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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Über die Liebe und die Freundschaft - Teil 1

 
Über die Liebe - über die Freundschaft - oder: Woran du erkennst, wer dir wohlgesonnen ist
 
Ein Mensch, der dir "Gutes will", wird dir Gutes tun.
 
Ein solcher Mensch ist eigentlich sehr schnell und leicht erkennbar – nicht an dem, das er dir sagt, sondern an dem, das er tut, an seinem Verhalten also – auch und gerade dir gegenüber.
 
Jemand, der dir wohlgesonnen ist, dem an dir gelegen ist, wird neugierig sein auf deine Person, dein Wesen …, wird Anteil nehmen an dem, das dich bewegt, beschäftigt, belastet, erfreut …, möchte dich wirklich kennen- und verstehenlernen (so weit, wie ihm dies selbst/persönlich jeweils möglich ist, denn jeder Mensch unterliegt seinen je individuellen Beschränkungen, Erkenntnisgrenzen).
 
Er möchte wissen, was dich interessiert und umtreibt und: warum.
 
Er schreckt nicht vor deinen Sorgen und Nöten zurück, sondern möchte sie kennen und mit dir teilen, d.h.:
Es ist ihm ein Bedürfnis, ein Herzensanliegen, dir deine Last – im Rahmen seiner Möglichkeiten – zu erleichtern und dir Gutes zu tun, dir Freude zu machen.
 
Er ist aktiv und initiativ bestrebt, etwas dazu beizutragen, dass es dir gut geht, dass du dich gut fühlen kannst, nicht Not leidest, dass du Raum und Möglichkeit hast oder mit seiner Hilfe erhältst, (etwas) zu genießen, etwas zu erfahren, zu erleben, das dir persönlich am Herzen liegt, wohltut, dich entlastet und/oder (in deiner Entwicklung) weiterbringt.
 
Ein solcher Mensch – ein Freund – wird dir dies aus freien Stücken und unaufgefordert geben.
 
Aus der Intention, dir damit eine Freude zu machen, Last von dir zu nehmen – nicht, weil er sich eine Gegenleistung verspricht, erwartet, sondern, weil es ihm gut geht und auch gut tut, wenn es dir gut geht … und weil es ihn schmerzt, wenn du leidest.
 
Ein solcher Mensch, (d)ein Freund, wird dich nicht bedrängen, dich nicht mit bloßen Worten, mit "Ratschlägen" quälen, stattdessen wird er hinsehen und erkennen: was du gerade wirklich und vorrangig brauchst, was dir in diesem Moment tatsächlich hilft, es dir besser gehen zu lassen; und er wird versuchen, eben dies zu tun, zu geben. Ohne, dass du ihn zuvor erst darum bitten musst.
 
Er kann gleichermaßen erkennen, was du ihm gibst, ihm schenkst, was du "ihm bist" – und er weiß dies wertzuschätzen.
 
Ein Freund wird offen, ehrlich, authentisch zu und mit dir sein, sprechen, umgehen. Er schont weder dich noch sich selbst aus Bequemlichkeit … - um etwa solchen Konflikten aus dem Weg zu gehen, die zur Klärung einer Sache, eines Umstandes notwendig und anstrengend, mühevoll sind.
Er hat ein emotionales Interesse daran, dich "nach vorne zu bringen", dir beizustehen.
 
Er ist loyal – auch im Konflikt und auf Durststrecken, nach innen wie außen.
 
Er wird Zweifel und Kritik offen, aber respektvoll an- und aussprechen, sich nicht verstecken, nichts verdrängen, nicht davonlaufen, nicht schweigen, nicht lästern, intrigieren, nicht lügen, nichts zu verbergen suchen.
Er wird den Glauben an dich, euch, eure Freundschaft, Verbindung, nicht verlieren, nicht in Frage stellen, nicht aufgeben.
 
Du musst dich in seiner Gegenwart nicht verstellen, nicht verbiegen, nicht selbst verraten.
Du hast das gleiche Bedürfnis wie er (es dir gegenüber hat), ihm auch gut zu tun, Gutes zu tun, für ihn "gut zu sein" – ihm also zu geben.
 
