guten " zu verfallen." [...]"
 
Quelle: Artikel des Deutschlandradio Kultur (siehe oben stehenden Link). Farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 


Die Sorge für den Anderen siegt über die Sorge um sich selbst. Genau das ist es, was ich ‚Heiligkeit' nenne. Unsere Menschlichkeit besteht darin, dass wir den Vorrang des Anderen anerkennen können. Die Sprache wendet sich immer dem Anderen zu, so als ob man gar nicht denken könnte, ohne sich bereits um den Anderen zu sorgen.

Deutschlandfunk

Anmerkung zu seinem gebrochenen Deutsch: Er hätte sich mit gutem Grund und moralischen Recht auch schlicht weigern können, überhaupt (noch) Deutsch zu sprechen.

 
Siehe insbesondere, was auch Lévinas (in oben verlinkter Dokumentation des wdr "Liebesweisheit. Emmanuel Lévinas - Der Philosoph des Anderen.") über Liebe äußert und über die "Heiligkeit des Opferns", über den Sinn des Sozialen, über Würde - letztlich ist es das, das sich auch bei u.a. Erich Fromm oder auch dem Dalai Lama ... findet:
 
Lieben heißt g e b e n, geben wollen, können, "müssen" - aufgrund von Mitgefühl. Weil ich es - als mitfühlender Mensch - nicht ertrage, den Anderen leiden zu sehen.
Siehe auch hier die Sinnhaftigkeit von Schmerz und Leid.
 
"Die Gewalt versteckt sich hinter höflichen Gesten."
 
"Meine Sorge ist nicht die Sorge um das Sein, meine Sorge ist die Sorge um den Anderen." Lévinas
 
"Darf man sich mit gutem Gewissen als Held fühlen, wenn man für die Freiheit des Abendlandes auf das Leben anderer Menschen keine Rücksicht nimmt?
Dürfen die Mächtigen jedes Mittel einsetzen, jeden Krieg gewinnen, um den Frieden zu sichern? (...)

Die Piloten erfüllten ihre Aufgabe in einer gut organisierten Arbeitsteilung, während sie für die Freiheit töteten, konnten andere auch ihrer Pflicht nachgehen. Sie hätten, sagten sie den Reportern, einen Auftrag erhalten und ausgeführt.
Erleichtert, dass alles funktioniert hatte, bezeichneten sie ihre Tat als ein bedeutendes Ereignis für die Wissenschaft, die Luftwaffe und die Industrie.
Es sei, sagten sie, eine Arbeit gewesen, auch wenn Menschen dabei umkamen. (...)"
 
"Bin ich nicht dauernd in Sorge um mein Sein?"

"Im Kampf muss sich der Schwächere geschlagen geben, während der Sieger, das Steuer fest in der Hand, am Besiegten vorbeizieht, tiefer in den Kampf."
 
"Das tierische Leben ist ein Kampf um sein Sein." Lévinas
 
"Unerwartet wird das Ich aufgeschreckt. Der Ruf des Anderen weckt aus der naturhaften Selbstgenügsamkeit auf, stört die Sorge um das nackte Sein. Den Ruf hört jeder. Er fordert unmittelbar auf, er gebietet, selbstlos zu sein."
 
"Auch wenn man dem Anderen den Tod nicht abnehmen kann, aber die Möglichkeit, als Sinn des Seins das Sein des Anderen, ist das Ausgezeichnete im Menschen." Lévinas
 
"Während die anderen das Leben fortsetzen, erfährt der Schlaflose die unerträgliche, nicht enden wollende Dauer der Nacht. Er erfährt die Tatsache seiner Existenz, die er mit niemand anderem teilen kann, als ein `Es gibt´, als ein anonymes und sinnloses Geschehen. Man ist da und hat zu sein. Aus dieser Gefangenschaft des Seins, sehnt sich der Mensch auszubrechen."

"Ich kann nicht ohne den Anderen sein. Der Sinn des Seins ist immer der Andere."
 
"Der Andere stört mich, beunruhigt mich, ist mir lästig - am liebsten mache ich einen Umweg."
 
"Antlitz bedeutet für Levinas die Einzigkeit des Anderen, die nicht erklärt werden kann. In diesem Sinne kann das Antlitz nicht gesehen werden, es sei kein Inhalt, den unser Denken umfassen könnte."
 
