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Sabeth schreibt

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arte - Mit Gift und Genen ... Monsanto: Agent Orange, Roundup (Glyphosat), PCB, Süßstoff Aspartam, GVO ...

"[...] Vielleicht ist aber auch Edgar Monsanto Queeny schuld, der Sohn von Olga Mendez und John Francis? Er übernimmt 1928 die Geschäfte, unter seiner Leitung steigt Monsanto Anfang der 1940er Jahre in die Produktion des Weichmachers PCB und des Insektizides DDT ein – kriegsbedingt, im Zuge eines US-Regierungsprogramms. Später wird sich herausstellen, dass solche Monsanto-Produkte das Nervensystem angreifen, Krebs erzeugen, die Leber schädigen, unfruchtbar machen. PCB und DDT gehören zur Gruppe „Dreckigen Dutzends“. Heute sind die Stoffe alle verboten. Allerdings erst seit Februar 2004, seitdem das Stockholmer Abkommen in Kraft ist: Der internationale Umweltvertrag verbietet die Herstellung der langlebigen Umweltgifte.
 
Natürlich haben die Monsanto-Leute sofort nach Bekanntwerden erster Anzeichen von Gefahren für Leib und Umwelt ihre Produktion eingestellt, bei DDT schon 1962, bei PCB 1977. Das Plädoyer der Verteidigung lautet deshalb: „Unschuldig!“ Zwar ist die Welt bis heute mit dem Dreckigen Dutzend verseucht. Aber Edgar Monsanto Queeny oder seine Nachfolger konnten damals doch nicht ahnen, dass Monsanto die Welt vergiftet. Und schließlich: 180 der 1993 UNO-Mitglieder haben das Stockholmer Abkommen bislang unterzeichnet, die USA gehören aber nicht dazu. [...]
 
Anderswo verdient man dagegen viel Geld mit der Vernichtung von Grün: Der Vietcong will sich im Vietnamkrieg einfach nicht geschlagen geben. Trotz massiver Überlegenheit vor allem in der Luft gelingt es der US-Armee nicht, die Nachschubrouten der Guerillabewegung zu unterbinden. Auch hier schafft Monsanto Abhilfe: Das Herbizid 2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin wird als Agent Orange in die Geschichtsbücher eingehen, weil die Fässer, in denen es gelagert wird, orange angestrichen sind. Es ist in der Lage, binnen kürzester Zeit ganze Landstriche zu entlauben.
 
Nachfrage der Anklage: „Und Monsanto ist nicht der Gedanke gekommen, dass das, was Regenwälder tötet, auch Auswirkungen auf die Lebewesen – also auch die Menschen – auf dem Boden hatte?“
„Ob in dem Wasser, das du getrunken hast, das Zeug vom Himmel schwamm, war dir doch da draußen egal“, erzählt der US-Soldat Michael Landesman 1991 dem Spiegel. „So egal wie die Frage, ob der Vietnamese, den du umgelegt hast, wirklich ein Vietcong war.“ 200.000 Agent-Orange-Opfer sind mittlerweile bei der US-Veteranenbehörde registriert und ordnungsgemäß entschädigt. Allerdings haben das viele Veteranen nicht mehr erlebt, die juristischen Auseinandersetzungen waren zäh, ihre Krankheiten schneller. Die Anwälte von Monsanto und Co. argumentierten, der Einsatz von Agent Orange sei „unmittelbar im Weißen Haus“ beschlossen worden.
 
Bis zum Ende seines Einsatzes 1970 werden annähernd 76 Millionen Liter Agent Orange und verwandte Pflanzengifte versprüht. Manchmal werden dabei ganze Ladungen auf einmal abgeworfen, weshalb es bis heute in Vietnam und Laos „Hotspots“ gibt – extrem vergiftete Gegenden. Und vietnamesische Opfer haben keinen Anspruch auf Entschädigung. Das entschied ein US-Gericht 2005 zu einer Sammelklage. Es urteilte: Der Agent-Orange-Einsatz sei „keine chemische Kriegsführung“ gewesen, weshalb kein Verstoß gegen internationales Recht erkennbar sei. [...]
 
Monsanto wird jetzt deutsch. Bayer hat 59 Milliarden Euro geboten, die höchste Summe, die je ein deutscher Konzern zur Übernahme eines Konkurrenten ausgelobt hat. Und die Nachfahren von Olga Mendez Monsanto haben akzeptiert: Alle genannten Aktenzeichen sollen deutsche Angelegenheit werden. Sowie alle in diesem Dossier ungenannten Aktenzeichen. Etwa der Skandal um die gentechnisch veränderte Baumwollsorte Bollgard in Indonesien, Monsanto hatte offenbar mehr als 100 Beamte bestochen, damit die Umweltverträglichkeitsprüfung positiv ausfiel. Oder der Skandal um das Herbizid Lasso: Nachweislich wusste Monsanto seit 1985, dass es gesundheitsschädlich ist, und hat es trotzdem etwa in Frankreich erst 2007 vom Markt genommen.
 
„Monsanto hat vor allem in Deutschland ein schlechtes Image“, gibt Bayer-Manager Liam Condon zu, Leiter der Agrarsparte Crop Science. In einem Interview mit der taz betonte er aber: „Agent Orange und PCB sind ältere Themen aus der Vergangenheit von Monsanto als Chemiekonzern. Heute ist Monsanto ein innovatives Biotechunternehmen mit dem absoluten Schwerpunkt auf Saatgut.“
 
Die 59 Milliarden Euro könnten trotz der Negativ-PR gut angelegtes Geld sein. Zumindest, wenn es stimmt, dass CRISPR/Cas9 die Zukunft der Menschheit ist. Bei dieser neuen Gentechnikmethode wird das Erbgut von einem Protein zerschnitten. Im Anschluss bauen zelleigene Reparatursysteme die DNA wieder zusammen – nach Vorlage der Wissenschaft. Auf diese Art können Bauteile nach Wunsch abgeschaltet, umfunktioniert, neu geschaffen werden. Bayer hat die Entwicklung jahrelang vernachlässigt. Condon sagt: „Wir sehen CRISPR/Cas-Pflanzen nicht als gentechnisch veränderte Organismen, wenn dadurch keine fremden Gene eingebracht werden.“
 
Eine neue Gentechnik, die gar keine ist? Der Durchbruch im Kampf gegen Pflanzenschädlinge, Hunger, Klimawandel? Kritiker verweisen darauf, dass die Risiken von CRISPR überhaupt nicht erforscht sind. Oder anders formuliert: Hier entsteht ein neues Aktenzeichen von Monsanto. Nur dass es nicht mehr unter „Monsanto“ läuft – sondern jetzt unter „Bayer“."
 
Quelle des Zitierten: der Freitag - "Die Akte Monsanto"
 

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