Dass all dies nicht immer und nicht einfach gelingt, sich in der Lebenspraxis, im Alltag oft sogar und immer wieder sehr schwierig angeht, steht außer Frage.
 
Worum es aber geht, ist die gute, d.h. wohlmeinende, zugewandte Absicht, Gesinnung und das tatkräftige, beständige Bemühen darum, diese in Praxis, in Erlebtes, zu Erlebendes, Erfahrbares umzusetzen: gemeinsam Erlebtes, Erfahrenes.
 
Ein Freund kann dir verzeihenwill es also auch.
 
Ein Freund gibt dich nicht auf – ganz gleich, wie schwer die Stunden für dich und für ihn mit dir (deinem Leid …) sind.
Aus einem einzigen Grund: Er kann es nicht.
Er würde sich sonst selbst verraten, verlieren … .
 
Ja. In diesem Text geht es "eigentlich" um Liebe.
Und Liebe blickt immer auf das Du.
Nicht etwa aus einem moralischen Anspruch, sondern einem natürlichen, emotionalen Impuls heraus.
Man nennt es auch Mitgefühl.
Ganz gleich, ob es sich bei dem Du um einen Beziehungspartner, ein Familienmitglied (Eltern, Geschwister, Kinder …) oder um einen "platonischen" Freund handelt.
 
Es gibt keine "unterschiedlichen Arten von Liebe". – Man liebt oder man liebt nicht.
 
Man verhält sich den verschiedenen Menschen gegenüber jedoch deshalb unterschiedlich, weil diese Menschen selbst "verschieden" sind, d.h.  unterschiedliche, je spezifische Individuen, Persönlichkeiten – und damit unterschiedliche Aspekte deines eigenen Selbst, in dir, deiner Persönlichkeit, deinem Denken und Fühlen ansprechen.
Und weil du infolgedessen unterschiedliche Beziehungen, Verbindungen, Umgangsweisen zu und mit ihnen hast, lebst.
 
Und die Basis von Liebe ist immer auch Freundschaft, siehe, wie oben dargelegt.
 
Ein Mensch, der dich liebt, ist ein Mensch, der dir Gutes will und Gutes tut, der dir guttut – auch dann, wenn dies für dich nicht immer oder unmittelbar/zeitnah offensichtlich, erkennbar ist … .
 
Dies sollte jedoch bitte nicht missverstanden werden:
Permanente Harmonie ist nicht Liebe.
 
Zum Lieben gehört es, dass es aufgrund der Verschiedenheit der Menschen - da wir unterschiedliche Bedürfnisse, Wünsche, Befindlichkeiten, Ziele etc. zu unterschiedlichen Zeiten haben, außerdem verschiedene Persönlichkeiten (geworden) und unterschiedlichen Prägungen, Erfahrungen etc. unterlegen sind - Differenzen, Reibung, Konflikte und auch Krisen gibt, die es allerdings durchzustehen, miteinander zu bewältigen gilt. Eben hierin besteht die Herausforderung.
 
Denn Lieben ist eine Aktivität, ein Tun. Kein passiv zu "genießender" (Behaglichkeits-) Zustand – schon gar nicht dauerhaft.
 
Wenn du den geliebten Menschen entbehren musst, verlierst (wodurch auch immer), bereitet dir dies Schmerz, Leid.
Und wenn du nicht geliebt wirst, bereitet dir dies Schmerz, Leid.
Der Weg aus dem Schmerz, hin zur Liebe, ist Güte.
Freundschaft. Durch Mitgefühl.
 
Liebe, ist etwas, das sich mehrt, wenn man es gibt und nicht weniger wird, indem man es/sie teilt, schenkt. Man kann mehr als einen Menschen, mehrere Menschen "gleichzeitig" lieben.
Und  man sollte es auch.
 
Denn man liebt z.B. vielleicht seine Eltern und eigene Kinder und mehrere Freunde und Beziehungspartner – und nicht: einen nach dem anderen oder einen nicht, weil man den anderen (vermeintlich) "liebt" … .
Leider ist genau diese Einstellung, Überzeugung jedoch die heute noch immer verbreitete – mit entsprechenden Folgen. Die Geschichte, die Kunst (Literatur, Musik, Film …) sind voll davon.
 
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ursprünglich verfasst am 22. September 2014
 
 

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