"In der Begegnung ist meine Ergebenheit an den Anderen das Erste. Im Antlitz erscheint der Andere als nackt und verloren und einzig zu sein." Lévinas
 
"Die Reduzierung des Anderen auf uns schon Bekanntes liegt unserer Wahrnehmung zugrunde."
 
"Die Andersheit des Fremden bleibt hinter dem Bild, das der Beobachter sich von ihm macht, unsichtbar."
 
"Der Andere, zu dem ich in seinem Antlitz verpflichtet bin, ist natürlich in dem Moment der Einzige auf der Welt. Der Mensch fällt aus seinem Genus und ist einzig. Man kann dieses Verhältnis Liebe nennen. Diese Opferfertigkeit ist Liebe. Was Pascal Liebe ohne Begehrlichkeit genannt hat. Und andererseits, wer bin ich dabei, in diesem Verhältnis? Ich bin derjenige, der keinen Stellvertreter finden kann." Lévinas - großartig.
 
"Auch in der Intimität bleibe ich vom Anderen getrennt, sagt Lévinas. Die Tatsache meiner Existenz, meiner Einsamkeit, verschwindet auch nicht in der erotischen Beziehung. Selbst in der Ekstase kann ich mich nur vorübergehend im Anderen verlieren. Liebe ist kein Verschmelzen zweier Menschen, kein romantisches Ideal, im Gegenteil - Liebe heißt, verletzlich sein, heißt, dem Anderen ausgesetzt sein.

Der Versuch, den Anderen zu unterwerfen, mein Getrenntsein von ihm durch Einverleibung aufzuheben, gelingt nicht. Die Befriedigung der Bedürfnisse, würde den Anderen zum Objekt machen, aber nicht die Einsamkeit meiner Existenz aufheben.
 
Das Begehren des Anderen ist ein unstillbares Verlangen, ein Hunger, der sich ständig vergrößert. Eine Suche, ein Gang zum Unsichtbaren. Diese Suche, sagt Lévinas, geht nicht vom Ich, sondern vom Anderen aus.

Liebe entsteht nicht aufgrund einer Initiative, sie überfällt und verwundet. Einzig ein verletzliches Ich kann seinen Nächsten lieben."
 
"Die Menschenwürde, sagt Lévinas, beginnt damit, dass ich für das Leben eines Anderen einstehe. Das ich angesichts von Not und Elend dem Anderen antworte. Dass ich sage: `Hier bin ich.´"
 
"Der Drang, sich zu vereinzeln oder das Geschehen draußen in trauter Zweisamkeit zu vergessen, stößt an eine Grenze. (...) Es sind die Gedanken an die Anderen, die sie nicht loslassen."
 
"Der Nachbar, der meist ein Unbekannter, ein Fremder ist, aber er ist es, sagt Lévinas, vor dem ich mein Recht zu sein verantworten muss. Ihm gegenüber werde ich schuldig, ich mehr als die Anderen."
 
"Dann kommt die Frage, welcher Staat kompatibel ist mit der Einzigkeit jedes Menschen. Es ist in der Demokratie eine Möglichkeit, das Staatliche nicht als letzten Grund zu bedenken und in diesem Sinne die staatliche Autorität immer zu begrenzen, im Staat immer einen besseren Staat zu hoffen. (...) Im demokratischen Staat ist das Tyrannische nicht ewig." Lévinas
 
"Unaufhörlich opfert das unersättliche Sein die Gegenwart im Namen einer glückversprechenden Zukunft. Doch es gibt immer einen Riss im Sein, ein Aufbrechen der Menschlichkeit im Sein."
 
"Humanität dürfe man nicht predigen, sagt Lévinas, man müsse sie auf sich nehmen. Inmitten der Trümmer, die von den großen Glücksversprechungen übrig geblieben sind, muss jeder selbst anfangen.
 
Der Krieg aller gegen alle kann für Lévinas nur durchbrochen werden durch den Aufbruch im Hier und jetzt, durch den geduldigen Aufenthalt im Hier und jetzt, durch den selbstlosen Verzicht, das gesteckte Ziel um jeden Preis erleben zu wollen. Es gebe keine Garantie, kein Prinzip Hoffnung, sondern nur die unbedingte Verantwortung für den Anderen und die Pflicht, aus seiner Selbstzufriedenheit zu erwachen."
 
"Für Lévinas ist Denken immer unterwegs. Ein Denken, das zum Anderen geht und sich nicht an einen festen Ort klammert."
 
"Die Aufgabe des Philosophen, sagt Lévinas, besteht nicht in einem engagierten oder aggressiven Durchsetzen der Freiheit, sondern darin, der Rede des Anderen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Das Antlitz des Anderen ist der wahre Lehrer der Philosophie. Das Ideal des Philosophen ist nicht die Selbstverwirklichung, sondern Liebesweisheit."
 
"Eine Zukunft denken, heißt, es ist eine Zukunft, die Sinn hat, ohne dass ich dabei bin. Das heißt, es ist nicht der Gedanke des ewigen Lebens, sondern ein Gedanke, den Tod anzunehmen, wenn die Anderen den Frieden genießen." Lévinas - Er nennt es "Prinzip des Opfer(n)s", ich nenne es das Prinzip des Gebens, der Fürsorglichkeit, der Liebe.
 
"Die Beziehung zum Anderen ist etwas, das man nicht gewählt hat, sie passiert wie in einem Abenteuer ohne Ziele. Die Liebe vereinigt nicht die beiden Hälften eines einzigen Wesens, ist keine Rückkehr in eine Heimat.
 
Nur ein getrenntes Wesen übernimmt Verantwortung für den Anderen.

In der Hingabe an den Anderen, im entschiedenen Opfer für ihn, gewinnt es seine unverlierbare Einzigkeit, seine unverlierbare Menschenwürde.

Deshalb spricht Lévinas auch von einem schönen Wagnis. Von dem schönen Wagnis der Beziehung zum anderen Menschen."
 
-
 
"[...] Während in vielen klassischen Systementwürfen die Erkenntnistheorie und Metaphysik eine Grundlage bilden – bezeichnet als Erste Philosophie – ersetzt Levinas deren Rolle durch die Analyse einer grundlegenden Verpflichtetheit: Sie differenziert sich zu einer Ethik aus; subjekttheoretische Voraussetzungen sind dieser gegenüber sekundär.
 
Traditionelle Entwürfe ethischer Theorien werden von Levinas kritisiert. Nach seiner Ansicht werden Personen als metaphysische Gegenstände behandelt, deren Wert – ausgehend von einer Reflexion auf die Natur eines Subjekts – bestimmt wird. Das Subjekt hat dabei den Status einer substantiellen anthropologischen Universalie. In diesem Sinne kritisiert Levinas humanistische Ansätze, weil sie nicht human genug seien. Für die von ihm kritisierten Ansätze typisch ist nämlich die Zentralstellung des Ichs als eines Subjekts, das ethische Urteile fällen, moralische Wahrheiten und Werte fassen und bestimmen kann. Das menschliche Subjekt ist entsprechend dieser Vorstellungen sodann ein Maßstab des Angemessenen und des Unangemessenen, des Gerechten und des Ungerechten.
 
Diese Zentralstellung ersetzt Levinas durch eine vorausliegende Verpflichtung durch den unbedingten Anspruch eines Individuums. Er spricht meist von dem Anderen. Diese Forderung ist unendlich in dem Sinne, dass ein konkretes Ich als endliches Subjekt (mit beschränkten Möglichkeiten und insbesondere beschränkter Zeit) ihr unmöglich gerecht werden kann. Es gibt für Levinas also prinzipiell nicht die Möglichkeit, sich einer Einlösung dieses Anspruchs überhaupt anzunähern, welcher die praktische Notwendigkeit gegenübersteht, diesem unterworfen zu sein.
 
In dieser unbedingten Inanspruchnahme ist der ihr Unterworfene unvertretbar. Erst daraus resultiert ein Subjekt, das sich zu sich selbst (und seinem Verpflichtetsein) verhalten kann. Levinas veranschaulicht dies durch eine fiktive Etymologie des Ausdrucks „Subjekt“ als (lateinisch) sub-iactum, also unterworfen (unter den Anspruch des Anderen). Im Unterschied zu dieser unbedingten Inpflichtnahme sind alle ethischen Abwägungen sekundär. Abwägungsfragen treten erst dann und insofern auf, als ein Subjekt nicht nur „dem Anderen“, sondern mindestens zwei Personen gegenüber verpflichtet ist. Hier haben für Levinas traditionelle ethische Theorieansätze ihren berechtigten Ort. Die phänomenologische Fundamentalethik, wie Levinas sie entwickelt, hat dagegen einen vorausliegenden Status, er spricht daher von einer Proto-Ethik.
 
In einer derartigen Umkehr der Ordnung zwischen dem „Subjekt“ und dem "Anderen" ist Letzterer – darum die Wortwahl „der Andere“ – in seinem Wesen und seiner Würde uneinholbar. Der Andere ist absolut anders, nicht bloß ein anderer Fall dessen, was ich auch bin, kein bloß relativ anderes Ich und nicht auf seine Erscheinung als ein bestimmter Anderer zu reduzieren.
 
Man hat Levinas' Philosophie hin und wieder, u.a. in Anlehnung an Martin Buber, als „Philosophie der Begegnung“ charakterisiert. Diese Charakterisierung ist unzutreffend, insofern Levinas sich dezidiert gegen eine dialogische Beziehung zwischen Ich und Du ausspricht, welche sich auf gleichen Ebenen abspielen müsste. Stattdessen spricht Levinas von einer uneinholbaren, sich durch jeden Vermittlungsversuch letztlich ausweitenden Asymmetrie zum Anderen. Gegenüber traditionellen phänomenologischen Theorieansätzen betont Levinas, dass die vorphilosophische Verpflichtetheit grundlegend für das Welt- und Selbstverhältnis des Menschen ist. Seine Kritik richtet sich gegen zahlreiche Varianten traditioneller Subjekttheorien und praktisch die gesamte Tradition der Ontologie. Auf der Ontologie bzw. Metaphysik fußt nach seiner Ansicht die gesamte klassisch-abendländische Philosophie, auf einem erkenntnistheoretischen oder ethischen Primat des Subjekts fast die gesamte moderne Philosophie. Auch Theorieansätze, welche den Anderen zum Fall eines „Alter Ego“ machen, fallen bei Levinas unter Vorbehalte, darunter die meisten sozialwissenschaftlichen Ansätze (hier könnte man etwa an die Sozialphänomenologie von Alfred Schütz oder den Symbolischen Interaktionismus denken). [...]"
 
Quelle: Wikipedia-Artikel, s.o. - farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
 
Lévinas - Verantwortung
 
"[...] Nicht durch Blicke, Gesten oder Worte werde ich zur Verantwortung aufgefordert, sondern durch das aller Merkmale entblößte Antlitz des anderen Menschen, dessen Nacktheit - Schwäche und Appell zugleich - mich zu einem für ihn Verantwortlichen macht.
 
Die Nacktheit des Antlitzes ist Entblößung und in der aufrichtigen Gradheit, die mich meint, schon inständiges Flehen. Doch dieses inständige Flehen ist eine Forderung und dadurch kündigt sich die ethische Dimension an. Niemand kann hier an meine Stelle treten, denn die Verantwortung an mich appelliert wie an einen Angeklagten, der die Sache nicht wird zurückweisen können, verpflichtet sie mich als jemand Einmaligen und Unersetzbaren. [...]
 
Und Verantwortung heißt eben nicht heute Ja, morgen Nein, sondern die Verantwortung kommt sozusagen mir voraus. [...]
 
Eine Verantwortung, die für ihn älter ist als alle ethischen Lehren, weil sie durch kein Gebot, sondern durch das menschliche Antlitz wachgerufen wird, welches das Ich wortlos in Beschlag nimmt.
Das Gesicht des Nächsten bedeutet mir eine unabweisbare Verantwortung. Die Enthüllung des Gesichts ist Nacktheit, Selbstaufgabe, Altern, Sterben. Nackter als die Nacktheit: Armut, runzlige Haut, Gegenwart, die in allen ihren Augenblicken ein Zurückziehen in die Leere des Todes ist, mit dem Risiko, niemals wiederzukehren."
 
 
 

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